144) Corona-Lektionen 49

„Und, dürfen wir fahren?“, fragt der Sohnemann nach dem Aufstehen. „Ja es sieht so aus“, sage ich. Er ist hellauf begeistert.

Wer denkt, es ginge nun nach Mauritius, Thailand oder Yucatan der irrt. Nee, wir fahren nach Sachsen. Und warum zum Geier nun nach Sachsen? Na weil da unsere Postleitzahl noch nicht auf der schwarzen Liste steht.

What? Also, ich lass mir ja fast alles gefallen, was dieser dämlichen Seuche den Saft abdreht, aber die neuen innerdeutschen Beherbungsverbote, halte ich für einen großen Blödsinn und das ist nur noch schwer nachzuvollziehen. 

Im Frühjahr waren Länder-Grenzen geschlossen, Flieger blieben am Boden, Hotels machten dicht, Reisen auf lange Zeit unmöglich.

Im Sommer wurden die Grenzen in der EU wieder geöffnet, bestimmte Länder aber zu Risikogebieten erklärt. Deutschland wurde als sehenswert definiert und wir genossen Fischbrötchen und Ostseestrand bei 19° Celsius. In Meck Pom durfte man nicht privat übernachten, sondern musste eine Buchungsbestätigung für ein Hotel oder Apartment mitführen!

Mit Befolgen der A-H-A-Regeln schienen wir auf dem Corona-Pfad gut unterwegs zu sein. Seit ein paar Tagen, hängt man uns gern noch ein „L“ für Lüften hinten dran und warnt vor Parties. Von mir aus. Kein Problem.

Statt die Kinder einfach weiter zu unterrichten und diese blöden Oktober-Ferien abzublasen, schickt man sie nun wieder nach Hause. Aber nun darf ich mit meiner abstandswahrenden und Maskentragenden A-H-A-Familie nicht einmal im Cabrio nach Meck Pom, Bayern oder Baden Württemberg fahren und dort übernachten!

Man könnte die Besucher wohlkontrolliert in den leerstehenden Hotels unterbringen, aber nein, man fördert nun das Couchsurfing im aerosolen Dunstkreis von Freunden und Familie. Mal davon abgesehen, dass man der Hotellerie ( … und deren Angestellten) nun das zweite Messer in den Rücken rammt. 

Da ist es dieser Tage einfacher, ins Ausland zu fliegen.

Kapier ich nicht.

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35) Postkarte aus Südafrika

Und eine weitere Postkarte kommt mit erheblicher Verspätung bei euch an. Vor gut 15 Jahren verschlug es uns nach Südafrika. Im Jahr 2004. Nelson Mandela weilte noch auf Erden, das iPhone gab’s noch nicht, Polen, Tschechien, Slowakei und weitere Staaten Osteuropas traten der EU bei. George W. Bush wurde für die zweite Amtszeit wiedergewählt. Was würde ich heute dafür geben …

Highlights der Reise

  • Kruger National Park
  • Kapstadt, Tafelberg, Kap der guten Hoffung
  • Weinregion nördlich Kapstadt
  • Swartberge
  • Wale bei Hermanus
  • Garden Route
  • Knysna und die einsame Lodge (>hier lesen)

Literatur:

  • Der Lange Weg zur Freiheit (Nelson Mandela) .. wat sonst.

Komfort-Zone verlassen:

  • Mit einem VW Golf 1 im Links-Verkehr durch Johannesburg
  • Einsame Schotterpisten und die Angst um die Reifen
  • Pannenhilfe und Reifenwechsel mit Löwen im Rücken (>hier lesen)
  • Mit einem VW Polo (in weiß natürlich) unüberlegt links abbiegen und auf einen Township zu fahren … brennende Tonnen sehen … und nun ?

Ein paar Bilder:

 

Skurrile Schilder, weisen auf dies und das hin.

Auch wenn man nicht der große Hobby-Zoologe ist, der Kruger Park ist schon eine große Nummer

Kapstadt und Umgebung allein sind schon eine Reise wert

Wilde life unterwegs

Egal ob auf wilden Schotterpisten …

… oder gigantischen Küstenstraßen …

…es gibt überall großartige Bilder zu sehen.

<— Weitere Postkarten gibt‘s hier

 

27) Ferienlager

Denke ich so an meine Ferienlager-Fahrten als Kind zurück, habe ich sehr viele Erinnerungen. Viele davon sehr schön, nur wenige, die ich meinen Kids nicht wünschen würde.

Ein paar Bilder aus der Erinnerungskiste:

  • Ein wortkarger Hausmeister, nebst fleischiger Gattin in der Küche, mit denen man sich bereits kurz nach Ankunft schon mal gut stellen sollte.
  • Ein Speisesaal, in dem es immer etwas „eigen“ roch und der tagsüber einen Riesen-Kessel abgestandenen Wald-und Wiesentee bereit hielt.
  • Ein Bagger-See, mit Kies-Strand, Krüppel-Kiefern, Holz-Steg und zahllosen unbestätigten Sagen, die sich um dieses Gewässer rankten.
  • Eine Tischtennis-Platte, um die immer 20 Kinder standen und fürs „Chinesisch“ die nur drei vorhandenen Kellen durchreichten.
  • Ein Klub-Raum, der ein paar zerlesene Bücher, diverse Brettspiele und einen verschlossenen Fernseher mit nur zwei Sendern zu bieten hatte.
  • Eine Nachtwanderung, bei der man eine kurze Strecke „allein“ oder mit „Partner der Wahl“ gehen sollte musste, bewaffnet mit einer Taschenlampe, (wenn man jemanden kannte, der eine Lampe hatte).
  • Eine Kinder-Disco, auf der Die Ärzte, Pet Shop Boys und Depeche-Mode liefen und zum Ende noch eine „langsame Runde“ auf die ganz Mutigen wartete. Ich kann es immernoch hören. „Purple Rain“ von Prince, „Take my Breath Away“ von Berlin und „Sweet Sixteen“ von Billy Idol. Als wäre es gestern gewesen.

Ach großartig, da würde ich doch gern noch mal hin zurück.

Nehme ich heute die Ferienlanger-Anmeldung meiner Tochter zur Hand, finde ich da unter anderem folgende Passagen:

  • „…Belehren Sie bitte Ihr Kind, das es während der Reise und am Reiseort den Alkohol-und Nikotinkonsum entsprechend dem Jugendschutzgesetz beschränkt bzw. zu unterlassen hat…“
  • „…Hieb-, Stich- und Schusswaffen dürfen weder mitgenommen, noch am Reiseort erworben werden…“
  • „…Das Kind wurde darüber informiert, den Anordnungen der Betreuer Folge zu leisten. Die Haftung bei selbständigen Unternehmungen des Teilnehmers liegt auf Seiten des Teilnehmers bzw. den Sorgeberechtigten…“
  • „…Bei schwerwiegenden oder wiederholten Verstößen (z.B. Alkohol, Drogen, Gewaltdelikte oder Sachbeschädigung) kann der Teilnehmer auf Kosten der Sorgeberechtigten nach Hause geschickt werden…“

Mein lieber Scholli! Also Gruppenleiter (… oder neudeutsch „Coach“) will man da heute auch nicht mehr sein, oder?

 

Frühere Beiträge aus dem Leben mit Teenies: