5) Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vorwort: Was habe ich nicht hier schon geschimpft über grün angepinselte Radwege, neue Mobilitätskonzepte und das permanente „Bashen“ meines Diesels. Da wird mir manchmal immer noch der Kragen eng, aber mir ist bewusst, dass sich Dinge ändern müssen, auch wenn es nicht immer bequem ist. Und da kam mir sehr gelegen, dass Hermann einen Gastbeitrag anbot. Aber lest selbst.

Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vor 30 Jahren sangen die Scorpions vom wind of change, der über die östliche Welt hinweg fegte. Die westlichen Freunde der Demokratie und der Marktwirtschaft waren glückselig und bekamen bei dem Song feuchte Augen – alles so schön, denn sie waren entweder Zuschauer oder Nutznießer…..und sie gehörten zu den Siegern der Geschichte.

Die Ostwelt wurde ordentlich durchgerüttelt, der deutsche Osten bekam zügig die Kopie aus dem Westen, die anderen östlichen Länder mussten ihren Weg finden in die globale Marktwirtschaft, z.T. mit Oligarchen oder sogar Parteidiktatur und Turbokapitalismus.

Vor 10 Jahren blies der Sturm scharf aus West von „hinterm Atlantik“ und brachte die globale Finanzwirtschaft ins Wanken.  Das betraf dann schon sehr viele Menschen auf der ganzen Welt.

Jetzt, spätestens nach den häufigeren Unwetterkatastrophen (im selbstzufriedenen Westen – wo anders gab´ s die aber auch), wird klar, dass wieder wind of change weht, nur diesmal sind wir alle dabei.

In wenigen Tagen gehen wir zur Wahl und sollten bereit sein für deutliche Veränderungen, auch wenn´s schwer fällt; jeder ahnt, so geht es nicht weiter, aber Änderungen mag man ja eigentlich auch nicht.

Selbst Spitzenleute, die jetzt viel im Fernsehen auftreten, sagen „wir müssen schneller werden; 6 Jahre für die Genehmigung einer Windkraftanlage sind zu viel, Ziel muss 6 Monate sein“. Die Verwaltungsmodernisierung hätten sie schon seit Jahren anschieben können, jetzt aber kommt Druck – wind of change.

Die Digitalisierung oft wird als Lösungsweg angesehen, aber eine verkrustete, m.E. über-föderale Organisation (mit vielen schönen, warmen Sesseln) kann man damit noch ein bisschen sichern, wirklich auf Drehzahl kommt sie damit nicht. – wind of change.

Berlin arbeitet an der der Verkehrswende; teilweise tauchen echt breite Radbahnen auf. Der klassische Straßenverkehr wird enger.

Die Digital Natives mit optimierter Work-Life-Balance bestellen ihren Lebensmittelbedarf per App und lassen sich das Zeug durch radelnde Kulis nach hause bringen.

Mal sehen, wann die ersten Radel-LKW zur Belieferung der hubs auftauchen. Elektro-unterstützte Minitransporter für Paketdienste habe ich schon gesehen. Man könnte doch die 8-Mann-Bierradel-Fahrzeuge umbauen, oder?

Als ganz persönlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung habe ich mir kürzlich einen Elektro-Roller für die typischen Allein-Kurzstrecken angeschafft und fühle mich gut dabei. (3 kwh statt 10 ltr sprit pro 100 km ist schon super).

Blöd nur, dass ich als „Guter“ damit neben den Verbrennern an der Kreuzung stehe und neidisch auf den wachsenden geschützten Verkehrsraum schaue.

Ich sollte eine Petition „E-Roller auch auf Radwegen“ lostreten. – wind of change

Abschließend ein Kulturtipp zur Wahl:

Kurt Tucholsky 1930: „Ein älterer, aber leicht besoffener Herr“ by Gerd E. Schäfer – köstlich, hört mal bei Youtube rein –

– Allen eine gute Wahl! –

Ende Gastbeitrag Hermann

Kommentare? Gerne 😉

220) Windräder

Kürzlich fuhr ich an einem Wahlplakat (AfD) vorbei. Da stand drauf „Landschaft statt Windparks“. Bei dem Spruch wurde an sich schon etwas kurz gesprungen, aber er hat mich an ein paar Notizen denken lassen, die schon ewig in meinen Entwürfen liegen. Irgendwie konnte ich mich nie so richtig dazu positionieren

Windräder und Windparks:

Damals
Als die ersten Windräder in Deutschland aufgestellt wurden, fand ich die sehr beeindruckend. Da stand so ein Windrand in der Landschaft und schaufelte Wind zu Strom. Gigantische Rotorblätter lagen auf Sattelschleppern an den Autobahn-Raststätten, die Dinger mussten üble Kräfte aushalten und durften keinem auf den Kopf fallen. Ich hatte mal überlegt, bei so einem Laden anzuheuern, weil mir die Idee echt gefiel. Wind zu Strom machen, wow. Das roch nach Innovation.

Mittlerweile
Wenn ich mal die Autobahn entlang düse und sehe dann links und rechts Windräder, finde ich die Dichte zwar grenzwertig, aber noch okay. Meistens ist da eh sonst nicht so viel zu sehen und wenn die Ränder dort anmutig drehen, habe ich wenigstens etwas zu gucken. Fliegt man allerdings übers Land, gleicht die Erdoberfläche schon bald einem Käse-Igel und manchmal frage ich mich, ob es jemals wieder eine Zeit ohne Windräder geben wird. Denn in der Menge aktuell, und in der Menge die da noch kommt … oh ha … das könnte stachelig werden. Aber wenn wir innerdeutsch eh nicht mehr so viel fliegen, dann sieht‘s ja keiner so geballt 😉

Bei mir nich‘
Ich kann schon verstehen, dass keiner so ein Ding im Garten stehen haben will. Nur wenn wir 1.000 Meter Abstandsregel haben in NRW (….künftiger Kanzler?) oder einen relativen Abstand zur Bauhöhe in Bayern (… fast Kanzler), dann wird das vermutlich nie was mit dem grünen Strom werden. Wälder abholzen, Braunkohletagebau oder ein hübsches Atom-Kraftwerk in der Nachbarschaft will ja auch keiner haben, oder?

Hier in der Stadt stehen zig E-Autos herum, E-Roller liegen auf der Erde, E-Scooter stehen auf dem Gehweg, Straßenbahnen rumpeln über Gleise, Stromzapfsäulen entstehen … will sagen … Klimawandel mit „E“ gibts nicht umsonst und schon gar nicht frei von optischen / akustischen Nachteilen. Und das gefällt mir auch nicht immer!

Aber ich weiß wie Braunkohletagebau aussieht und ich habe neulich ein AKW in Frankreich umfahren … gruselig. Beides sind heftige Eingriffe in Landschaft und Zukunft … und beide Optionen sind auf diesem Wahlplakat nicht beantwortet. 

Wer nun eine schlaue Idee hat, bitte vortreten und machen, aber nicht solche Parolen durchs Land pusten!

Grüße aus der Hauptstadt
T.

 

47) E-Sharing-Wahn

Dass ich so meine Probleme mit den unzähligen bunten Leih-Rädern in der Stadt habe, hatte ich schon mal hier geschrieben (Früherer Beitrag). Mittlerweile kann ich denen ja wenigstens noch etwas ökologisches und sportliches abgewinnen, ABER nur wenn sie an Stationen gebunden sind. Wenn die Dinger einfach irgendwo abgestellt oder in die Büsche geschmissen werden, bleiben sie mir ein Dorn im Auge. Nix zu machen!

Aber nun wird‘s ja immer bunter:

In jeder Nacht werden neue bunte E-Tretroller in den Straßen abgestellt. Man spricht mittlerweile von 5.000-6.000 Stück in der Stadt, Tendenz steigend. Über diese Roller wurde schon vor ihrer Zulassung heftig gestritten, als es um Geschwindigkeit, Helmpflicht und Nutzungsrechte ging. Darum geht es mir aber heute nicht. Mir fehlt z.B. die Diskussion, welche konventionellen Verkehrsmittel denn dadurch weniger wurden. Haben denn all diese Spaß-E-Tretroller-Fahrer ihre Autos oder Mopeds verschrottet? Glaube ich wohl kaum. Da das Fahren der Dinger vermutlich auch noch Spaß macht und sie überall zu haben sind, wird künstlich Verkehr geschaffen, der sonst nie da war. Diese Wegstrecken wurden früher mit der Bahn oder eben zu Fuß erledigt. Die zweite Frage, die mich beschäftigt ist, wie denn die Dinger geladen und gewartet werden? Werden sie mit Diesel-LKW durch die halbe Stadt gefahren und morgens wieder aufgestellt? Das wäre eine schlechte Öko-Bilanz. Mal ganz zu schweigen davon, mit welchem Strom sie geladen werden und wie die vielen Heinzelmännchen bezahlt werden. Weiß hier jemand mehr?

Und nun kommt noch mehr oben drauf. In den letzten Tagen wurden zig Elektro-Autos in den Straßen abgestellt. Zum Beispiel 1.500 VW e-Golf ! Was soll denn der Mist nun wieder? Wenn man e-Tretroller und Fahrräder in die Büsche schmeißt, sieht das zwar übel aus, aber sie nehmen wenigstens keine Park-Plätze weg. Mit den E-Cars werden nun noch mehr Autos in die Stadt gespült und geparkt. Sollten es nicht eigentlich weniger Autos werden? Was soll der Schwachsinn? Auch hier die Fragen. Wie und wo werden die aufgeladen? Wieviele werden nachts irgendwo durch Waschanlagen geschoben, die Wasser und Chemie verbrauchen. All die Kunststoffe, Reifen und Metalle, die nötig waren, um die Autos zu produzieren. Und auch noch einmal die Frage, wieviele konventionelle Autos dafür aus dem Verkehr gezogen wurden. Weiß das jemand?

Wenn ich nur mal die Zahlen hier im Beitrag addiere, handelt es sich ungefähr um zusätzliche 7.500 Batterien! Für den Moment. Die müssen alles aus seltenen Rohstoffen hergestellt, nach Deutschland gebracht und später wieder entsorgt werden. Mir wird da echt schwindelig. Was hier im grünen Antlitz daher kommt, ist doch ökologisch eine Mega-Augenwischerei oder denke ich zu einfach? Kann mal bitte jemand aufklären?

Was soll das nur werden, wenn es irgendwann mal an jeder Ecke E-Hoverboards zum Leihen gibt? Und noch E-Segways, E-Dreiräder und E-Rollschuhe und E-Inliner und E-Skateboards und E-Tuk-Tuks und E-Rollatoren und E-Bobby-Cars und …

Wir müllen unsere Stadt mit stehendem Schrott zu und verfetten zunehmend, weil keiner mehr nur noch einen Meter läuft. Na großartig. Gut gemacht!

Anmerkung: Ich finde E-Autos sehr interessant und könnte mich selber mit einem E-Auto oder Hybriden anfreunden. Aber das was hier passiert, wirkt total planlos. Oder ist da echt ein Plan dahinter? Autos auf den Markt spülen, damit Menschen ihre alten Autos abgeben und am Ende weniger Autos auf dem Markt sind als vorher. Hääääh??? Is‘n das für eine Rechnung?

PS: mein Sohn klärte mich gerade auf, dass ein durchschnittlicher E-Tretroller in Paris ungefähr 78 Tage alt wird, häufig landen sie in der Seine. Bingo!

29) Acoustic Vehicle Alerting System

Neulich mussten wir mit den Kids eine Tiefgarage zu Fuß über die Ausfahrt verlassen. Das ist auch gar kein Drama, wenn man die Augen und Ohren offen hält. Gesagt, getan. Wir laufen wir also im Entenmarsch die Ausfahrt schräg hinauf in Richtung Schranke.

Leise nehmen meine Ohren ein Motorgeräusch wahr und ich rufe nach vorn: „Kinder’s, da kommt bald ein Auto. Lauft mal noch die paar Meter hoch und dann wartet ihr rechts neben der Schranke“. Aber ich fühle etwas direkt hinter mir und drehe mich um. Ein kleiner Elektro-Flitzer ist mir schon auf den Fersen. Wo kommt der denn auf einmal her?

Gestern las ich in der Zeitung über sogenannte Acoustic Vehicle Alerting Systems (AVAS). Also akustische Systeme, die das wegfallende Motor-Geräusch der E-Autos in den langsamen Geschwindigkeiten ersetzen sollen. Klingt vernünftig. Es gibt ein paar Vorgaben an die Hersteller, aber ansonsten setzt man auf Kreativität und Erfindergeist der Ingenieure und Sound-Tüftler.

Vielleicht wird es also ein sonores Brummen, ein Schnurren, Gluckern oder eher ein Pfeifen?

Oder aber sie machen sogar ein Business draus? Ich kann es schon hören:

  • Bei Volvo läuft ABBA, bei Renault trällert Charles Aznavour und bei Dodge hört man die US-Amerikanische National-Hymne
  • Über das AVAS der Mietwagen-Anbieter und Car-Sharing-Dienstleister schallt Werbung auf die Straße, die Fahrt wird dann noch billiger, wenn der Sound auch nach innen strahlt
  • Aus den Elektro-Mobilen des Ordnungsamts, werden die lokal geltenden Park-Bestimmungen, Tarife und Ordnungsstrafen vorgelesen
  • Junge Fahranfänger dürfen sich über eine App einen ganz eigenen Sound komponieren, Passanten können das Motor-Ersatz-Geräusch dann auch gern like‘n.
  • Filmfreaks können Zitate aus Blockbustern verwenden. Manchmal droht also der Terminator mit „I‘ll be back“, Rocky ruft immer noch nach seiner „Adrian“ und E.T. will nun wirklich langsam mal „nach Haus.“
    Manche Zitate stehen natürlich auf dem Index. Ist auch besser so.

Noch andere Vorschläge für diesen Patchwork-Klangteppich zur Elektromobilität?

Frühere Beiträge zur neuen Mobilität: