114) Corona-Lektionen 31

Die zwölfte Woche geht dahin. Eigentlich hatte ich ja keine Lust mehr, so viel über Corona zu schreiben, daher habe ich mich in den letzten Tagen dazu auch etwas zurückgehalten. Heute juckt es mich mal wieder in den Fingern.

Da wir Deutschen ja schon alle einmal Papst waren und als Bundestrainer in letzter Zeit wenig zu tun hatten, konnten wir nun alle Hobby-Virologen werden. Herzlichen Glückwunsch! Das versetzt uns in die Lage, überall mitzureden und etablierte Experten auch gern mal für Deppen zu halten. Und auch ich fühle mich nun erkoren, einen Beitrag zur wissenschaftlichen Bewertung zu leisten

R-Wert: Müsste mittlerweile jeder kennen. Alter Hut. Die Reproduktionszahl. Drückt aus wieviele weitere Menschen ein infizierter Mensch ansteckt. Soweit so gut. Aber das ist bei Weitem nicht alles.

Faktor S: Das S steht dabei für die Sektflaschen, die während der Corona Lockdown-Zeit im Stadtpark abgestellt wurden. Neben den Pizza-Kartons. Ein sicheres Indiz dafür, dass sich zum Abend ein paar Freundinnen oder Pärchen im Park treffen, quatschen und eine Pulle Sekt platt machen. Infektionstechnisch alles kein Problem, denn beide stammen aus dem selben Haushalt oder aus maximal zwei oder drei. Wenn es um Sektflaschen geht, kann man davon ausgehen, dass es kein Saufgelage war.

B-Faktoren: B1 steht für die Bierflaschen, die in den letzten Tagen vermehrt im Park herumlagen. Es ist hochwahrscheinlich, dass die Biere nicht von verliebten Pärchen in trauter Zweisamkeit vernichtet worden, sondern von eher von testosterongeladenen Nachtschwärmern. In diesem Zusammenhang sollte auch Faktor B2 betrachtet werden. Die Abkürzung B2 steht hier für Barbecue und wird durch all die Hinterlassenschaften im Park sichtbar.

Multiplier G: Das G steht hier für Gummi-Boote. Für all die bunten Kunststoff-Schiffchen und deren Party-Kapitäne, die sich unlängst auf dem Berliner Landwehrkanal zur einer „Demo“ trafen. Laut Berliner Morgenpost waren es etwa 300-400 Boote, alles in allem 3000 Menschen. What? Abstand, Mundschutz Fehlanzeige. Aber die Musik, die war wohl gut. Love Parade auf dem Wasser.

Und nun? Ganz einfach. Man nimmt den R-Wert und multipliziert wahlweise mit Faktor S oder (B1+B2) und dann noch einmal mit Multiplier G, dann kann man die Infektionen der nächsten 10 Tage prognostizieren.

Und wenn ich damit völlig falsch liege? Na ist mir doch egal! Dann schiebe es ich es einfach jemandem anders in die Schuhe und suche mir ein anderes Hobby.

PS: bloß gut, dass die Preise für Bier, Sekt und Gummi-Boote ab Juli gesenkt werden

Schönes Wochenende

T.

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106) Corona-Lektionen 26

So langsam beenden wir die 9. Woche im Family-Homeoffice. Ein Teil der Mannschaft war schon mal vorsichtig schauen, ob Firma und Schule noch stehen. Sie tun es. Gemütlich ist es da aber nicht.

Zeit für ein paar Beobachtungen und Gedankengänge:

Lockerungsgaben: Sprach die Marietta im ZDF am Montagabend wirklich von „Lockerungsgaben“. Sehr kreativ eigentlich. Oder habe ich mich da verhört? Das hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Beim erneuten Abspielen gestern, verstand ich es nun als „Lockerungsgraben“ zwischen den Bundesländern. Schade eigentlich. Ist doch „Lockerungsgaben“ eine Mega-Wortkombinationen über die man mal nachdenken kann. Selbst die gängige Suchmaschine liefert keine Treffer für dieses Wort!

„Gaben“ ist doch ein anderes Wort für Geschenke oder? Und wir verstehen darunter auch sehr kleine Geschenke. Häufig auch im Zusammenhang mit Bedürftigkeit. Auf jeden Fall sind wir dankbar für Gaben, sind sie auch noch so bescheiden. Wir kennen da noch die „milde Gabe“ und den „Gabentisch“. Gaben sind aber auch bedingungslos würde ich mal sagen, und da unterscheiden sie sich dann eben doch wieder von den Lockerungsmaßnahmen.

Weihnacht: Das Wort Gabentisch bringt mich doch glatt auf Weihnachten, auch wenn gerade erst Mai ist. Wird der Weihnachtsmann mit Maske kommen? Mit einer roten vielleicht? Passt der gewaltige Bart darunter oder müssen die Weihnachtsmänner alle auf den kürzeren Berlin-Hipster-Bart umsteigen? Oder kleben die den Bart einfach auf die Maske drauf? Und dürfen wir mit Maske und Mütze überhaupt auf den Weihnachtsmarkt gehen? Ich glaube, der Innensenator und ich wollen das Thema gleich wieder beenden. Aber es bringt mich weiter zum Feiern großer Feste.

Fete: Wenn dieser Spuk mal wieder vorbei ist, gebe ich eine Party und freue mich schon riesig drauf. Lasst uns herzlich begrüßen, auf die Schulter klopfen, in die Arme fallen, aneinander drücken und auch Küsschen verteilen. Wenn es denn sein muss. Schuhe könnt ihr anlassen, Jacken schmeißt ihr auf’s Bett. Dann können wir dicht an dicht in Flur und Küche stehen, gemeinsam vom Käse-Igel naschen, mit vollen Händen in die Chips-Schüssel greifen, eine Pulle nach der anderen öffnen und, von mir aus auch, rauchen. Auch drinnen. Scheiß drauf. Ansonsten wollen wir quatschen, scherzen, lachen, schunkeln, tanzen, prosten, lärmen und lauthals singen. „Ich war noch niemals in New York“ … „Über den Wolken“ … „Staying alive“ … „I am still standing“ … egal was läuft. Bis es wieder hell wird und die ersten glücklich von den Stühlen kippen.

Wir lassen es krachen!

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