230) Ruf nach Freiheit – Teil 2

In meinem Beitrag > Ruf nach Freiheit, habe ich Beobachtungen entlang der Freiheits-Demo-Schnitzeljagd vom 29.08.2021 notiert. Der Beitrag endete etwas ratlos, mit vielen Fragezeichen. Also habe ich weiter drüber nachgedacht und mit anderen diskutiert.
Spoiler: Es gibt noch mehr Fragezeichen.

Also wer sind sie, was könnte sie antreiben, was ihr Motiv sein?

  • Leben sie vielleicht sonst in einer Kuschelweich-Comfort-Zone und müssen nun zum ersten Mal unangenehme Einschränkungen erleben? Sind sie deshalb so verunsichert und schreien „Diktatur“, wenn es darum geht ein Stück Zellulose vor der Futter-Luke zu tragen und eine Zeit lang mehr Spielregeln zu folgen als sonst?
  • Oder geht es ihnen wirklich so dreckig? Haben sie in den letzten Monaten erhebliche Nachteile erlitten? Wirtschaftlich, gesundheitlich, vielleicht jemanden verloren, der ihnen nahe stand? Haben daraus einen Frust gegenüber der Regierung aufgebaut und wollen diesem nun lautstark Luft machen?
  • Haben sie selbst schon einmal ein diktatorisches System erlebt und wissen noch gut, wie das war? Halten sie sich dadurch für qualifiziert zu erkennen, dass wir angeblich schon wieder auf dem Weg in eine „Diktatur“ sind? Spüren sie einen Erfahrungsvorteil und meinen daher ganz besonders zu wissen, worüber sie reden?
  • Eventuell sind es aber auch Charaktere, die von Geburt an echte Freigeister waren, die es schon immer schwer hatten, sich in Regelwerke einzufügen? Aber wie stellen sie sich das vor, wenn hier jeder maximale Freiheit anstrebt? Oder würden sie dann „ganz unter sich“, ein neues gemeinsames Verständnis von Freiheit aushandeln? Und wären sie dann eigentlich wirklich „frei“?
  • Oder sind es Köpfe, die mit all ihrer Freiheit überfordert sind? Das Leben in Freiheit ist ja auch anstrengend. Es gibt so viele Entscheidungen, man muss sie für sich treffen und kann im Nachgang niemanden dafür verantwortlich machen. Aber wenn sie da nun „Freiheit“ fordern und irgendwelchen Rattenfängern folgen, wünschen sie vielleicht insgeheim jemanden, der ihnen diese Entscheidungen, also die Freiheit, wieder abnimmt?
  • Möglicherweise fühlen sie sich auch von Komplexität überrollt? Die Dinge um uns herum werden immer komplizierter und das kann intellektuell überfordern. Zusammenhänge zu verstehen oder sogar noch anderen zu erklären, ist echt nicht ohne. Suchen sie vielleicht einfachere Antworten? Ist es da leichter, aus Fakten Fake zu machen und andere zu überzeugen, dahinter steckten elitäre Strippenzieher, die uns allen etwas vormachen? Aber sie können das nicht nachweisen, denn dazu bräuchten sie wiederum Fakten, die sie weder haben noch akzeptieren. Also bleibt dann doch nur, auf den Staat zu schimpfen und laut nach „Freiheit“ zu rufen?

Und damit sind wir schon wieder beim Anfang des Beitrags.

<— Ruf nach Freiheit – Teil 1

225) Ruf nach Freiheit – Teil 1

Seit dem frühen Mittag kreisen Hubschrauber über unseren Dächern. Die Demonstrationen waren zwar nicht genehmigt, aber die „Gegen-Einfach-Alles-Gegner“ haben sich heute wieder unseren Stadtbezirk als Tummelplatz ausgesucht. Es ist ja auch ganz nett hier.

