123) Datenschutz Berliner Art

Egal ob nun dienstlich oder privat, jeder wird nun schon mal von Datenschutz und Datenraub gehört haben. Vielleicht fühlt man sich übersensibilisiert oder verschreckt, vielleicht ist man aber selber schon Opfer gewesen. 

Ob nun Konto leer geräumt,  heikle Fotos im Internet wiedergefunden, die Kreditkarte gehackt oder eine Rechnung für zehn Rolex-Uhren bekommen, die man selber nie bestellt hat. Alles doof irgendwie, wenn man nicht auf seine Daten aufpasst.

Gestern in den Räumen der Spaßkasse um die Ecke:

Ich brauche etwas Bargeld also nähere ich mich den Türen des Instituts. Zwei kräftige Wachleute öffnen mir dir Tür (nicht der >humanoide Tür-Roboter, der sonst nach Ladenschluss dort die Türen öffnet). Sie fragen mich, ob ich Geld am Automaten abheben wolle. Ich nicke artig und ziehe mein ehemaliges Freizeithemd über Mund und Nase. Dann gehe ich zum Automaten und lasse mir ein paar Scheine auswerfen. Außerhalb meines Blickfeldes, entsteht ein kleiner Tumult.

Eine Frau kämpft mit einem Self Service Terminal und flucht vor sich hin. „So ein Scheiß-Ding“ …. „Was soll der Schwachsinn … „Maaaan, du kannst mich mal“ und so weiter. Auf einmal keift sie durch den Automatenraum der Spaßkasse: „Ey. Dit is Daaaaaatenschuuuutz, maaaaan!“

Ein kleiner, älterer Herr mit grauem Haar steht an ihrer Seite, wedelt beschwichtigend mit den Händen und redet auf sie ein.

„Nun entschuldigen s’e mal, ick wollte doch nur den Spaßkassenchef holen, damit der sie helfen kann mit den Jerät da“, sagt er und zeigt auf das Terminal, will sie beruhigen.

Die Wachleute halten Abstand und mischen sich da besser mal nicht ein. Ich muss weiter.

Ach Berlin, du kannst so hässlich sein,
aber beim Datenschutz bist du mit Abstand ganz vorn.

17) PushTAN-App

Seit ein paar Wochen nervt mich meine Bank, doch endlich auf ein neues TAN-Verfahren umzustellen, weil die smsTAN nicht mehr unterstützt wird. Mit fortschreitendem Kalender habe ich mich nun doch mal damit beschäftigt. Ich wählte mich ins Online-Banking ein und schwelgte noch kurz in Erinnerung.

  • Anfang der 2000-er Jahre, wurden die TANs noch von den Banken per Post nach Hause geschickt. 100 Stück gab es da auf einen Zettel gedruckt und damit hatte man erst einmal eine Weile Ruhe. Man konnte sich für eine Überweisung sogar eine TAN von dem Papier aussuchen. Um auf „Nummer sicher“ zu gehen, dass die TAN damit ungültig war, habe ich die verbrauchte TAN fein säuberlich mit einem Kuli durchgestrichen.
  • Das ging nicht lange so weiter. Solche Papiere gelangten natürlich in falsche Hände, böse Menschen kauften das halbe Internetz leer und schmückten sich mit fremden TANs. Irgendwann hat das Online-Banking eine ganz bestimmte TAN von diesem Zettel gefordert. Vorbei die Zeit, als man noch ein paar TANs mit in den Urlaub nehmen konnte, um sie im Notfall vor Ort  zu verwenden.
  • Dann wurden wir User immer mobiler. Wir wollten unsere Bankgeschäfte von überall erledigen. Aus dem Internet-Café, im Hotel, vom Klo. Da war ein Papier-Zettel im heimischen Leitz-Ordner etwas hinderlich. Die smsTAN war geboren. Ein Zugewinn an Freiheit und Mobilität. Es war nichts zu tun, außer einmalig eine Handy-Nummer bei der Bank zu hinterlegen. Großartig.

Nun soll das alles Geschichte sein! 

Ich klicke also den Button „TAN-Verfahren umstellen“. Das Online-Banking stellt mich vor die erste Entscheidung. „PushTAN“ oder „Chip-TAN“. Puhhh. Eigentlich würde mit eine „normale TAN“ ausreichen. Ich entscheide mich für PushTAN. Dazu müsste ich aber bitte zunächst die X-PushTAN-App aus meinem App-Store laden, informiert das Online-Banking. Optional könnte ich auch einen QR-Code scannen, der mich dann in den App-Store zum Download führt. Als das gemeistert ist, muss ich die Installation der App bestätigen, da mir danach noch ein Link per SMS zugesandt wird, denn ich anklicken soll.

