87) Corona-Lektionen 9

Die zweite Family-Home-Office ist überstanden. Wir richten uns darauf ein, dass sich daran in den nächsten Wochen wenig ändern wird. War das Wetter gestern noch mega, ist es heute kalt und lausig. Zeit für ein paar Gedanken auf‘m Blog.

Absagen: Neben Arbeit, Schule und Familien-Alltag beschäftigen wir uns mit der Umplanung von Reisen, Ausflügen und Events, die eigentlich für die nächsten Monate geplant und gebucht sind. Allen Deutschen wird klar, dass diese Lichtblicke auf der Kippe stehen bzw. abgesagt oder verschoben werden. Konfirmation, Jugendweihe, Hochzeit, Großer Geburtstag der Omma, Sommer-Urlaub? Fraglich. Schlechte Nachrichten müssen übermittelt werden, Nachrichten die enttäuschen und für Frust sorgen. Aber so ist das jetzt nun mal und Klarheit ist mir lieber als die stete Ungewissheit.

Stille: Die Stadt ist leiser geworden. Weniger Autos, Trams und Busse, kein Kommen und Gehen vor den Schulen, gesperrte Spielplätze, keine Triller-Pfeife die vom Fußballplatz zu hören ist. Am Wochenende waren wir im Süd-Osten von Berlin. Da wo sonst Flugzeuge ihre Runden drehen, herrschte Stille. Nur ein Flugzeug habe ich wahrgenommen. In fünf Stunden. Auch bei meiner Textil-Reinigung. Stille. Fünf Kunden in der ganzen Woche. Nicht gut.

Abstand: Wir alle lernen nun das „Abstandhalten“. Ich laufe/jogge immer äußerst rechts, in der Annahme, dass andere Menschen das auf ihrer Seite auch so tun. Tun sie aber nicht. So manch Egoist glaubt, die damit geschaffene Gasse sei nur für ihn freigehalten. Manch lauffauler Jogger (ist das nicht schon ein Widerspruch in sich?), wählt die kürzeste Strecke und kommt mir gefährlich nahe. Beim Heranfahren an die Rote Ampel fiel mir gestern auf, dass ich überviel Abstand zum Vordermann ließ. Gut für die Verkehrssicherheit, aber auch schon der erste leichte Dachschaden vermutlich.

Handy-Ortung: In der Presse nehme ich immer mehr Diskussionen zur Handy-Ortung im Corona-Zusammenhang war und meine inneren Alarm-Glocken beginnen zu Leuten. Ein Szenario spricht von freiwilligem Download einer App, wenn man positiv auf den neuen Corona-Virus getestet wurde, um andere Menschen auf Abstand zu bringen. Krassere Szenarien drehen sich um das gezielte Aufspüren von Menschen in „unerlaubten“ Gruppenkonstellationen und von verdächtigen Gängen zur Apotheke. Bei all dem Verständnis für das Bestreben, die Kurve flach zu halten, sträubt sich mein Inneres dagegen und ich fühle starken Widerstand. Das gab es bislang nur in Science Fiction Romanen oder in der Realität östlicher Weltmächte. Siehe Stichwort „Freiheit“ im vorigen Beitrag.

Schöne Woche!

T.

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85) Corona-Lektionen 7

Seit gestern Abend ist es nun amtlich. Kontakt-Verbote für Gruppen größer zwei Personen. Harter Einschnitt, aber immerhin haben wir nun Klarheit, was wiederum hoffentlich für mehr Ruhe sorgt. In Mexico verbietet man gerade Veranstaltungen über 50 und das Küsschen zur Begrüßung.

Ich bin froh, dass wir immerhin noch hinaus gehen dürfen. Und das führt mich bereits zu Punkt 1 der heutigen Corona-Lektionen.

Freiheit: Das Wort Freiheit sagt und singt sich so leicht daher. Manch einer denkt an die Freiheit der Gedanken, ein anderer an einen Ausritt durch die Rocky Mountains. Mit der Corona-Krise haben nun alle Deutschen die Gelegenheit zu spüren, was es heißt, wenn Bewegung und Versammlung mehr und mehr eingeschränkt werden und die Medien von einem zentralen Thema beherrscht werden. Das Gefühl, dass jeden Tag ein „Recht“ abhanden kommt, kann mir schon den Kragen eng werden lassen. Ich weiß, es ist nötig, es muss sein fürs „Große und Ganze“, aber ähnliche Dinge passierten in niedergegangen Systemen und sind in so manchen Autokratien an der Tagesordnung.

Zeitgefühl: Das Gefühl für Zeit hat sich verändert würde ich sagen. Die letzten Wochen … (oder waren es nicht eigentlich eher wenige Tage … ?) fühlen sich sehr „lang“ an. Scrolle ich im Kalender rückwärts, sehe ich aber, dass ich Ende Februar noch in Bukarest war und am 10./11.03. in München. Mit dem Flugzeug! Am 13.03. wurde die Schul-Schließung verkündet und trat dann am 16.03. in Kraft. Das war gerade mal vor sieben Tagen. In den letzten, nicht einmal vier Wochen haben Hamster gelernt, Klo-Papier zu benutzen und backen nun ihr eigenen Brot. Jeden Tag wurden neue Maßnahmen verkündet, Absagen und Schließungen. Nicht umsonst fühlt man sich wie im Film dieser Tage. In mehreren Filmen. Wie beim Zappen.

Richtig/Falsch: Und auch im Alltag gibt es neue interessante Wendungen. War Deutschland bislang eine Kartenzahlungs-Wüste, akzeptieren manche Läden nun nur noch die Plastik-Karte. Die Türen der Tram gehen nun endlich alle von allein auf, ohne den Knopf drücken zu müssen. Habe ich sonst auf die Kids eingeredet, sie sollen wegen dem Hundedreck nicht zu dicht an der Häuserwand laufen, halten die mich für bekloppt, weil ich sie nun um genau das bitte. 😉

Verrückte Zeit.

Grüße aus Berlin!

T.

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12) SmartVid-20 – Teil 1

Irgendwann im Jahr 2022, wird man beim Aufräumen vielleicht auf diesen Zeitungsartikel stoßen. Er wird die Welt verändert haben.

Berliner Allgemeine Zeitung 20. März 2021:

Gesundheitsministerin, Bundeskanzler und die Top-Virologen des Landes, laden zur Pressekonferenz ins Headquarter der Bundesregierung auf Hiddensee ein.

Hauptthema sei die immer noch anhaltenden Pandemie Covid-19 und neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Vorabberichte ließen verlauten, dass einem Team aus hochkarätigen Wissenschaftlern der Durchbruch bei der Ursachenforschung gelungen sei. Erste Auszüge der wissenschaftlichen Arbeit liegen nun vor. Demnach hat das Covid-19 Virus schon kurz nach seiner Entdeckung 2019 einen Ableger gebildet, der sich bevorzugt in Baukomponenten von Smart Phones und Tablets einnistet.  Insbesondere Home Button, Lautsprecher und das integrierte Mikrofon sind ideale Nist- und Vermehrungsplätze für diesen Virus. Dadurch sei auch zu erklären, warum selbst durch massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit bislang keine nennenswerten Erfolge erzielt werden konnten. Die Menschen hielten in diesen schwierigen Zeiten ständig ihr Smart Phone in der Hand, machten Selfies, Video-Calls mit den Eltern und bezahlten damit an den Kassen der Super-Märkte. Mit dieser Erkenntnis erwartet man nun weitere drastische Einschränkungen. Da ein normale Reinigung der Geräte nicht ausreicht, werden die Bürger gebeten, ihre Smart Phones unverzüglich zu sichern (nur über WiFi, nicht per Kabel) und zur jeweiligen zentralen Sammelstelle der Gemeinde zu schicken (nicht bringen!). Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih signalisierten bereits volle Unterstützung bei der Idee, die Smart Phones per Fernsteuerung in Brand zu setzen und somit dem Virus konsequent an den Kragen zu gehen. Die Technologie gäbe es seit 2016 und war damals versehentlich an die Öffentlichkeit geraten. Nachdem einzelne Geräte in Brand gerieten, wurde dieses Feature damals als technischer Defekt kommuniziert. Damit erreicht die Krise wohl eine weitere Verschärfung. Haben sich die Deutschen in den vergangenen Monaten damit abgefunden, in der Wohnung zu bleiben, selten das Haus zu verlassen und nicht mehr in die Schule zu gehen, werden sie nun vor die vermutlich härteste Probe gestellt. Bis zur Entwicklung eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips nach G5-Standard, wird das liebgewonnene „Daddeln“ wohl auf längere Zeit unmöglich sein.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 20.03.2021

 

Klarstellung des Verfassers, heute am 20.03.2020:

Der oben formulierte Zeitungsartikel ist frei erfunden, er entbehrt jeder virologischen, technischen, politischen Grundlage. Ich habe die Handlung in die Zukunft verlagert, die mir genauso unbekannt ist, wie allen anderen Menschen auch. Diese fiktive Kurzgeschichte soll uns Handy-Nutzer zu Gedanken-Spielen einladen, wie es denn wäre, wenn es auf einmal keine Smart Devices mehr gäbe und auch daran erinnern, vielleicht doch ab und zu mal über unsere Handys zu Wischen. Nicht nur mit dem Daumen, sondern mit einem Reinigungstuch 😉

Ende der Klarstellung