195) Corona-Lektionen 81

Es fühlt sich zwar an wie März, ist aber Mai. Keine Sonne, wenig Wonne. Super Wetter gegen Virus- Spreader. … oh oh, das wird nun zu albern. Zurück zum Ernst.

Rückkehr in die Schule:
Das große Kind hatte nach 18 Wochen Abstinenz, die Schule dann doch wiedergefunden. Ab morgen heißt es für sie aber wieder „Schulisch angeleitetes Lernen von zu Hause“. Also im Wesentlichen „Selbststudium“

1. Der Präsenzanteil muss steigen! Nur so kann verhindert werden, das Kinder abgehängt werden und nur so können Eltern dann jemals wieder in ihrem eigentlichen Präsenz-Job nachgehen, sollte es mit weiterem Impffortschritt mehr Öffnungen geben.

2. Der Lehrplan muss hinterfragt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder keinen bleibenden Schaden davontragen, wenn sie in pandemischen Zeiten in Musik, Kunst, Textilarbeit und Sport etwas kürzer treten. Ich frage auch, ob es die richtige Zeit ist, die griechischen Götter oder Basketball-Regeln auswendig zu lernen. Jeder Personaler hätte doch Verständnis dafür, wenn es für zwei Jahre in diesen Fächern keine Noten auf dem Zeugnis gäbe. 

3. Und liebe Lehrkräfte, überlegt bitte, welches Unterrichtsformat in welcher Situation angebracht ist. Im Präsenzunterricht dann doch wieder Arbeitsblätter ausfüllen zu lassen, ist es ein Unding! Ach so … und noch etwas. Unsere Glasfaserleitung fühlt sich unterfordert. Sie hat noch freie Bandbreite, die könnt ihr gern noch mit Video-Unterricht auffüllen 😉

Rückblick
Manchmal rolle ich in meinen Corona-Lektionen zurück, nur um mal zu sehen, was ich denn da so vor einem Jahr gedacht habe.

In >Nummer 21 vom 02.05.202berichtete ich, wie ich das erste Mal mit Maske im Kaufland war und amüsierte mich prächtig über eine Kundin, die dort ständig „Bapu“ rief. Ist lustig 😉

In >Nummer 22 vom 05.05.2020 schrieb ich über erste zaghafte Schulöffnungen nach Lockdown 1 und wie sich das neue Gesichtstextil noch in die Familienroutinen integrieren muss.

In >Nummer 23 vom 07.05.2020 spürte ich eine erste Sättigung an Regeln und Vorschriften. Gleichzeitig fragte ich mich, wie es denn den Hamsterern so ergangen ist. Haben die 30 kg Ravioli gemundet? Ist die Rötung am Hinterteil wieder verschwunden?

Pandemie-Topping
Wem das aktuelle Pandemiegeschehen zu fad ist, wer noch etwas Sahne auf den trockenen Corona-Kuchen haben will, kann sich mal den Film „Contagion“ reinziehen. Den habe ich bei seinem Erscheinen vor zehn Jahren irgendwie verpasst, vielleicht fand ich den Inhalt damals auch irgendwie „unrealistisch“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Es geht um eine Virus-Pandemie, die Suche nach einem Impfstoff, auftretende Mutationen, Verschwörungstheorien, Social Media, Angst und Panik. Damals hätte ich vermutlich gelassen in die Popcorn-Tüte gegriffen und den dort angesprochen R0-Wert sofort wieder vergessen.

Heute sind wir schlauer und erkennen, dass dieser Film doch sehr realistisch war.

Schönen Sonntag
T.

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190) Corona-Lektionen 79

Was für ein Sauwetter da draußen, wird es eigentlich gerade noch hell oder schon dunkel? Schwer auszumachen, ähnlich wie bei Corona.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Schule:
Der Sohn geht morgen mal wieder in die Schule, die Tochter noch nicht. Denn sie ist „A“. Pech gehabt, denn nächste Woche darf nur „B“ kommen. Und wenn sich das C weiter so verbreitet und die Inzidenz nach oben treibt, wird „B“ vermutlich nicht mehr so schnell in die Schule gehen. Die Mittelstufe hockt nun schon seit 14. Dezember zu Hause, das sind 18 (!) Wochen. Während mir langsam die Kopfhörer an den Ohren festwachsen, hatte das große Kind letzte Woche ganze 2 (!) Video-Calls. Digitales Lernen? Distanzunterricht? Hah! Deutsche Astronauten machten die „Sendung mit der Maus“ schon von der ISS aus, aber unser Bildungsapparat kriegt es seit 13 Monaten nicht auf die Reihe, regelmäßigen Video-Unterricht anzubieten. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sagt Frau Karliczek „Wir brauchen Mut zur Veränderung“. Was soll ich dazu sagen? Mehr als „bmbf“ kommt mir da nicht über die Lippen. Auf der Homepage unserer Ober-Digitalistin Dorothee Bär berichtet man von einem „Digitalgipfel am 30. November 2020“ auf dem man die „Digitale Schule von morgen“ diskutiert. Übernehmt euch bitte nicht. Macht doch bitte erst einmal digitale Schule von gestern! Von letzter Woche. Von letztem Monat! Vom letzten Jahr!

Lockdown:
Machen wir nun alles dicht? Besser noch nicht, wir warten mal noch ein klitze-kleines Bisschen. Und erfinden mal lieber noch ein paar Regeln. Die „Übersicht“ der aktuellen Regeln war am Wochenende in der Morgenpost abgedruckt. Diese Übersicht nahm eine halbe (!) Seite ein. Kein Wunder, dass viele Leute keinen Bock mehr haben. Nicht falsch verstehen, es muss Regeln geben, aber es ist zu viel und manches liest sich doch absurd. Zwischen 21:00 und 05:00 Uhr des Folgetags sind Zusammenkünfte mit haushaltsfremden Personen verboten. Alkohol kann man dagegen noch bis 23:00 Uhr kaufen, bevor es dann bis 06:00 Uhr am nächsten Morgen keinen Tropfen mehr gibt. Oh, das ist schon hart, oder? Also ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber zwischen 22:30 und 05:30 Uhr liege ich normalweise im Bett. Vermutlich tut das die Mehrheit hier. Es gibt aber auch Idioten, die nachts im Park immer noch dicke Partys feiern. Sollen die Ordnungshüter doch mal bitte dort vorbeischauen. Jedem eine Ordnungsstrafe von 1.000 EUR, Intensivbettennutzungsverbot für die nächsten drei Jahre und den Park saubermachen. Mit der Hand!

Ich stelle fest, der Beitrag kippt ins Aggressive. Am besten ich mach jetzt mal Schluss für heute.

Und jetzt kommt auch die Sonne raus 😉

Schönen Sonntag noch

T.

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162) Corona-Lektionen 61

Gestern Abend gab’s die erste Pressekonferenz der Kanzlerin und der Länder im neuen Jahr. Mittlerweile dürften die Ergebnisse auch in den Ländern und Städten kommuniziert sein. 

Willkommen im Lockdown V2.3!

V2.3?? Da ich im IT-Umfeld arbeite, werde ich die von nun an für mich einfach mit Versionsnummern nummerieren. 

Rückblick auf bisherige Versionen:
Die Version 1 wurde im Frühjahr „gelaunched“.
Die Version 2 startete im Spätherbst und ist über die Zwischenversionen 2.1 „Soft“, 2.2 „X-Mas/New Year“ nun bei 2.3 „Kater“ angekommen. Zwei neue Features dieser Version nennen sich „15-er Regelung“ und „Family+1“. Diese Features sollten alle ausprobieren, denn das könnte durchaus positive Effekte haben.

Distanzunterricht:
Die Schüler hocken wieder zu Hause und müssen sich den Stoff selbst beibringen. Von Distanzunterricht kann bei uns noch keine Rede sein. Die Aufgaben werden zwar nun mehr über Plattformen verteilt und weniger über E-Mail, das ist aber auch die einzige Veränderung. Einzelne Lehrer_Innen hängen sich voll rein und versuchen mehr über Video-Konferenz zu machen. Macht weiter so! Genauso gut gibt es Lehrer, die seit der Vorweihnachtszeit, die Deutsch-Hefter bei sich zu Hause zur Korrektur liegen haben und sich jetzt wundern, wie die Kids da nun rankommen sollen. Soviel dazu. Bei digitalem „Unterricht“ sind wir noch lange nicht. Da kann man schon mal fragen, was eigentlich seit März 2020 erreicht wurde. Siehe hier >Corona-Lektion 3 vom 17. März 2020.

Realitäten:
Wie schon in >Corona-Lektion 6 und >Corona-Lektion 34 angesprochen, wundere ich mich so über verschiedene Realitäten.

Wenn ich mal wieder durch die TV-Sender zappe, habe ich den Eindruck, dass Corona da überhaupt nicht angekommen ist. Mal abgesehen von Nachrichten und Politik-Talk, in denen man nervöse Politiker und gut gelaunte Rodler am Winterberg sieht, scheint Corona bewusst negiert zu werden. Stattdessen laufen Filme aus der Konserve, da wird Trödel verhökert oder Kuchen gebacken. Es sind zwar mehr Glasscheiben verbaut und die Menschen stehen weit auseinander, aber trotzdem will man anscheinend den Virus partout nichts in Programm lassen. Will man die Leute damit beruhigen? Ihnen eine Corona-freie Unterhaltungsblase geben? Vielleicht kommt so manch lockeres Verhalten auch daher, dass in vielen Sendungen eben nur die Welt „vor Corona“ vorgegaukelt wird, so dass der Eindruckt entsteht, das ist alles halb so wild?

Sollen sie doch mal zeigen, wie es auf der Intensiv so abgeht,
wie Menschen an Schläuchen hängen, 
wie sie regelmäßig gedreht werden,
wie sie sauber gehalten werden,
wie sie auf eine Maschine angewiesen sind.
wie künstliche Ernährung so schmeckt,
wie die wochenlang im Bett liegen,
und um ihr Leben kämpfen.

Zeigt das doch mal! Ich meine so richtig echt. Kamera an und filmen. Ganz nah ans Gesicht ranzoomen. Voll drauf! Ohne Verpixelung der Augen bitte. Eine ganze Nacht durch, auf allen Kanälen. Alles live! Ohne Werbung. Auch bei Netflix, Amazon und YouTube. Chips und Bier sind ausdrücklich erlaubt. Lasst‘s euch schmecken!

PS: Sorry, für die drastischen Bilder hier, aber vielleicht muss das mal sein, damit‘s auch der letzte kapiert.

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