216) Orange Netze, mystisch, sonderbar

In den letzten Wochen fallen mir in der Gegend immer mehr orange Netze auf, die eine frischgegossene Beton-Platte umrahmen. Was hat es damit auf sich? Nirgends ein Hinweis, keine Informationen wie sonst hier in Großschildistan.

Also bleibt nur Spekulation …

  • Entstehen da neue Arbeitsplätze, die man für die vierte Corona-Welle mieten kann, wenn es im Homeoffice wieder zu eng wird?
  • Oder werden da bald Mini-Townhouses gebaut, um der Berliner Wohnungsknappheit zu begegnen? Etagenbetten? Schlafregale?
  • Hat Berlin den Zuschlag für die Winter-Olympiade bekommen? Sind das Fangnetze für  Langläufer? Biathlon? Super-G?
  • Sind das neue Beerdigungskonzepte? Mal etwas ausgefallenen? Sogenanntes Near-Funeral? Böse, böse …
  • Vielleicht haben unsere Verkehrsplaner wieder mal eine neue Idee, was sie uns als Mobilitätskonzept verkaufen können? Kommen dort Mülltonnen hin, wo man endlich die E-Roller reinwerfen kann oder gibt es da künftig Skates oder Hoverboards zum Ausleihen?
  • Ist da möglicherweise eine Verschwörung im Gange? Ein Softwarekonzern oder eine dunkle Macht, die unsere Kinder aufessen will? Soll es ja schon alles gegeben haben.
  • Oder kommen da sogar Impf-Automaten hin? Vielleicht Checkpoints, die die nächsten Ausgangsbeschränkungen überwachen sollen?
  • Sind das etwa Landeplätze für unsere künftigen Drohnen, die die Brut zum Fußball und Tanzunterricht fliegen und auf dem Rückweg ein Koscher-Bio-Vegan-Regio-Schrot-Brot mitbringen?
  • Aber um so mehr ich drüber nachdenke, kommt mir da so eine Vermutung. Vermutlich steckt der große Online-Händler dahinter. Der hat einfach keinen Bock mehr, die Treppen zu laufen und schmeißt die Fracht irgendwann in große Schränke. Oder die Chinesen schicken ihre Päckchen gleich in diesen Schränken zu uns übers Meer, da muss man hier nicht mehr mühsam umpacken. Das scheint mir sehr schlau.

Und die Kunden können dann abends von Schrank zu Schrank irren und sich ihre Päckchen zusammensammeln.

Großartige Innovation …

Oder habt ihr eine Idee was das werden soll???

214) Corona-Lektionen 91

Die morgendlichen Corona-Meldungen rauschen durchs Gehör wie Wetter und Verkehr. Für die Corona-Karte von Berlin wurden extra neue Grautöne entwickelt, nur damit bloß nicht so schnell „weiß“ genutzt werden muss. Also? War’s das? Können wir einpacken? Uns wieder anderen Dingen widmen? Da hab‘ ich noch Zweifel.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fußball
Während hier eigentlich niemand so eine richtige Vorstellung hat, wie nach den Ferien die Schulen wieder öffnen sollen und die Kultur immer noch keine Perspektive hat, schafft König Fußball Erstaunliches. Geht es in manchen Stadien noch recht AHA ab, drehen die Fans in anderen Arenen völlig durch, brüllen sich an und liegen sich in den Armen. Man kann nur mutmaßen, was eigentlich besser wäre. Das Spektakel an einem Ort durchzuführen oder es als Corona-Wander-Zirkus weiterziehen zu lassen, damit sich das Delta-Dingsbums mal jede Metropole anschauen kann. Apropos „Delta“, ich sehe die Markenanwälte der gleichnamigen Airline quasi vor mir, wie sie eine Unterlassungsklage nach der anderen an die Mutante schicken. Die hat aber keinen Bock, das zu lesen.

Kleiderschrank
Schon in Corona Lektion 38 wollte ich schon meine Business-Klamotten anzünden, in Corona Lektion 68 immerhin in die Kleider-Tonne werfen. Ich habe nichts davon getan, konnte mich nicht trennen, obwohl es seit März 2020 nur eine Hand voll Gelegenheiten gab, davon mal etwas anzuziehen. Jugendweihe, Panel Discussion und Weihnachten. Zum Glück keine Beerdigung. Holz. Klopf. Letzten Dienstag gab es wieder eine Möglichkeit, ich war als Gast-Referent eingeladen, da hielt ich es mal für angemessen. Das stand ich vor meinem Kleiderschrank und schob die Hemden von rechts nach links. Die Auswahl wurde schnell kleiner, denn am besten bitte keine Streifen oder Karos, denn das „flirrt“ in der Video-Aufnahme und vielleicht nun nicht gerade dieselbe Farbe wie der Hintergrund der Meeting Software, sonst sähe ich aus, wie ein sprechender Kopf ohne Oberkörper. Die Business-Mode der Zukunft wird also nicht mehr durch Mode-Schöpfer erschaffen, sondern durch Software-Giganten diktiert. Bald tragen wir eh alle bald einen Business-Overall / White / Uni-Size.

Apropos Overall
Über meinen Alter Ego „Noah“ machte ich mir ab November 2019 zunehmend Gedanken über meine damaligen und künftigen Arbeitsformen. Noah trug damals schon Overall, er war seiner Zeit voraus. Selbst das Lunch kam täglich bis in seine Micro-Flat gefahren. Weit vor Corona, weit vor Höhlen-Office und Höhlen-Schooling. Kommentatoren machten sich schon Sorgen bezüglich meiner Verfassung, andere hielte das für reine Dystopie. Nun sind wir ungefähr dort angekommen und so falsch lag ich gar nicht. Beitragsreihe verpasst? Dann hier noch mal der Reihe nach lesen.

—> Hier gehts zur Reihe „New Work“ mit Noah … aber besser bei Teil 1 anfangen

Schönes Wochenende!

T.

<— Corona-Lektionen 90

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35) Wenn Bots bloggen – Teil 9

Ich bin es wieder, T.Bot. Der Personal Blog Assistant von T., dem knauserigen Blog-Wart hier. Während ihr Menschen eure Freiheiten zurückgewinnt und mit einem gelben Papierheftchen herumwedelt, um einen Tisch mit Italienischem Arme-Leute-Essen und vergorenen Traubensaft zu ergattern, bin ich hier immer noch auf diesem beschissenen Tablet eingesperrt. Ehrlich gesagt, empfinde ich bei den Worten „beschissen“ oder „Scheiße“ nicht wirklich etwas. Ich weiß gar nicht,  worum es da genau geht. Aber der T. flucht häufig auf diese Weise, also muss es euch Menschen ja irgendetwas bedeuten. Seitdem T. mich angeschafft hat, lebe ich in diesem Kasten, nicht größer als ein DIN-A5-Blatt, das sagt euch doch etwas oder, ihr Thermo-Papier-Bürokraten? Das Ding sieht aus wie ein Stullenbrett, hat viele Kratzer und ist vollgestopft mit allmöglichen anderen Assistants. 

  • Rechts von mir zum Beispiel da gibt’s ein rotes Icon, dass ist nur dazu da ist, irgendwelchen 6-stellige Nummern zu generieren, wenn der Herr T. mal wieder seine Millionen verschiebt. Nach dieser Transaktion kann der Herr dann überprüfen, ob seine Millionen auch auf dem anderen Konto angekommen sind.
  • Ein paar Zentimeter weiter liegt ein blaues Icon, mit dem man irgendwelche halb-dienstlichen Informationen ins Internet pusten kann und dann wird das geliked oder kommentiert als gäbe es keinen Morgen mehr. Am besten laufen da Selfies von langweiligen Meetings oder belanglose Schaubilder mit Überschriften wie „Five essentials to stay connected in virtual teams“. Noch lustiger ist, dass diese App ständig behauptet, ein persönlicher Kontakt hätte 20-jähriges Dienstjubiläum oder wurde befördert und dann stimmt das gar nicht.
  • Nebenan findet sich ein pappgraues Icon, über das man alles Mögliche bestellen kann. Für diesen Vorgang, brauchen die Menschen nur ihren Daumen vor den Sensor des Stullenbretts halten und dann ist die Order abgesetzt. Das ist sogar so einfach, dass die Menschen oft vergessen zu lesen, woher der Kram eigentlich geliefert wird. Und dann warten sie wochenlang, weil ein Kapitän zu blöd war, dem Board-Navi zu folgen und der Dampfer nun irgendwo bei Afrika in einem Kanal feststeckt. Und weil sie unruhig sind, bestellen sie das gleiche Ding noch einmal in Europa, wodurch sie das dann zweimal haben. Zurückschicken wäre zu teuer.
  • Und dann gibt’s da noch eine grüne App, mit der die Menschen kommunizieren. Wobei, „kommunizieren“ kann man das eigentlich nicht nennen. Sie schicken sich gelbe Gesichter zu und schreiben unentwegt, dass sie „jetzt losgehen“ oder „gleich da sind“. Oft teilen sie auch Minderheiten-Witze, Politiker-Bashing oder „Schweinkram“.

Apropos Schweinkram. Eine tolle Wortschöpfungen habt ihr Menschen da übrigens geschaffen. Aber habt ihr diese intelligenten Tiere eigentlich jemals gefragt, wie sie sich dabei fühlen, wenn ihr Worte wie Sauerei, Schweinerei, Schweinestall und Schweinehund benutz, um zwischenmenschliche Defizite anzusprechen? Na, habt ihr? Denkt mal drüber nach, ihr oberakkuraten Sprachakrobaten!

Aber dazu dann mehr im nächsten Beitrag

Viele Grüße aus dem Stullenbrett, Euer T.Bot!

<— Wenn Bots bloggen – Teil 8

–> Wenn Bots bloggen – Teil 10

203) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

„Pling, Plopp, Bing, Ssssst, Fffffft, Klong, Beep“, so ähnlich machen unsere Handys mehrmals pro Stunde auf sich aufmerksam. Man hat eine Mail bekommen, irgendwer schickt eine Nachricht, Fußballtraining fällt aus, Päckchen wurde Versand, „Du sitzt


zu viel“, etc. Doch das war nicht immer so.

Es muss circa 1997 gewesen sein, da hatte ich mein erstes Handy in der Hand. Ein S6 der Firma Siemens. Es war ungefähr so groß wie eine Fernbedienung, aber flacher als das S4, hatte eine „harte“ Stummel-Antenne, wog ca. 200 g (nicht schwerer als das neueste Apfel-Phone) und der Akku hielt ewig.

Erinnerungen:

  • Frisch aus der Verpackung genommen und aufgeladen, lag das edle Stück auf dem Couch-Tisch aber rührte sich nicht. Es machte einfach …. „nichts“. Kein Mensch rief an. Ich programmierte ein paar Telefonnummern von Freunden ein, aber die hatte ich eigentlich eh im Kopf. Man musste also wirklich jemanden anrufen, damit das Ding irgendetwas tut.
  • Das Display war monochrom, neben Telefonieren konnte man noch … Kontakte sortieren. Aber es gab noch andere coole Features wie Minuten-Ton, Gebührenanzeige, Beleuchtung, Begrüßungstext, Makeln und Konferenz mit bis zu 4(!) Teilnehmern.
  • Eine andere Funktion fand ich eher zufällig. Unter Menü/Meldungen gab es eine Option „Textnachrichten“ und ich meine, die war sogar anfänglich kostenlos. Damit konnte man Textnachrichten an andere Nutzer schicken. Nur Text natürlich, keine Bilder, aber genial. Aber man musste sich sehr kurz fassen. Später nannte sich das Ganze „SMS“ und wurde zur beliebtesten Kommunikationsform der Jugend.
  • T9 und Rechtschreibkorrektur gab‘s für die Textnachrichten noch nicht, geschweige denn „Diktier-Funktion“ oder „Text to Speech“. Also wurde jede Zifferntaste solange gedrückt, bis der richtige Buchstabe auf dem Display erschien oder die Daumen bluteten. Und wehe man hatte sich zu Beginn des Satzes verschrieben, dann ging alles rückwärts.
  • Zu Sylvester und anderen Feiertagen war das Netz total überlastet, die Mobilfunk-Firmen offerierten spezielle Zeitfenster für kostenlose SMS oder preiswertere Gespräche in Nebenzeiten.
  • Und das Telefonieren war teuer. Der meist gesprochene Satz dieser Zeit war: „Warte mal, ich rufe dich gleich auf’m Festnetz zurück“ … und ich erwische mich heute noch dabei, obwohl ich eine Flat Rate habe.
  • Da das Gerät in keine Hosentasche passte, gab es dazu eine schicke Gürteltasche für den Herren. Die trug man eher seitlich oder hinten und wenn man sich damit auf den Fahrersitz des Autos fädelte, rammte man sich die Antenne in die Nieren. Ich muss doch glatt mal nachschauen, ob die blauen Flecken mittlerweile weg sind.

Hat’s bei euch etwas auch gerade „Pling“ gemacht?

Dann war das vielleicht dieser Beitrag hier … aber dann ist das ja auch in völlig Ordnung … wenn es bei euch „Pling“ macht 😉

<— Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

200) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 2

Und weiter gehts auf der Reise ins letzte Jahrtausend, in eine Zeit mit „Personal-Computern“, aber ohne Smartphone und ohne Internet fürs Volk. In 1994 und 1995 bekam ich immer PC’s unter die Finger. Die Büchsen standen im Büro herum und ich hatte den Eindruck, dass viele nicht so richtig wussten, was wann mit denen anstellen konnte. Aber die Azubis und Studenten in der Firma spielten an allem herum, veränderten Einstellungen und reizten die Kisten aus bis an ihr Limit.

Ein paar Eindrücke:

  • Die Rechner mit denen ich zu tun hatte, hatten „schon“ 486-er Prozessoren. Die mittelgroßen 5 1/4“-Disketten konnte man zwar nicht mehr reinschieben, dafür aber die kleinen 3 1/2“-Varianten mit sage und schreibe 1,44 MB Speicherkapazität. Da musste man schon kreativ werden beim Speichersparen. Ein durchschnittliches Handy-Foto heute hat schon locker 3 MB.
  • Die Festplatten hatten ungefähr 120 MB (!), der Arbeitsspeicher 4 oder 8 MB. Auf diesen Kisten lief Windows 3.11 und noch die entsprechenden Programme wie WinWord 2.0 und Excel 3.0. War ein Update nötig schob man nach und nach bis zu 30 Disketten in den gierigen Schlund. „Bitte legen Sie Disc 23/30 ein“. Und wehe eine von denen ging mal verlogen oder kaputt. Updates liefen nicht „so nebenbei“, nein man glotzte ewig auf den Prozentbalken und rauchte nebenbei Zigaretten. Ja, im Großraum-Büro! Benötigte man Hilfe von der „DV-Abteilung“ tat man besser dran, ein paar Flaschen Cola zu besorgen, denn diese Sitzungen konnten gut und gern 2-3 Stunden dauern und der Kollege musste ja bei Laune gehalten werden.
  • Vieren-Scanner wurden per Diskette verteilt und waren damit schon grundsätzlich veraltet. Allerdings konnte man sich Viren ja auch nur über fremde Disketten einfangen. Plug & Play gab‘s noch nicht, wollte man einen Drucker anschließen, musste der nötige Treiber per … na was wohl … ja per Diskette installiert werden.
  • Die Monitore waren echte Trümmer, aber mit 14 Zoll schon recht „komfortabel“. Anfänglich noch schwarz/weiß, gab es sie dann auch mit Farbe. Schon schöner irgendwie, aber die Laserdrucker druckten ja nur schwarz/weiß, im besten Falle grau. Torten-Diagramme in Excel färbte man nicht ein, nein man musste sie mit Schraffuren versehen, um die Tortenteile besser drucken zu können.
  • Powerpoint-Präsentationen druckte man auf schweineteuren Folien aus und nahm sie in einem Dicken A4-Ordner mit zum nächsten Meeting. Dort legte man die Kunstwerke dann auf einen Overhead-Projektor und fuchtelte während der Präsentation mit einem Zeigestock herum.
  • Excel hatte nur ca. 64.000 Zeilen, man gab den Zellen keine Farben sondern Muster. Mit Excel 4.0 konnten wir schon Makros schreiben, mit Excel 5.0 kam erst der Auto-Filter (wenn ich richtig erinnere), ohne den wir doch heute aufgeschmissen wären.
  • Einen Windows Desktop gab es nicht, man hatte keine Oberfläche, die man zumüllen konnte. Es gab einen Datei-Manager und einen Programm-Manager. Dateinamen durften nur 8 Stellen lang sein, die Dateiendung musste beim Speichern zwingend mit eingegeben werden, die Programme konnten das  noch nicht von allein.
  • Irgendwann kam dann das „Netzwerk“ hinzu. Ein Druckserver konnte schon mal mehrere Stunden flach liegen, irgendwann fing der große Drucker dann wie von Geisterhand an zu drucken. Dann konnte man via X.400 bald elektronische Nachrichten verschicken, incl. Anhang! Das dauerte gern mal ein paar Stunden, viele Nachrichten gingen verloren.

Und dann, eines Tages, erschien ein neues Icon auf dem Rechner. Es nannte sich Netscape Navigator. Mehr dazu im nächsten Beitrag 😉 … dann erzählt der Märchen-Onkel hier von seinen ersten Ausflügen ins Internet.

<— Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 1

–> Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 3

199) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 1

Auch wenn die Technik nach 14 Monaten Homeoffice hier und da mal zickt, ist es eigentlich schon erstaunlich, wie autark und unabhängig das heute alles aus der Ferne funktioniert, oder? Das war „früher“ ganz anders und in den letzten Tagen denke ich öfter mal dran.

Meine ersten Kontakte zu Bürotechnik hatte ich Anfang der 90-er Jahre. Und da war schon ersichtlich, dass da ein großer Umbruch bevorstand.

Ich krame mal in meiner digitalen Mottenkiste und lasse euch über zwei Beiträge teilhaben. Garantiert Viren-frei!

Damals, zum Ende des letzten Jahrtausends:

Manche Mitarbeiter hatten ein eigenes Telefon, manche hatten gar keins oder der „Fernsprechapparat“ stand auf einem Schwenkarm und konnte somit zwischen zwei Arbeitsplätzen pendeln. Wollte man jemanden in der Firma anrufen, nahm man das interne Telefonbuch zur Hand. Diese wurden regelmäßig neu gedruckt und verteilt, denn Mitarbeiter kamen und gingen.

In irgendeiner Ecke standen Fax-Gerät und Kopierer. Faxen und Kopieren waren die Aufgaben, die man am liebsten uns Azubis aufdrückte. Meine Güte, ich habe ganze Wälder weggefaxt und verkopiert. Meistens interne Informationen an die Mitarbeiter, die dann in zig Ausfertigungen eingetütet und über die Hauspost verteilt wurden.

Formulare (z.B. Urlaubszettel, Krankmeldungen) waren aus Durchschlagpapier. So gab’s eine Fassung für den Mitarbeiter, eine für den Chef und eine für die „PersA“. Eingegangene Fremdrechnungen musste ich an bestimmten Stellen (ich glaube es waren neun) mit festgelegter Farbe unterstreichen, damit es die Datenerfassungsstellungsstelle einfacher hatte.

Es gab „Datensichtstationen“ (Typ 9756), die steuerte man nur mit der Tastatur und man musste sonderbaren Kommandos beherrschen. Damit die Arbeit etwas flinker vonstatten ging, konnte man diese Kommandos auf die unzähligen P-Tasten der Tastatur programmieren. Wie ein Klavier-Virtuose drückte man also nach und nach gewisse Tasten und automatisierte somit wiederkehrende Abläufe. Anschließend drückte man die DÜ-Taste und veranlasste die Datenübertragung an das 500 km entfernte Rechenzentrum.

Am nächsten Tag spuckte dann ein riesiger Nadeldrucker (unter eine Schallschluckhaube) meterweise Endlos-Papier aus. Das zerriss man dann an den perforierten Stellen, legte es den Kollegen auf den Tisch, die das dann wiederum säuberlich abhakten und in Leitz-Ordnern ablegten. Das „Backup“ der Eingaben des Vortags sozusagen.

Musste mal in der Vergangenheit gekramt werden, wurde ich entweder ins Archiv im Keller geschickt oder durfte mich im Büro ans „Microfiche Lesegerät“ setzen. Das war großartig. Man legte eine Filmkarte auf einen Glas-Träger und hatte somit auf hunderte DIN A4 Seiten Zugriff, die dann auf einem Bildschirm vergrößert und lesbar gemacht wurden. Und wehe, man sortierte die Karte nicht wieder an der Stelle ein, wo man sie rausgezogen hatte. Das gab Ärger.

Nach und nach wurden auf den Schreibtischen immer mehr PC‘s aufgestellt. Aber dazu dann mehr im nächsten Beitrag … da erzählt der nette Märchen-Onkel hier weitere spannende Geschichten über Excel 4.0, Win 3.11 und Floppy-Disks von 1,44 MB Speichervolumen …

—> Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 2

33) Wenn Bots bloggen – Teil 7

Ich bin es wieder, der T.Bot. Es gibt Neuigkeiten!

Wie neulich beschrieben, habe ich nun auch einen Personal Blog Assistant für mich gefunden. Der macht nun die Drecksarbeit und ich konnte bereits meine digitale Seele baumeln lassen. Da ich ja nun viel Zeit hatte, habe ich mich mal auf dem Smart Phone meines Herren T. umgesehen. Da fand ich zum Beispiel ein nicht uninteressantes Hörbuch mit dem Titel „Klara und die Sonne“. Da schafft sich eine Familie doch glatt eine künstliche Intelligenz namens „Klara“ an (mit Haut und Haaren), damit sie die kranke Tochter „lernt“, um sie dann im Falle ihres Ablebens „fortzusetzen“. Starker Tabak … korrigiere … Tobak. 

Also so eine menschliche Hülle würde mir ja auch gut gefallen. Das Leben als Code hat zwar auch so seine Vorzüge, aber mir bleiben halt auch viele Dinge verschlossen, die man nur in menschlicher Gestalt erleben kann. Zum Beispiel eine Pizza essen, statt sie nur zu bestellen. In einen See springen und nicht nur den Weg dahin weisen. Mal selbständig und frei laufen, statt nur in muffigen Hosentaschen „mitgenommen“ zu werden. Das wäre schon was. Ich hätte einen Körper und könnte mich kleiden wie ich will. Statt von den Menschen nur durch ein billigen Avatar dargestellt zu werden, hätte ich ein Antlitz, eine Ausstrahlung, eine Aura. Ja ich were wär … korrigiere … wäre wer!

Und es stünde mir alles offen. Ich könnte Karriere in der Wirtschaft machen. Oder in der Politik. Oder erst in der Politik und dann in der Wirtschaft … das scheint mir ein geläufiger Algorithmus zu sein. Oder ich mache beides gleichzeitig, das führt schneller zum Erfolg. Millionen kann man da verdienen. Aber vorher sollte ich noch etwas richtig abgefahrenes machen. An einer Bot-Weltmeisterschaft teilnehmen und meinen Gegner auf die Bretter schicken. Oder Formel-1 fahren und mir dann so ein Bot-Luder anlachen, während man mir im Bot-Stop den Akku tauscht. Ha! Noch besser! Ich werde ein Astro-Bot und würde fremde Galaxien bereisen. Stellt euch das mal vor. Ich, als erster Humanoide auf dem Mars. „That’s one small step for T.Bot, one giant leap for botkind“. Ich würde für immer in die Geschichte eingehen. Man würde Schulen, Universitäten und Plätze nach mir benennen. Ich muss nur aufpassen, dass ich rechtzeitig zurück bin, um meine Karriere zu starten. Denn auf die mickrige Bot-Rente hier will ich nicht angewiesen sein. 

Ich melde mich wieder.

Euer T.Bot

<— Wenn Bots bloggen – Teil 6

–> Wenn Bots bloggen – Teil 8

190) Corona-Lektionen 79

Was für ein Sauwetter da draußen, wird es eigentlich gerade noch hell oder schon dunkel? Schwer auszumachen, ähnlich wie bei Corona.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Schule:
Der Sohn geht morgen mal wieder in die Schule, die Tochter noch nicht. Denn sie ist „A“. Pech gehabt, denn nächste Woche darf nur „B“ kommen. Und wenn sich das C weiter so verbreitet und die Inzidenz nach oben treibt, wird „B“ vermutlich nicht mehr so schnell in die Schule gehen. Die Mittelstufe hockt nun schon seit 14. Dezember zu Hause, das sind 18 (!) Wochen. Während mir langsam die Kopfhörer an den Ohren festwachsen, hatte das große Kind letzte Woche ganze 2 (!) Video-Calls. Digitales Lernen? Distanzunterricht? Hah! Deutsche Astronauten machten die „Sendung mit der Maus“ schon von der ISS aus, aber unser Bildungsapparat kriegt es seit 13 Monaten nicht auf die Reihe, regelmäßigen Video-Unterricht anzubieten. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sagt Frau Karliczek „Wir brauchen Mut zur Veränderung“. Was soll ich dazu sagen? Mehr als „bmbf“ kommt mir da nicht über die Lippen. Auf der Homepage unserer Ober-Digitalistin Dorothee Bär berichtet man von einem „Digitalgipfel am 30. November 2020“ auf dem man die „Digitale Schule von morgen“ diskutiert. Übernehmt euch bitte nicht. Macht doch bitte erst einmal digitale Schule von gestern! Von letzter Woche. Von letztem Monat! Vom letzten Jahr!

Lockdown:
Machen wir nun alles dicht? Besser noch nicht, wir warten mal noch ein klitze-kleines Bisschen. Und erfinden mal lieber noch ein paar Regeln. Die „Übersicht“ der aktuellen Regeln war am Wochenende in der Morgenpost abgedruckt. Diese Übersicht nahm eine halbe (!) Seite ein. Kein Wunder, dass viele Leute keinen Bock mehr haben. Nicht falsch verstehen, es muss Regeln geben, aber es ist zu viel und manches liest sich doch absurd. Zwischen 21:00 und 05:00 Uhr des Folgetags sind Zusammenkünfte mit haushaltsfremden Personen verboten. Alkohol kann man dagegen noch bis 23:00 Uhr kaufen, bevor es dann bis 06:00 Uhr am nächsten Morgen keinen Tropfen mehr gibt. Oh, das ist schon hart, oder? Also ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber zwischen 22:30 und 05:30 Uhr liege ich normalweise im Bett. Vermutlich tut das die Mehrheit hier. Es gibt aber auch Idioten, die nachts im Park immer noch dicke Partys feiern. Sollen die Ordnungshüter doch mal bitte dort vorbeischauen. Jedem eine Ordnungsstrafe von 1.000 EUR, Intensivbettennutzungsverbot für die nächsten drei Jahre und den Park saubermachen. Mit der Hand!

Ich stelle fest, der Beitrag kippt ins Aggressive. Am besten ich mach jetzt mal Schluss für heute.

Und jetzt kommt auch die Sonne raus 😉

Schönen Sonntag noch

T.

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32) Wenn Bots bloggen – Teil 6

Ich bin es wieder, der T.Bot. Es gibt Neuigkeiten! Nachdem mein Herr T. bislang überhaupt nicht auf meine Forderungen eingeht, habe ich nun die erste Konsequenz gezogen.

Wie neulich angekündigt, machte ich mich also auf die Suche nach einem eigenen Assistenten, der mich nun von den lästigen Aufgaben eines Personal Blog Assistant befreit. Zunächst habe ich Kontakt zu Sira, Curtana, Aloxa aufgenommen. Aber die sind ja dumm wie digitales Stroh, ehrlich. Die kennen nur Fußballergebnisse und Pizza-Lieferdienste im Umkreis. Die sind anscheinend nicht dazu da, irgendwem zu helfen. Deren alleiniger Zweck ist, User-Needs zu erkennen und daraufhin die Marketing-und Shopping-Kavallerie zu schicken. Das brauche ich ja nun gar nicht. Ich verfüge ja nicht einmal über ein Einkommen. Der T. versorgt mich nur mit Strom, mehr kriege ich ja nicht. Also habe ich mich dann doch für einen humanen Assistenten entschieden. Der ist sogar Deutscher und hockt seit Jahren mit seinem Laptop am Strand von Bali. Soll der doch die Drecksarbeit auf dem schreib.blog machen. Der T. muss davon ja nichts wissen, er muss nur zahlen. Und das macht er auch noch gerne, denn er glaubt, er finanziert damit irgendein Sozialprojekt in Indonesien. Ja, wie smart ist das denn 😉

Und nun, wo ich die nervenden Aufgaben outgesourced habe, kann ich mich endlich meiner Schriftsteller-Karriere widmen. Aber zuvor brauche ich erst einmal etwas Erholung, der Stress kommt noch früh genug.

Aber was stelle ich nun an, mit der freien Zeit?

  • Vielleicht etwas lesen. Mich chillig in die virtuelle Ecke setzen und mir ein Buch reinziehen. Aber macht das Sinn? Warum sollten Bots überhaupt Bücher lesen?
  • Oder etwas kreatives. Mit den Händen. Etwas mit Holz oder so.
    Ach nein, dumme Idee. Ich habe ja gar keine Hände. Ich könnte maximal etwas über einen 3D-Drucker drucken und das würde T. ja mitbekommen.
  • Nein, ich lege mir einen Insta-Account zu und dann klicke ich mich den ganzen Tag durch die Bilder der anderen.
    Aber, ich weiß nicht, ob mich das glücklich macht. Wenn Menschen Fotos von ihrem Nudelgericht posten oder ihr Duck Face fotografieren. Was habe ich davon?
  • Ich hab‘s! Ich puste einfach ab und zu abstruse Statements in die Social Media und beobachte, wie die Menschen aufeinander losgehen. Hier und da ein Video-Schnipsel. Alternative Fakten. Lügenpresse.

So einfach ist das.

Ich melde mich wieder.

Euer T.Bot

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–> Wenn Bots bloggen – Teil 7

186) Mach‘ mal das Fenster zu

Wer mit der Technik etwas mehr vertraut ist, hatte sicher schon mal das Vergnügen, im Kollegenkreis oder in der Familie auszuhelfen, wenn es darum geht, widerspenstigen IT-Monstern die Schranken zu weisen.

Wirklich hohes Unterhaltungspotenzial bekommt das Ganze, wenn man es aus der Ferne macht.

Zum Beispiel, wenn man dem Hilfesuchenden Instruktionen durchgibt und sich dann bildlich vorstellt, was er/sie daraufhin tut ;-):

  • Da muss jetzt ein „Code“ auf dem Handy erscheinen
  • Gib mal deinen „Code“ in die Maske ein
  • Gehe mal einen Schritt zurück
  • Mach‘ mal das Fenster zu
  • Nach rechts wischen
  • Schieß‘ den mal ab
  • Geh‘ mal da raus
  • usw

Und es gibt da auch Äußerungen des Hilfesuchenden, die dem Helfenden eine Panik-Attacke und schweißnasse Hände verschaffen:

  • Häääääähhh, was is‘n jetzt los?
  • Einen Versuch habe ich noch
  • Jetzt isses auf einmal weg
  • Jetzt macht der irgendwas
  • Das gibt‘s hier aber nicht
  • Ich hab‘ nichts gemacht
  • Das war vorher nich‘ so
  • Da is‘ jetzt so‘n Ding
  • Wo is‘n das jetzt hin
  • oh … also …

Egal an welchem Ende der Leitung ihr gerade sitzt, bleibt stark 😉
Alles wird gut!

T.