105) Corona-Lektionen 25

Die 25. Ausgabe der Corona-Lektionen will ich etwas unterhaltsamer angehen.

Viele Zukunftsforscher zerbrechen sich aktuell den Kopf, wie sich die Welt mit dem Corona-Virus verändern wird. Da geht es um die richtig dicken Dinger. Staatengefüge, Globalisierung, Weltweite Arbeitsteilung und so weiter. Aber auch im kleinen lässt sich drüber spekulieren. Ernst und weniger ernst.

Alles anders?

  1. Das Modell der „Mega-City“ steht auf dem Prüfstand. Das Ansteckungs-Risiko ist auf engem Raum einfach zu groß. Andererseits, lässt sich eine Stadt besser kontrollieren und versorgen, als der ländliche Raum. Man versucht es mit einer Mischform. Erste Großstädte gründen Stadtbezirke in der Mongolei, Grönland und Kanada. Da ist noch Platz. Das Wort Kolonialisierung soll in diesem Zusammenhang aber besser nicht verwendet werden, besser wäre „City-Off-Shoaring“ oder „Decentralized City“.
  2. Das Boom-Ziel des Tourismus ist Mecklenburg Vorpommern geworden. Wer hätte das gedacht. Da nun aber auch nicht jeder bis zur Waterkant fahren kann, entstehen gigantische Wohn-und Themenparks links und rechts von A11 und A20. Viele neue Glaskuppeln, nach dem Modell „Tropical Island“ sorgen nun für warme Temperaturen und entsprechendes Urlaubs-Feeling. Und da keiner wochenlang Fischbrötchen essen will und Mecklenburger Phlegma ertragen kann, wird auch kulinarisch und kulturell einiges geboten. China-Town, Little India und Phuket Beach begrüßen die Freunde Asiens auf der östlichen Seite, auf der gegenüberliegenden Seite warten Karibische Metall-Trommeln, Zigarren und Rum. Prost.
  3. Die Deutsche Kino-Wirtschaft hat Zeitkontingente bei den Sex-Kinos angemietet. Da sei naturgemäß am Vormittag eh weniger los, also könnten die Video-Kabinen auch für den normalen Kino-Betrieb angeboten werden. Auch Kinder-Filme und Wandertage werden ins das Programm aufgenommen. Damit die Kids beim Schulausflug nicht völlig ausflippen und albern herumkichern, sind die Betreiber der Etablissements aufgefordert, den Buchstaben „S“ abzukleben. Gerne auch mit einer Maske. Mit einem „ex-Kino“ können Filmwirtschaft und Kultusministerium sehr gut leben.
  4. Auch im Sport hat sich einiges verändert. Tennis, Hammer-Werfen, Diskus und Bogen-Schießen sind so populär wie nie zuvor geworden. Fußball spielt man nicht mehr mit zehn Feldspielern, sondern nur mit sieben. Kopfball-Duelle und jeglicher Körper-Kontakt sind verboten, um die fehlende Dynamik auszugleichen, wird mit vier Bällen gleichzeitig gespielt. Nur Torwarte dürfen Bälle noch mit den Händen anfassen. Einwürfe von der Seiten-Linie werden von Automaten vorgenommen. Zuvor wird der Ball selbstverständlich desinfiziert. Versteht sich ja von selbst.
  5. Nachdem die Kids im Frühjahr 2020 bereits im Homeoffice gearbeitet haben, bevor überhaupt ihre Berufstätigkeit begonnen hat, lernten sie ab Mai 2020  zusätzlich die „Teilzeit“ kennen und finden Gefallen dran. Ihre nächsten Ziele sind „Gleitzeit“, „Sabbatical“ und ein Firmenwagen (… bzw. Firmenroller 😉 und dann sollte schon mal bald über eine „Altersteilzeit“ verhandelt werden. Denn das geht ja schneller als man denkt.

Noch andere kreative Vorstellungen zu unserer Zukunft?

Grüße aus Berlin, T.

Wer es noch etwas futuristischer mag, kann ja mal hier vorbei schauen.

 

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74) Brauch‘ ick nich‘

Der Einzelhandel hat ordentlich zu kämpfen, wenn er gegen den Online-Handel bestehen will. Also denken sich Shopping-Center immer mehr Kleinst-Attraktionen aus, um die Menschen in die Konsum-Tempel zu locken. Krippen-Spiel zu Weihnachten, echte Hasen zu Ostern und diverses Mode-Schauen zwischendurch.

Aber auch auf den Gängen zwischen den Shops findet man zunehmend kleine Stände die „Zum Verweilen einladen“ oder „Vom zielstrebigen Einkauf abhalten“. Je nach dem wie man so dazu steht.

  • An einem Stand kann man sich die Finger-Nägel aufwändig bemalen lassen. Wüsste gar nicht was ich da draufmalen lassen sollte.
  • Ein paar Meter weiter werden Super-Curls in die Haare gedreht. Habe zwar noch genug Haare, aber für Curls reicht’s nun wirklich nicht.
  • Am nächsten Beauty-Booth gibt‘s die nötigen Extensions. Da würde ich dann zunächst wie Winnetou aussehen, bevor ich dann wieder zum Locken-Shop zurück gehe und mir Locken machen lasse, bis ich aussehe wie Costa Cordalis (R.i.P.)
  • Weiter vorn kann man sich die Iris scannen lassen und dann auf ein Poster drucken. Niemals lasse ich ohne Androhung von Gewalt meine Iris durchleuchten! Danach habe ich dann keine Iris mehr oder jemand anders hat sie dann.
  • Auf einer anderen Etage kann man sein Ebenbild in Klein erschaffen. Mit einem 3D-Drucker. Damit man nicht nicht so klein wird wie ein Schlumpf oder so kräftig wie der Obelix, kann man mit ein paar Maus-Klicks seinen BMI optimieren, bevor es ans Gedruckte geht.
  • Den neuesten Kick, zumindest für mich, gab es wenige Minuten später. Eine junge Dame tauchte dort Snacks in flüssigen Stickstoff. Von dieser „Komposition“ kann man dann eine Schale kaufen und nach jedem Bissen rauchen wie ein Drache. Oder einen Notarzt rufen, weil die halbe Zunge weggefroren ist oder die Fressluke nun hoch bis zu den Ohren reicht. Toll gemacht.

Also früher, da hieß es im Laden ja häufig „Ham‘ wa‘ nich“. Heute sag ich eher „Brauch‘ ick‘ nich“.

<— Mehr aus unserer verrückten Welt

1) Verrückte Welt-Intro

Seit einem halben Jahr nun, veröffentliche ich meine Gedanken, Erlebnisse und Kurzgeschichten hier auf meinem schreib-blog. Im Juli 2018 begann ich diesen Blog mit seiner ersten Kategorie „Metropolen-Egoismus und andere Aufregbarkeiten“. Ursprünglich mal als Papier-Buch gedacht, schlummerten die ersten 20 Artikel schon längere Zeit auf meinem Rechner. Also verwendete ich die Beiträge quasi als „Kanonen-Futter“, um die Blog-Welt für mich zu erschließen. Mittlerweile sind daraus knapp 40 Beiträge geworden. Menschen und Organisationen lieferten immer genug Nachschub, über den ich mich auslassen konnte. Traurig eigentlich, oder? Vermutlich wird da noch mehr kommen. Wenn man aber über das tägliche Miteinander und seine Unzulänglichkeiten schreibt, kann man dabei ganz schnell schlechte Laune bekommen. Es musste also etwas unterhaltsameres her, was meine Stimmung wieder etwas anhebt. Quasi als Gegengewicht zum Mecker-Kanal. Damit war die zweite Kategorie geboren. Ich nannte sie „Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial“. Sie trägt zwar die „schlechte Laune“ ganz offensichtlich im Namen, soll aber eigentlich das genaue Gegenteil bewirken: Mich kurz über Dinge des Alltags aufregen und dann zügig erkennen, dass es sich eben nur um unwichtige Kleinigkeiten handelt, die gar nicht soviel Energie wert sind. Im besten Fall bleibt ein Schmunzeln zurück, eine Priese Humor vielleicht, aber kein Frust. Auch diese Kategorie umfasst nun schon 33 Beiträge. Beide Kategorien sind aber nun mal sehr textintensiv, es fehlte noch etwas „Buntes“, etwas zum Anschauen und zum Blättern. Somit war meine dritte Kategorie „Postkarten“ im Oktober geboren. Ich liebe das Reisen, wollte aber in dem Blog nicht jeden Stein, jede Kirche oder Tempel von unterwegs beschreiben. Das machen andere Reise-Blogger viel besser als ich. Ein paar Fotos und Kurztexte im Postkarten-Stil schienen mir da schon eher geeignet. Gern gewürzt mit einigen Skurrilitäten oder Nachdenklichkeiten im Kontext der Reise, die sonst im Touristik-Marketing zu kurz kommen. Und nun? Wie geht es in 2019 weiter? Einfach weiter so? Mhm… ich will nicht immer nur auf Mitmenschen und Organisationen schimpfen oder eigene Missgeschicke ans Tageslicht zerren, über die man schmunzeln kann. Ich kann auch gar nicht so oft reisen, um regelmäßige neue elektronische Postkarten verschicken zu können. Unsere neue Welt bietet aber noch so viel mehr Stoff, zu dem ich meinen Senf hinzugeben möchte. So viele neue Entwicklungen erreichen unsere Aufmerksamkeit. Jeden Tag. Da sind neue Technologien, Lebensarten oder Verhaltensweisen. Sie fallen vom Himmel und bestimmen fortan unseren Alltag. Dafür richte ich eine neue Kategorie ein.

Und hier ist sie schon: Ich nenne sie „Verrückte Welt“. 

Das scheint mir ein geeigneter Titel dafür zu sein. Nun ja, ich weiß. Es gab schon Bücher und Filme mit diesem Titel oder ganz ähnlichen Wortspielen. Na und? Wenn die Welt nun mal so verrückt ist? Wie sollte ich sie sonst nennen?

Mit diesem kurzen Rückblick und Ausblick, nähern wir uns dem Ende von 2018 und freue mich schon auf 2019 und die neue Kategorie.

Einen guten Rutsch an alle Leser (… falls ich mich nicht noch einmal vorher melde 😉