63) Einweg, Mehrweg, Mann weg

Seitdem uns immer intensiver vermittelt wird, dass wir ein Klima haben, achtet die Familie mehr auf die Wahl der Flaschen für Brause, Saft und Wasser. Naiverweise dachte ich ja lange Zeit, Pfandflasche = Gut = Mehrweg. Falsch gedacht. Auch bei den Pfandflaschen gibt es feine Unterschiede. 

Und so wird das frühere „Ich gehe mal schnell Saft holen“ zum Tagesausflug mit Verpackungskunde:

  • Im Saft-Regal ganz unten steht die „Hausmarke“, 1 Liter für freundliche 0,79 EUR. Aber die Flasche ist aus Plastik und ohne Pfand. Also besser nicht.
  • Gleich nebenan steht „Region, Apfelsaft BB“, 0,75 Liter für saftige 2,29 EUR. Ist zwar eine Glasflasche, aber ohne Pfand und mir dann mit 3,05 EUR pro Liter doch zu „saftig“.
  • Eine Etage drüber sehe ich „Direktsaft, Natürtrüb“, 1 Liter für 1,99 EUR. Aber es ist ein Tetra-Pak. Ist ein Tetra-Pak nun besser oder schlechter als eine Plastik-Pfand-Flasche? Dazu müsste ich mal googlen, aber beim Krämer ist das Netz zu schwach.
  • Ein paar Meter weiter im selben Gang steht dann noch „Klarer Apfelsaft“ im Regal. Ganz oben. 1 Liter für 1,59 EUR, Glas, Mehrweg + 0,15 EUR Pfand. Gleich daneben die trübe Variante, gleicher Preis.
  • Im nächsten Gang finde ich „Apfelsaft Mild 100%“, 0,33 Liter für 0,49 EUR. Aber alles in Plastik und viel zu kleines Packmaß, da brauche ich ja fünf Hände. Dafür ist er aber „Vegan“ und hat 100% Fruchtgehalt.
  • Weiter hinten im Laden gibt‘s noch eine Bio-Ecke. Da steht „Apfelsaft Natürtrüb“, Glas, Mehrweg, 0,75 Liter für 1,15 EUR + Pfand 0,15 EUR. Macht 1,64 EUR pro Liter. 

Ich brabbele und schimpfe vor mich hin, warum das alles auf dem Rücken der Konsumenten abgeladen wird.

Mir kommt die Idee für eine App, die mir aus den Faktoren Verpackungsmaterial (Plastik, Glas, Tetra-Pak), Recycling (Einweg, Mehrweg, Nixweg) und den Sozial-und Klimapolitischen Konditionen (Bio, Region, Vegan und Fair) und meiner Geldbörse den optimalen Apfelsaft auswählt. Die App müsste zusätzlich noch …

Eine Chat-Nachricht quält sich durchs schwache Netz. „Wo bleibst du?“

41) Leergutautomaten

Es gibt da solch Ungetüme, die mich einmal pro Woche an den Rand des Wahnsinns treiben. Diese Apparate stinken zum Himmel, gelten gemeinhin als Keimschleuder und sind zudem noch widerspenstig, bockig und dämlich. Dort wo wir unseren wöchentlichen Einkauf erledigen, stehen gleich vier dieser zeitfressenden Monster nebeneinander. Leider sieht man ihnen ihre Tages-Laune nicht von außen an, man hat also kaum Chance, sich für oder gegen einen der Pfand-Automaten entscheiden. Zunächst fordert ein Display dazu auf, die Flaschen mit dem Boden zuerst in den grün leuchtenden Schlund einzuwerfen. Damit kann ich ja noch leben, selbst wenn einem dabei häufig irgendwelche Flüssigkeits-Reste in den Ärmel laufen. Die ersten zwei, drei Flaschen schluckt der Automat bereitwillig. Es scheint so, als hätten die Techniker bei der letzten Wartung das Zickigkeits-Level etwas herunter gedreht. Aber der Schein trügt und der Automat fällt wieder in sein gewohntes Verhaltensmuster. Er unterbricht den Vorgang, sein Schlund leuchtet rot auf und auf dem Display erscheinen wahlweise folgende Meldungen:

Gebinde nicht vollständig entleert!
Erstens habe ich die Pulle ja soeben erst in meinen Jacken-Ärmel entleert und zweitens, was ist das überhaupt für ein antiquierter Begriff? „Gebinde“. Meine Kids wissen gar nicht, was das heißen soll. Geschweige all die fremdsprachigen Benutzer, die dem Automaten ihre Falschen in den Hals werfen.

Flasche gehört nicht zum Sortiment!
Und ob, du dumme Maschine! Die habe ich ja erstes letzten Samstag hier im Markt gekauft. Ich kaufe ja schon kaum Flaschen bei anderen Märkten, um genau diesen Ärger mit euch zu vermeiden. Ich probiere es wieder und wieder, aber das Förderband schiebt die Flasche stur zurück. Mir reichts! Ich werfe die Flasche wie einen Dart-Pfeil an dem Scanner vorbei. Dafür gibt es zwar kein Geld zurück, aber ich habe nun auch nicht ewig Zeit.

Bitte kontaktieren Sie einen unserer Mitarbeiter!
Das ist die Höchststrafe und eigentlich schon ein Widerspruch an sich. Wenn es hier noch irgendwo Mitarbeiter geben würde, dann müsste ich mich ja nicht jeden Samstag mit euren nervenden Flaschenpfand-Maschinen herumärgern und meine Zeit mit ihnen verplempern.

 

Was waren das für Zeiten, als unsere Flaschen noch von Menschen entgegen genommen wurden.  Und wie geschickt und schnell die dabei waren…

Frühere Beiträge zu nervigen Automaten und Self-Service: