352) Tja, warum eigentlich?

Diese formschöne Mischbatterie, aufgenommen im französischen Ferienhaus, hat mich etwas über eigene Gewohnheiten nachdenken lassen.

Natürlich braucht man mit zwei Wasserhähnen eine Weile, bis man eine akzeptable Wassertemperatur eingestellt hat. Und da geht sicher einiges an Wasser bei drauf, nur während der Zeit des Einstellens. Und wenn man dann die Temperatur gefunden hat, tut man einen Teufel daran, wieder an ihr zu drehen.

Da sind natürlich diese Kipphebel, die wir vermutlich alle kennen, schon praktischer. Die merken sich die Temperatur quasi, man kann den Wasserfluss mal eben stoppen und dann wieder schnell fortsetzen. Super praktisch, aber im Prinzip auch eine Öko-Schweinerei. Denn da ich die Dinge nun mal gern symmetrisch habe, schaut mich dieser Regler immer frontal an, folgt also der selben Richtung wie der Wasserhahn … und läuft quasi … auf … lauwarm. Auch beim Händewaschen, Tomaten spülen … oder eben beim Putzen der Keramikabteilung. Momente, bei denen man sicher auch nur mit „kalt“ auskäme. 

Flugscham, Zugstolz und nun noch Watershaming? Ich senke mein Haupt … ich habe es verstanden. Ihr braucht mir keinen Energieberater auf die Pelle schicken, ich werde an meiner Symmetrie-Marotte arbeiten und schiebe den Regler nach „rechts“. Auch wenn es mir politisch schwer fällt. Asymmetrische Kriegsführung quasi!

Mit diesem Beitrag gehts mir gar nicht um meine kleine Marotte, sondern um bequeme Default-Einstellungen, Gewohnheiten oder vermeintliche Sparmaßnahmen im Alltag, die man schon „seit ewig“ so lebt und sich auch gern auf ihnen ausruht. 

  • Vielleicht habt ihr ein Server, der sich nachts in den ECO-Mode verabschiedet, aber eben trotzdem während des Tages „an“ ist, egal ob er genutzt wird oder nicht?
  • Ein WLAN-Router der rund um die Uhr läuft, obwohl man eigentlich 1/3 des Tages schläft und nicht im Internet surft? 
  • Die Klimanlange im Auto, die immer auf 22,5°C eingestellt ist, auch wenn draußen 22,0°C herrschen und man eigentlich nur das Fenster öffnen müsste?
  • Vielleicht Teller und Schüsseln, die man grob abspült, um den Spüli nicht zu sehr zu verdrecken?
  • Elektronische Kontoauszüge, die man ausdruckt, nur um sie mal sicherheitshalber in Papier zu „haben“? 
  • Papier-Rechnungen, die man gleichzeitig einscant und speichert, nur um sie eben „nicht mehr“ zu haben und gleich danach zu Schreddern? 
  • Den Backofen, den man auf 200°C vorheizt, nur weil es jemand auf die Packung geschrieben hat?
  • Arbeitsrechner, Diensttelefon, die spät abends immer noch laufen, „weil ja noch etwas kommen könnte“?

Ich denke, es sind genau diese Marotten, Macken, Gewohnheiten, Bequemlichkeiten, bei denen man sich mal fragen kann:

Warum mache ich das eigentlich? 

Auch wenn wir mit unserem Energieverbauch schon deutlich unterm Schnitt liegen, ist da sicher noch Luft nach oben … ähm unten … na ja … ihr wisst schon 😉 

350) Ausgeliefert

Auch wenn wir aktuell ja eher mit Hitze zu tun haben, hat der/die ein oder andere sicher schon einen Moment an den kommenden Winter gedacht. Und wird dabei durch die Zimmer gelatscht sein und drüber gegrübelt haben, wie man die Bude im Ernstfall halbwegs warm kriegt, oder?

Während Hauseigentümer vielleicht baulich noch etwas machen können, sind Bewohner von Wohnungen mehr oder weniger am Ar … kalten Hintern.

Mit der schmalzigen Melodie einer ehemaligen Allianz-Werbung gehts aber schon fast wieder:

„Denn wird kein Gas ins Haus geliefert,
bist du vollends ausgeliefert“.

Außer Energie sparen und gegebenenfalls eine Jacke überziehen, können wir eigentlich nicht viel machen. Ein Heizlüfter zu besorgen, das beruhigt zwar die Nerven, bringt aber auch nicht viel. Außer die Netzagentur zur Verzweifelung. Denn wenn zu sehr mit Strom geheizt wird, dann kommt’s erst richtig dicke. Denn dann ist es nicht nur „frisch“, sondern … auch eben auch … schnell … „aus“.

Ohne mich lächerlich machen zu wollen, kann ich dem aktuell eigentlich nur mit etwas „kühlem“ Humor begegnen:

  • Ich stelle den neuen Router zu meinen Fußen, der strahlt ordentlich Wärme ab.
  • Es gibt jeden Abend TK-Pizza aus dem Backofen oder wir stellen halt den Grill in die Küche.
  • Ich lasse mir lange Haare wachsen, um auch mal warm Fönen zu dürfen.
  • Wenn ich überhaupt dusche, stelle ich vier Schüsseln Instant-Nudeln unter mir auf.
  • Wir schauen jeden Abend Doku‘s über den Nordpol … dann wird’s erträglich. Ist alles relativ.

Aber zurück zum Ernst. Ich habe keine Ahnung wie ich dem möglicherweise entgegnen soll. Das Einzige, was mich etwas beruhigt, ist die Tatsache, dass ich in einem Altbau großgeworden bin. Ich weiß wie es ist, unter schweren Federbetten zu liegen. Ich weiß wie es ist, Eisblumen am Innenfenster zu haben. Ich kann gut erinnern, wie es sich anfühlt, morgens in ein kaltes Bad zu treten. Ich kann mit Kuscheljacke, dicken Hauslatschen und Teekanne umgehen. Und ich kann einen Ofen managen. 

Leider haben wir keinen Ofen …
aber …
we will get through this …
immerhin haben wir ein Dach über dem Kopf …
haben andere nich‘ …
also aufhören zu jammern!

Sag‘ ich jetzt mal eben so. 

 

338) Kalt und Heiß

Verfolgt man die Nachrichten dieser Tage wird einem kalt und heiß zugleich. Auf dem Teller mag ich solche Kompositionen ja sehr gern, aber im News-Cocktail komme ich gerade nicht mit.

Während sich Deutschland mit Blick auf den Winter unbedingt einfallen lassen muss, wie es die Grundversorgung mit Strom und Heizenergie sicherstellen und sich der Stammtisch schon überlegt, welches Mobiliar man gegebenenfalls verfeuern kann, ächzt Süd-West-Europa unter einer Hitzewelle und das Land der Teutonen kriegt auch bald was von ab. Deshalb denkt man nun über die Öffnung von Notfallbrunnen und … Wärmehallen … nee … warte mal … Kältehallen … nach.

Früher wurde es im Sommer auch schon mal sehr warm, aber da war man mit hitzefrei, Speiseeis und Dusche/ Rasensprenger ganz gut aufgestellt. Nach ein paar Tagen war es dann ja auch vorbei. Der eigentliche Feind der Deutschen war eigentlich immer die Kälte.

  • Obdachlosen wurden im Winter „gnädigerweise“ die Türen der Bahnhöfe geöffnet.
  • Ein Wärmebus fuhr durch die Stadt und Ehrenamtliche verteilten heiße Getränke.
  • Klingelte ein Gast an der Tür, bat man ihn herein und sagte, er solle sich doch erst einmal aufwärmen.

Von nun an alles anders?

  • Dürfen Obdachlose bald im Sommer in die Bahnhöfe, um sich abzukühlen?
  • Gibt es neben Kältehallen, bald Kältebusse und Kühlpilze?
  • Sind die Dachgeschosswohnungen, die aktuell geschaffen werden, lebensbedrohliche Backöfen?
  • Wird vormals so beliebte Südbalkon eine no-go-Area, denn wer es sich leisten kann, hockt im hochpreisigen Altbau-Keller?

Oh oh … da kommt was auf uns zu … und sowohl das Heizen im Winter, also auch das Kühlen im Sommer … kostet einen Haufen Energie … und wir sind überhaupt nicht drauf vorbereitet.

Schönen Sommer!

Andere Beiträge zum Thema:

336) Blick in die G(l)askugel

Verfolge ich die jüngsten Entwicklungen zur Energie/-Gasversorgung hier bei uns im Lande, erinnere ich mich an die Situation im Januar/ Februar 2020 zurück. Irgendwas rollte da auf uns zu, etwas Unbekanntes, etwas wovon wir nicht wussten wie sich das entwickelten würde und wo wir vielleicht insgeheim drauf hofften, dass es wohl nicht so „dicke“ kommen würde. 

Nach 2,5 Jahren sind wir nun schlauer, wie es dann mal eben doch kommen konnte. Fokussierung auf kritische Infrastruktur, Schließung von Betrieben, mehrfaches Herunterfahren/ Reduzieren des öffentlichen Lebens, gefolgt von Kurzarbeit und Lieferkettenproblemen, Absage gegenüber Kultur, Sport und Tourismus, Unzufriedenheit, Freiheitsgemaule, Sturm auf die Treppen des Reichstags … und so weiter. Muss ich nicht alles noch einmal aufführen, mag ich rückwirkend auch gar nicht kommentieren. Will eh keiner mehr hören. Denn jetzt ist erst einmal Sommer. „Und wir haben Spaß, haben Spaß, geben Gas, geben Gas.“

Besucher mit angeschlagenem Gemüt sollten jetzt vielleicht eine andere Lektüre wählen.

Ich will hier echt nicht den Miesepeter geben oder gar Panik verbreiten. Aber jetzt nur mal angenommen, es kommt zu einer nennenswerten Verknappung in der Energieversorgung. Durchlaufen wir dann im Prinzip alles noch einmal? Ist es das worauf wir uns einstellen sollten, in der Hoffnung, dass es schon nicht „so dicke“ kommt. Oder kommt es eben vielleicht doch dicker, weil dieser Herausforderung mit „Kino zu“, „Kneipe dicht“ und „Drei Wochen Kerzen im Advent“ nicht zu entgegnen ist? 

Ich meine, dass „Virus“ war ja eigentlich im Vergleich zum „Bären“ noch recht beherrschbar. Man konnte Maßnahmen probieren, drei bis vier Wochen beobachten und dann ggf nachsteuern. Auf Sicht fliegen halt. Aber geht das denn bei dieser aktuellen Herausforderung?

Besser ich packe die G(l)askugel wieder in den Schrank und schließe mit zwei Strophen aus „Ich will Spaß“ von Markus.


Will nicht spar’n, will nicht vernünftig sein
Tank nur das gute Super rein
Ich mach Spaß

Ich geb Gas, ich geb Gas


Und kost‘ Benzin auch drei Mark zehn
Scheiß egal, es wird schon geh’n
Ich will fahr’n
Ich will fahr’n, ich will fahr’n

Zwar in einem anderen Kontext geschrieben, aber irgendwie wieder aktuell.

Wie geht‘s euch damit? Auch etwas beunruhigt oder noch ganz entspannt und gechilled? Das Dach voller Solarzellen genagelt? Eine Bohrung zum Erdkern begonnen? Schon durchgerechnet, wieviele Klo-Papier man kaufen muss, um damit zu heizen?

Fragen…

327) Die kriegs‘t du nich‘ Alter

Gestern war Energie-und Wirtschaftsminister Robert Habeck im Interview beim Heute Journal und hat mir zu später Stund‘ dann doch noch einen Schenkelklopfer beschert.

Zunächst sprach er über die aktuellen Verknappungen und Maßnahmen im Energiebereich. Inhaltlich will ich da gar nicht weiter drauf eingehen, könnt ihr euch ja selber anschauen.

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/habeck-schmerzhafte-entscheidungen-100.html

Zum Ende bekommt er die Frage gestellt, ob man das Energie-Sparen im Privatbereich über eine Energiesparprämie anreizen könne. Geld vom Staat weil man Energie spart? What? Prompt sitze ich aufrecht.

Habeck argumentiert sachlich, dass die aktuell hohen Preise doch schon Anreiz genug zum Sparen seien.

Und dann später

… dass er nicht in einem Land leben will wo man sich nur noch bewege, wenn es Geld dafür gibt …

noch etwas später mit Augenrollen

… „und wenn dann jemand sagt, ich helfe nur, wenn ich noch mal 50 Euro kriege, dann würde ich sagen … die kriegst du nich‘ Alter.“

Hah! Großartig. You made my day Robert.

Nun kann man drüber diskutieren, ob die Wortwahl nun so passend für einen Bundesminister ist, aber ich fand’s super. Wirklich.

Es zeigt, wie angespannt die Lage ist und wie angenervt man sein kann, von einer Anpruchs-und Nehmerkultur, die hier eingezogen ist.