221) Blume oder Keule

Dreht es sich in der öffentlichen Debatte nicht um Corona oder religiöse Fanatiker, kämpft sich die Ökologie immer mal wieder nach vorn. Und vom Stichwort Umwelt, kommt man schnell zur Ernährung, dann landet man unvermeidlich bei den CO2-Emissionen, dann beim Fleisch, beim Tierschutz und bei pupsenden Rindern. Je nach Laune lassen sich noch Moral, Ethik, Mitleid  und Verantwortung diskutieren aber irgendwann kommt man dann zum Verzicht, oder zumindest zur Reduzierung.

Neulich habe ich in einer Doku gelernt, dass der Durchschnittsdeutsche wohl 60 kg Fleisch im Jahr verputzt. Das sind knapp 170 Gramm pro Tag! Im Schnitt! Und in dieser Durchschnittsberechnung sind bereits die neuen Veganer dabei, dann die Menschen die aus religiösen, gesundheitlichen oder geschmacklichen Gründen kein Fleisch verzehren, die Kinder vermutlich auch und Leute wie ich, die zwar Fleisch essen, aber doch keine 170 Gramm am Tag. Demnach muss der deutsche Fleisch-Fan ja recht ordentliche Mengen vernichten. Kein Wunder, denn das Industrie-Zeug ist ja hierzulande auch spottbillig.

Der ein oder andere denkt vielleicht auch drüber nach, wie man dieser Entwicklung begegnen kann.

Weniger Fleisch, dafür aber gutes Bio-Fleisch? Mit stattlichen Preisen wird es dann etwas Besonderes und kommt nicht jeden Tag auf den Tisch. So soll es ja auch sein. Im besten Falle kommt es aus der Region. Wer sich aber ein Premium-Bio-Kobe-Rind aus Japan einfliegen lässt, handelt inkonsequent.

Manche lassen komplett ab von Landtieren, beziehen ihr Eiweiß vielleicht noch aus Fisch oder anderem Meeresgetier. Die sind nicht ganz so niedlich, lassen sich nicht so gut streicheln, aber es sind trotzdem Tiere und die streben bestimmt nicht danach, in die Pfanne gehauen zu werden.

Oder man isst nur noch „Blumen“, so wie „Die Ärzte“ schon 1988 sangen: https://youtu.be/hSYIG0KjzEc und streicht auch noch Fisch und Eier aus der Ernährung, das machen andere Kulturen schon seit tausenden Jahren. Wenn man aber in der Europäischen Küche immer nur weglässt, dann wird es bald übersichtlich auf dem Teller. Neue Rezepte müssen also her, leckere Gerichte, bei denen man nicht ständig das Gefühl hat, dass irgendetwas fehlt.

Ich habe in den letzten Monaten ab und zu mal pflanzliche Fleischersatzprodukte probiert. Einfach nur mal so aus Interesse. Und wie immer, gibt es da Solches und Solches zu entdecken.

„Schnitzel“ sehen zunächst eigenartig und künstlich aus, aber mit Öl und Röstaromen geht‘s dann irgendwann.

„Hack“ hatte eine eigenartige Konsistenz, mit viel Geduld, Fischsauce, Tomatenmark, Gewürzen und viel manueller Bearbeitung bekam ich das dann in vertraute bröselige Form.

„Burger-Patties“ gingen eigentlich auch, man sollte aber nie konventionelle und „vegane“ in eine Pfanne legen, denn dann werden die Unterschiede offensichtlich und das Veggie-Pattie hat es natürlich schwer, gegen den animalischen Platzhalter anzukämpfen.

„Bällchen“ fand ich eigentlich gar nich so übel. Wenn man sie nicht manisch mit Berliner Bouletten oder Bayrischen Fleischpflanzern vergleicht, kann man die echt essen. Im Zweifel viel Senf oder ordentlich scharfe Sauce oben drauf. Fertig. Essbar.

Und wer nicht nur Blumen essen will, der kann ja mal folgende Doku schauen. —> ARD-Mediathek. Da geht es um durchaus tierisches Fleisch, nur ohne das Tier drumherum … interessant, oder? Da kann man sich irgendwann sein Steak „ausdrucken“. Wobei wir dann schon wieder bei Louis de Funes in „Brust oder Keule“ von 1976 sind.

Also, ihr seht, das ist alles gar nicht so neu … dauert nur eine Weile …

Wie haltet ihr es denn so?

Frühere Beiträge zu diesem Thema

59) Ernährungswirrenschaften

Also wenn ich irgendwo höre, das man sich in Deutschland überdurchschnittlich wenig mit dem Essen beschäftigt, kriege ich einen TobsuchtsanfallAnfall.

Ich nehme das eher so war:

1. Weniger Fett
Ja, verstanden, wegen Blutgefäßen und Hosenbund

2. Weniger Zucker
Ja, auch klar. Die Zähne gehen kaputt und schon wieder der Hosenbund

3. Weniger Salz
Ja, weiß doch jeder. Die Nieren und so

4. Nicht so viele Eier
Logo man, und nur braune Nudeln … Cholesterin-Spiegel … oder so ähnlich … kenn‘ ich schon

5. Mehr Fisch
Klar. Als Alternative zum Fleisch. Mach‘ ich

6. Kein Thunfisch
Yep. Weiß ich. Wegen der Delphine. Aber was ist mit Punkt 5.?

7. Mehr Eiweiß
Ooookeee … aber … widerspricht das nicht Punkt 4. …  Wurscht … mach ich. Ach nee. Wurscht ist auch nicht gut. Dazu dann gleich.

8. Am besten Vegetarisch
Kein Fleisch, ja, weiß doch jeder. Wurscht auch nicht. Wegen dem Tierschutz. Bin ja schon dabei, drauf zu achten. 

9. Und Tomaten nur vom Strauch
Jo, wegen dem Plastik drumherum, auch kapiert.

10. Besser auch gar kein Rind mehr
Habe ich gehört, klar. Die pupsen so viel. Schweinerei eigentlich.

11. Milch stärkt die Knochen und bringt Eiweiß ins Human-System
Aber … was ist mit Punkt 1. und Punkt 10.?

12. Auf jeden Fall aber Bio
Mhm ja. Wegen der Chemie in Körper und Böden. Ich nehme mir das vor. Ist zwar sau-teuer … aber gut … gehört ja schon zum guten Ton

13. Richtig gut ist aber eigentlich nur vegan
Ja, mag sein, aber Vegan heiß nicht „Bio“ und schon gar nicht „gesund“, oder? Parmesan aus Sägespänen ist vegan

14. Aber Fair Trade bitte
Ja, auf jeden Fall. Der Kolumbianische Bauer soll unter fairen Bedingungen anbauen. Selbstverständlich. Bin dabei

15. Und Regional natürlich
Bin ja nicht blöd man, eine fair angebaute Mango, die Bio, Vegan, Vegetarisch, Fettarm, Fischfrei aus Brasilien eingeflogen wird, da wo vor kurzem noch Urwald war, geht ja nun gar nicht

 

Oahh, liebe Leser, ich fürchte, dass wird mir zu viel.
Es ist ja nicht so, dass ich mich langweilen würde … aber kann es sein, dass das irgendwie ein wenig verwirrend ist. Wollte ich Ernährungswissenschaften studieren? Kann mich gar nicht daran erinnern. Sollte ich vielleicht mal Magnesium, Kurkuma, Ginko …