Ich folge dem Link. Ich lande in der X-PushTAN-App und werde um ein Kennwort gebeten. Aber welches Kennwort? Anscheinend ein neues. Es muss natürlich Kleinbuchstaben, Großbuchstaben, Sonderzeichen und Zahlen enthalten. Puhhh. Irgendwie vergeht mir gerade die Lust daran. Ich überlege, die Umstellung „app“zubrechen, aber das ist vermutlich auch nicht gut. Also weiter im „App“lauf. Nach erster Eingabe des Passworts, muss ich es noch bestätigen. Nur leider kl“app“t das irgendwie nicht. Das zweite Passwort ist immer kürzer oder länger als das erste Passwort. Die App zeigt aber nur Punkte statt Buchstaben an, ich kann die Passwörter also nicht „app“lesen und „app“gleichen? Bin ich zu blöd, kann ich mir das für heute also „app“schminken? Ist vielleicht gar nicht das zweite Passwort falsch, sondern eigentlich das erste? Nach kurzem Wutanfall kühle ich wieder etwas „app“. Es vergehen einige Minuten. „App“schließend funktioniert es dann. Das Passwort wird von der App endlich „app“genommen. Glücklicherweise kann ich „app“ sofort auf Finger-Print umstellen, so dass ich das Passwort hoffentlich nie mehr benötige. Die X-PushTAN-App generiert nun noch eine PIN, die ich wiederum ins Online-Banking „app“tippen soll. Es läuft! Mit etwas „App“stand hat die Umstellung eigentlich gut gekl“appt“. Ich „app“elliere an meine Frau, die Umstellung auch bald zu „app“solvieren, damit wir das „app“geschlossen haben. Aber mir ist jetzt schwindelig. 

Ich schicke den Blog-Beitrag jetzt „app“ und dann geht‘s „app“ auf die Couch.

Andere Beiträge rund um Geld und App:

 

9) Melkkuh Familie

Auch bei den privaten Unternehmen ist man ganz vorn dabei, wenn es darum geht, insbesondere Familien zu „melken“. Familien sind ideale Markteilnehmer. Viel Wahl haben sie eh nicht, Zeit schon gar nicht und es gibt viele Käufe an denen sie auch gar nicht vorbeikommen bzw. sogar kaufen müssen. Das ist besonders ignorant und besonders mies. Jemanden ohne sein Wissen auszunehmen ist ja das eine, jemanden aber offensichtlich übergebührend zur Kasse zu bitten, ist noch viel gemeiner. Das Thema Eintritte hatte ich oben schon thematisiert. Zwei Erwachsene in den Tierpark für 26 EUR, im Vergleich dazu eine 4-Kopf-Familie schon 39 EUR. Da wäre es günstiger, die Kids zu Hause vor die Glotze zu setzen und als Eltern für die 26 EUR nett ins Kino zu gehen, oder? Aber auch bei den Verbrauchs-Gütern kann man sich nur an den Kopf fassen. Ein Kindersitz fürs Auto für ca. 150 EUR aufwärts. Eine Pampers-Bick-Pack-Packung für günstige 45 EUR, ein Laufgitter gibt es ab 100 EUR aufwärts. Diese drei Dinge sind Investitionen, an denen keine Familie vorbeikommt. Die Kosten dafür lassen sich nur drücken, wenn man 2. oder 3. Hand kauft oder in der Qualität Abstriche macht. Oder man müsste wie im letzten Jahrtausend die vollgekackten Stoffwindeln sammeln und dann in einem großen Bottich auskochen. Soll mich aber keiner zu bekehren versuchen. Aber muss das wirklich alles sein? Stecken in den 150 EUR für den Kindersitz wirklich 150 EUR Ingenieursleistung oder entsprechender Material-Wert? Und warum gelten für Kinder-Produkte nicht die niedrigen Mehrwertsteuersätze, wie zum Beispiel für Rollstühle und Hörgeräte? Wieviel Marge ist in dem Preis für die Unternehmen enthalten? Zu welchen Selbstkosten wird das eigentlich hergestellt? Schauen wir auf die Konsum-Güter. Ein Lego-Bausatz „3in1“ gibt es für ca. 15-20 EUR. Das geht ja noch, wenn sich der Sohn dreimal damit beschäftigt und die Steine danach für weitere Bauten verwendet werden. Aber im direkten Vergleich dazu nehmen wir hier mal die „Lego Duplo Bau Basic Platte dunkel beige“, wohl gemerkt für die Kleinkinder, schlägt mit 15 EUR in die Kasse. Trotzdem ist es nur eine beige Plastik-Platte mit Noppen! Da steckt nicht viel mehr Material drin als in einem Stullenbrett. Aber Kinder wollen sie unbedingt haben, das ist der Unterschied.

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