Hier spielen sie nun „Katz und Maus“, „Räuber und Gendarm“ oder „Freiheit und Diktatur“. Um die Mittagszeit war ich ca. 1 1/2 Stunden zu Fuß in meiner Hood unterwegs, um mir mal ein Bild von der Situation zu machen. 

Was ich beobachtet habe:

  1. An mehreren Stellen tauchten auf einmal Gruppen von Menschen auf. PopUp-Demonstranten sozusagen. Wenige Fahnen, Schilder oder Transparente, dafür viele Rücksäcke. Sie sahen aus wie Touristen, wie auf Wandertag, nicht von hier. Sie wirkten auf mich auch nicht wie not-leidende Kleinunternehmer, die am Rande ihrer Existenz ihrem Ärger Luft machen wollten.
  2. Sie folgten keiner festgelegten Strecke, sondern liefen im Zickzack-Kurs durch den Kiez, durch Grünanlagen, über Seitenstraßen, Höfe und Tram-Gleise.
  3. Diese Leute blockierten Kreuzungen, liefen in den laufenden Verkehr und zwangen somit die Autos zum Halt.
  4. Die Polizei begleitete die Demo nicht wie üblich vorn und hinten (wie denn auch … es gab ja gar keine klare Wegführung), stattdessen eilten sie mit Blaulicht hinterher und versuchten den Mob irgendwie zu lenken.
  5. Im erweiterten Radius habe ich Radfahrer, E-Roller-Fahrer gesehen, die die Lage auskundschafteten und per Handy an die Demonstranten weitergaben, wo es denn „freie“ Räume gab, die für sie zugänglich waren.

Aber ich will denen hier nicht soviel Aufmerksamkeit geben, außerdem könnt ihr das auch woanders mit mehr Fakten nachlesen.

Aber ich tue mich grundsätzlich schwer damit.

Die Stadt Berlin geht mit Demonstrationen wirklich sehr offen um. Jeder kann hier seinen Willen kundtun. Einfach Demo anmelden, Genehmigung abwarten, Strecke und Regeln folgen und unter Polizeischutz sein Meinung kundtun. Quasi, ein Paradies für Frischluft-und Demo-Fans. Wo gibt es schon so etwas? Nur diese Meute dort brüllt laut nach „Freiheit“ und „Grundrechten“ und meint, dass alleine reiche schon aus, um Polizei und Anwohner mit ihrer asymmetrischen Demo-Führung den ganzen Sonntag zu beschäftigen.

Was tun?

Die Demo war nicht genehmigt, also die Teilnehmer einfach auseinandertreiben? Wasserwerfer, Platzverweise, Ordnungsstrafen? Das wäre rein rechtlich vermutlich sogar gerechtfertigt, aber politisch schwer vorstellbar, denn das würde ihnen nur noch mehr Rückenwind geben. Sie würden noch lauter „Diktatur“ brüllen, obwohl sie sich nicht ans freiheitliche Prozedere gehalten haben.

Soll man sie einfach machen lassen? Diesen wenigen tausend Menschen einfach mal die Tür zum Bällebad öffnen. Ein paar Stunden austoben in der Hauptstadt, bevor es dann morgen wieder zurück geht in die öde Reihenhaussiedlung? Auch schwierig, denn dann macht hier bald jeder was er will und die Stadt wird zum Demo-Adventure-Land

Ich habe keine Antwort. Und noch viel weniger Verständnis. Denn da, wo ich großgeworden bin, gab es keine Demonstrationen, bei denen man laut über die Straße rufen konnte, was einen stört oder was künftig anders werden soll. Denn dann fand man sich ruckzuck in einem Gefängnis wieder und die ganze Familie hatte auf Jahre etwas davon. Und auch heute, müssen wir gar nicht lange suchen und wir werden Länder finden, wo das an der Tagesordnung ist.

Ich kenne keinen dieser Menschen, die da durch die Straßen kreuzen, kann also auch nur aus der Distanz urteilen. Vielleicht tue ich auch Unrecht und ziehe hier die Schublade der Polarisierung noch weiter auf, wenn ich behaupte: Das scheint mir ein Haufen verwöhnter Mitmenschen zu sein, die sonst nicht viel zu melden haben und nun endlich mal die Klappe aufkriegen. Tut mir leid, anders kann ich es mir nicht erklären. Konstruktive Gegenargumente könnt ihr gern in den Kommentaren absetzen.

Nun ist 18:00 Uhr, es beginnt wieder zu regnen, es wird ungemütlich. Die Hubschrauber, sie stehen nicht mehr am Himmel, sie drehen größere Kreise. „Sehr geehrte Gäste, das Gaga-Land schließt in wenigen Minuten“. Und die Schreihälse? Vermutlich sind die auf dem Heimweg … ab auf die heimische Telegram-Couch. Morgen ist wieder Alltag …

—>Ruf nach Freiheit – Teil 2

219) Corona-Lektionen 94

Am Montag soll in Berlin die Schule wieder starten. In voller Klassenstärke, maskiert, getestet und intensiv belüftet. Mit jedem Wort dieser Einleitung werfen sich Falten auf meiner Stirn auf. Hoffentlich geht das gut.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Kino
Ja, wir haben es mal wieder gewagt. Wir waren in einem Lichtspieltheater! Ihr wisst, so eine Einrichtung, wo man gegen Entgelt bewegliche Bilder auf einer Leinwand dargeboten bekommt. Inclusive erhitzen Maiskörnern, dunkler Brause aus Übersee und Tex-Mex-Tortilla-Chips mit warmer Käse-Sauce und grünen Chilli-Schoten. Eine nette Abwechslung, allerdings sollte man für das Eintritts-Procedere immer einen Pandemie-Zweit-Akku dabeihaben. Noch an der Tür wurde der digitale Impfpass kontrolliert, dann galt es bei Luca einzuchecken und natürlich die Tickets auf dem Handy vorzuzeigen. Mit FFP2 Kaffee-Filter vor dem Gesicht, die Hände voller Snacks, Getränke und Corona-Apps arbeiteten wir uns zu unseren Plätzen vor. Die Plätze wurden nur paarweise vergeben, unsere Brut also 5 Meter von uns entfernt platziert. „Der, der da so laut lacht und mit der Chips-Tüte raschelt??? Keine Ahnung, nee, der gehört nich’s zu uns, da müssen sie mal jemand anders fragen“ 😉

Demonstrationen
In den letzten Tagen wurde wieder gegen die Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert in Berlin. Beobachter sprechen davon, dass das nicht mehr die heterogene Menge war, wie letztes Jahr, sondern ein verbitterter, gewaltbereiter Kern, der aus dem halben Bundesgebiet herangekarrt wurde. Zum einen ein bisschen beruhigend weil es so wenige waren, zum Anderen aber verstörend, weil diese Typen unberechenbar sind. Die Demo war verboten. Ich muss zurückdenken, als die ersten Demos genau vor einem Jahr in Berlin stattfanden. Bei einer Demo war ich ja selber als Beobachter dort und habe mir mal ein Bild gemacht

Rückblick August 2020:

Corona-Lektionen 37
Corona-Lektionen 39
Corona-Lektionen 40
Corona-Lektionen 41
Corona-Lektionen 42

Impfen
Das Impfen erhitzt die Gemüter, ganz besonders, die Diskussionen, ob geimpfte Menschen eher weitere Vorteile oder nichtgeimpfte Bürger eher Nachteile bekommen. Nichtgeimpfte Menschen von Restaurants und Veranstaltungen auszuschließen finde ich affig. Ich bin dafür, dass die Tests für Erwachsene irgendwann kostenpflichtig werden, dann wird sich das der Ein oder Andere noch mal überlegen, wenn man vor dem Kneipen-Besuch erst einmal 30 EUR für zwei Tests hinlatzen muss…

Die beste Nachricht der Woche erreichte mich Mitte der Woche:  Astrazeneca-Bestände werden an die internationale COVAX-Initiative abgegeben.

