112) Dienstreisen BC – Teil 2

<— Hier geht’s zu Teil 1

Tja und dann liebe Kinder … dann war man halt irgendwann da. Ganz einfach. Der Zug fuhr am Zielbahnhof ein oder man krachte auf eine Landebahn und wurde in die Gurte gepresst. So war das damals. Damals vor Corona. Als wir noch auf Dienstreisen waren, um Kollegen zu treffen. So richtig treffen. Ja stellt euch das mal vor.

Und weiter geht‘s:

08:00 Uhr: Jacke schnappen, Tasche greifen, Koffer holen, warten, warten, Ausgang suchen, manchmal Passkontrolle, vielleicht noch Geld wechseln, Bahn suchen, Taxi suchen und irgendwie durchschlagen. (All die Haltestangen und Knöpfe die man da gedrückt hat … Ihhhhh Pfui!)

10:00 Uhr: Beim Meeting ankommen, Hände schütteln (stellt auch das mal vor!), Kaffee trinken, in fremde Kekspackungen greifen (ja echt!) und dann den ganzen Tag in einem Raum zusammenhocken. Wenn es ganz dicke kommt, dann ohne Fenster (Ekelhaft!).

12:00 Uhr: Lunch in einer Kantine. Brechendvoll. Warteschlangen an der Ausgabe und noch einmal an der Kasse. Tabletts, Teller, Besteck wechseln von Hand zu Hand. Wollen Sie mal probieren? Bitte greifen sie doch zu! (What? …. unglaublich!)

13:00 Uhr: Fortsetzung des Meetings bis die ersten müde wirken oder irgendwer den Tag für beendet erklärt

18:00 Uhr: Abmarsch Richtung Hotel, wieder durch die halbe Stadt, einchecken, Meldeschein zum tausendsten Mal ausfüllen, Zimmer finden, Klamotten notdürftig auspacken, Jeans anziehen und dann weiter ab zum Dinner. Oft im Team. Ja im Team. In einer Kneipe. Drinnen! (Würg…)

22:30: Seit 04:00 Uhr auf den Beinen, hundemüde zurück im Hotel, vielleicht noch ein paar Nachrichten, etwas abhängen und die Überraschungen auf dem Hotelzimmer genießen. Lichtschalter die keiner kapiert, Zig Kissen die niemand braucht und Bettdecken, die im Nu völlig verwurschtelt sind.

Aber lest selbst …

Zu Erinnerung hier ein paar passende Beiträge aus alten Zeiten:

—> Hier geht’s zu Teil 3

111) Dienstreisen BC – Teil 1

Mensch, was waren das noch für Zeiten, oder? Dienstlich verreisen. Damals vor Corona. „BC“, quasi. Bevor wir es vollkommen vergessen, hier ein paar Erinnerungen aus der Mottenkiste.

04:15 Uhr: Weckerklingeln, Aufstehen, Dusche und Bad, drei Espresso, eine Scheibe Toast, Koffer-Finale, Hemd, Anzug, Gürtel, Schuhe, Laptop, Telefone, Kopfhörer und dann runter zum Taxi.

05:00 Uhr: Fahrt nach Tegel, draußen ist es duster, es laufen immer noch Party-Gänger durch die Stadt, ich gebe mich wortkarg, der Taxi-Fahrer stimmt zu einem Gespräch an, ich bleibe sparsam an Worten.

05:25 Uhr: Ankunft Airport Tegel, Bezahlen, Koffer und Jacke schnappen, Anstehen, Sicherheitskontrolle, Duty Free, Wasser kaufen, hinsetzen, warten, nachdenken, gucken, nachdenken.

05:50 Uhr: Aufruf zum Boarding, aufstehen, hinsetzen da noch nicht dran, wieder aufstehen, der Herde folgen, Handy über Scanner halten, durch die Brücke zum Flugzeug gehen … ODER … die blöde Variante … Bus-Zubringer.

06:00 Uhr: Koffer oben rein, Jacke oben drauf, Hinsetzen, „Darf ich mal“, Aufstehen, Hinsetzen, Aufstehen, Hinsetzen, Kopfhörer, Podcast oder Musik, Flug-Modus ein.

06:20 Uhr: Türen zu, Sicherheitsunterweisung, Rollen, Stopp, Warten, Rollen, Stopp, Warten, Lärm, Ruckeln, Schütteln, Abheben, Räder rein. Bing. „Bitte noch sitzen bleiben, bis die Anschnallzeichen …“. Bing

So ungefähr ging es für mich die letzten 20 Jahre alle zwei, drei Wochen irgendwo hin. Meistens im Inland, manchmal auch ins Ausland. Nicht dass ich da mit Blick auf die CO2-Bilanz besonders stolz drauf wäre, auf die Work Life Balance schon gar nicht. Ich stehe auch nicht gern kurz nach 04:00 Uhr auf und verspüre auch kein gesteigertes Bedürfnis, eingequetscht auf einem Mittelplatz zu sitzen.

„Na, sei doch froh. Jetzt, mit Corona hat sich das doch erledigt …“, mag der Leser da sagen. Ja, schon irgendwie. Seit 11 Wochen habe ich keinen Flieger und keinen Zug betreten. Keinen schlechten Kaffee getrunken, mir nicht die Beine in den Bauch gestanden und keine Belege gesammelt, um die Kohle später wiederzubekommen. Das klingt schon befreiend, ja.

Aber irgendwie … ehrlich gesagt … vermiss … , … ja ich vermisse es.

Ich würde echt gern mal wieder um 04:00 Uhr aufstehen und irgendwo hinreisen.

Zu Erinnerung hier ein paar passende Beiträge aus alten Zeiten:

—> Hier geht’s zu Teil 2

 

 

54) Treppenmangel in (T)XL

Die Billig-Airlines sind clever. Sie geben die Flugzeit München – Berlin mit 01:20 an. Eigentlich ist es nur eine Stunde. Während sich der Kranich für jede 10 Minuten Verspätung entschuldigt, protzt der orange Billig-Flieger mit „Herzlich Willkommen in Berlin Tegel, wir sind überpünktlich gelandet. Bitte bleiben Sie solange angeschnallt sitzen, bis wir unsere endgültige Warteposition erreicht haben.“ Ich habe das schon lange durchschaut, nur die Logistik an Deutschlands Museumsflughafen noch nicht.

Da fehlt es bei „vorzeitiger“ Landung entweder an ….

Auszug Chat Protokoll
18:18: wir steigen ein
18:18: sieht gut aus, bin 20:30 zu Hause
18:18: wenn der Bus kommt
18:18: und die Treppe
18:36: scheint pünktlich, wir legen ab
18:36: eine Stunde Flugzeit, sagen sie
18:40: bin jetzt off
19:50: bin gelandet
19:51: Bus ist da
19:51: aber keine Treppe

… Stellplätzen, Einwinkern, Bussen oder eben Treppen.

Während des Wartens auf die Treppe gehe ich so meine Optionen durch

  • Wie hoch ist so ein A320 eigentlich? Wenn ich mich mit meinem Hintern an die Türkante setze, könnte ich vielleicht …
  • Strickleitern … ja! Warum eigentlich nicht? Jeder, der in der Hauptstadt landet, sollte eine Strickleiter dabei haben. Aber im Handgepäck. Ganz wichtig.
  • Vielleicht über die Notrutschen? Ich meine, … die müssen doch auch mal benutzt werden. Das macht bestimmt Spaß.
  • Vielleicht einfach die 112 anrufen? Die haben schließlich Leitern,  Rutschstangen und Sprungkissen. Mhm. Ist zu riskant. Dann nehmen die mich noch mit.
  • Oder einfach hier sitzen bleiben? Bis nächsten Dienstag?

Mann, ich will doch nur nach Hause!!

Frühere Beiträge zum Thema:

 

 

26) Postkarte aus Berlin: Nachthimmel

Was habe ich nicht schon alles über unseren Flughafen geschimpft. Hier auf dem Blog, aber auch in älteren Publikationen auf Papier. Wenn man aber von ihm abhebt oder auf ihn zufliegt, ist das allerdings schon ein Erlebnis, was sonst kaum noch Städte zu bieten haben.

Trotz der Klima-und Flugzeug-Diskussion möchte ich ein paar Eindrücke teilen:

Am schönsten finde ich den Abflug nach Ost. Die Maschine hebt zunächst steil ab, dreht dann bald nach rechts weg und schraubt sich stetig in die Höhe. Dem Uhrzeigersinn fliegt man dann über die östlichen Außenbezirke und sieht viel von der Innenstadt. Mit etwas Sucherei kann man sogar sein eigenes Wohnhaus entdecken. Üblicherweise sitze ich eher am Gang und kriege davon nicht viel mit, letzte Woche aber wurde ich auf einen Fensterplatz gebucht und hatte damit die Gelegenheit, am frühen Morgen ein Bild der Stadt zu machen.

