14) Schlüsselfragen

Nachdem ich meinen Rückflug nun doch noch geschafft hatte, schien Hermes, der Gott der Kaufleute und Reisenden, wieder auf meiner Seite zu sein. Er überhäufte mich mit Glück. Beim Boarding war ich sehr schnell in der Kabine, mein Sitzplatz befand sich in der Reihe am Notausgang und sogar der Mittelplatz neben mir blieb frei. Also hatte ich Platz ohne Ende. Der Akku meines Tablets war voll geladen und meine Mediathek enthielt noch viele ungesehene Folgen des Welt-Spiegels. Großartig. Eine Stunde Zeit nur für mich. Gegen 20:30 Uhr schlugen wir in Berlin auf, die Taxis warteten förmlich auf uns. Eine Seltenheit. Der Fahrer eilte durch die Stadt und während der Fahrt dache ich drüber nach, wie ich mir den verbleibenden Abend noch nett machen konnte. Es würde niemand zu Hause sein, die Damen machten „Kultur“ und Sohnemann schlief bei den Großeltern. Die Couch gehörte also mir. Alles lief wie geschmiert und kurz vor 21:00 Uhr stand ich schon unten vor der Haus-Tür. Ich öffnete die Seitentasche des Koffers und zog den…den…Schlüss… . Verdammt, wo ist mein Schlüssel? Der ist doch immer in dieser kleinen Tasche, wenn ich reise. Mehrfach durchwühlte ich alles, aber da war kein Schlüssel. Um den Abend noch halbwegs zu retten, rief ich bei den Schwiegereltern an, denn da sollte noch ein Schlüssel von uns am Brett hängen. Bingo. Also zog ich mit meinem Roll-Koffer los zur Tram. Während der kurzen Fahrt rekapitulierte ich den Tag. Wo war ich? Wann war ich an der Seitentasche zu Gange? Morgens hatte ich den Schirm aus dieser Tasche geholt und gegen Mittag auch mal meine Brieftasche. Kann der Schlüssel dabei herausgefallen sein? Was kostet eigentlich heutzutage so ein neuer Schlüssel? Kann ich da einfach so zum Schlosser gehen oder braucht man da ein Zertifikat von dem Original-Schlüssel? Macht es Sinn vielleicht gleich 3 Schlüssel anzufertigen? Nach dem ich meinem Sohn bei den Schwiegereltern gute Nacht gesagt hatte, machte ich mich mit dem Ersatzschlüssel wieder auf den Heimweg. Ich beschloss, alle Überlegungen einzustellen und erst einmal den Abend zu genießen. Das Schlüssel-Problem würde sich in den nächsten Tagen schon irgendwie auflösen. Endlich zu Hause angekommen, sah ich meinen Schlüssel friedlich am Haken hängen. Als währe der nie weg gewesen. Wie kann das sein? Wie habe ich ohne Schlüssel das Haus verlassen? Es ist doch seit Jahren eine fließende Bewegung, wenn ich die Wohnung verlasse. Und da fiel es mir ein. Am Morgen zuvor, checkte ich noch einmal die Taxi-App nach dem Verbleib meines bestellten Taxis. Doch die App meldete nur „Sie haben keine Vorbestellungen“. Darauf hin flitze ich ins Bad und warf einen Blick auf die Straße. Da stand aber ein Taxi und schien zu warten. Auf mich? Auf jemand anderen? Egal, jetzt aber ganz schnell runter und ab zum Flughafen, bevor es weg ist. Rumms…Tür zu.                                          

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13) Verspätung erwünscht

Punkt 16:30 Uhr verließ ich das Projektbüro, mein Rückflug sollte 19:00 Uhr abheben. Es war genug Zeit und sogar ein kleiner Puffer war enthalten. Gegen 16:40 Uhr erreichte ich die Haltestelle des Flughafen-Bus, der mich normalerweise in ca. 40 Minuten zum Flughafen München bringt. Diesmal standen bereits 15 Menschen dort an der Bordsteinkante. Oh, oh, Da stimmte etwas nicht. Ich stellte mich dazu. Um mich herum wurde viel diskutiert und auch die Kassiererin wirkte etwas überfordert. Ein Bus war wohl schon ausgefallen, der nächste war erst am Hauptbahnhof. Noch standen mir alle Optionen offen, also verlies ich die Schlange und tauchte in der U-Bahn ab. Laut MVG-App konnte ich zwischen der S1 und der S8 wählen. Die S1 würde zwar länger brauchen, dafür aber etwas eher, um 17:48 Uhr, ankommen. Also fuhr ich zum Marienplatz und sprang dort in die S1, die aber nur bis Feldmoching ausgezeichnet war. Da die S1 immer zum Ende der Fahrt getrennt wird und nur noch als Kurz-Version zum Flughafen fährt, war das meine Erklärung. In Feldmoching allerdings hieß es aber für alle „Endtstation, alle aussteigen“. Wir wurden an einen Schienenersatzverkehr in Richtung Norden weitergereicht. Die Fahrt ging sehr bald los. Dann zuckelten wir aber so über die Dörfer, hielten an roten Ampeln, Stopp-Schildern und Fußgänger-Überwegen. Ich zog Google-Maps zu Rate, um ein Gefühl für Zeit und Strecke zu bekommen und mir wurde klar, dass zwischen verbleibender Fahrzeit und verstreichender Zeit ein unausgeglichenes Verhältnis bestand. Unterwegs hielt ich vergeblich nach einem Taxi Ausschau. In Lohof musste ich aussteigen und auf einen anderen Bus warten. Permanent aktualisierte ich die Navigation im Kartendienst und mein Puls stieg und stieg. Endlich kam der Bus, aber noch vier Stationen über Land lagen vor mir. Berechnete Ankunftszeit war nun bereits 18:35 Uhr. Zusätzlich noch die Wege am Airport, die Sicherheit…das würde eng werden. Ich fühlte mich wie in Zeitlupe und sehnte eine Verspätung der Lufthansa herbei. Zunächst erreichten wir Eching, dann Neufahrn, endlich Besucherpark und dann Flughafen Terminal 1. Kaum angekommen, rannte ich mit meinem Rolli durchs Terminal 1, über den großen Platz rüber ins Terminanal 2 und über die Rolltreppe hoch zur Sicherheit. Dort war zum Glück nichts los und ich konnte schnell zum Gate 24 flitzen. Um 18:45 Uhr war ich endlich da, das Boarding hatte noch nicht begonnen. Der Flieger hatte 10 Minuten Verspätung. Manchmal liebe ich Verspätungen. Mein Hemd dampfte, aber mein Puls beruhigte sich wieder. Mein Sport-Programm hatte ich also nun schon erledigt und ich würde noch nach Hause kommen. 

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12) Spucking Duschkopf

Dass Duschköpfe an der Wand fixiert sein können und damit erheblich Einfluss auf die Laune zu Tagesbeginn haben, habe ich in einem vorigen Beitrag schon beschrieben. Duschen können aber auch noch auf andere fiese Weise zum Ärgernis werden. Es gibt an allen Duschen eine fragile Stelle und zwar genau dort, wo der Schlauch in das Handteil mündet. Gerät diese Verbindung länger unter Zug und leiert aus, dann passiert häufig folgendes. Der Gast stellt sich gegen 06:00 Uhr müde unter die Dusche und schließt die Glastür. Den Temperatur-Regler stellt er sicherheitshalber auf die Mitte, weil er morgens weder kaltes noch heißes Wasser mag. Dann dreht er den Hahn auf und …? Flucht laut, schimpft und gerät in Panik. Kaltes abgestandenes Wasser schießt aus der defekten Verbindung hinten heraus, prallt auf die Wand-Fliesen, wird von ihnen umgehend reflektiert und trifft den Gast. Meistens auf Brust oder Bauch-Höhe, also dort, wo niemand kaltes Wasser haben will. Versucht er dann, den Schlauch wieder in das Handteil zu stopfen, wird alles nur noch schlimmer. Wasser spritzt umher, die Haare werden nass und man fragt sich, ob die Putzkräfte in letzter Zeit mal die Dusche benutzt hatten. Besser nicht. Zeit fürs Frühstück! 

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7) Lichtschaltkreise

Betrete ich ein Hotel-Zimmer, so wirkt es oft, als wohne schon jemand anders dort. Der Fernseher läuft und überall leuchtet Licht. Ich bin aber ganz allein, auf dem Klo sitzt auch niemand. Hat sich dann meine Seele auch endlich im Zimmer eingefunden, mache ich mir es etwas gemütlicher. Dazu gehört zum Beispiel, das viele Licht im Zimmer reduzieren. Das ist aber oft gar nicht so einfach. Versuche ich den erstbesten Schalter, stehe ich danach fast im Dunklen. Probiere ich den Taster daneben, gehen nur die Mini-Spots an den Nachttischen an. Wähle ich dann einen anderen Lichtschalter am anderen Ende des Zimmers, durchfluten Decken-und Wandleuchten das Zimmer und es wird taghell. Und so geht das Spiel weiter. Die wirkliche Überraschung gibt es dann zum Ende des Tages. Wenn ich endlich müde im Bett liege und von dort aus das letzte Licht löschen will…

21) Waste of my son

Eigentlich gehört die folgende Geschichte gar nicht hierher. Vielleicht lohnt sich künftig eine eigene Kategorie für solche Erlebnisse und Menschen hier auf diesem Blog. Mal sehen. Zunächst parke ich die Geschichte hier im Bereich des Reise-Egoismus, nur halt von der gegensätzlichen Seite erlebt. Sozusagen der Anti-Egoismus oder das Selbst-Denunziantentum. Gibt es das? Weiß ich gar nicht, aber so etwas habe ich kürzlich erlebt. Unsere EasyJet-Maschine landet fast pünktlich in Lissabon. Die Türen werden vorn und hinten geöffnet, wir entscheiden uns für die hintere Tür, da uns das näher ist. Eine andere deutsche Familie entscheidet genauso. Kurz vor Verlassen der Maschine spricht der Familienvater an der Tür einen Steward an und zeigt dabei zurück in Richtung Kabine. „Bitte schauen Sie noch mal im Sitz meines Sohnes nach, da liegt noch Müll von ihm“. Also, das habe ich trotz meiner Viel-Fliegerei noch nie erlebt. Jemand der freiwillig auf die eigenen Hinterlassenschaften in der Sitztasche vor ihm verweist? Auch der nur englisch-sprechende Steward guckt ihn fragend an. Entweder weil er überhaupt nichts verstanden hat oder weil er mit einer solch unpräzisen und erstmaligen Selbst-Anzeige eines dicken Teutonen vollkommen überfordert ist. Der Vater bemerkt schnell, dass er sein Anliegen nicht treffend platzieren konnte, also versuchte er es noch einmal auf Englisch. Er zeigt wieder mit dem Finger in die Kabine und sagt… „da is noch waste in the seat of my son“. Der Steward nickt pflichtbewusst und hat noch keine Ahnung, ob er beim Aufräumen eher den „Abfall der Sonne“ oder die „Hüfte des Sohnes“ in diesem Sitz findet.

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6) Portugiesisches Hafenklo

Lagos, Algarve, Portugal. Unser Sohn muss auf’s Klo. Zum Glück erinnere ich mich an ein blaues WC-Schild am Hafen. Ein paar Meter gehen wir beide zurück, unsere Frauen gehen derweil schon einmal weiter. Meine Bitte, die Kabinen-Tür nicht abzuschließen ignoriert der kleine Mann. Und so erleben wir nun gleich zwei väterliche Panik-Attacken in Folge. 

Nummer 1: „Papa, hier gibt’s kein Papier“! Mein Puls steigt. Ich schaue beim Nachbarn, aber da gibt es auch nichts, auch nicht bei den Waschbecken und auch nicht nicht bei den Frauen. Das Behinderten-Klo ist verschlossen. In meiner Tasche finde ich noch ein altes Sagrotan-Tuch. Ausgetrocknet, aber egal, dass sollte ausreichen. „Lass uns gehen“, sage ich. 

Nummer 2: „Papa, ich komme hier nicht raus“! Mein Puls legt noch einmal zu. Ich kann von außen nichts tun, außer irgendwie das Innere zu erfragen. Doch er berichtet nur von einem  „Schniepel“ oder so einem „Ding“. Also klettere ich in der Nachbarkabine aufs Klo und lehne mich von dort über die gemauerte Trennwand und kann das System endlich erkennen. Es es ist ein Bolzenriegel, aber ich kann den bei aller Akrobatik nicht packen. Also muss ich ihm Anweisungen geben. Leider kennt mein Sohn aber nur „an“ oder „aus“ beziehungsweise „volle Kraft“ oder „keine Kraft“. Portugiesische Schiebe-Riegel bezwingt man aber mit Gefühl und Ausdauer.

Lessons learned:

  1. Papier vorher checken
  2. Nur abschließen, wenn es echt sein muss

 

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20) Flughafen-Bus

Aber zunächst erst einmal genug mit all den Kindergeschichten. Kommen wir zu etwas anderem. Ein weiteres riesiges Feld von Egoismus und Ignoranz scheint das Reisen zu sein. Schon in meinem Buch „Please follow the signs“, habe ich viele dieser wirklich unsympathischen Menschen beobachtet und zu Papier gebracht. Dabei schrieb ich über Idioten, die mit riesigen Rollkoffern in die Kabine rollen und sensible Jackets in den Staufächern platt walzen. Typen, die sich unter einem Vorwand vorn in die Schlange einreihen, um sie dann später aber als Sitznachbarn wieder zu finden. Menschen, die zu spät kommen und sich dann maßlos drüber aufregen, warum der Flieger wieder später abgeht oder die Gepäckfächer voll sind. Aber ich will hier nicht das ganze Buch noch einmal schreiben. An dieser Front scheint es ab immer wieder Nachschub zu geben. Und so kann ich nicht aufhören, über diese mit Mitmenschen zu schimpfen. Zum Beispiel beim Einstieg in einen Flughafen-Bus. Das Flugzeug ist gerade gelandet und die Treppen rollen heran. Nur zwei Busse fahren vor und wir wissen, dass am Berliner Flughafen keine weiteren Busse folgen werden. Um so unverständlicher ist mir, dass viel Gäste nicht in die Busmitte durchgehen wollen, sondern an der Tür stehen bleiben. Im Stadtverkehr kann ich das verstehen, wenn man an der nächsten Station schon wieder aussteigen will. Aber beim Flughafen-Transfer gibt es aber nur eine Station. Da werden alle aussteigen. Also was soll der Hickhack? Am Kofferband sieht man sich eh wieder. Und selbst wenn der Reisende gar keine Koffer hat und nur darauf abzielt, als erster ein Taxi zu ergattern, wird er eh am überfüllten Taxistand zum Stillstand kommen. Oft habe ich erlebt, dass im Inneren des Busses genügend Platz war. An den Türen jedoch, sah es aus, als käme der Bus gerade aus Indien. Aus dem Flugzeug stolpern die letzten Gäste die Treppe herunter, stehen dann planlos vor der Bus-Tür und kommen nicht hinein. Aber das interessiert die Türsteher überhaupt nicht. Soll doch ein weiterer Bus kommen. Was geht mich das an? Ich war zuerst hier! Da aber kein weiterer Bus kommen wird, verzögert sich die Abfahrt um weitere wertvolle Lebenszeit. Irgendwann haben auch die Berliner Busfahrer keine Lust mehr auf das Schauspiel und fordern mit Berliner Charme auf, durchzutreten. „Könn’ se ma‘ durchtreten, sonst steh‘n wa zur Tagesschau noch hia“. Na endlich.

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