Das war auch längst überfällig! 

Schönen Sonntag!

<—Corona-Lektionen 93

–> Corona-Lektionen 95

 

 

209) Corona-Lektionen 89

Die Radtour fällt buchstäblich ins Wasser, aber das verschafft mir etwas Zeit für einen weiteren Beitrag über das blöde Virus und was es so mit uns macht.

Ein paar Gedanken der letzten Tage

Freiheiten
Eine Einschränkung fällt nach der anderen. Kaum ist eine Lockerung zu mir durchgedrungen, überlege ich, was ich damit nun anstelle. Aber da ist die Information schon wieder veraltet und es geht schon wieder etwas mehr. Ich find es echt krass, wie sehr wir in 7 Monaten gelernt haben zu verzichten und bin mit den neuen Freiheiten auch leicht überfordert. Aber Stück für Stück entdecken wir sie zurück. Zum Beispiel letzten Dienstag mit Freunden beim Griechen. Es gab Wein, Gyros und Tsatsiki in ordentlichen Mengen. Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an und ich hatte das Gefühl, das nun besonders genießen zu müssen, denn wer weiß was im Herbst wieder auf uns wartet.

3G
Auch wenn wir sonst gern über das mobile Netz in Deutschland schimpfen und uns bereits auf 5G freuen, scheint 3G dieser Tage völlig ausreichend. Getestet, Geimpft oder Genesen. Aber selbst das ist gar nicht mehr unbedingt notwendig. Ich wollte heute endlich mal wieder in den Baumarkt (letztes Mal Mitte November !), checkte aber vorher noch mal die Regeln dort. „Dieser Markt hat ohne Test und Einkaufstermin für alle Kunden geöffnet. Wir freuen uns auf ihren Besuch.“, stand auf der Homepage. Und Tatsache, die Türen standen offen, die Gänge waren luftig leer und die Abteilungen waren noch an ihren alten Plätzen. So wie „damals“ in 2020. Zum Glück haben sie während des Lockdowns nicht noch umgeräumt, dann wäre ich völlig verloren gewesen.

Events
Auch Veranstaltungen scheinen wieder möglich. Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber als gestern die Italiener im Stadion ihre Nationalhymne schmetterten, stand mir PiPi in den Augen.

Stringiamoci a coorte,
Siam pronti alla morte,
Siam pronti alla morte,
L’Italia chiamò

Puhhh, was für Zeilen. Die geballte Kraft der Stimme, die vielen Menschen im Stadion und aber natürlich auch das Wissen, wie der blödes Virus dort gewütet hat. 

PS: Vor einem Jahr habe ich >Corona-Lektionen 32 zum Thema „New Normal“ geschrieben. Passt bestens in die aktuelle Zeit.

Also, genießt die Möglichkeiten, aber übertreibt‘s nicht gleich wieder!

<— Corona-Lektionen 88

—> Corona-Lektionen 90

208) Corona-Lektionen 88

Ich habe meine 64. oder 65. Höhlen-Office-Woche abgeschlossen. Genau kann ich es gar nicht sagen, ich habe auch keine Lust die Wochen noch einmal genau abzuzählen. Is’ ja eigentlich auch Wurst. Im besten Falle gegrillt, denn das Wetter ist bombig.

Mathe:
In den letzten Monaten haben wir alle ungewollt Auffrischung in Mathe bekommen. Entweder weil wir unserer Brut die Bruchrechnung, Flächen und-Volumenberechnung erklärt haben oder selber endlich das exponentielle Wachstum verstanden haben. Kaum gibt’s mal ein Beispiel aus der Praxis, schon geht’s doch. Aktuell erleben wir das Gegenteil von exponentiellem Wachstum. Wie nennt sich das eigentlich? Exponentielle Schrumpfung? Meine Güte, is’ ja ekelhaft. Das klingt ja wie eine Krankheit. Guten Tag Herr Doktor, ich glaube ich habe exponentielle Schrumpfung. „Na, dann machen Sie sich mal frei.“

Kurve:
Die Kurve wird nicht nur allmählich „flat“, nein sie fällt deutlich und man kann es kaum glauben. Wäre es der DAX stünden wir vor dem Herzinfarkt, wäre es der eigene Puls, erschiene ein helles Licht und ein Notarzt würde „Bitte treten Sie zurück“ rufen. Was gibt’s sonst noch so für Kurven, deren Fallen uns Deutsche so verzücken? Arbeitslosenzahlen? Bratwurstpreise? Überstunden? Bierpreise? Mieten? Super?

Freiheit:
Ungeahnte Dinge werden auf einmal möglich. Biergärten, Kneipen und sogar Hotels reissen die Dornenbüsche von den Toren und gewähren dem Volk mit Begehr testfreien Einlass. Am Himmel sehe ich mehrere Kondensstreifen kreuz und quer gezogen. Sind das Eingewöhnungsflüge der Piloten oder fliegen Menschen schon wieder durch die Gegend? Aus München erreichen mich Bilder vom überfüllten Marienplatz, die Menschen alle oben ohne. Und was mache ich nun mit dieser Freiheit? Was essen gehen? Ein bisschen shoppen? Nach einem halben Jahr mal wieder in den Baumarkt fahren?

Ich bin völlig überfordert!

Bei der Gelegenheit erinnere ich gern an meinen Beitrag > Postpandemische Belastungsstörung am 14. Juni 2020 geschrieben, aus der Sicht von heute. Lesen! Is’ jut.

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 87

–> Corona-Lektionen 89

196) Corona-Lektionen 82

Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter mir, ich hatte nur wenig Zeit den Corona-News zu folgen. Ein paar Nachrichten am Abend und Talkshow-Fetzen, mehr war nicht drin. Trotzdem (oder vielleicht genau deshalb) habe ich das Gefühl, dass sich die Ereignisse überschlagen oder täuscht das?

  • Zu Wochenbeginn saß ich noch bei Plasberg und ertrug die ermüdenden Erläuterungen der Bundesbildungsministerin. „Wir haben schon zu Beginn der Pandemie gesagt, dass …“, „Luftfilter einbauen geht nicht weil …“, „da gibt es Vorschriften hier“ und „Standards da“. Ein sehr sympathischer Soziologe konterte sehr charmant und ungefähr „Ja wenn wir mal all die Vorschriften und Standards ernst nehmen würden, dann hätten die Kids auch funktionierende Toiletten und die Fenster wären dicht“. Herrlich! 
  • Das war ungefähr der Zeitpunkt, als ich die Doku-Reihe „plan b“ entdeckte. Positive, konstruktive Entwicklungen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Technik. Das tut mal richtig gut. Kein rückwärtsgewandtes Genöle, sondern ein Blick nach vorn. Kann ich nur empfehlen.
  • Zur Mitte der Woche ging es dann Schlag auf Schlag. Wiederkehrende Freiheiten für „Geimpfte und Genesende“, ja sogar Reisen im Sommer soll möglich sein. Die Haustechniker in den Hotels überlegen bereits krampfhaft, wo eigentlich die Hauptsicherung für den Strom und das Absperrventil für die Wasserversorgung zu finden sind. Und dann ging es so weiter. Impfungen von Kindern über 12 Jahre in Canada, Diskussionen um die Aussetzung von Patentrechten für Impfstoffe, Impfung der deutschen Kinder noch in den Ferien, hört hört!
  • Und nun zum Ende der Woche geht das so weiter. Die Impfreihenfolge für AstraZeneca ist ausgesetzt, es gibt einen Sonder-Etat für Kinder und Jugendliche und man diskutiert nun wieder ein Wort, was längere Zeit nicht zu hören war. „Klima“. Was ist hier nur los? Lag ich 2 Monate im Koma? Wird jetzt geklotzt? Ist alles überstanden?

Vorhin war ich beim Supermarkt um die Ecke. Ein Typ steht an der Fleischtheke, seine Maske hängt auf „halb sieben“ und er blökt seine Bestellung über den Tresen. „Würden Sie bitte ihre Maske über die Nase ziehen“, fragt die Fleischfachverkäuferin“ sehr freundlich. Der Typ fängt das Diskutieren an. „Wissen `se ick halt davon ja nix …“

Es ist noch nicht vorbei … aber es geht aufwärts.
Bleibt stark!

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—> Corona-Lektionen 83

183) Corona-Lektionen 78

So, Ostern wäre nun auch geschafft. Das Wetter war grau, kalt und feucht, für Unternehmungen im Freien eher weniger geeignet. Bestimmt steckt die Regierung dahinter, oder? Die wollen uns wohl alle in den eigenen vier Wänden wissen. Das ist doch offensichtlich! Daher rufe ich nun laut „Freiheit!, Freiheit!, Freiheit!“ und „Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk!“

Tut mir leid, eigentlich wollte ich sachlicher beginnen, ich kann aber nicht anders. In den letzten Tagen stolperte ich wieder durch verschiedene Realitäten, es fühlte sich an, als hätte ich fünf Spielfilme hintereinander geschaut und weiß nun gar nicht mehr, worum es bei denen eigentlich ging.

Lockdown
Das vegane Osterlamm ist vernascht, die Flasche alkoholfreier Osterschnaps steht beim Glascontainer und das CO2-freie Osterfeuer ist auch abgebrannt. Aber ab Morgen ist Schluß mit der Völlerei! Morgen wird zurückgekehrt an den Corona-Verhandlungstisch. Harter Lockdown? Oder das bisherige Stop-and-Go auf Sicht? Oder besser doch alles öffnen bevor die Deutschland AG den Bach runtergeht? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich glaube, dieses Waschen ohne sich nass zu machen bringt’s auch nicht. Da geht der Dreck halt nicht ab. Also dann. Hinein in die Duschkabine, Hebel voll auf kalt drehen und dann Wasser Marsch!

Stuttgart
Apropos „Wasser Marsch“! Die Bilder der Demo aus Stuttgart kann ich nur schwer ertragen. Jeder soll demonstrieren, wenn ihm etwas nicht passt. Absolut ok. Und er soll klar sagen, was er stattdessen will. Vollkommen in Ordnung. Von mir aus. Aber ich kapiere nicht, was sie eigentlich wollen? Ich sehe und höre nur „Stimmt nicht“, „Lügen“, „Fake News“ und „Diktatur“. Aber das ist doch kein Argument, kein Ziel, keine Position. Stattdessen laufen zehntausend Menschen dichtgedrängt und „oben ohne“ durch die Stadt und die Polizei lässt sie gewähren. Jedes Bundesliga-Spiel ist da besser abgesichert. Wenn das Schule macht … oh oh.

Impfung
Aber vielleicht noch was „Positives“. Rund um das Impfzentrum hier in der Nähe war über die Ostertage deutlich Betrieb zu vernehmen. Kleinbusse rollten vom nahegelegenen S-Bahnhof heran, Taxen fuhren mit Licht und Warnblinker vor und setzten die „Impflinge“ am Eingang ab. Bürger mit Zettel in der Hand befragen die Ordner in ihren schicken grünen Westen. 

„Wo is’n hia dit Impfsentrum“
„Isset etwa noch sehr weit?
„Ham ´se och Biontech?

In diesem Sinne. Ärmel hoch!

PS:
Und zum Abschluss noch etwas Humor: Auf der Suche nach einem Urlaubshäuschen bemühen wir die Übersetzungsmaschine. 