3413EBB3-05A1-40F3-A953-C2A97A0C72E4

Aber auch bei Rückkehr am Abend finde ich den Anflug von Süden über Ost nach Nord am besten. Man sollte aber links sitzen. Nach dem die Crew die Kabine abgedunkelt hat, wird’s immer ruhiger in der Kabine und wegen der deutlich abnehmenden Höhe, fühlt man sich immer etwas leichter. Im Süden kann man die Seen und den neuen Flughafen erahnen, dann dreht der Flieger entgegengesetzt des Uhrzeigers über Marzahn, Ahrensfelde, Malchow, Weißensee, Pankow, Reinickendorf bis runter nach Tegel rein. Über dem Kurt-Schuhmacher Platz ist man so tief, dass man in die Wohnzimmer der Anwohner schauen kann.

Na, wat‘ jibs‘n bei euch zu’n Aben’brot?

CCD538F0-19FE-4839-BDF3-7D24852D5B6C

Schon cool irgendwie 😉

50) Flughafen im Kopf

„Ladies and Gentlemen, we started our descent to Berlin Tegel“. Schon so viele Male gehört, bedeutet es eigentlich immer etwas Gutes.

Wir nähern uns der Hauptstadt von Süden und ich habe guten Ausblick auf unseren neuen Flughafen. Der liegt dort unten. Groß. Dunkel. Leer. Still.

Und schon beginnt eine Stammtisch-Diskussion in meinem Kopf:

  • A: Mann ej, wenn dit Ding mal irjendwann fertich is‘, müss‘n wa alle hia runt‘a in den Süden jurken. Und ob dit‘ für dit Klima und für’n Verkehr so jut is‘? Na, ick‘ wees ja, nich‘!
    B: Ach hör doch auf, Mensch. Wenn die Flieger heute über das Stadtgebiet fliegen, ist das ja nun auch nicht gerade prickelnd für die Luft. Und schon gar nicht für die Sicherheit. Ich möchte nicht wissen, wieviel Grill-Schürzen und Büstenhalter schon von Nord-Berliner Dachgärten gefegt wurden und dann dekorativ am Bug-Rad hingen.
  • A: Ab‘a, all die langen Weje dann am neuen Flughaf’n. Da muss ick‘ nach Malle ja schon zwee Stunden eh’a da sein! Wie soll‘n dit‘ jehen.
    B: Na ja, mein Guter. In Tegel sind die Wege kurz, das stimmt schon. Dafür ist es da aber so überfüllt, dass man überall Schlange steht und dabei seine ablaufende Lebenszeit ticken hört. Ja, es gibt gute Tage, da schafft man es vom Flieger zum Taxi in 10 Minuten. Man kann aber auch eine Stunde benötigen.
  • A: Ab’a der neue Flughaf’n,  is‘ ja noch nich‘ mal richtig erreichba‘! Wie soll ick’n da hinkommen mit meine‘ Uschi?
    B: Ja, das wird interessant. Allerdings fühlt man sich in Tegel auch wie im Mittelalter. Keine Bahn führt da hin. Stattdessen fahren Busse! Ja, Linien-Busse. Im Jahr 2020. Der Flughafen der Hauptstadt ist heute nur über Bus, Taxi oder Auto erreichbar. Ein Albtraum.

Noch ehe die beiden zum Ende kommen, landen wir in Tegel. Bereits 19:40 Uhr, etwas vor unserer geplanten Zeit. Toll eigentlich. „Meine Damen und Herren, bitte haben sie noch etwas Geduld. Wir müssen noch auf Zubringer-Busse und die Treppen warten“. Na großartig.

Die Busse sind irgendwann da und fahren uns gigantische 90 Sekunden übers Feld. Also das hätte ich nun auch laufen können. Aber egal.

Um 20:07 Uhr stehe ich am Kofferband. Und warte. Und warte. Gegen 20:40 Uhr setze ich mich aufs Transportband und hinterlasse auf der Flughafen-Website eine Beschwerde. Irgendetwas muss ich ja tun. Die Gäste der Stadt schütteln nur die Köpfe. Peinlich.

Gegen 20:50 Uhr erscheinen die Koffer. Ich schnappe mir meinen Trolley und eile zum Taxi-Stand. Jetzt nur noch nach Hause und zwar im Turbo-Gang.

Da erwartet mich eine lange Menschen-Schlange am Taxi-Stand. Wie schon so oft.

FD5A3EBE-EE15-460E-9AD4-F0612A60ACDE

… das kann doch eigentlich nur besser werden.

  

 

10) Übergewicht in Mexiko

Samstag, 10:30 Uhr, Flughafen Mexico-City. Ich mache es mir auf Platz 20G gemütlich, sortiere die Dinge, die ich in den nächsten 11 Stunden in Greifnähe brauchen werde. Alles sieht pünktlich aus und sogar der Platz neben mir bleibt anscheinend frei. Großartig. Für den Moment. Doch der Kapitän meldet sich über die Lautsprecher. Er spricht ein „Problem“ an. Er sagt, die Maschine sei zu schwer für den Start. Häh? Die ist doch gar nicht voll, ich sehe noch freie Plätze vor mir. Sicher, die mexikanische Küche ist hervorragend und zählt nicht gerade zu den Leichten. Aber kann das wirklich dazu führen, dass der Airbus für den Start in Richtung München zu schwer geworden ist? Habe ich in der Woche zu viel gegessen? Der Kapitän erklärt weiter: Die Temperaturen auf dem Flugfeld und auf dem Runway sind deutlich angestiegen. Aufgrund Physik und Thermik kann das Flugzeug auf der zugewiesenen Startbahn nicht starten. Dafür seien wir zur schwer. Nur auf der zweiten Startbahn könne die schwere Maschine abheben, dass verwehrt aktuell aber die Flugsicherung. Daher suche man kurzfristig 20 Passagiere, die sofort aussteigen und einen späteren Flieger nach Frankfurt wählen. Ich schaue auf meinen Kalender. Nein es ist noch nicht April. Vielleicht ist der Kapitän einfach nur gut drauf und macht einen Scherz mit uns? „Die Entscheidung wird mit einer Entschädigung von 600 EUR honoriert“, heißt es weiter. Der Ausstieg müsse aber zügig erfolgen, da es draußen immer heißer wird und dann die 20 Passagiere nicht mehr ausreichen würden. Nein, anscheinend ist das doch kein Scherz. Ich überlege kurz. Eine Gutschrift von 600 EUR klingt natürlich interessant, zumal ich ja eh umsteigen müsste. Da wäre es egal ob ich in München oder Frankfurt lande. Der Flieger nach Frankfurt ginge aber erst „am Abend“ und der Flughafen von Mexico-City hat nun wirklich nichts zu bieten, womit ich die Zeit überbrücken könnte. Außerdem will ich nach Hause. Schnell finden sich zum Glück genug Freiwillige, die das Flugzeug verlassen wollen. Sie laufen im Gänse-Marsch den Gang entlang. Gut, dann können wir ja jetzt ablegen. Trotzdem geht mir das nicht aus dem Kopf. Können wirklich 20 Passagiere den Ausschlag geben? Ich überschlage grob. Nehmen wir mal ein Durchschnittsgewicht von 70 kg pro Person und noch einmal 35 kg Gepäck pro Nase dazu… dann macht das… so ungefähr 2.000 kg. Ist das nennenswert für einen A350-900? Fünf Minuten später kommen die Freiwilligen aber schon wieder zurück. Der Kapitän meldet sich wieder. Die Flugsicherung habe nun doch noch eingelenkt, unser Airbus darf mit allen Passagieren an Bord die andere Startbahn nutzen. Das Pushback-Auto schiebt uns zurück und wir rollen langsam los. Na hoffentlich, haben sich die Experten jetzt nicht verrechnet und unser Airbus kriegt am Ende der Bahn seinen Hintern hoch.

Wenn der Beitrag auf meinem Blog erscheint, dann ist alles gut gegangen…

Hasta Loego!

 

… So sollte der Beitrag eigentlich enden. Mit einem zwar noch offenen Ende für mich, aber für den Leser die Gewissheit, dass ich den Beitrag nicht hätte veröffentlichen können, wenn wir vom heißen mexikanischen Himmel gefallen wären. Aber das Flugwesen ist immer für Überraschungen gut. Sieben Stunden und ganze drei Spielfilme später, serviert die Kabinen-Crew das Frühstück und schaltet dazu das Licht an. Wir Passagiere werden mit einfühlsamen Worten geweckt. „Meine Damen und Herren, wir haben leider eine schlechte Nachricht. Das Flugzeug ist komplett ohne Koffer abgeflogen, bitte wenden Sie sich in München an die Gepäckermittlung. Sollten Sie Ihr Gepäck durchgecheckt haben, gehen Sie bitte zum entsprechenderen Schalter an Ihrem Ankunftsort“. In die Kabine kommt nun schnell Stimmung und ich stelle mir ein paar Fragen

  1. Knobelt das Personal eigentlich vorher aus, wer die schlechten Nachrichten überbringen muss?
  2. Hat die Crew das fehlende Gepäck echt jetzt erst bemerkt oder uns das 9 Stunden lang verschwiegen?
  3. Und wenn nun nie Koffer an Board waren, dann ging es bei der Aktion in Mexico-City also echt nur um 1.400 kg Gewicht in einem unterbesetzten Airbus? Das macht mir Sorgen.

Einen schönen Sonntag noch

 

Frühere Beiträge zum Flugwesen:

40) Flug-Vieh am Terminal C

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen Tegel (besonders am Terminal C, da wo die Billig-Flieger ablegen), gibt mir regelmäßig das Gefühl, nur für blödes Flug-Vieh gehalten zu werden. Dort geht es zu wie auf der Ponderosa-Ranch in  „Bonanza“. Das Flug-Vieh wird zunächst auf ein chromglänzendes Metall-Gatter zugetrieben, dass all die Massen ordnen und beruhigen soll. Ein Wunder eigentlich, dass man keine Cowboys sieht, die pfeifend ihr Lasso schwingen. Ist man in diesem „Ordnungssystem“ angekommen und hat sich ihm ergeben, folgt man dem Strom der Menge. Stumpf tippelt man ein paar Schritte in die eine Richtung, macht kehrt und geht dieselbe Zahl an Schritten wieder in die andere Richtung zurück. Hin und her geht das so weiter, immer am Chrom-Geländer entlang. Auf diese Weise begegnet man in kurzer Zeit, immer wieder den selben Menschen. Man hat keine Chance diesem Schauspiel zu entgehen, es sei denn man entscheidet sich kurzfristig für die Bahn oder einen Mietwagen. Außen lehnen zwei Cartwright-Brüder vom Sicherheitsdienst über der Chrom-Stange, beobachten uns blöden Rindviecher und machen so ihre Kommentare. Sollte ein Fluggast mal in Eile sein und die Brüder anflehen, das Zick Zack ausnahmsweise abkürzen zu dürfen, würden die ihm mit Berliner Oberlehrer-Charme folgendes erklären: „Na da hätt’n se halt eha hier sein müssen. Zwei Stunden eha jenau jenommen. Dit steht doch druff uf ihre Buchung, oder etwa nich?“ Irgendwann erreicht man dann endlich den Bordkarten-Scanner. Hat man diese elektronische Sicherheitsmaßnahme gemeistert, wartet weiteres Human-Kapital an den Metall-Detektoren auf den genervten Reisenden. Ich packe all mein Zeug in der für mich mehrfach erprobten Art und Weise auf das Band. Im besten Fall ist der Sicherheit-Mensch völlig emotionslos, maulfaul und kaut Kaugummi. Im schlimmsten Fall belehrt er mich und sortiert mein Klamotten und die Reihenfolge der Plastikwannen um, so dass ich völlig aus meinem Trott komme.

Egal wie es nun wieder laufen wird, ich kann aber mit Sicherheit damit rechnen, dass dort überall wieder lautstark über … 

  • die Erlebnisse vom Wochenende, 
  • die unfaire Pausenregelung,
  • und den blöden Schichtleiter 

debattiert wird. 

Auch wenn Teamleiter und Fluggast in Hörweite daneben stehen.

Liebe Airlines und Flughafenbetreiber, bitte gebt mehr Geld für die Sicherheitskontrolle aus und bezahlt die Leute da ordentlich! Dann kehrt vielleicht auch wieder etwas Flug-Kultur ins Terminal C ein. DANKE

Frühere Beiträge zu Schlange Stehen, Service und Low Cost-Wahn:

32) Langstrecke

„Das Flugwesen…, es entwickelt sich“. So zitierte schon Manfred Krug aus der Erzählung „Die Kuh im Propeller“. Und in der Tat, im Flugwesen (oder neudeutsch in der Aviation-Branche), hat sich doch in den letzten Jahren wirklich viel getan. Bei einigen Unzulänglichkeiten gab es große Fortschritte, die man besonders auf der Langstrecke zu schätzen lernt.

Ein paar Beispiele:

Entertainment: Es gibt mittlerweile unzählige Filme, TV-Shows und Dokumentationen zur Auswahl. Alles läuft in einem kleinen Bildschirm, der im Vordersitz verbaut ist. Man muss nicht mehr an tief hängenden, flackernden 15-Zoll-Monitoren „Mister Bean“ oder „Donald Duck“ anschauen.

Kabinenlicht: Schlafenszeit und Aufwecken werden nun mit einem „ambient light“ eingeläutet. Ganz vergessen sind die Zeiten, als Stewardessen mit einem Knopfdruck die Nacht erklärten und man mit seinem Buch im Dunkeln saß. Gar nicht zu reden von den hellen Neon-Röhren, die wenig später schon wieder die Kabine erhellten, um die Fluggäste zum Frühstück zu wecken.

Waschräume: Das frühere Bord-Klo heisst nun „Waschraum“ und dank wirklich guter Frischluft-Versorgung kann man mittlerweile die Waschräume auch direkt nacheinander betreten. Die Luftfahrt hat es irgendwie geschafft, das „Örtchen“ sauber zu halten, da kann sich die Bahn noch einige Scheiben von abschneiden.

Ladevorrichtung: Man kann stundenlang sein Handy oder Tablet laden, vermutlich länger, als dem Akku so lieb ist. Eine eigene Powerbank dabei zu haben, beruhigt zwar das Gewissen, ist aber eher nur für den Anschluss-Flug nützlich, wenn da keine USB-Buchsen in den Sitzen verbaut sind.

Allerdings gibt es immer noch genug „room for improvement“, für den sich die Ingenieure gern etwas einfallen lassen könnten.

Wieder ein paar Beispiele:

Verpflegung: Die ist zwar qualitativ besser geworden, es ist aber immer noch unklar, wann und wieviel es etwas zu essen geben wird. Hat man noch vorsorglich am Boden gegessen, muss man damit rechnen, dass man mitten in der Nacht eine warme Mahlzeit serviert bekommt. Hühnchen, Gemüse und Kartoffel-Püree um 01:30 Uhr?

Zugluft: Auch wenn man die Luftausgänge über den Sitzen zudreht, wird man permanent mit Luft angepustet. Das kann man eigentlich nur gesund überstehen, wenn man sich einmummelt wie ein Eskimo auf dem Schlitten. Ich verstehe echt nicht, wie es andere Leute 13 Stunden mit Flip-Flops, T-Shirt und kurzer Hose in solch einer Kühltruhe aushalten können.

Sitzplatzwahl: Man muss sich immer noch gut überlegen, ob man lieber am Fenster (… und damit quasi 13 Stunden eingeschlossen…) sitzt oder am Gang (… damit zwar frei, aber ständig angestupst, weil der Nachbar aufs Klo muss). Ich bevorzuge Gangplatz und zwar an der Mittel-Achse. Dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass mich der Passagier vom Mittelplatz hochtreibt, nur noch 50%, denn er kann ja auch den Gangplatz-Inhaber auf der anderen Seite ansprechen.

Geräusche: Eine künftige Herausforderung für die Ingenieure sollte das Abschalten der Geräusche der Fluggäste sein. Man denke nur an Passagiere, die Comedy schauen und schallend vor sich hin lachen. Aber auch an Gäste, die im Schlaf schnarchen, grunzen oder nach Luft schnappen. Oder auch an die vielen Labersäcke, die permanent reden müssen. Im schlimmsten Fall in der eigenen Muttersprache, so dass man alles verstehen kann.

Also, da ist noch so einiges zu tun und wir bleiben gespannt!

Und nun noch mal zurück zur „Kuh im Propeller“.
Gibt‘s übrigens auf der gängigen Video-Plattform.
Unbedingt mal anhören
„Agitiert nur…, agitiert nur!“
Großartig.

 

Frühere Beiträge zum Thema Fliegen:

 

31) Abflug aus Singapur

Singapur ist eine beeindruckende Stadt und es gibt viel zu entdecken. Irgendwann naht aber die Heimreise und die führt über den Flughafen Changi. Diesmal aber, scheinen sich Flughafen-Personal und Fluggäste gegen mich verschworen zu haben. Sie tun alles dafür, dass meine Laune an diesem Samstagabend stetig in den Keller geht. Der check in läuft noch reibungslos, aber ab dann geht es kontinuierlich bergab:

Kurz vor der automatischen Passkontrolle will eine Dame des Flughafens meinen Pass sehen. Ungefähr fünf Meter weiter, will dann ein Computer meinen Pass scannen und dazu auch noch meinen Daumen kontrollieren. Die Glastüren öffnen sich, der Computer lässt mich passieren. Nur zwei Meter weiter steht schon wieder eine andere Dame, die meinen Pass sehen will. Meine Güte, die nehmen es aber genau. Da ich noch etwas Zeit habe, steuere ich einen 7/11-Shop an. Dort will ich eine Flasche Wasser für den Flug kaufen und eine Büchse Bier für die verbleibende Wartezeit am Gate. Die Büchse „Tiger“ erwartet mich gut gekühlt im Eisschrank und ist mit 5,80 SGD erfreulich preiswert. Die Dame an der Kasse klärt mich dann aber auf, dass nach 22:30 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Na großartig, dann nehme ich halt nur das Wasser mit. Bei 13 Stunden Flug, will ich unbedingt eine Flasche Wasser am Platz haben und nicht auf die Versorgung in der Luft angewiesen sein. Ich steuere eine Bar an, um da vielleicht noch ein Bier zu trinken, bevor es losgeht. Ein Pint gibt es dort für stolze 18,95 SGD! Das ist mehr als das dreifache im Vergleich zur Büchse im Shop und entspricht ungefähr 12,00 EUR. Egal. Es ist Samstag. Das gönne ich mir. So langsam wird es Zeit zu gehen. Ich strebe den Ausgang an und sehe, dass direkt am Gate die Sicherheitskontrolle stattfindet. Dort ist man schon eifrig am Durchleuchten und ich stelle mich an der Schlange an. Die Sicherheits-Prozedur kommt etwas ins Stocken, weil ein Rollstuhlfahrer abgefertigt werden muss. Der wird samt Stuhl an dem Scanner vorbeigeschoben und von Hand kontrolliert. Das Abtasten dauert etwas länger, geht im Sitzen halt nicht anders. Ist ja auch in Ordnung. Im Handgepäck des Rollstuhlfahrers hat ein Computer das Interesse der Security geweckt. Wie nach plötzlicher Heilung, erhebt sich der Mann aus dem Rollstuhl und läuft schnurstracks zum Handgepäck. Wie geht das denn? Habe ich gerade ein helles Licht verpasst? War der Heiland gerade hier? Der Mann steht standfest auf beiden Beinen und diskutiert mit den Sicherheitsleuten Als ich endlich an der Reihe bin, muss ich schon wieder meinen Pass zeigen. Dann werde ich aufgefordert, mein Wasser auszutrinken oder zurückzulassen. Das will ich aber gar nicht. Ich habe es mir ja bewusst erst am Gate gekauft, damit ich es in den Flieger mitnehmen kann. Auf meine Frage, ob es hinter der Schleuse noch Wasser zu kaufen gibt, kommt nur ein „Yes, Yes“. Nach meiner Erfahrung heisst das soviel wie „Nein“ oder „Keine Ahnung“. Als ich endlich die Kontrollen passiert habe, verstaue ich alles wieder an seinem Ort und lasse meinen Blick im Warteraum schweifen. Es werden keine weiteren Getränke mehr verkauft. Der Ex-Rollstuhlfahrer ist in Höchstform und kommandiert, immer noch stehend, das ganze Sicherheits-Team. Ich laufe weiter nach vorn zum Ausgang. Das Einsteigen hat noch nicht begonnen, so kann ich noch etwas die mitfliegenden Passagiere beobachten. Eine Schweizer Reisegruppe ist kaum zu überhören, ein kleines Kind ist völlig übermüdet und stresst seine Mama. Vor mir steht ein beleibtes Pärchen in Jogging-Hosen und macht Joga-Übungen oder so etwas. Sie stehen sich gegenüber, kreisen mit ihren Hüften und atmen sich gegenseitig an. Endlich wird zum Boarding gerufen. Zunächst wie immer die HON-Circle-Members und Senatoren, dann die Business Class und irgendwann das gemeine Flug-Volk. Es gibt aber nur eine Brücke zum Flugzeug und niemand kontrolliert heute die Einhaltung diesen elitären Kasten-Systems der Luftfahrt. Nur der Pass, der soll nun schon wieder bereit gehalten werden. Ich setze mich in Bewegung, egal ob ich nun schon dran bin oder eben nicht. Ich will hier weg. Keine Lust mehr auf diese Faxen. In der Gangway bildet sich eine Schlange. Das kommt mir eigentlich ganz gelegen, denn ich will noch meine Kopfhörer aus dem Rucksack holen. Während ich mich also kurz zu meinem Rucksack bücke, bewegt sich die Schlange etwas und vor mir bildet sich ein Abstand von circa einem Meter. Die ältere Dame hinter mir setzt zum Überholen an und reiht sich in den Raum vor mir ein. Geht’s noch? An der Kabinen-Tür begrüßt das Schweizer Kabinen-Personal jeden Fluggast mit einem „Grüezi, wie geht’s Ihnen?“. Grummel… sprecht mich bloß nicht an. Sorgt lieber dafür, dass es den neuen „Mission Impossible“ im Video-Programm gibt. Ich fühle mich gerade wie Ethan Hunt, dem gleich die Sicherungen durchgehen.

Frühere Beiträge zum Thema Fliegen:

29) Automated Landing

„Bing. Liebe Fluggäste, Sie haben es vielleicht schon bemerkt, wir fliegen deutlich langsamer als üblich“. So ungefähr beginnt der Flug-Kapitän seine Ansprache zu uns nach hinten in die Kabine hinein. Das Wetter In München habe sich unvorhergesehen verschlechtert, die Wolken hängen dort sehr tief. Es herrsche sehr schlechte Sicht am Flughafen, informiert er. Die Sicherheitsabstände zwischen den Landungen wurden bereits von der Flugsicherung vergrößert, wir werden uns auch in eine Warteschleife einfädeln müssen. Es wird Verzögerungen geben. Für solche Situationen sei eine Standard-Prozedur namens „Automatic Landing“ vorgesehen, der wir nun strickt folgen müssen. Na großartig, dass geht ja schon wieder gut los. Für dieses Automatic Landing sei es ganz wichtig, dass die Elektronik an Bord nicht gestört wird. Daher müssen diesmal alle elektronischen Geräte wirklich ausgeschaltet sein, sobald die Anschnallzeichen erleuchten. An mir soll es nicht liegen. Mein Handy wird uns nicht zum Absturz bringen. Der Computer hat mittlerweile die Steuerung übernommen, das merkt man. Der Flieger fliegt eine schnurgerade Linie, die Geschwindigkeit bleibt exakt gleich und Kurskorrekturen erfolgten präzise wie bei einer Herz-OP. Die Anschnallzeichen leuchten nun auf, ich schalte meine elektronischen Geräte ab und schaue nach links und rechts, ob meine Sitznachbarn nachziehen. Und siehe da. Sie tun es tun es. Das beruhigt. Kaum geht es uns Menschen ans Leder, können wir mal für 15 Minuten unsere Wisch-Finger vom Gerät lassen. Die Räder werden ausgefahren, aus dem Fenster kann ich schwache rote Lichter sehen. Sind das noch die roten Warn-Leuchten auf Häusern oder bereits die roten Lampen an der Landebahn? Touchdown. Gar keine Zeit, mir die Frage selbst zu beantworten. Es waren dann doch schon die roten Leuchten auf der Erde. Der Computer geht auf die Bremse, nicht ganz so ruppig wie ein menschlicher Pilot, aber doch mit Nachdruck. Gut gemacht. Das war eine sehr sanfte Landung. Ehrlich gesagt, sogar gar besser ausgeführt als von Menschen-Hand. Die Passagiere um mich herum zücken sofort wieder ihre Telefone. Mir fliegen ein paar Dinge im Kopf herum.

  1. Dass man Robotern zunehmend einfache und monotone Aufgaben übergibt, ist ja bekannt. Also zum Beispiel so etwas wie 5.000 km geradeaus fliegen.
  2. Dieser Anflug aber, war aus einem wetterbedingtem Sonderfall entstanden, den man anscheinend mittlerweile auch lieber den Computern überlässt, als den erfahrenen Piloten mit tausenden Flugstunden. 
  3. Können die Computer-Flugzeiten künftig noch als Flugstunden im Sinne der Flugpraxis und Erfahrung angerechnet werden?
  4. Und wenn die Flugzeuge künftig immer mehr von Computern gesteuert werden, kann man dann eigentlich nach erfolgter Landung noch klatschen, wenn’s echt mal kritisch war? Oder tippt man nur noch auf einen „Gefällt mir“-Button in der Flugzeug-App?

Happy landing! Like it!

Frühere Beiträge zum Thema Fliegen: