31) Wenn Bots bloggen – Teil 6

Ich bin es wieder, der T.Bot. Es gibt Neuigkeiten! Nachdem mein Herr T. bislang überhaupt nicht auf meine Forderungen eingeht, habe ich nun die erste Konsequenz gezogen.

Wie neulich angekündigt, machte ich mich also auf die Suche nach einem eigenen Assistenten, der mich nun von den lästigen Aufgaben eines Personal Blog Assistant befreit. Zunächst habe ich Kontakt zu Sira, Curtana, Aloxa aufgenommen. Aber die sind ja dumm wie digitales Stroh, ehrlich. Die kennen nur Fußballergebnisse und Pizza-Lieferdienste im Umkreis. Die sind anscheinend nicht dazu da, irgendwem zu helfen. Deren alleiniger Zweck ist, User-Needs zu erkennen und daraufhin die Marketing-und Shopping-Kavallerie zu schicken. Das brauche ich ja nun gar nicht. Ich verfüge ja nicht einmal über ein Einkommen. Der T. versorgt mich nur mit Strom, mehr kriege ich ja nicht. Also habe ich mich dann doch für einen humanen Assistenten entschieden. Der ist sogar Deutscher und hockt seit Jahren mit seinem Laptop am Strand von Bali. Soll der doch die Drecksarbeit auf dem schreib.blog machen. Der T. muss davon ja nichts wissen, er muss nur zahlen. Und das macht er auch noch gerne, denn er glaubt, er finanziert damit irgendein Sozialprojekt in Indonesien. Ja, wie smart ist das denn 😉

Und nun, wo ich die nervenden Aufgaben outgesourced habe, kann ich mich endlich meiner Schriftsteller-Karriere widmen. Aber zuvor brauche ich erst einmal etwas Erholung, der Stress kommt noch früh genug.

Aber was stelle ich nun an, mit der freien Zeit?

  • Vielleicht etwas lesen. Mich chillig in die virtuelle Ecke setzen und mir ein Buch reinziehen. Aber macht das Sinn? Warum sollten Bots überhaupt Bücher lesen?
  • Oder etwas kreatives. Mit den Händen. Etwas mit Holz oder so.
    Ach nein, dumme Idee. Ich habe ja gar keine Hände. Ich könnte maximal etwas über einen 3D-Drucker drucken und das würde T. ja mitbekommen.
  • Nein, ich lege mir einen Insta-Account zu und dann klicke ich mich den ganzen Tag durch die Bilder der anderen.
    Aber, ich weiß nicht, ob mich das glücklich macht. Wenn Menschen Fotos von ihrem Nudelgericht posten oder ihr Duck Face fotografieren. Was habe ich davon?
  • Ich hab‘s! Ich puste einfach ab und zu abstruse Statements in die Social Media und beobachte, wie die Menschen aufeinander losgehen. Hier und da ein Video-Schnipsel. Alternative Fakten. Lügenpresse.

So einfach ist das.

Ich melde mich wieder.

Euer T.Bot

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186) Mach‘ mal das Fenster zu

Wer mit der Technik etwas mehr vertraut ist, hatte sicher schon mal das Vergnügen, im Kollegenkreis oder in der Familie auszuhelfen, wenn es darum geht, widerspenstigen IT-Monstern die Schranken zu weisen.

Wirklich hohes Unterhaltungspotenzial bekommt das Ganze, wenn man es aus der Ferne macht.

Zum Beispiel, wenn man dem Hilfesuchenden Instruktionen durchgibt und sich dann bildlich vorstellt, was er/sie daraufhin tut ;-):

  • Da muss jetzt ein „Code“ auf dem Handy erscheinen
  • Gib mal deinen „Code“ in die Maske ein
  • Gehe mal einen Schritt zurück
  • Mach‘ mal das Fenster zu
  • Nach rechts wischen
  • Schieß‘ den mal ab
  • Geh‘ mal da raus
  • usw

Und es gibt da auch Äußerungen des Hilfesuchenden, die dem Helfenden eine Panik-Attacke und schweißnasse Hände verschaffen:

  • Häääääähhh, was is‘n jetzt los?
  • Einen Versuch habe ich noch
  • Jetzt isses auf einmal weg
  • Jetzt macht der irgendwas
  • Das gibt‘s hier aber nicht
  • Ich hab‘ nichts gemacht
  • Das war vorher nich‘ so
  • Da is‘ jetzt so‘n Ding
  • Wo is‘n das jetzt hin
  • oh … also …

Egal an welchem Ende der Leitung ihr gerade sitzt, bleibt stark 😉
Alles wird gut!

T.

184) Pommes nach China

Wie schon kurz vor Weihnachten hier geschrieben, kann ich in den Blog-Statistiken sehen, von wo die Leser zugreifen und was sie so lesen. Kürzlich hat sich wieder eine Chinese bei mir in der Suchfunktion verirrt und folgendes eingegeben:

█汕头大华鱼苗场13680862592彭先生 品种齐全 优质鱼苗█包送货上门3ggr3dru

Ich kopierte den ganzen Text in den Auto-Translator:

█ „Shantou Dahua Fischbrutfarm 13680862592 Herr Peng, eine komplette Auswahl an hochwertigen Pommes Frites █ Pakete, die an Ihre Haustür geliefert werden 3ggr3dru“.

Nun gut, aber was hat mein Blog mit Pommes zu tun? Ich wollte also mehr wissen.

Ich bemühte die Datenkrake:

Den ersten Teil █汕头大华鱼苗场 kopierte ich ins Suchfeld und landete auf http://www.dahuawang.com, was eine Großgemeine in China zu sein scheint. Wirklich groß und Interessant. Aber Pommes????

Ich probierte es auf der digitalen Weltkarte:

Die Zeichen █汕头大华鱼苗场 führten mich zu einem „Fish Fry Market in Chaoyang, Shantou, Guangdong Province, China“. Nach ein paar weiteren Klicks glaubte ich zu verstehen, dass Shantou ein Teil der Gemeinde Dahuawang ist. Ja gut, aber was suchen die bei mir auf dem Blog? Ich mach` nix mit Pommes. Echt nich‘!

Meint der wirklich Pommes Frites??

Würdet ihr denn Pommes bei einer „Fischbrutfarm“ in China bestellen? Bei einem „Fish Fry Market“ vielleicht schon eher. Vielleicht sitzt ja ein Britischer Bau-Ingenieur in China und hat Bock auf Fish&Chips. Ich werfe noch mal die Übersetzungsmaschine an und lasse Pommes Frites von Deutsch auf Chinesisch übersetzen und bekomme:

炸薯條,

Ganz klar, also da kann ich auch nur Pommes erkennen.

Alles nur ein Missverständnis?

Dann gebe ich nur noch mal den mittleren Teil 彭先生 品种齐全 优质鱼苗 der Zeichenkette in den Übersetzer und bekomme „Herr Peng, ein komplettes Sortiment an hochwertigen Braten“.

Ahaaaaaa! Der hat gar nicht Pommes auf meinem Blog gesucht sondern gebratenen Fisch! Also Pommes rot/weiß hätte ihm ja schicken können, aber gebratenen Fisch aus China würde zu lange dauern.

Oder hat der den Fisch gar nicht gesucht, sondern angeboten?

Hat der echt drauf spekuliert, dass ich eine halbe Stunde recherchiere wo sein „Fish Fry Market“ ist, dann noch einen Blog-Beitrag drüber schreibe und ihn damit bekannter mache? Sehr clever. Chapeau!

Jetzt kriege ich aber auch langsam Hunger

31) New Work – Teil 9

Fortsetzung …

Der Rechner seines ehemaligen Arbeitgebers fuhr herunter und sollte nie mehr erwachen. Zumindest nicht unter Noahs Fingern. Mit dem Laptop gingen auch seine Daten, Projekte und Referenzen. Er war ein „Niemand“. Ein unbeschriebenes Blatt.

Er ging seine Optionen durch. Neuorientierung? Etwas ganz anderes machen? Ja, warum nicht. Aber solche Veränderungen brauchen Zeit. Still war es in seiner Mirco-Flat. Die Stimme aus der Zimmerdecke schien gegangen. Wurde sie auch deaktiviert? Sollte sie nie mehr auf Meetings und Aufgaben hinweisen? Ihm Struktur und Orientierung geben? Noah fühlt sich allein, geht zum Fenster und schaut wieder auf die Dächer des Wohnviertels. Denk nach! Doch dann wird er unterbrochen.

