40) Flug-Vieh am Terminal C

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen Tegel (besonders am Terminal C, da wo die Billig-Flieger ablegen), gibt mir regelmäßig das Gefühl, nur für blödes Flug-Vieh gehalten zu werden. Dort geht es zu wie auf der Ponderosa-Ranch in  „Bonanza“. Das Flug-Vieh wird zunächst auf ein chromglänzendes Metall-Gatter zugetrieben, dass all die Massen ordnen und beruhigen soll. Ein Wunder eigentlich, dass man keine Cowboys sieht, die pfeifend ihr Lasso schwingen. Ist man in diesem „Ordnungssystem“ angekommen und hat sich ihm ergeben, folgt man dem Strom der Menge. Stumpf tippelt man ein paar Schritte in die eine Richtung, macht kehrt und geht dieselbe Zahl an Schritten wieder in die andere Richtung zurück. Hin und her geht das so weiter, immer am Chrom-Geländer entlang. Auf diese Weise begegnet man in kurzer Zeit, immer wieder den selben Menschen. Man hat keine Chance diesem Schauspiel zu entgehen, es sei denn man entscheidet sich kurzfristig für die Bahn oder einen Mietwagen. Außen lehnen zwei Cartwright-Brüder vom Sicherheitsdienst über der Chrom-Stange, beobachten uns blöden Rindviecher und machen so ihre Kommentare. Sollte ein Fluggast mal in Eile sein und die Brüder anflehen, das Zick Zack ausnahmsweise abkürzen zu dürfen, würden die ihm mit Berliner Oberlehrer-Charme folgendes erklären: „Na da hätt’n se halt eha hier sein müssen. Zwei Stunden eha jenau jenommen. Dit steht doch druff uf ihre Buchung, oder etwa nich?“ Irgendwann erreicht man dann endlich den Bordkarten-Scanner. Hat man diese elektronische Sicherheitsmaßnahme gemeistert, wartet weiteres Human-Kapital an den Metall-Detektoren auf den genervten Reisenden. Ich packe all mein Zeug in der für mich mehrfach erprobten Art und Weise auf das Band. Im besten Fall ist der Sicherheit-Mensch völlig emotionslos, maulfaul und kaut Kaugummi. Im schlimmsten Fall belehrt er mich und sortiert mein Klamotten und die Reihenfolge der Plastikwannen um, so dass ich völlig aus meinem Trott komme.

Egal wie es nun wieder laufen wird, ich kann aber mit Sicherheit damit rechnen, dass dort überall wieder lautstark über … 

  • die Erlebnisse vom Wochenende, 
  • die unfaire Pausenregelung,
  • und den blöden Schichtleiter 

debattiert wird. 

Auch wenn Teamleiter und Fluggast in Hörweite daneben stehen.

Liebe Airlines und Flughafenbetreiber, bitte gebt mehr Geld für die Sicherheitskontrolle aus und bezahlt die Leute da ordentlich! Dann kehrt vielleicht auch wieder etwas Flug-Kultur ins Terminal C ein. DANKE

Frühere Beiträge zu Schlange Stehen, Service und Low Cost-Wahn:

32) Langstrecke

„Das Flugwesen…, es entwickelt sich“. So zitierte schon Manfred Krug aus der Erzählung „Die Kuh im Propeller“. Und in der Tat, im Flugwesen (oder neudeutsch in der Aviation-Branche), hat sich doch in den letzten Jahren wirklich viel getan. Bei einigen Unzulänglichkeiten gab es große Fortschritte, die man besonders auf der Langstrecke zu schätzen lernt.

Ein paar Beispiele:

Entertainment: Es gibt mittlerweile unzählige Filme, TV-Shows und Dokumentationen zur Auswahl. Alles läuft in einem kleinen Bildschirm, der im Vordersitz verbaut ist. Man muss nicht mehr an tief hängenden, flackernden 15-Zoll-Monitoren „Mister Bean“ oder „Donald Duck“ anschauen.

Kabinenlicht: Schlafenszeit und Aufwecken werden nun mit einem „ambient light“ eingeläutet. Ganz vergessen sind die Zeiten, als Stewardessen mit einem Knopfdruck die Nacht erklärten und man mit seinem Buch im Dunkeln saß. Gar nicht zu reden von den hellen Neon-Röhren, die wenig später schon wieder die Kabine erhellten, um die Fluggäste zum Frühstück zu wecken.

Waschräume: Das frühere Bord-Klo heisst nun „Waschraum“ und dank wirklich guter Frischluft-Versorgung kann man mittlerweile die Waschräume auch direkt nacheinander betreten. Die Luftfahrt hat es irgendwie geschafft, das „Örtchen“ sauber zu halten, da kann sich die Bahn noch einige Scheiben von abschneiden.

Ladevorrichtung: Man kann stundenlang sein Handy oder Tablet laden, vermutlich länger, als dem Akku so lieb ist. Eine eigene Powerbank dabei zu haben, beruhigt zwar das Gewissen, ist aber eher nur für den Anschluss-Flug nützlich, wenn da keine USB-Buchsen in den Sitzen verbaut sind.

Allerdings gibt es immer noch genug „room for improvement“, für den sich die Ingenieure gern etwas einfallen lassen könnten.

Wieder ein paar Beispiele:

Verpflegung: Die ist zwar qualitativ besser geworden, es ist aber immer noch unklar, wann und wieviel es etwas zu essen geben wird. Hat man noch vorsorglich am Boden gegessen, muss man damit rechnen, dass man mitten in der Nacht eine warme Mahlzeit serviert bekommt. Hühnchen, Gemüse und Kartoffel-Püree um 01:30 Uhr?

Zugluft: Auch wenn man die Luftausgänge über den Sitzen zudreht, wird man permanent mit Luft angepustet. Das kann man eigentlich nur gesund überstehen, wenn man sich einmummelt wie ein Eskimo auf dem Schlitten. Ich verstehe echt nicht, wie es andere Leute 13 Stunden mit Flip-Flops, T-Shirt und kurzer Hose in solch einer Kühltruhe aushalten können.

Sitzplatzwahl: Man muss sich immer noch gut überlegen, ob man lieber am Fenster (… und damit quasi 13 Stunden eingeschlossen…) sitzt oder am Gang (… damit zwar frei, aber ständig angestupst, weil der Nachbar aufs Klo muss). Ich bevorzuge Gangplatz und zwar an der Mittel-Achse. Dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass mich der Passagier vom Mittelplatz hochtreibt, nur noch 50%, denn er kann ja auch den Gangplatz-Inhaber auf der anderen Seite ansprechen.

Geräusche: Eine künftige Herausforderung für die Ingenieure sollte das Abschalten der Geräusche der Fluggäste sein. Man denke nur an Passagiere, die Comedy schauen und schallend vor sich hin lachen. Aber auch an Gäste, die im Schlaf schnarchen, grunzen oder nach Luft schnappen. Oder auch an die vielen Labersäcke, die permanent reden müssen. Im schlimmsten Fall in der eigenen Muttersprache, so dass man alles verstehen kann.

Also, da ist noch so einiges zu tun und wir bleiben gespannt!

Und nun noch mal zurück zur „Kuh im Propeller“.
Gibt‘s übrigens auf der gängigen Video-Plattform.
Unbedingt mal anhören
„Agitiert nur…, agitiert nur!“
Großartig.

 

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31) Abflug

Singapur ist eine beeindruckende Stadt und es gibt viel zu entdecken. Irgendwann naht aber die Heimreise und die führt über den Flughafen Changi. Diesmal aber, scheinen sich Flughafen-Personal und Fluggäste gegen mich verschworen zu haben. Sie tun alles dafür, dass meine Laune an diesem Samstagabend stetig in den Keller geht. Der check in läuft noch reibungslos, aber ab dann geht es kontinuierlich bergab:

Kurz vor der automatischen Passkontrolle will eine Dame des Flughafens meinen Pass sehen. Ungefähr fünf Meter weiter, will dann ein Computer meinen Pass scannen und dazu auch noch meinen Daumen kontrollieren. Die Glastüren öffnen sich, der Computer lässt mich passieren. Nur zwei Meter weiter steht schon wieder eine andere Dame, die meinen Pass sehen will. Meine Güte, die nehmen es aber genau. Da ich noch etwas Zeit habe, steuere ich einen 7/11-Shop an. Dort will ich eine Flasche Wasser für den Flug kaufen und eine Büchse Bier für die verbleibende Wartezeit am Gate. Die Büchse „Tiger“ erwartet mich gut gekühlt im Eisschrank und ist mit 5,80 SGD erfreulich preiswert. Die Dame an der Kasse klärt mich dann aber auf, dass nach 22:30 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Na großartig, dann nehme ich halt nur das Wasser mit. Bei 13 Stunden Flug, will ich unbedingt eine Flasche Wasser am Platz haben und nicht auf die Versorgung in der Luft angewiesen sein. Ich steuere eine Bar an, um da vielleicht noch ein Bier zu trinken, bevor es losgeht. Ein Pint gibt es dort für stolze 18,95 SGD! Das ist mehr als das dreifache im Vergleich zur Büchse im Shop und entspricht ungefähr 12,00 EUR. Egal. Es ist Samstag. Das gönne ich mir. So langsam wird es Zeit zu gehen. Ich strebe den Ausgang an und sehe, dass direkt am Gate die Sicherheitskontrolle stattfindet. Dort ist man schon eifrig am Durchleuchten und ich stelle mich an der Schlange an. Die Sicherheits-Prozedur kommt etwas ins Stocken, weil ein Rollstuhlfahrer abgefertigt werden muss. Der wird samt Stuhl an dem Scanner vorbeigeschoben und von Hand kontrolliert. Das Abtasten dauert etwas länger, geht im Sitzen halt nicht anders. Ist ja auch in Ordnung. Im Handgepäck des Rollstuhlfahrers hat ein Computer das Interesse der Security geweckt. Wie nach plötzlicher Heilung, erhebt sich der Mann aus dem Rollstuhl und läuft schnurstracks zum Handgepäck. Wie geht das denn? Habe ich gerade ein helles Licht verpasst? War der Heiland gerade hier? Der Mann steht standfest auf beiden Beinen und diskutiert mit den Sicherheitsleuten Als ich endlich an der Reihe bin, muss ich schon wieder meinen Pass zeigen. Dann werde ich aufgefordert, mein Wasser auszutrinken oder zurückzulassen. Das will ich aber gar nicht. Ich habe es mir ja bewusst erst am Gate gekauft, damit ich es in den Flieger mitnehmen kann. Auf meine Frage, ob es hinter der Schleuse noch Wasser zu kaufen gibt, kommt nur ein „Yes, Yes“. Nach meiner Erfahrung heisst das soviel wie „Nein“ oder „Keine Ahnung“. Als ich endlich die Kontrollen passiert habe, verstaue ich alles wieder an seinem Ort und lasse meinen Blick im Warteraum schweifen. Es werden keine weiteren Getränke mehr verkauft. Der Ex-Rollstuhlfahrer ist in Höchstform und kommandiert, immer noch stehend, das ganze Sicherheits-Team. Ich laufe weiter nach vorn zum Ausgang. Das Einsteigen hat noch nicht begonnen, so kann ich noch etwas die mitfliegenden Passagiere beobachten. Eine Schweizer Reisegruppe ist kaum zu überhören, ein kleines Kind ist völlig übermüdet und stresst seine Mama. Vor mir steht ein beleibtes Pärchen in Jogging-Hosen und macht Joga-Übungen oder so etwas. Sie stehen sich gegenüber, kreisen mit ihren Hüften und atmen sich gegenseitig an. Endlich wird zum Boarding gerufen. Zunächst wie immer die HON-Circle-Members und Senatoren, dann die Business Class und irgendwann das gemeine Flug-Volk. Es gibt aber nur eine Brücke zum Flugzeug und niemand kontrolliert heute die Einhaltung diesen elitären Kasten-Systems der Luftfahrt. Nur der Pass, der soll nun schon wieder bereit gehalten werden. Ich setze mich in Bewegung, egal ob ich nun schon dran bin oder eben nicht. Ich will hier weg. Keine Lust mehr auf diese Faxen. In der Gangway bildet sich eine Schlange. Das kommt mir eigentlich ganz gelegen, denn ich will noch meine Kopfhörer aus dem Rucksack holen. Während ich mich also kurz zu meinem Rucksack bücke, bewegt sich die Schlange etwas und vor mir bildet sich ein Abstand von circa einem Meter. Die ältere Dame hinter mir setzt zum Überholen an und reiht sich in den Raum vor mir ein. Geht’s noch? An der Kabinen-Tür begrüßt das Schweizer Kabinen-Personal jeden Fluggast mit einem „Grüezi, wie geht’s Ihnen?“. Grummel… sprecht mich bloß nicht an. Sorgt lieber dafür, dass es den neuen „Mission Impossible“ im Video-Programm gibt. Ich fühle mich gerade wie Ethan Hunt, dem gleich die Sicherungen durchgehen.

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29) Automated Landing

„Bing. Liebe Fluggäste, Sie haben es vielleicht schon bemerkt, wir fliegen deutlich langsamer als üblich“. So ungefähr beginnt der Flug-Kapitän seine Ansprache zu uns nach hinten in die Kabine hinein. Das Wetter In München habe sich unvorhergesehen verschlechtert, die Wolken hängen dort sehr tief. Es herrsche sehr schlechte Sicht am Flughafen, informiert er. Die Sicherheitsabstände zwischen den Landungen wurden bereits von der Flugsicherung vergrößert, wir werden uns auch in eine Warteschleife einfädeln müssen. Es wird Verzögerungen geben. Für solche Situationen sei eine Standard-Prozedur namens „Automatic Landing“ vorgesehen, der wir nun strickt folgen müssen. Na großartig, dass geht ja schon wieder gut los. Für dieses Automatic Landing sei es ganz wichtig, dass die Elektronik an Bord nicht gestört wird. Daher müssen diesmal alle elektronischen Geräte wirklich ausgeschaltet sein, sobald die Anschnallzeichen erleuchten. An mir soll es nicht liegen. Mein Handy wird uns nicht zum Absturz bringen. Der Computer hat mittlerweile die Steuerung übernommen, das merkt man. Der Flieger fliegt eine schnurgerade Linie, die Geschwindigkeit bleibt exakt gleich und Kurskorrekturen erfolgten präzise wie bei einer Herz-OP. Die Anschnallzeichen leuchten nun auf, ich schalte meine elektronischen Geräte ab und schaue nach links und rechts, ob meine Sitznachbarn nachziehen. Und siehe da. Sie tun es tun es. Das beruhigt. Kaum geht es uns Menschen ans Leder, können wir mal für 15 Minuten unsere Wisch-Finger vom Gerät lassen. Die Räder werden ausgefahren, aus dem Fenster kann ich schwache rote Lichter sehen. Sind das noch die roten Warn-Leuchten auf Häusern oder bereits die roten Lampen an der Landebahn? Touchdown. Gar keine Zeit, mir die Frage selbst zu beantworten. Es waren dann doch schon die roten Leuchten auf der Erde. Der Computer geht auf die Bremse, nicht ganz so ruppig wie ein menschlicher Pilot, aber doch mit Nachdruck. Gut gemacht. Das war eine sehr sanfte Landung. Ehrlich gesagt, sogar gar besser ausgeführt als von Menschen-Hand. Die Passagiere um mich herum zücken sofort wieder ihre Telefone. Mir fliegen ein paar Dinge im Kopf herum.

  1. Dass man Robotern zunehmend einfache und monotone Aufgaben übergibt, ist ja bekannt. Also zum Beispiel so etwas wie 5.000 km geradeaus fliegen.
  2. Dieser Anflug aber, war aus einem wetterbedingtem Sonderfall entstanden, den man anscheinend mittlerweile auch lieber den Computern überlässt, als den erfahrenen Piloten mit tausenden Flugstunden. 
  3. Können die Computer-Flugzeiten künftig noch als Flugstunden im Sinne der Flugpraxis und Erfahrung angerechnet werden?
  4. Und wenn die Flugzeuge künftig immer mehr von Computern gesteuert werden, kann man dann eigentlich nach erfolgter Landung noch klatschen, wenn’s echt mal kritisch war? Oder tippt man nur noch auf einen „Gefällt mir“-Button in der Flugzeug-App?

Happy landing! Like it!

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27) Flughafen-Transfer

07:25 Uhr: „Bing. Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten landen wir in München“. Ich schrecke hoch und muss mich erst einmal orientieren. Mein Kaffeebecher ist verschwunden und meinen Klapptisch hat auch jemand hochgeklappt. Oh, da bin ich wohl eingeschlafen. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster. Die Sonne wirft zwar noch lange Schatten, aber der Nebel auf den Feldern scheint sich zu verziehen.

07:27 Uhr: „Bing. Unsere Ankunft erfolgt aller Wahrscheinlichkeit nach an K12. Sie erreichen alle Ihre Anschlussflüge. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte unser Boden-Personal.“ Wie bitte? Gate K? Och nöh! Das liegt am A… der Welt! Gerade erst aus meinem Kurzschlaf erwacht, bin ich schon bedient. Das wird heute wieder ewig dauern, bis ich an meinem Ziel bin.

07:29 Uhr: Ich bin sauer, zücke mein Handy und nehme mir vor, meinen Transfer zu dokumentieren. Bestimmt lässt sich daraus ein Blog-Beitrag machen, in dem ich mal von Herzen auf den Airport München schimpfen kann. Verdient hätten die es doch schon lange einmal. Wieviel Lebenszeit habe ich eigentlich schon hier verbracht. Wie viele Kilometer abgelaufen?

07:36 Uhr: Ich schaue wieder aus dem Fenster und sehe die Stadt samt Olympia-Anlage und Fußball Arena vorbei ziehen.

07:37 Uhr: Die Räder werden ausgefahren, hinter der Stadt kann ich die Berge sehen.

07:40 Uhr: Es rumst, schüttelt etwas und ich werde in den Gurt gepresst. 

07:41 Uhr: „Herzlich Willkommen in München, bitte bleiben Sie noch einen Moment sitzen, bis das Flugzeug die endgültige Parkposition an K12…“. Ja, ja ist ja gut. Es ist K12 geworden … weit weg … ich weiß…grummel.

07:45 Uhr: Wir docken also an, die Türen werden geöffnet und die ersten Passagiere steigen aus.

07:51 Uhr: Meine Reihe 16 ist nun endlich an der Reihe und wir dürfen aussteigen.

07:52 Uhr: Im Gebäude biege ich nach links ab in Richtung Gate G.

07:54 Uhr: In der Shopping Zone herrscht schon reger Betrieb, meine Güte.

07:55 Uhr: Ich schwimme mit der Menge mit, es geht ganz gut voran.

07:57 Uhr: Die führerlose Bahn zum Terminal 2 steht schon bereit. Schwein gehabt.

07:58 Uhr: Am Gate G steige ich wieder aus. Ich liege gut in der Zeit. Es sind erst 7 Minuten vergangen, seit dem ich mich aus dem Sitz erhoben habe. 

07:59 Uhr: Meine Stimmung wird besser. Die Zuversicht in mir wächst. Aber das wäre jetzt eigentlich kontraproduktiv. Was mache ich denn dann mit meinem Blog-Beitrag? Wie kann ich eine Geschichte über das zähe Verlassen eines Flughafens schreiben, wenn doch heute alles glatt geht? Egal, dann schreibe ich den Beitrag halt beim nächsten Mal.

08:02 Uhr: Ich erreiche die Kofferausgabe. Da ich heute keinen Koffer habe, kann ich direkt weiter zum Ausgang gehen.

08:04 Uhr: Die Schiebetüren öffnen sich. Pappen und Tablets werden mir entgegengehalten. Sie zeigen Namen fremder Menschen. Mein Name steht nirgends, auf mich wartet keiner.

08:05 Uhr: Ich gehe am Döner-und Pizza-Imbiss vorbei, dann durch die Drehtür und bin an der frischen Luft.

08:06 Uhr: Großartig. Ich war echt schnell heute. Jetzt nur schnell rüber zur S-Bahn. Ich verabschiede mich von meinem Blog-Beitrag. Die Notizen kann ich in der S-Bahn löschen.

08:07 Uhr: Ich komme an der Rolltreppe zur S-Bahn an, werfe einen Blick auf die Anzeige der nächsten Abfahrten und sehe…? 

Meine S8 is gerade abgefahren, ich muss 18 Minuten warten, komme also nicht vor 08:25 Uhr hier weg. Dann werde ich bereits schon wieder seit 45 Minuten auf dem Boden sein und habe die lange Fahrt in die Stadt ja erst noch vor mir. Vielleicht sollte ich die Notizen mal noch nicht löschen? 

 

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20) Flughafen-Bus

Aber zunächst erst einmal genug mit all den Kindergeschichten. Kommen wir zu etwas anderem. Ein weiteres riesiges Feld von Egoismus und Ignoranz scheint das Reisen zu sein. Schon in meinem Buch „Please follow the signs“, habe ich viele dieser wirklich unsympathischen Menschen beobachtet und zu Papier gebracht. Dabei schrieb ich über Idioten, die mit riesigen Rollkoffern in die Kabine rollen und sensible Jackets in den Staufächern platt walzen. Typen, die sich unter einem Vorwand vorn in die Schlange einreihen, um sie dann später aber als Sitznachbarn wieder zu finden. Menschen, die zu spät kommen und sich dann maßlos drüber aufregen, warum der Flieger wieder später abgeht oder die Gepäckfächer voll sind. Aber ich will hier nicht das ganze Buch noch einmal schreiben. An dieser Front scheint es ab immer wieder Nachschub zu geben. Und so kann ich nicht aufhören, über diese mit Mitmenschen zu schimpfen. Zum Beispiel beim Einstieg in einen Flughafen-Bus. Das Flugzeug ist gerade gelandet und die Treppen rollen heran. Nur zwei Busse fahren vor und wir wissen, dass am Berliner Flughafen keine weiteren Busse folgen werden. Um so unverständlicher ist mir, dass viel Gäste nicht in die Busmitte durchgehen wollen, sondern an der Tür stehen bleiben. Im Stadtverkehr kann ich das verstehen, wenn man an der nächsten Station schon wieder aussteigen will. Aber beim Flughafen-Transfer gibt es aber nur eine Station. Da werden alle aussteigen. Also was soll der Hickhack? Am Kofferband sieht man sich eh wieder. Und selbst wenn der Reisende gar keine Koffer hat und nur darauf abzielt, als erster ein Taxi zu ergattern, wird er eh am überfüllten Taxistand zum Stillstand kommen. Oft habe ich erlebt, dass im Inneren des Busses genügend Platz war. An den Türen jedoch, sah es aus, als käme der Bus gerade aus Indien. Aus dem Flugzeug stolpern die letzten Gäste die Treppe herunter, stehen dann planlos vor der Bus-Tür und kommen nicht hinein. Aber das interessiert die Türsteher überhaupt nicht. Soll doch ein weiterer Bus kommen. Was geht mich das an? Ich war zuerst hier! Da aber kein weiterer Bus kommen wird, verzögert sich die Abfahrt um weitere wertvolle Lebenszeit. Irgendwann haben auch die Berliner Busfahrer keine Lust mehr auf das Schauspiel und fordern mit Berliner Charme auf, durchzutreten. „Könn’ se ma‘ durchtreten, sonst steh‘n wa zur Tagesschau noch hia“. Na endlich.

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