100) Corona-Lektionen 21

Die Kids schlafen noch. Bevor unser Router wieder die Lichter der Nachbarschaft flackern lässt, Zeit für ein paar Gedankengänge.

Psyche: Man liest von depressiven Stimmungen, der Umsatz von Alkoholika ist um 20% gestiegen, der Absatz von fernsteuerbaren Vibratoren wohl auch. Meine Güte, was es alles so gibt …
Tja, was macht das alles mit uns? Stehen wir nach Corona nicht beim Friseur in der Schlange, sondern eher beim Seelenklempner? Eigentlich wollte ich genau darüber etwas schreiben heute, aber das zieht mich irgendwie runter. Das geht so nicht, es muss etwas Lustiges her! Ich versuche es mal.

Wortspiele:

„Hi Coro, na wie geht’s?“
„Neulich noch in Verona, jetzt im Bett mit Cor…“.

… mhm …

“Das ist Kalle aus Halle, mit dem spielen `se alle. Das ist Heiner mit dem spielt …
Das ist Mona, die hat Cor….“

… Oaaaahh schlecht …

„Wessen Maske ist das? Das ist, Henry‘s Maske.“
„Auch der Baske trägt nun Maske.“

… krampf …

„Corona Lisa“
„ Toyota Corona?“

… ich lass` es wohl besser

Maske: Am Donnerstag war ich das erste Mal mit Maske im Kaufland. Und was ist daran nun bitte lustig? Nicht viel.

  • Noch vor ein paar Wochen hätte sich die Menschenmenge vor mir geteilt, wenn ich mit Maske da aufgekreuzt wäre. Jetzt, wo die Maske Pflicht ist, sind anscheinend jegliche Abstandsregeln vergessen. Menschen rücken mir so sehr auf die Pelle, da wird mir Angst.
  • Schon kurz nach Obst & Gemüse bekam ich kaum noch Luft. Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn ein Nepalese in Kathmandu zum Kaufland geht. Respekt. Beim Joghurt schalte ich die Lauf-App ein und versuche das als Höhen-Training zu verbuchen.
  • Und ständig beschlägt mir die Brille. Ich setze sie auf und ab. Ich schiebe sie über die Augenbrauen ( … und sehe aus wie einer vom literarischen Quartett) oder lasse sie locker auf den Nasenflügeln sitzen ( … uns sehe dann aus wie der Gauland von der AfD). Doof.
  • Ich muss die Gummis hinter den Ohren lockern, sonst kriege ich noch Segelohren. Merken: Termin machen beim Schönheitschirurgen. Und beim Seelenklempner.
  • Hinter Fleisch & Käse irrt ein Seniorin durch den Laden und brüllt durch ihren Stoff. „Bapu!“ „Bapu, wo bipt du?“ „Bapu, hapt du schon Milp?“
    Was is‘n das für‘n ungewöhnlicher Name … Bapu. Ist der vielleicht Inder?
    Nö… der heisst einfach Hartmut.

So, dann ist das ja nun doch noch ein unterhaltsamer Beitrag geworden

Schönes Wochenende

T.

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77) Mangel und Bammel

Ich war heute früh einkaufen. Die Regale waren wieder gut gefüllt, aber Es waren kaum Menschen in den Gängen unterwegs. Kein Wunder, die heimischen Keller und Vorratsräume der Deutschen sind so prall gefüllt, da kann man Corona und einen atomaren Winter überstehen.

Trotzdem, Einkaufen fühlt sich dieser Tage anders an. Setzt jemand zum Niesen an oder hüstelt auf die Frische-Theke denkt man sich so seinen Teil.

Und es lassen sich kontrastreiche Eindrucke sammeln. Bier mit „Extra“ Corona will keiner kaufen, Desinfektionsmittel für die Handtasche ist ratzeputze leer gekauft.

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Ich will hier nicht zu weiterer Panik anzustacheln. Aber vielleicht finden wir etwas Ablenkung bei der Suche nach ein paar kreativen Bild-Unterschriften?

  • „Von Mangel und Bammel“
  • “Gefragt und ungefragt“
  • “Haben oder nicht haben“
  • “Vom Suchen und Bekommen“

Grüße aus der Hauptstadt

 

 

75) Hamsterkäufe

Fussel, der kleine Feld-Hamster, erwachte am späten Berliner Donnerstagabend aus dem Winter-Schlaf. Den ganzen Freitag blieb er noch in seinem Bau, orientierte sich und ordnete seine Dinge. Nebenbei hörte er Hamster-Radio und er surfte mal kurz im Hamster-Netz. Dort sprach man von Hamsterkäufen. „Wieso soll ich mir einen Hamster kaufen“, grummelte er. Am Samstag bekam er Appetit, die Vorräte in seiner Speisekammer sahen aber gar nicht mehr so lecker aus. Er hatte eher Lust auf etwas Frisches, also steckte er seinen Kopf aus dem Bau und machte sich auf den Weg in den nächsten Hamster-Markt. Und da traute er seinen Augen nicht.

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So ungefähr erging es mir, als ich heute nach ein paar Tagen im Ausland den Wochenendeinkauf anging.

Wo bin ich? In einer HO-Kaufhalle im Ost-Berlin der Achtziger Jahre? Oder in Kuba, Venezuela? Was zum Henker ist hier nur los? Bin ich vielleicht zu spät dran? Ist morgen Weihnachten? Oder Ostern?

Nein, es ist Samstag, der 29. Februar 2020. Die Uhr zeigt 09:30 Uhr.

Was treibt die Menschen an, die Regale leer zu kaufen?

  • Treibt sie der menschliche Überlebensdrang? Steht es wirklich schon so schlimm um uns? Wird Corona uns alle dahin raffen?
  • Ist es Egoismus oder Futter-Neid? Besser selber 30 Gläser Bohnen zu haben, als sie irgendjemand anderem zu überlassen?
  • Oder steckt Spekulation dahinter? Kauft irgendwer das ganze Zeug und will sich auf dem Schwarzmarkt eine goldene Nase verdienen?

Leute, jetzt reißt euch mal zusammen! Ja, es ist gut, das Geschehen zu verfolgen. Und ja, ein kleiner Vorrat hat noch nie geschadet. Das weiß jeder Hobby-Koch. Das ist das normalste von der Welt.

Aber hört auf mit dieser Panik-Mache!

<— Mehr aus unserer verrückten Welt

 

63) Einweg, Mehrweg, Mann weg

Seitdem uns immer intensiver vermittelt wird, dass wir ein Klima haben, achtet die Familie mehr auf die Wahl der Flaschen für Brause, Saft und Wasser. Naiverweise dachte ich ja lange Zeit, Pfandflasche = Gut = Mehrweg. Falsch gedacht. Auch bei den Pfandflaschen gibt es feine Unterschiede. 

Und so wird das frühere „Ich gehe mal schnell Saft holen“ zum Tagesausflug mit Verpackungskunde:

  • Im Saft-Regal ganz unten steht die „Hausmarke“, 1 Liter für freundliche 0,79 EUR. Aber die Flasche ist aus Plastik und ohne Pfand. Also besser nicht.
  • Gleich nebenan steht „Region, Apfelsaft BB“, 0,75 Liter für saftige 2,29 EUR. Ist zwar eine Glasflasche, aber ohne Pfand und mir dann mit 3,05 EUR pro Liter doch zu „saftig“.
  • Eine Etage drüber sehe ich „Direktsaft, Natürtrüb“, 1 Liter für 1,99 EUR. Aber es ist ein Tetra-Pak. Ist ein Tetra-Pak nun besser oder schlechter als eine Plastik-Pfand-Flasche? Dazu müsste ich mal googlen, aber beim Krämer ist das Netz zu schwach.
  • Ein paar Meter weiter im selben Gang steht dann noch „Klarer Apfelsaft“ im Regal. Ganz oben. 1 Liter für 1,59 EUR, Glas, Mehrweg + 0,15 EUR Pfand. Gleich daneben die trübe Variante, gleicher Preis.
  • Im nächsten Gang finde ich „Apfelsaft Mild 100%“, 0,33 Liter für 0,49 EUR. Aber alles in Plastik und viel zu kleines Packmaß, da brauche ich ja fünf Hände. Dafür ist er aber „Vegan“ und hat 100% Fruchtgehalt.
  • Weiter hinten im Laden gibt‘s noch eine Bio-Ecke. Da steht „Apfelsaft Natürtrüb“, Glas, Mehrweg, 0,75 Liter für 1,15 EUR + Pfand 0,15 EUR. Macht 1,64 EUR pro Liter. 