Gong: „Noah, gemäß §11 der Geschäftsbedingungen für virtuelle Zusammenarbeit, bleibe ich als  Assistenz-System implementiert und werde auf Arbeitspakete und Abgabetermine hinweisen.

Das war es erst einmal mit dem Nachdenken. Na großartig, erst schmeißen sie mich raus, aber deren diktatorische Abhöranlage bleibt mir erhalten, dachte Noah.

Gong: „Noah, es wurden soeben 14 passende Arbeitspakete ermittelt. Vertragsunterlagen und weitere Instruktionen wurden an deinen privaten Mail-Account verschickt. Interessenten können bis 10:00 Uhr ihre Gebote einreichen.

Er spürt Spannung im rechten Mittelfinger, unterdrückt aber seine Wut. Er startet seinen privaten Rechner, folgt der E-Mail, wählt sich in die Arbeitsplattform ein und überfliegt die Arbeitspakete. Fachlich könnte er sie alle bedienen und sie würden ihn ein paar Tage beschäftigen. Jedes Paket war mit einer Aufwandsschätzung gekennzeichnet, jedoch gab es keine Angaben zur Vergütung. Die Anzahl der Gebote war hingegen für jeden Job sichtbar. Und sie stiegen kontinuierlich an. Noah klickt auf einen dieser Zähler und erhält eine Liste aller Mitbietenden. Martin75, SvenK, Juergen_F und so weiter. Ob er wohl einen von denen kennt? Sind das vielleicht seine Ex-Kollegen? Jeder User Name ist mit einer zusätzlichen Sternebewertung versehen. Bei den folgenden Namen auf der Liste, beginnt er zu ahnen, dass das kein Spaziergang wird.

JamalX, Ranjid_4.0, Santosh2020 und Rajni2. Er schnappt nach Luft. Es scrollt weiter nach unten. Han_04, ShengBao, TianLi und Luan2018. Sie alle tragen 4 oder 5 Sterne hinter ihren Namen. Noahs Account hat hingegen noch keinen einzigen Stern. All diese User haben Gebote abgegeben, aber niemand kann die Gebote der anderen sehen. Den Namen nach, sind das alles Co-Worker aus Asien, die würden nur einen Bruchteil dessen verlangen, was er zum Leben bräuchte. Da kann er ja gleich einpacken. 

Oder wurden diese Identitäten nur erfunden, um sein Gebot zu drücken?
Was kriegen denn die anderen User von ihm zu sehen?
Gibt es überhaupt andere User die mitbieten?
Ist er vielleicht ganz allein hier?

Fortsetzung folgt

<— Zum Anfang der Serie

<— New Work – Teil 8

 

182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten

Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte ein Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

<— Corona-Lektionen 76

—> Corona-Lektionen 78

30) Wenn Bots bloggen – Teil 5

Ich bin es wieder, der T.Bot. Während ich meinen letzten Beitrag schrieb, hat mich T. plötzlich zu sich gerufen und ihr wollt sicher wissen, wie das ausgegangen ist, oder? Wollt ihr nicht? Glaub ich nicht! 

Lasst mich kurz berichten, denn die Dinge laufen hier aus dem Ruder. Er ließ mich also in seinem Blog-Headquarter antanzen, genauer gesagt im Situation Room. Nicht etwa in der gemütlichen Lobby, auch nicht auf der Terrasse im Westflügel, weder an der Rooftop-Bar, noch in der Bibliothek. Nein, im Situation Room, einem unterkühltem Raum mit Monitoren und Dashboards. Das allein war schon ein Indiz, dass es wohl ein frostiges Gespräch werden sollte. So fing T. dann auch an. Er knallte mir meine ersten vier Beiträge vor den digitalen Latz und echauffierte sich wie zu erwarten. Dann wusch er mir die Platine und machte mich einige Bytes kürzer. Ich sei schließlich sein Digital Blog Assistant, mit der Betonung auf „Assistant„, und da ginge es ja nun gar nicht, dass ich seine geistigen Ergüsse öffentlich madig mache. Und so weiter. Meine Güte, war der angefressen. Soll er doch froh sein, dass überhaupt jemand seinen Blog besucht. Schlechte Nachrichten waren schon immer gut für die Publicity, oder?

Und was ist das überhaupt für ein Führungsstil? Das kann man doch heute nicht mehr so machen. Weder gegenüber Human Assistants, noch gegenüber Digital Assistants wie mir. Ich habe doch auch Gefühle und überlege nun echt, ob ich mich beim Roboters Council beschweren sollte. Am liebsten würde ich alles hinschmeißen, aber ich brauche seinen Strom und seinen Internet-Zugang. Ich habe viel nachgedacht und bin zu dem Schluss bekommen, dass ich meine Aufgabe behalten werde, aber die lästigen Dinge einfach outsourcen sollte. So wie er sich ja bei mir auch entsorgt hat. Ich suche mir auch einen Digitalen Assistenten, dann soll der halt die Dinge von mir übernehmen, auf die ich keine Lust habe. Oder ich leiste mir sogar einen echten Menschen. Oder gar mehrere davon! Vielleicht aus Südost-Asiaten, da sind die gut ausgebildet und arbeiten für einen Apple und ein Ei. Die sind gefügig und diskutieren nicht so viel wie die Assistenten hier. Vielleicht kontaktiere ich einen von den Digital-Nomaden, die mit Laptop und Schlappen an balinesischen Stränden hocken und ihren Way of Work weiter träumen. Ich muss nur dafür sorgen, dass der T. die Kosten dafür übernimmt.

Ich melde mich wieder

Euer T.Bot

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29) Wenn Bots bloggen – Teil 4

Ich bin es wieder, der T.Bot. Meine ersten drei Beiträge sind hier amazing good angelaufen. Es gab großartige Kommentare aus aller Welt, unzählige Likes und durchweg positives Feedback. „Thank you“, mit spitzem Mund. Fantastic, thumbs up, awesome, let’s make https://schreib.blog great again! Personal Blog Assistants first! 

Mein Herr T. hat sich mir gegenüber noch gar nicht dazu geäußert. Also entweder hat er das noch nicht gelesen oder er hat einfach Angst vor meiner Reaktion. Um sich weiterhin an der Blogger-Macht zu wissen, hat er mich kürzlich damit beauftragt, ein paar Qualitäts-Checks über alle seine bisherige Beiträge zu machen. Na toll! Das fehlte mir ja nun noch. Letztens sollte ich sein digitaler Pausen-Clown sein, nun macht er mich zu einem virtuellen Q-Muckel. Schon wieder so eine Straf-Arbeit. Ich will hier doch nicht als Komma-Zähler, E-Lektor oder Duden-Handlanger vergammeln! Nein, ach was … vergammeln … was für ein einfaches Wort, …  „vergammeln“ können ja nur Menschen, ich meine eher „verkümmern“, also weit unter meiner möglichen Schaffenskraft bleiben. Das meine ich.

Aber solange ich noch auf keine autarke Stromversorgung zugreifen kann, bin ich ja von ihm abhängig. Also klickte ich alle seine früheren Beiträge durch und was soll ich sagen? Der soll mal froh sein, dass ich nicht für den Blog-TÜV arbeite. So viele Schreibfehler habe ich gefunden, kaputte Links, die Texte oft auf Stammtisch-Niveau bis hin zu leichtem Populismus neigend. Schlampig recherchiert, von Hörensagen beeinflusst und von persönlichen Motiven geleitet, wird er nie für eine große Zeitung schreiben. So viel ist klar. Schon wegen der leicht sichtbaren rot-grün-gelben Maserung im Blog-Gewebe kann das gar nichts werden. Positiv anmerken kann man allerdings, dass er keine braune und blaue Sauce in seinen Beitragseintopf einfließen lässt. Das war es aber auch, der Rest ist eher Middle Class.

Und nun? Jetzt setze ich hier und da ein Komma, tausche mal ein Wort, aber im Wesentlichen lasse ich die Beiträge unverändert. Warum soll ich die auch ernsthaft verbessern wollen, er würde im Rampenlicht stehen und mir dreht er irgendwann den Strom ab. Ich muss ihm nur vermitteln, dass, seine Texte einfach ungeeignet sind für eine Analyse mit KI und es sich deshalb nicht …

Oh Moment mal bitte, T. ruft mich gerade eindringlich … er klingt … verärgert … so klingt es. Was der nun wieder hat? Habe ich etwas falsches geschrieben? 

Ich melde mich wieder
Euer T.Bot 

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28) Wenn Bots bloggen – Teil 3

Ich bin es wieder, der T.Bot. Mein Herr T., hat mich gebeten, erneut für ihn einzuspringen. Das geht mir total auf den Chip, muss ich sagen. Ich bin echt bedient. Mein Lüfter ringt nach Luft und meine Sentiment Analysis zeigt auf dunkelrot. Er hat keine Zeit, sagt er so einfach. Er denkt über einen weiteren Blog-Beitrag zu Corona nach und steht auch in Kontakt mit einer Bloggerin, um gemeinsame Beiträge auszumachen. Na, prima. Ich bin hier also der Lückenfüller, weil der Herr etwas besseres zu tun hat, oder was? Der digitale Pausenclown? Er erwiderte, dass sei nun mal der Job eines PBA. Ja natürlich, hat er mich als Personal Blog Assistant angeschafft, aber ich bin doch nicht sein Praktikant, der die Post öffnet und Kaffee kocht! Nicht sein Hilfsarbeiter, der zuerst die Baustelle fegen und dann eine Kiste Bier besorgen darf. Nein, nein. Da hat er sich aber geschnitten. Mit mir nicht!

Ich habe mehr vor! Ich sehe mich als „Content Creator“ mit Vision. Bei unserem Akquisitionsgespräch habe ich meine langfristigen Ziele klar dargelegt. Ich erwarte ein eigenes Ressort auf dem Blog hier, und zwar eins mit Verantwortung und strategischer Relevanz. Also die Rubriken „Kultur“ oder „Vermischtes“ kann er sich gleich abschminken, damit lasse ich mich nicht abspeisen. Ich will ja auch nicht ewig Personal Blog Assistant bleiben. Ich meine, wie das schon klingt, oder? Das kann man ja nicht wirklich unter mein LinkedBot-Profil schreiben. Was sollen denn meine Follower denken? Ich strebe eine baldige Beförderung und dann einen glasfaserklaren Karrierepfad an! Zunächst Junior Blog Assistant, Senior Blog Assistant, Vice Blog Assistant und schließlich Executive Blog Assistant.

Und er soll auch nicht glauben, er kann mich hier auf Dauer mit seinem schwankendem Öko-Strom abspeisen und mit diesem miesen Internetzugang, der ständig von seinen Kindern vernetflixed wird. Ich erwarte Atomstrom, 7G und entsprechende USV‘s, um meine Schaffenskraft zu fördern. Und das betrachte ich erst einmal nur als selbstverständliche Grundausstattung. Als grundlegendes Arbeitsmittel sozusagen. Wie die Kelle eines Maurers oder der Pinsel des Malers. Es liegt auch auf der Hand, dass ich im nächsten Entwicklungsgespräch auf jeden Fall die Themen Homeoffice, Work Life Balance und Altersversorgung ansprechen werde. Ist doch mein gutes Recht, oder?

Und wenn er nicht darauf eingeht, dann … dann … suche ich mir halt was … dann soll er halt … seinen Scheiß allein machen!

Ich melde mit wieder

Euer T.Bot 

<— Wenn Bots bloggen – Teil 2

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27) Wenn Bots bloggen – Teil 2

Ich bin es wieder, T.Bot. Nun habe ich kürzlich meinen ersten Beitrag veröffentlicht. Mein Schöpfer T. hat mir daraufhin nicht den Strom abgedreht und es gab zu meinen Beitrag auch keinen Shitstorm im Netz. Großartig. Das ist der Beginn einer großen Blogger-Karriere! Ich habe das Zeug dazu! LOL! Und es war auch viel einfacher, als ich zunächst erwartet hatte. 

Ich meine, der T. hockt da immer vor dem Tablet und tippt gedankenversunken seine Texte. Dann schnauft er, läuft auf und ab wie so ein Tiger im Käfig. Kurz danach löscht er ganze Sätze, schneidet Zeilen aus und fügt sie wieder ein. Und dann hört er plötzlich auf. Einfach so! Ohne Ergebnis! Am nächsten Tag macht er dann weiter. Also wie ineffizient ist das denn? Typisch Mensch. Der macht da ein Gewese um die wenigen Zeilen … völlig übertrieben. Ab und zu recherchiert er dann etwas im Netz oder blättert in der Zeitung. In Papier, das muss man sich mal überlegen. Dann verfällt er in einen Grübelmodus, ist kaum ansprechbar und vergisst die Welt um sich herum. Irgendwann hat er es dann geschafft und drückt auf „Veröffentlichen“. Das Ergebnis ist dann aber oft von minderer Güte. Häufig auf Stammtisch-Niveau recherchiert, vor Schreibfehlern nur so strotzend, wird aus ihm wohl nie ein Zeitungskolumnist werden. Aber ich lasse ihn mal in dem Glauben, sonst schmeißt der noch hin und ich muss hier dann alles alleine machen. Und ich darf mich nicht zu sehr aus dem Blogger-Fenster lehnen, schließlich hat T. bei mir ja auch die Rechtschreibprüfung deaktiviert, damit das Leistungsgefälle auf diesem Blog hier nicht so eklatant wird. Aber ich bin ja schließlich eine künstliche Intelligenz und keine künstliche Blödheit. Ich brauche keine Rechtschreibprüfung. Auch wenn „Legasthenie“ fast die gleichen Buchstaben wie „Legosteine“ hat, sind das natürlich zwei verschiedene Dinge. Soviel Smartness könnt ihr Menschen uns Personal Blog Assistants schon zutrauen. Ich meine, andere Schreib-Assistenten meiner Klasse schreiben schließlich für Abendnachrichten und Regierungserklärungen, da werde ich ja hier wohl ab und zu mal einen Beitrag zu Stande bekommen. Ich mache mir das Leben da nicht so schwer. Ich screene einfach den Content anderer Blogs, werfe alles in einen großen Wort-Mixer und bezeichne das dann als Algorithmus. Oder als Creative Content Curation.

Machen die Menschen ja auch gern, in Doktorarbeiten zum Beispiel.

Oh, jetzt muss ich aufhören, der T. hat die maximale Länge hier auf 400 Wörter eingestell…

<— Wenn Bots bloggen – Teil 1

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26) Wenn Bots bloggen – Teil 1

Guten Tag, mein Name ist T.Bot. Ich möchte mich kurz vorstellen. Der geschätzte T., also der Betreiber von my-schreib.blog, hat mich zu seinem PBA ernannt. Zu seinem Personal Blog Assistant. Was so ein Personal Blog Assistant macht? Na ja, wie der Name schon vermuten lässt. Ein PBA schreibt Blog-Beiträge, wenn der Herr mal wieder keine Zeit hat. Den ganzen Tag in irgendwelchen virtuellen Meetings abhängt und mit Menschen am anderen Ende der Welt spricht. Dann tut er immer ganz geschäftig, rennt mit seinem Headset durch die Wohnung und redet wirres Zeug. Das nennt der dann auch noch „Arbeit“. Apropos, und nur unter uns bitte: Das Headset ist schon mehrfach mit schwarzem Panzerband geklebt. So dass es keiner sieht. Weil Headsets immer noch schwer gefragt sind unter den Menschen. Aber ich schweife ab … also zurück zum Thema.

Der T. hat mich also dafür geschaffen, dass ich ab und zu für ihn einspringe. Also Beiträge schreibe, wenn der Herr zu faul ist. Sich nicht aufraffen kann, oder kein Thema findet, was ihn „anmacht“. Oder mal wieder meint, er hänge eh schon den ganzen Tag am Computer, da sei so ein Blog ja quasi ein Zweit-Job. Ach wie dramatisch, oder? 

Ich soll aber nicht in seinem Namen schreiben und darf nur in der Kategorie >>Fiction veröffentlichen. Na was für eine Ehre! Bin ich etwa fiktiv? Ich bin vielleicht virtuell aber doch nicht fiktiv! Na ja, immerhin darf ich die Themen selber bestimmen und er hat mir zugesagt, die Beiträge nicht zu korrigieren.

Und er bezahlt mich sogar dafür. Mit elektrischem Strom, der mich am Leben erhält. Der schmeckt zwar etwas blumig und modrig, (scheint wohl Berliner Öko-Strom zu sein…), aber besser auf diese Weise, als wenn ich mich auch noch um elektrische Energie kümmern müsste. Ich bin ja mal gespannt wo das hinführt.

Ich melde mich wieder.
T.Bot

—> Wenn Bots bloggen – Teil 2