29) NapCap, MeetingCap, BodyCap

Neulich hatte ich im Münchener Flughafen noch etwas Zeit bis zum Boarding. Also lief ich auf und ab und wartete auf „die“ Eingebung. Die Lösung aller Probleme. Kam aber nicht. Blöd.

Dafür stieß ich aber bei Gate G06 auf große Boxen. Nein, keine Boxen aus denen Musik kommt, keine Schachteln/Büchsen zum einpacken und auch nix für Pferde. Um all diese Missverständnisse zu vermeiden, nennt man die Dinger „Cap“. Und zwar „NapCap“ und „MeetingCap“. Und was kann man da machen? Na ja, wie der Name schon sagt, kann man im NapCap ein Schläfchen halten. Zwei Stunden für 30 EUR, Liege, Bettwäche, Tisch und Spiegel inclusive. Im MeetingCap kann man für 35 EUR ein Meeting mit 4 Personen durchführen. Es warten Tisch, Stühle, WiFi, alles da was man so braucht

Also laufe ich zwischen den Caps umher und denke nach:

  • Werden die Scheiben eigentlich abgedunkelt? Oder können anderen von außen reinschauen, wenn man da schläft? Und der große Spiegel am Ende, wer sitzt dahinter?
  • Was wird’s künftig sonst noch so für Caps geben? Vielleicht was für Pärchen … … pfui … stopp! Vielleicht eine SaunaCap, WellnessCap? Eine RaucherCap? Aber die gibts ja schon. Vielleicht ein BodyCap? Also ein Art „Hülle“ die mich komplett einschließt und nur unten die Beine zum Laufen hinauslässt?
  • Die Caps sind auch viel eleganter und platzsparender als die wuchtigen Container der Flüchtlingsheime. Wenn die Cap-Ingenieure noch etwas tüfteln, dann können sie die Caps bestimmt bald stapeln und somit die komplette Höhe des Terminals nutzen.
  • Und da die Dinger noch relativ ungenutzt sind, kann man denn nicht vielleicht den Nutzerkreis etwas öffnen? Ich meine, der Münchener Wohnungsmarkt ist doch recht angespannt … ;-). Klo, Dusche, Snack-Automat, Kaffee-Automat und diverse Bars gibt’s nebenan und zum Flughafen hat man‘s auch nicht mehr weit. Na ja, nun vielleicht ist das nicht für jeden geeignet. Aber für Vielflieger und Board-Personal allemal.

Dann können Captains oder DiCaprios am Wochenende dort bleiben und müssten nicht mehr in die Capitale Bayerns fahren. Sie können ein Basecap aufsetzen und das Spiel der Capitals anschauen. An ihren Capabilities arbeiten oder mal über ihr Handicap nachdenken. Am Montag gibt’s ein paar Meter weiter einen Cappuccino und dann geht’s gleich wieder in die Flieger nach Cape Canaveral, Capetown oder Capri.

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27) Postkarte vom Auf und Ab der Sonne

Vor genau einem Jahr, habe ich hier ein paar Bilder schöner Sonnenauf-und Untergänge aus 2018 veröffentlicht. Aber auch 2019 gab‘s wieder tolle Bilder, die es bislang noch nicht ins weltweite Dorf geschafft haben.

Rückblickend kann ich feststellen, dass ich dieses Jahr wohl einen Faible für den frühen Sonnenaufgang hatte und für Bilder aus dem Flugzeug-Fenster. Shame on me! Mein CO2-Footprint aus 2019 muss auf die Agenda für die Verhandlung der Vorsätze für 2020 … aber das wird ein eigener Beitrag.

Ich wünsche allen Lesern vom schreib.blog schöne Weihnachten. Genießt die freie Zeit mit Familie, Hund und Katz! Bis die Tage.

Hier nun erst einmal ausgewählte Bilder früher Morgenstunden im Park:

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Und nun ein paar Bilder aus luftiger Höhe. Eigentlich fand ich es doof, dass mich die App der Airline immer links platziert hat, aber für die Aussicht war es besser.

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Macht‘s gut, muss mich jetzt ums Fest kümmern 😉

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Beitrag 199 – Vom Reisen

Ach ja, das Reisen. Es gibt soviel zu entdecken auf dieser blauen Kugel. Städte, Dörfer, Bauwerke, Meere, Flüsse, Wüsten, Wälder, Berge, Täler und Dschungel.

Wenn doch nur Reisebudgets und Urlaubskontingente etwas üppiger ausgestattet wären, nicht wahr? Dann könnte man sich viel mehr ansehen, andere Menschen treffen und für kurze Zeit in das Leben vor Ort eintauchen. Deshalb verreist man ja schließlich oder nicht?

Na ja, nicht ganz. Na klar, ist das „Reisen“ hauptsichlich das Mittel der Wahl, um zu den Hot Spots dieser Welt zu kommen. Aber das „Reisen“ an sich, also der Weg dorthin oder auch die Strecken zwischen den Zielen macht ja auch etwas mit uns. Und von diesen …. handeln die folgenden fünf Beiträge

Viel Spaß beim Lesen

 

54) Treppenmangel in (T)XL

Die Billig-Airlines sind clever. Sie geben die Flugzeit München – Berlin mit 01:20 an. Eigentlich ist es nur eine Stunde. Während sich der Kranich für jede 10 Minuten Verspätung entschuldigt, protzt der orange Billig-Flieger mit „Herzlich Willkommen in Berlin Tegel, wir sind überpünktlich gelandet. Bitte bleiben Sie solange angeschnallt sitzen, bis wir unsere endgültige Warteposition erreicht haben.“ Ich habe das schon lange durchschaut, nur die Logistik an Deutschlands Museumsflughafen noch nicht.

Da fehlt es bei „vorzeitiger“ Landung entweder an ….

Auszug Chat Protokoll
18:18: wir steigen ein
18:18: sieht gut aus, bin 20:30 zu Hause
18:18: wenn der Bus kommt
18:18: und die Treppe
18:36: scheint pünktlich, wir legen ab
18:36: eine Stunde Flugzeit, sagen sie
18:40: bin jetzt off
19:50: bin gelandet
19:51: Bus ist da
19:51: aber keine Treppe

… Stellplätzen, Einwinkern, Bussen oder eben Treppen.

Während des Wartens auf die Treppe gehe ich so meine Optionen durch

  • Wie hoch ist so ein A320 eigentlich? Wenn ich mich mit meinem Hintern an die Türkante setze, könnte ich vielleicht …
  • Strickleitern … ja! Warum eigentlich nicht? Jeder, der in der Hauptstadt landet, sollte eine Strickleiter dabei haben. Aber im Handgepäck. Ganz wichtig.
  • Vielleicht über die Notrutschen? Ich meine, … die müssen doch auch mal benutzt werden. Das macht bestimmt Spaß.
  • Vielleicht einfach die 112 anrufen? Die haben schließlich Leitern,  Rutschstangen und Sprungkissen. Mhm. Ist zu riskant. Dann nehmen die mich noch mit.
  • Oder einfach hier sitzen bleiben? Bis nächsten Dienstag?

Mann, ich will doch nur nach Hause!!

Frühere Beiträge zum Thema:

 

 

53) Mittelplatz

Einen Mittelplatz im Flugzeug? Den kann man lieben oder hassen. Je nach dem, ob man ihn leer neben sich oder unter sich hat.

Bekommt man solch einen Mittelplatz neben sich zur freien Verfügung, ist das großartig. Es schafft Distanz zum nächsten Sitznachbar und man kann ganz wunderbar seinen Krempel auf der Sitzfläche verteilen. Buch, Müsli-Riegel, Schreibzeug, Handy. Super.

Wurde aber der eigene Hintern so einem Mittelplatz zugewiesen, kann man sich schnell fühlen, wie ein Burger-Bratling zwischen zwei pappigen Brötchenhälften. Ohne Gurke, ohne Sauce. Käse auch nicht.

  • Während der linke Nachbar seinen Leib in den Gang hängen und der rechte Nachbar an die kalte Fensterfront schmiegen kann, bleibt dem Loser in der Mitte nur die erschöpfende, kerzengerade Sitzposition. Aufrecht, mit Blick nach vorn.
  • Zunehmend unangenehm wird es, wenn die Nachbarn ihre Unterarme flächig auf den Armlehnen verteilten, so dass man nicht einmal mehr mit den Musikantenknochen eine minimale Auflagefläche findet.
  • Dann kann man eigentlich nur noch die Arme verschränken und auf baldige Landung hoffen. Oder auf die schwache Blase der Nachbarn, welche die Chance auf Rückeroberung der Armlehne erhöht. Dann sollte man aber sicher sein, nicht selbst bald aufs Bord-Klo zu müssen.
  • Die nächste Verschärfung der Situation entsteht, wenn Sitznachbarn übermäßig breitbeinig sitzen oder deren Oberschenkel im Schlaf erschlaffen und dann zu mir in meinen Fußraum kippen. Oaaah nee! Dann schaltet der kleine Asberger in mir sofort die rote Lampe an. Mach das weg!
  • Die absolute Krönung wäre sicher das Anlehnen eines schlafenden, schnarchenden, sabbernden Koloss, der den Abend zuvor beim Griechen war und mir nun mit offenem Mund auf die Schulter tropft. Trotz jahrelanger Flugerfahrung ist mir das noch nicht passiert, aber wenn das jemals geschehen sollte, mache ich ein Selfie von uns beiden Kuschelmonstern und poste es hier

Versprochen !

Nachtrag 18:16 Uhr. Habe meinen Platz eingenommen.
29E :-(

Frühere Beiträge aus der Kabine:

34) Schäm dich!

Ja, ich fliege regelmäßig mit dem Flugzeug. Auch im Inland, weil die Bahn noch zu langsam ist. Manchmal fliege ich auch ins Ausland, für den Job oder just for Fun. Vor ein paar Wochen habe ich den Begriff „Flug-Scham“ kennengelernt und schäme mich nun fortan für meine Flug-Vergehen. Ist ja nicht so, als wäre es das erste, für was ich mich schämen müsste.

Man kann sich heutzutage rund um die Uhr schämen:

  • Wir besitzen einen Diesel. Der steht zwar meistens ungenutzt herum, aber allein das Besitzen nagt schon am Gewissen. Ich trinke ab und zu Kaffee aus Papp-Bechern. Neulich habe ich Duschgel in einer schwarzen Plastik-Flasche gekauft, aber erst danach gelesen, dass das total falsch war. Auch kauften wir jahrelang Pfand-Flaschen, im guten Glauben, dass die damit automatisch im Mehrweg-System landen. Auch falsch. Selten vergesse ich, den Fernseher komplett auszuschalten. Dann ist der die ganze Nacht im Stand-By.
    —> Ja, ich versuche mich zu bessern und mehr für den Umweltschutz zu tun

 

  • Kürzlich habe ich einen Döner gegessen, ohne Pommes ohne Brot. Wegen der  Figur. Eigentlich müsste ich das Fleisch künftig auch weglassen, wegen des Klimas. Den Salat besser auch weglassen, wegen spanischer Gewächshäuser. Wir sollen auch weniger Wurst essen. Was dann? Fisch? Oder Käse? Ist der besser, da diese Rinder beim Käse-Machen weniger pupsen? Ich lese nicht immer den Stempel auf dem Ei und kaufe auch mal Industriebrötchen im Super-Markt, statt den weiteren Weg zum Prenzlauer-Berg-Koscher-Fair-Okö-Vegan-Teuer-Becker zu gehen. Auch nicht gut, ich weiß.
    —> Wenn die Kids jetzt schon zur Klima-Demo gehen, werde ich mich auch hier ändern

 

  • Letzte Woche habe ich habe ich viele Obstfliegen erschlagen, weil die mir die Decke im Wohnzimmer vollkackten. Ich habe eine Gesichts-Creme gekauft, ohne den Händler zu fragen, ob die nicht vorher an Tieren getestet wurde. Auch war ich nicht wirklich traurig drüber, als man feststellte, dass es immer weniger Wespen in der Stadt gibt. Ich habe dabei nur an mich und mein Wespenfreies Nackensteak gedacht, das war nicht korrekt.
    —> Schande über mein Haupt, auch beim Tierschutz werde ich mein Handeln überdenken und künftig auch ertrinkende Wespen aus der Limonade retten

 

  • Treffe ich auf eine attraktive Frau, schaue ich nicht immer auf den Boden. Nein, ich schaue die Dame auch mal an. Manchmal auch ihren Hintern. Unglaublich, oder?  Ich vergesse auch, gender-neutral zu schreiben. Ich schreibe z.B. „Mitarbeiter“, „User“ und „Manager“. Hätte natürlich „Mitarbeitende“, „Usende“ und „Managende“ heißen müssen. Auch wenn es bekloppt klingt. Zusätzlich „linge“ ich immernoch, ich habe „Flüchtling“ gesagt. Es muss natürlich „Flüchtende“ heißen. Genauso heißt es natürlich auch nicht mehr Lehrling oder Häftling. Für Riesling, Zwilling und Recycling fällt mir aber nichts besseres ein, gibt es da eine Alternative?
    —> Ok, auch am Respekt gegenüber dem anderen Geschlecht werde ich arbeiten, gleichzeitig versuche ich aber auch, die Geschlechter gar nicht mehr zu unterscheiden

 

  • Letzte Woche regte ich mich tierisch auf, als eine Chinesische Reisegruppe die Sicherheitskontrolle vor mir blockierte. Später betrat ein muslimisch anmutender Mann mit dunklen Augenringen den Flieger, der war mir sehr suspekt. Später musste der aufs Klo und hat sich doch glatt das Bord-Klo vorn beim Piloten ausgesucht. Sehr verdächtig. Und ich habe neulich ( … aber wirklich nur ganz kurz … ) über einen Witz gelacht. Der begann ungefähre so: „Treffen sich ein Christ, ein Moslem und ein Jude …“
    —> Auh Backe, das geht natürlich gar nicht. Ich gelobe auch hier Besserung. Ich werde alle meine Schubladen im Kopf durchwühlen und die Menschen daraus befreien.

 

  • Ab und zu drücke ich unserem Sohn ein iPad in die Hand, um mal meine Ruhe zu haben. Das ist egoistisch und für seine Zukunft bestimmt nicht gut. Ich selber checke morgens beim ersten Espresso schon, wieviele Besucher am Vortag meinen Blog besuchten. Das macht mich vermutlich süchtig und ist ein schlechtes Beispiel für die Kinder. Ich müsste es eigentlich besser wissen. Ach so, der Espresso kommt natürlich aus einer Alu-Kapsel ….
    —> Oh Gott oh Gott, jetzt reicht’s aber. Schluss jetzt, das kann ja keiner mehr lesen, das wird ja immer schlimmer

 

Wenn der Leser denkt, dass das schon alles war, dann muss ich enttäuschen. Die Liste meiner Vergehen ist unendlich lang. Ich bin anscheinend ein Gesellschafts-Versager. Ein Ignorant. Asozial. Wenn ich jemals zur Beichte gehe, sollte sich der Pfarrer was zu essen und zu trinken einpacken. Es könnte länger dauern. Danach komme ich trotzdem in die Hölle und darf sie auch als erster betreten. „Priority Boarding to Hell“, quasi.

 

Anmerkung: Bitte, nicht falsch verstehen, ich will Klima-Schutz, Tierschutz, LGBTQ, Toleranz, Diversity, Minderheitenschutz, me2, Anti-Rassismus, Religionsfreiheit und so weiter nicht durch den Kakao ziehen. Aber es kann doch auch nicht sein, dass sich ein gebildeter, durchaus achtsam lebender und sozialer denkender Mensch permanent schuldig fühlt und in die Ecke stellen könnte. Habe nur ich das Gefühl, dass die Verantwortung für den Wandel komplett bei uns abgeladen wird? 

 

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33) Digital Detox in der Cloud

Good Morning, Your capitan speaking … bla bla … flight time to Munich today will be one hour and ten minutes. Enjoy your flight!

Was, ein Inlandsflug?? Pfui! Hat der etwa keine Flugscham? Doch doch, ich schäme mich. Schon wieder. Aber dazu bald mal ein anderer Beitrag hier auf‘m Blog.

Eine Stunde und zehn Minuten Zeit nur für mich, das ist ein wahrer Luxus. Was kann ma da alles schönes anstellen?

  • Einen Blog-Beitrag verfassen?
    Logisch, das geht auch hier oben über den Wolken, aber dazu fehlt mir gerade eine Inspiration
  • Schlafen?
    Besser nicht, dann fühle ich mich in München wie gerädert und trage das den ganzen Tag mit mir herum
  • Auf dem Handy daddeln?
    Ja, kann man machen, aber ohne Netzanbindung kann ich nur alte Nachrichten lesen. Das Vergnügen ist irgendwie endlich
  • Magazine auf dem Tablet schauen?
    Hätte ich zwar offline dabei, aber um 06:45 Uhr fühle mich noch nicht ganz so aufnahmebereit für komplexere Informationen
  • Musik oder Hörbuch hören?
    Auch ´ne Idee, Musik lenkt aber von Gedanken ab und Hörbücher machen mich, zumindest im Sitzen, müde
  • Fotos aussortieren?
    Eine wunderbare Aufgabe für den Flieger, aber auf dem kleinen Bildschirm auch nicht gerade optimal. Außerdem saugt das den Akku leer
  • Im Board-Magazin blättern?
    Ist irgendwie immer dasselbe. Start Up-CEO‘s Mitte 20 geben ihren Senf ab, es werden Städte vorgestellt wo ich schon war und Prominente zeigen, welche Gadgets sie in ihren Koffern mit sich herum tragen
  • Im Shopping-Katalog blättern?
    Ganz nett zum inspirieren, aber so viele tragbare Lautsprecher, Adapter, Uhren, Mäh-Roboter, Saug-Roboter und Powerbanks kann ich niemals brauchen

Und nun?

Ich bestelle mir einen Premium-Krümel-Kaffee, packe den ganzen Medien-Kram beiseite, schaue aus dem Fenster und lasse den Gedanken freien Lauf.

Frühere Beiträge zu Fliegerei und Medien:

19) Lifejacket under seat

Keine Ahnung, wie oft ich schon die Sicherheitsunterweisung im Flieger dargeboten bekommen habe. Notausgänge vorn und hinten, Anschnallen, Flugmodus und so weiter. Ansonsten … „bitte die Sicherheitskarte vor ihnen in der Sitztasche…“ beachten.
Immer das selbe Schema.

Obwohl…, in den letzten Monaten wurden wieder ein paar neue Elemente in die Dramaturgie eingebaut. Man spricht von sich überhitzenden, gar qualmenden Mobiltelefonen und von E-Zigaretten. Letztere dürfen natürlich nicht geraucht werden. Auch nicht heimlich auf dem Klo, Mensch! Kam die Einweisung früher noch vom kostümierten Board-Personal, wird das Programm auf der Langstrecke nun immer mehr per Video „performed“. 

Das ist häufig ganz lustig gemacht, wenn auch etwas realitätsfern:

  • Animierte Mutter und Kind sitzen glücklich nebeneinander. Mama nimmt dem Sohn das Handy weg und schaltet ihm den Flugmodus ein. Der Junge lächelt sie an und nickt verständnisvoll.
  • Ein Business-Typ sitzt auf seinem Platz und tut nicht nichts. Auf einmal fallen Sauerstoff-Masken von oben herab, entspannt greift er zur Maske und bleibt die Ruhe in Person. Wie in der Joga-Klasse.
  • Mein absoluter Liebling ist aber die Animation im Falle einer Notwasserung. Der Passagier tritt an die Türschwelle, lässt noch einen Blick übers seichte Meer schweifen und zieht den Stöpsel seiner gelben Weste. Und dann folgt: „An der Schwimmweste befindet sich eine Pfeife, mit der sie im Bedarfsfall Aufmerksamkeit erregen können“. 

Dann stelle ich mir vor, wie ich allein im großen Pazifischen Ozean herumtreibe, so vor mich hin pfeife und außer dreieckigen Fischflossen nichts zu sehen ist. 

Allerdings ist ein Notfall im Europäischen Mittelmeer in diesen Tagen auch kein Geschenk. Ob nun mit oder ohne Pfeife…

Andere Beiträge aus meiner Fliegerei

 

 

 

10) Übergewicht in Mexiko

Samstag, 10:30 Uhr, Flughafen Mexico-City. Ich mache es mir auf Platz 20G gemütlich, sortiere die Dinge, die ich in den nächsten 11 Stunden in Greifnähe brauchen werde. Alles sieht pünktlich aus und sogar der Platz neben mir bleibt anscheinend frei. Großartig. Für den Moment. Doch der Kapitän meldet sich über die Lautsprecher. Er spricht ein „Problem“ an. Er sagt, die Maschine sei zu schwer für den Start. Häh? Die ist doch gar nicht voll, ich sehe noch freie Plätze vor mir. Sicher, die mexikanische Küche ist hervorragend und zählt nicht gerade zu den Leichten. Aber kann das wirklich dazu führen, dass der Airbus für den Start in Richtung München zu schwer geworden ist? Habe ich in der Woche zu viel gegessen? Der Kapitän erklärt weiter: Die Temperaturen auf dem Flugfeld und auf dem Runway sind deutlich angestiegen. Aufgrund Physik und Thermik kann das Flugzeug auf der zugewiesenen Startbahn nicht starten. Dafür seien wir zur schwer. Nur auf der zweiten Startbahn könne die schwere Maschine abheben, dass verwehrt aktuell aber die Flugsicherung. Daher suche man kurzfristig 20 Passagiere, die sofort aussteigen und einen späteren Flieger nach Frankfurt wählen. Ich schaue auf meinen Kalender. Nein es ist noch nicht April. Vielleicht ist der Kapitän einfach nur gut drauf und macht einen Scherz mit uns? „Die Entscheidung wird mit einer Entschädigung von 600 EUR honoriert“, heißt es weiter. Der Ausstieg müsse aber zügig erfolgen, da es draußen immer heißer wird und dann die 20 Passagiere nicht mehr ausreichen würden. Nein, anscheinend ist das doch kein Scherz. Ich überlege kurz. Eine Gutschrift von 600 EUR klingt natürlich interessant, zumal ich ja eh umsteigen müsste. Da wäre es egal ob ich in München oder Frankfurt lande. Der Flieger nach Frankfurt ginge aber erst „am Abend“ und der Flughafen von Mexico-City hat nun wirklich nichts zu bieten, womit ich die Zeit überbrücken könnte. Außerdem will ich nach Hause. Schnell finden sich zum Glück genug Freiwillige, die das Flugzeug verlassen wollen. Sie laufen im Gänse-Marsch den Gang entlang. Gut, dann können wir ja jetzt ablegen. Trotzdem geht mir das nicht aus dem Kopf. Können wirklich 20 Passagiere den Ausschlag geben? Ich überschlage grob. Nehmen wir mal ein Durchschnittsgewicht von 70 kg pro Person und noch einmal 35 kg Gepäck pro Nase dazu… dann macht das… so ungefähr 2.000 kg. Ist das nennenswert für einen A350-900? Fünf Minuten später kommen die Freiwilligen aber schon wieder zurück. Der Kapitän meldet sich wieder. Die Flugsicherung habe nun doch noch eingelenkt, unser Airbus darf mit allen Passagieren an Bord die andere Startbahn nutzen. Das Pushback-Auto schiebt uns zurück und wir rollen langsam los. Na hoffentlich, haben sich die Experten jetzt nicht verrechnet und unser Airbus kriegt am Ende der Bahn seinen Hintern hoch.

Wenn der Beitrag auf meinem Blog erscheint, dann ist alles gut gegangen…

Hasta Loego!

 

… So sollte der Beitrag eigentlich enden. Mit einem zwar noch offenen Ende für mich, aber für den Leser die Gewissheit, dass ich den Beitrag nicht hätte veröffentlichen können, wenn wir vom heißen mexikanischen Himmel gefallen wären. Aber das Flugwesen ist immer für Überraschungen gut. Sieben Stunden und ganze drei Spielfilme später, serviert die Kabinen-Crew das Frühstück und schaltet dazu das Licht an. Wir Passagiere werden mit einfühlsamen Worten geweckt. „Meine Damen und Herren, wir haben leider eine schlechte Nachricht. Das Flugzeug ist komplett ohne Koffer abgeflogen, bitte wenden Sie sich in München an die Gepäckermittlung. Sollten Sie Ihr Gepäck durchgecheckt haben, gehen Sie bitte zum entsprechenderen Schalter an Ihrem Ankunftsort“. In die Kabine kommt nun schnell Stimmung und ich stelle mir ein paar Fragen

  1. Knobelt das Personal eigentlich vorher aus, wer die schlechten Nachrichten überbringen muss?
  2. Hat die Crew das fehlende Gepäck echt jetzt erst bemerkt oder uns das 9 Stunden lang verschwiegen?
  3. Und wenn nun nie Koffer an Board waren, dann ging es bei der Aktion in Mexico-City also echt nur um 1.400 kg Gewicht in einem unterbesetzten Airbus? Das macht mir Sorgen.

Einen schönen Sonntag noch

 

Frühere Beiträge zum Flugwesen:

38) Nervensäge in der Luft

Es ist Sonntag 06:45 Uhr, ich besteige meinen Flieger und freue mich auf eine Stunde Ruhe. Der Wecker hat heute schon 04:15 Uhr geklingelt, das ist echt zu früh fürs Wochenende, also vielleicht kann ich über den Wolken noch etwas schlafen. Nach dem ich es mir auf meinem Platz halbwegs gemütlich gemacht habe, betritt eine Großfamilie den Flieger. Auf einmal herrscht viel Getöse, ich verstehe kein Wort von dem, obwohl der Vater so laut ruft, als befehlige er eine ganze Kompanie. Die Meute läuft hintereinander den Gang entlang und sucht die Sitzplätze. Um so weiter sie das Flugzeug erobern, um so lauter quäkt es aus einem schlechten Lautsprecher. Irgendwelche Kinder-und Monsterstimmen schreien sich an, scheinen sich zu jagen. Ich kann das noch gar nicht zuordnen.

Der Vater hält abrupt an der Reihe vor mir und stoppt den Zug. Och nöö, bitte nicht. Hinter mir ist doch auch noch viel Platz. Hinter dem breiten Vater wird der Rest der Sippe sichtbar. Alle genauso übergewichtig, ganz wie ihre bunten Koffer, die sie als „Handgebäck“ hinter sich her ziehen. Ein dicker Sohn um die 14 Jahre, eine dicke Tochter so um die 10 und dann noch ein kleiner Sohn, 5 Jahre alt würde ich mal sagen. Nicht dick. Noch nicht. Er hält Handy an sein Ohr, aus dem diese Stimmen schreien. Hat der Bengel denn keine Kopfhörer?

Sie verteilen ihre Roll-Schränke in den oberen Fächern, der größte von ihnen guckt noch 10 Zentimeter aus dem Fach heraus. Als eine Flugbegleiterin den Vater darauf hinweist, dass die Klappe so niemals zugeht, tut der so als kapiere er das nicht. Das Handy des kleinen Sohns schreit pausenlos, ringsherum schütteln Passagiere schon mit dem Kopf. Aber keiner schreitet ein. Ich auch nicht. Gilt man dann gleich als Kinder-Hasser, wenn man da mal etwas sagt? Wird der Fratz dann noch lauter und dreht erst recht durch, wenn er nichts mehr aus dem Sprechkasten hören darf? Als der Flieger auf den Runway einbiegt, schalten sie das Gerät zum Glück ab. Es wird plötzlich ruhig vor mir in der Reihe. Vielleicht ist er jetzt ja müde und schläft noch mal ein? Ich vielleicht auch?

Aber kaum ist der Flieger in der Luft und es gongt, will der kleine auf die andere Seite des Ganges zu seiner Mutter wechseln. Neben ihr ist noch ein Platz frei, den der Racker lautstark erklimmt. Das Flugzeug ist noch in Schräglage, die Anschnallzeichen leuchten, aber die Nervensäge hält Sitz und Rückenlehne für eine Hüpfburg mit Rutsche. Die Eltern unternehmen nichts. Als der Tyrann auf diese Weise keine Aufmerksamkeit erlangen kann, nimmt er sich seinen Vordersitz vor. Klapp-Tisch runter, Klapp-Tisch rauf, Klapp-Tisch runter, Klapp-Tisch rauf, Trommel-Wirbel mit den Schuhen gegen die Lehne vor ihm. Sein Vordermann bekommt kein Auge zu, würde er aber gern, so wie er aussieht. Nach 15 Minuten kommt endlich der Getränkewagen, das lenkt das nervende Balg etwas ab. Der Steward fragt die Familie nach ihren Getränke-Wünschen ab. Zwei Cola, zwei Fanta und eine Sprite für den kleinsten. An einem Sonntagmorgen um 07:15 Uhr. Na Großartig, dann kriegt der jetzt noch einmal einen Energie-Schub.

Nachtrag, Mittwoch, 16. Januar, Dubai:

Mein Kollege und ich gehen zum Frühstück. Wir suchen uns einen ruhigen Platz am Fenster. Kaum sitzen wir, schreit und quietscht es schon wieder aus einem Lautsprecher. Ich zucke zusammen. Ist die Familie aus dem Flieger etwa auch hier abgestiegen? Aber nein. Am Nachbartisch sitzen 3 Erwachsene und ein Kind. Alle vier Frühstücken. Einer von ihnen spielt dabei lautstark auf dem Handy. Wer?