Und da steht doch glatt:

„Rote amerikanische Küchenhilfe:
Wenn du unsere rote Küchenhilfe verwenden möchtest, beachte bitte, dass sie aus den USA stammt und einen Adapter benötigt – andernfalls bricht sie zusammen.“

Pahh! Wusste ich’s doch!

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155) Corona-Lektionen 57

Umso länger die Pandemie andauert und wir mit den Einschränkungen zu leben haben, umso mehr erlebe ich in Gesprächen eine gewisse Müdigkeit, Sättigung und Frustration (…  manchmal auch in mir selber …). Kein Wunder.

Schließlich haben wir die Situation nun schon seit März. Ganze neun Monate. In der Zeit kann man ein Kind auf die Welt setzen! Vermutlich erblicken in diesen Tagen die ersten Corona-Kinder das Licht der Welt. Aber darum geht‘s mir heute nicht. 

Wenn immer ich mich niedergeschlagen und Corona-müde fühle, versuche ich mir dann zu sagen: Ja, is‘ doof, aber…“

Wenn ich mir die vielen Arbeitsstunden der letzten Monate anschaue, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber wenigstens hast du viel zu tun und kannst dich tagsüber von all dem da draußen ablenken“.

Wenn mir nach 38 Wochen Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber wenigstens musst du nicht jeden Tag mit Bus oder Bahn fahren. Sei froh, dass du zu Hause arbeiten kannst“.

Wenn ich mich mal irgendwie eingesperrt fühle, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber jetzt weißt du ansatzweise, wie sich Menschen in Hausarrest fühlen. Setzen die nur einen Schritt vor die Tür, warten draußen Geheimdienst oder Polizei.

Wenn ich mich in meiner Freiheit beschränkt fühle, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber jetzt kannst du fühlen, wie es in manch autokratischen Systemen abgeht, wenn dem Volk schrittweise Recht für Recht genommen wird. Erinnere dich! Denk‘ immer dran!“

Wenn mir die Maske mal wieder auf den Sender geht, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber die Kinder müssen die Dinger den ganzen Tag im Unterricht tragen. Die haben es doch eigentlich mit am schwersten oder? Überfüllte Klassenräume, Stoff vorm Gesicht, Fenster bei 2°C geöffnet und dann noch einen Test schreiben“.

Also, probiert es mal selber aus, wann immer ihr ins Zweifeln kommt.

Sagt euch:
„Ja, is‘ doof aber …“

Schönes Wochenende und behaltet die Nerven!
T.

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152) Corona-Lektionen 55

Einleitung … Einleitung …? Nee, heute nich‘. Eher Verleitung … Fehlleitung … Irrleitung … und so. Schluss mit Wortspielen, wir steigen gleich ein.

Meinungsfreiheit
Für das Geschehen letzten Mittwoch, im Berliner Regierungsviertel und im Bundestag, fehlen mir immer noch die Worte. Da krakeelten Gegner der Anti-Corona-Maßnahmen zusammen mit Spinnern und Rechtsextremen und ließen sich dabei durch mitgebrachte Kinder vom Einsatz der polizeilichen Wasserwerfer schützen. Wie feige ist das denn! Und wer waren die überhaupt? Waren das wirklich die Leittragenden, deren Geschäft oder Existenz bedroht ist? Waren das die Kleinkünstler, Freiberufler, Kneipiers oder Kino-Betreiber, denen es aktuell wirklich nicht gut geht? Ich habe da so meine Zweifel. Vor die Kamera schafften es eigentlich nur zwei Gruppen von Teilnehmern. Die ach so „normal“ wirkenden Mitbürger, die aber nur dummes Zeug labern, dass man am liebsten abschalten würde. Und die gefährlichen Scharfmacher, die sich „geschickt“ am Vokabular dunkelster deutscher Vergangenheit bedienen und auch geschichtliche Ereignisse völlig verdrehen und für sich instrumentalisieren. Das ist so widerlich und einfach zu durchschauen. Wenn man nur hinhört. Also hört in! Auch wenn es schwerfällt.

Nachstehend ein Foto von einem Flugblatt, dass ich im Kiez gefunden habe. Ich habe eine Weile überlegt, ob ich diesem Blödsinn hier eine Bühne geben sollte oder besser nicht. Ich habe mich dafür entschieden, nicht weil ich das irgendwie gutheiße, sondern eher um vorzuführen, wie billig da Stimmung gemacht wird. Bloß gut, dass der Wisch gleich neben dem orangen Mülleimer hängt. Denn da gehört er hin.

Apropos Bühne
Ich hatte Gelegenheit, die jüngsten Auftritte von Grebe, Sträter, Böhmermann und Co. zu sehen. Schön, dass die wieder auf der Bühne sind, auch wenn ich das nur aus der Video-Tube genießen konnte. Aber bei all dem Geblöke da draußen, tun deren scharfsinnige Formulierungen und ihr intelligenter Humor echt gut. Da macht es durchaus Freude zuzuhören!

Einen schönen Sonntag!
T.

<— Corona-Lektionen 54

—> Corona-Lektionen 56

18) Smartvid-20 – Teil 3

Was soll man nur anfangen mit diesem Wochenende im September 2022? So richtig rausgehen kann man ja immer noch nicht, will man auch nicht. Und der Papierstapel ist noch nicht merklich geschrumpft. Also macht man einfach weiter.

Kaum waren also die beiden Zeitungsausschnitte vom >20. März 2021 und vom >11. April 2021 in der feuerfesten Kiste verstaut, so beschleunigt der Puls beim Lesen des dritteln Artikels noch einmal merklich.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. September 2021

IoT-Ministerium genehmigt NGM-Chips

Berlin. Die knappe und überraschende Mitteilung des IoT-Ministeriums ist weit mehr als eine Pressemitteilung. Es ist die Dokumentation einer beginnenden Zeitenwende. Aber zunächst ein Rückblick. Ende 2019 bricht Covid-19 aus und legt 2020 die ganze Welt lahm. Im Frühjahr 2021 wird bekannt, dass sich ein Ableger des Virus bevorzugt in Sprachmuscheln und Lautsprechern von Smart Devices einnistet. Was folgte, dürfte jedem noch gut in Erinnerung sein. Eine flächendeckende Vernichtung sämtlicher Smart Phones und Tablets. Konfisziert oder ferngezündet. Menschen irrten planlos durch die Städte, wussten nichts mehr mit sich anzufangen. Und obwohl die Infektionen zurückgingen, machte sich Unmut breit. Es gab Demonstrationen in der Hauptstadt und man forderte digitale Freiheit. Um frühzeitig entgegenzuwirken, wies man Motorola, Nokia und Siemens an, ihre Mobilfunk-Klassiker aus den 90-er Jahren wieder neu aufzulegen. Diese würden immerhin mobile Telefonie ermöglichen und SMS. Nicht smart aber immerhin.

Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih wetterten wegen Wettbewerbsverzerrung und drohten, sich durch alle Instanzen zu klagen. Milliarden an Strafen würden den Start erwarten. Auf Jahre. Nicht finanzbar. Es gab nur eine Möglichkeit, den Klägern anderweitig entgegenzukommen: Das Konsortium der „großen drei“ bekommt die Lizenz für Entwicklung und Betrieb eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips. Mit Internet-Zugang nach 5G-Standard. Man rechne bereits für Januar 2023 mit der Betriebsgenehmigung und ersten Implantierungen.

Das Filialnetz ist noch nicht einmal vollständig geplant, doch die Hersteller verzeichnen bereits lange Wartelisten. Die Menschen können es kaum erwarten.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.09.2021

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