Ich brabbele und schimpfe vor mich hin, warum das alles auf dem Rücken der Konsumenten abgeladen wird.

Mir kommt die Idee für eine App, die mir aus den Faktoren Verpackungsmaterial (Plastik, Glas, Tetra-Pak), Recycling (Einweg, Mehrweg, Nixweg) und den Sozial-und Klimapolitischen Konditionen (Bio, Region, Vegan und Fair) und meiner Geldbörse den optimalen Apfelsaft auswählt. Die App müsste zusätzlich noch …

Eine Chat-Nachricht quält sich durchs schwache Netz. „Wo bleibst du?“

60) Vegetarische Salami

Seit Wochen nehme ich die immer größer werdende Veggie-Vegan-Abteilung im Super-Markt war … und lasse sie rechts liegen.

Letzten Samstag griff ich dann mal zu und legte eine Vegetarische Salami in den Einkaufswagen Kann man ja mal probieren und Stoff für einen Blog-Beitrag gibt‘s nebenbei auch noch.

Das Kleingedruckte hinten auf der Packung liest sich wie folgt:

Trinkwasser, Rapsöl, Eiklar getrocknet.
Ok, nichts aufregendes, alles schon mal gehört.

10% Weizengluten.
Da hört es bei mir schon auf. Ich bemühe die gängige Suchmaschine.

Ergebnis: „Dahinter verbirgt sich das Weglassen von Gluten, einem Klebereiweiß aus dem Weizen“.
Aha.

Dann werden Verdickungsmittel ausgewiesen: Xanthan und Carrageen
Wieder muss ich die Internet-Bibliothek befragen.

Ergebnis 1: „Xanthan … ist ein natürlich vorkommendes Polysaccharid. Es wird mit Hilfe von Bakterien der Gattung Xanthomonas aus zuckerhaltigen … “  und woanders heisst es dann „ … In hohen Dosen kann es abführend wirken …“.
Na gut. Das tun Hals-Bon-Bons irgendwann auch. Kein Grund zur Panik.

Ergebnis 2: „Carrageen ist die Sammelbezeichnung einer Gruppe langkettiger Kohlenhydrate, die in Rotalgenzellen vorkommen. Es handelt sich um lineare, anionische Hydrokolloide, die sich nach chemischer Struktur unterscheiden lassen und unterschiedliche Eigenschaften aufweisen…“ und gleich daneben steht „…Der Stoff steht jedoch im Verdacht, Magen-Darm-Krankheiten und sogar Krebs zu fördern…“
Nee, also bitte, das muss ja nun nicht sein

Beim nächsten Abschnitt kommt mir dann doch viel bekannt vor. Kochsalz, Pfeffer, Paprika-Flocken, Traubenzucker, Weizenmehl, Stärke.
Ok, das geht, haben wir auch im Schrank stehen.

Und für die Färbung dann noch etwas Carotin und Eisenoxid (… also Rost oder was?)
Mhm, nachdem ich das alles gelesen habe, entwickele ich eine Ahnung, was Lebensmittelchemiker den ganzen Tag so tun.

Aber moment!!!
Bin ich vielleicht voreingenommen? Bin ich dem Veggie-Design-Food gegenüber zu kritisch?

Eine Gegenprobe muss also her:

Zum Vergleich, greife ich zu einer einer Billo-Salami der Supermarkt-Hausmarke. Innerfamiliär wird sie auch „CD-Wurst“ genannt und da lese ich dann: Schweinefleisch, Salz, Gewürze, Glukosesirup, Dextrose, Natriumascorbat, Natriumnitrit, Reifekulturen, Rauch.
Mhm. Klingt jetzt auch nicht romantisch toskanisch, aber alles schon mal gelesen und auch keine bösen E-Nummern zu sehen. Aber natürlich Fleisch vom Tier.

Aber nun Schluss mit der Theorie, jetzt geht‘s an die Verkostung:

Zunächst pur aufs Butter-Brötchen vom Bio-Koscher-Vegan-Bäcker:
Mhm, na ja. Etwas blass im Abgang und irgendwie fehlt da Rauchgeschmack.

Nun mal ordentlich Senf aus Sachsen drauf:
Ja … wird besser …. da tut sich was.

Und nun mit Indischen Garlic – und Hot Lime Pickles:
Na also … geht doch.

Soll doch mal keiner sagen, dass vegetarische Salami nicht schmeckt 😉

 

42) Jeans-Kauf

Unser Ende wird nicht der Mangel sein, sondern Überangebot, Vielfalt und Auswahl!

Eigentlich würde ich mir gern mal wieder eine neue Jeans kaufen.
„Blau, gerader Schnitt, Größe 31/34.“ Eigentlich ganz einfach.

Aber schon bei dem Gedanken daran, wird mir schlecht.

Hier die Schilderung meines Einkaufs, noch bevor ich ihn erlebt habe:

  • Um dem Einzelhandel eine Chance zu geben, werde ich in ein Shopping-Center fahren. Es wird ein großes Center sein, um die Wahrscheinlichkeit auf einen Jeans-Kauf zu erhöhen und  es nicht noch einmal versuchen zu müssen.
  • In der Dreh-Tür zum Center werde ich mit mir hadern, ob ich mich nicht gleich wieder von der Tür „herausdrehen“ lassen sollte. Quasi den Schwung mitnehmen und bloß weg von dort. Aber nein. Ich habe mir das vorgenommen, also werde ich das auch durchziehen wollen.
  • Ich werde die ersten Geschäfte ablaufen und dann den zweiten oder dritten Jeans-Shop betreten. Kaum den Laden betreten, werde ich stehenbleiben, in Ehrfurcht die meterhoch gestapelten Jeans betrachten und fühlen, wie die Schwerkraft an meinen Mund-Winkeln zieht
  • Dann wird ein Typ auf mich zukommen. „Kann ich dir helfen?“ Oh ja, bestimmt. Ich werde so etwas sagen wie: „Ich brauch´ne Jeans, blau, gerade, 31/34.“ Aufgrund der beeindruckenden Jeans-Stapel wird der Verkäufer zuversichtlich sein, ich aber ahne aber bereits schlimmes.
  • Er wird mich durch den Laden ziehen und mir Schnitte vorschlagen: Skinny, Slim-Fit, Tapered, Karotte, Boot-Cut, Comfort. „Nee, gerade bitte“, werde ich wiederholen.
  • Wir werden die Styles besprechen: Zerschossen, Aleppo, verätzt, stone washed, zerschlissen, befleckt, genietet, getackert, kleine Löcher, riesige Löcher, Knie frei, Arsch frei, Hochwasser, Stretch. „Nee, eigentlich nur Blau“, werde ich sagen.
  • Dann wird er mich noch einmal nach meiner Größe fragen und dann ins trudeln kommen. „Tja, eine 32/34 hätten wir da noch und eine 34/34 habe ich doch heute irgendwo noch gesehen“. „Nee, 31/34, bitte“, werde ich noch einmal fordern.

„Mhm. Ja, da kann ich ihnen leider nicht helfen“.

Grmpff.

 

As Peter Drucker said, “In a few hundred years, when the history of our time will be written from a long-term perspective, it is likely that the most important event historians will see is not technology, not the Internet, not e-commerce. It is an unprecedented change in the human condition. For the first time – literally – substantial and rapidly growing numbers of people have choices. For the first time, they will have to manage themselves. And society is totally unprepared for it.

― Greg McKeown, Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less

 

Frühere Beiträge rund um den Einzelhandel:

 

31) Kaufland-Radio

Läuft man mit offenen Ohren durch Supermarkt oder Kaufhaus, wird man permanent über Lautsprecher beschallt. Bei den Schuhen gibt‘s heute 10 % Rabatt, die Kunden mit 10.000 Treue-Punkten kriegen an der Info eine Alu-Pfanne geschenkt, der kleine Nick sucht seine Eltern und der Halter des Kfz mit dem amtlichen Kennzeichen B-LÖD 0815 soll bitte sein Auto umparken. Laaangweilig.

Und dann tönt es auf einmal laut … 28 an 329!

Aber was heisst das immer? Darüber kann man nur trefflich spekulieren…

  • 411 an 781
    Putzdienst bitte in die Konserven-Abteilung, irgendein Trottel hat da ein Glas Kartoffel-Suppe runtergeschmissen
  • 31 an 57
    Jochen, geh’ doch bitte mal zu den Spirituosen, da sucht ein alter Zausel den Eckes Edel-Kirsch
  • 99 zur 20
    Sicherheitsdienst, bitte mal flott in die Technik-Abteilung, da treiben sich so‘n paar dunkelhäutige Typen herum
  • 48 bitte in die 5
    Abteilungsleitung Backwaren, bitte demnächst mal herkommen, hier ist eine Öko-Tante, die will wissen, woher wir uns Mehl beziehen
  • 2 bitte dringend auf 7
    Claudia hier, Kasse 2, ich müsste jetzt nun wirklich mal aufs Klo, sonst platze ich. Wenn nicht, rufe ich den Betriebsrat
  • 9 bitte zur 997
    Uschi, bitte mal ans Telefon, deine Chantal ruft nun schon zum vierten Mal an, langsam reicht es uns aber
  • 33 an 19
    Torsten, wie oft haben wir dir schon gesagt, du sollst die alte Wurst nach vorn sortieren, damit die blöden Kunden das olle Gelumpe heute noch mitnehmen!
  • 33 an 19
    Ach so … und übrigens Torsten, du warst jetzt schon 12 mal rauchen heute, kannst dir bei Dienstende deine Papiere abholen!

Noch andere kreative Ideen?
Bitte einfach unten kommentieren oder meine Kontakt-Seite nutzen, ich nehme es dann gern hier auf.

PS: Sollte jemand aus der Leserschaft seinen eigenen Namen oben finden, dann sei gesagt, dass ich die rein zufällig gewählt habe

Frühere Beiträge zum Thema Einzelhandel:

41) Leergutautomaten

Es gibt da solch Ungetüme, die mich einmal pro Woche an den Rand des Wahnsinns treiben. Diese Apparate stinken zum Himmel, gelten gemeinhin als Keimschleuder und sind zudem noch widerspenstig, bockig und dämlich. Dort wo wir unseren wöchentlichen Einkauf erledigen, stehen gleich vier dieser zeitfressenden Monster nebeneinander. Leider sieht man ihnen ihre Tages-Laune nicht von außen an, man hat also kaum Chance, sich für oder gegen einen der Pfand-Automaten entscheiden. Zunächst fordert ein Display dazu auf, die Flaschen mit dem Boden zuerst in den grün leuchtenden Schlund einzuwerfen. Damit kann ich ja noch leben, selbst wenn einem dabei häufig irgendwelche Flüssigkeits-Reste in den Ärmel laufen. Die ersten zwei, drei Flaschen schluckt der Automat bereitwillig. Es scheint so, als hätten die Techniker bei der letzten Wartung das Zickigkeits-Level etwas herunter gedreht. Aber der Schein trügt und der Automat fällt wieder in sein gewohntes Verhaltensmuster. Er unterbricht den Vorgang, sein Schlund leuchtet rot auf und auf dem Display erscheinen wahlweise folgende Meldungen:

Gebinde nicht vollständig entleert!
Erstens habe ich die Pulle ja soeben erst in meinen Jacken-Ärmel entleert und zweitens, was ist das überhaupt für ein antiquierter Begriff? „Gebinde“. Meine Kids wissen gar nicht, was das heißen soll. Geschweige all die fremdsprachigen Benutzer, die dem Automaten ihre Falschen in den Hals werfen.

Flasche gehört nicht zum Sortiment!
Und ob, du dumme Maschine! Die habe ich ja erstes letzten Samstag hier im Markt gekauft. Ich kaufe ja schon kaum Flaschen bei anderen Märkten, um genau diesen Ärger mit euch zu vermeiden. Ich probiere es wieder und wieder, aber das Förderband schiebt die Flasche stur zurück. Mir reichts! Ich werfe die Flasche wie einen Dart-Pfeil an dem Scanner vorbei. Dafür gibt es zwar kein Geld zurück, aber ich habe nun auch nicht ewig Zeit.

Bitte kontaktieren Sie einen unserer Mitarbeiter!
Das ist die Höchststrafe und eigentlich schon ein Widerspruch an sich. Wenn es hier noch irgendwo Mitarbeiter geben würde, dann müsste ich mich ja nicht jeden Samstag mit euren nervenden Flaschenpfand-Maschinen herumärgern und meine Zeit mit ihnen verplempern.

 

Was waren das für Zeiten, als unsere Flaschen noch von Menschen entgegen genommen wurden.  Und wie geschickt und schnell die dabei waren…

Frühere Beiträge zu nervigen Automaten und Self-Service: