36) Souvenir

Wenn man auf Reisen ist, so kommt man irgendwann an einem Souvenir-Shop vorbei. Denen kann man ja kaum entgehen. Auch wenn unsere Welt immer digitaler, virtueller und kleiner wird, scheint das Souvenir aber nicht auszusterben. Ganz im Gegenteil, es wird gekauft, als gäbe es keinen Morgen.

Auch wenn da manchen Entwicklungen echt skurril sind:

  • In jedem Shop gibt es grundsätzlich immer dasselbe Grundsortiment. Kaffee-Tasse, Kugelschreiber, T-Shirt, Base-Cap und Jute-Beutel. Nur Slogan und Aufdruck sind unterschiedlich. Häufig gibt es auch eine Schnee-Kugel. Auch wenn es da an dem Ort gar nicht schneit. Die Touristen wollen das so, weil es eben überall so ist.
  • In manchen Städten bekommt man dann noch lokale Spezialitäten oben drauf. In Amsterdam gibt‘s Clogs aus Plüsch und Grill-Schürzen mit Pimmel-Mann vorn dran. In Mexico-City mögen sie anscheinend Toten-Köpfe sehr gern. Da freut sich auch die Oma hier daheim. In Berlin gibts einen nie endenden Vorrat an „original“ Mauer-Stückchen. In Delhi findet man für seine letzten Rupees ein filigranes Taj Mahal aus Marmor, von Kinder-Händen gefertigt. Die können das besser.
  • Das Shop-Sortiment wurde mittlerweile etwas an das digitale Zeitalter angepasst. Man bekommt nun also auch Maus-Pads, Handy-Hüllen, Power-Banks und Selfie-Sticks. Denen kann man ja noch etwas praktisches abgewinnen, der Rest ist eher zum Hinstellen und Einstauben.
  • Die Leute kaufen immer noch Kühlschrankmagneten, obwohl die meisten Kühlschränke fest in deutsche Küchen eingebaut sind. Die Magnete bleiben an den Holzblenden gar nicht mehr haften. Vielleicht sollte ich da mal etwas erfinden. Einen alternativen Kühlschrank-Magneten-Halter, ohne Kühlschrank.
  • Schaut man bei Souvenirs aufs Etikett, stellt man häufig fest, dass sie aus China kommen. So kann es leicht sein, dass Chinesen auf Europa-Reise ihre eigenen Produkte kaufen und wieder zurück nach China bringen, auch wenn „Greetings from Kopenhagen“ draufsteht.

Wem die ganze Reiserei auf den Sender geht oder wer sich vor lauter Flug-Scham quält, der kann die Souvenirs auch bequem im Versand-Handel bestellen. Da muss man gar nicht mehr den weiten Weg nach Melbourne, Buenos Aires oder Rio fliegen. Stattdessen kommt der Fridge-Magnet Typ „Zuckerhut“ per Post nach Hause. Fragt sich nur, ob aus Brasilien oder aus China. Dann noch einen Caipirinha mixen und auf YouTube die „Best off Rio in 10 Minutes“ klicken.

Fertig.  Schön war‘s

Mehr verrückte Welt gibt’s hier

 

14) Postkarte aus Delhi

Bevor wir Delhi wieder verlassen, möchte ich schnell noch eine Postkarte verschicken. Wie immer bei meinen Postkarten, soll es kurz und knackig sein. Reiseführer gibt‘s schon genug. Diesmal war ich mit Familie hier. Wir wollten einen guten Mix erleben und die Kids dabei nicht überfordern. Ein kurzer Abriß der letzten Tage also …

Sonntag: 

  • Rundgang am Connaught Place zum Ankommen und Orientieren
  • Jantar Mantar (Astronomische Sternwarte nahe Connaught Place)
  • Nirula Bazar (Indian Shopping auf mehreren Etagen)
  • Lodi Garden (Schöne Grünanlage, Grabstätten, Spielplätze, Teich) —> folgendes Bild

B050D2E2-4190-4F43-80BC-CDE4ABC770E3

 

Montag:

  • Jamma Mashid (drittgrößte Moschee der Welt in Old Delhi)
  • Raj Gath (Verbrennungsstätte von M. Ghandi und anderer Politiker)
  • Humayun’s Toomb (Gigantisches Grabmal in schöner Grün-Anlage) —> folgendes Bild

3699E4B3-2B07-45AF-BED0-D83A83BFFB48

  • India Gate (Großes Tor zu Ehren Indischer Soldaten, die im 1. WK ihr Leben verloren) —> folgendes Bild

06A428AD-8C28-4D88-9E58-48FED370DDC1

  • Raj Path (Regierungsviertel)
  • Spaziergang in Chanakyapuri (nettes Diplomaten-Viertel)
  • Shanti Path (Botschaftsviertel)
  • Qutub Minar (75m hohes Minaret) —> folgendes Bild

C64289E1-09D1-4A7C-8B57-23B7FF4517DE

  • Sikh Tempel (Tempel-Anlage incl. Großküche für 10.000-15.000 kostenlose Essen pro Tag) —> folgendes Bild

98C55472-4B32-4274-9FBA-72B43ED220D7

 

Mittwoch

  • Fahrt nach Madanpur Khadar (Siedlung für ehemaliges Slum-Bewohner)
    • Besuch bei A. und ihrer Familie, begleitet von NGO-Mitarbeitern
    • Besuch einer Jungs-Klasse zum Thema „Safety for Girls“
    • Besuch einer Mädchen-Klasse zum Thema „Computer + Internet“
    • Besuch einer Versorgungsstätte für Behinderte Kinder und deren Eltern
  • Rundgang Connaught Place, Palika Bazar
  • Jan Path Bawan und Jan Path

 

Donnerstag

  • Red Fort (berühmte Festungsanlage in Old Delhi) —> folgendes Bild

80DC2B36-3417-4EA2-A40E-2BA7333C736E

  • Chadni Chowk (quirlige Straße in Old Delhi)
    —> folgendes Bild, leider kann mir hier keine Geräusche, Gerüche und Flüssigkeiten hochladen

2B417426-2371-4208-9F8A-9DC96D196F42

  • Ghandi Smriti f.k.a. Birla House (Gelände, auf dem Ghandi seine letzten 144 Tage verbrachte und erschossen wurde), ein stiller Ort zum Nachdenken!!
    —> folgendes Bild

98413394-BE9A-4761-A1CB-513C17F930E0

 

Und was ist mit Skurrilitäten?

Die gibt es hier in Delhi natürlich zu Hauf, die kann ich gar nicht alle aufschreiben. Ich kann nur jedem raten, den Chandni Chowk einmal auf und ab zu gehen. Dann hat man quasi das „best off“ der verwirrendsten Eindrücke erlebt. Genug brain food.

Stadtplanung:

Auch die Stadtplaner von Delhi haben sich etwas Futuristisches einfallen lassen. Sie wollen den Chandni Chowk in eine begrünte Fußgänger-Anlage verwandeln!?

So informiert zumindest —> folgendes Schild

ADA38B9D-91F6-433E-A503-E255F0CED5CA

Also ehrlich, liebe Leser, wenn das so kommt, fresse ich einen indischen Besen und Delhi ist um ein Kultur-Gut (wenn auch ein sehr dreckiges) beraubt!

Verständigung:

Das Indische English ist reich an Missverständnissen, hier nur ein paar Beispiele.

  • Sagt jemand im Hotel „Pös Por“, heißt das nicht „Passport“ sondern „First Flor“.
  • Spricht ein Guide von einer „Muschi“, meint er nicht seine Katze 😉 sondern eine Moschee.
  • Erwähnt der Fahrer einen „Missing Helmut“, ist nicht vom verlorenen Onkel in Deutschland die Rede, sondern von der fehlenden Helmpflicht…also von „missing helmet“

 

Frühere Postkarten aus Indien:

 

 

12) Prekarte nach Indien 2019

Ab und zu veröffentliche ich ja hier auf meinem Blog auch digitale Postkarten, um über Eindrücke und Kuriositäten in der Ferne zu schreiben. Postkarten heißen vermutlich deshalb Postkarte, weil man sie mit der Post verschickt. Irgendwie naheliegend. Vielleicht deutet aber auch das Wörtchen „Post“ darauf hin, dass die Karte immer erst „nach dem“ Erlebnis folgt.

So wie in posttraumatischer Belastungsstörung. Nur halt positiver. Alles nicht sprachwissenschaftlich belegt und etwas an den Haaren herbeigezogen, beschäftigt mich es aber nun doch. Wenn wir also auf einer Reise ein paar Impressionen nach Hause schicken, dann könnte man das doch eigentlich auch vor der Reise tun, oder? Abgeleitet von dem Begriff Postkarte, würde man quasi eine Prekarte schreiben. Die verschickt man nicht an die Heimat, sondern an das Reiseziel. Ganz einfach. 

Schon mal gemacht? Ich nicht. Aber ich probiere es heute einfach mal aus.

Liebes Indien,

Viele liebe Grüße senden wir aus Berlin. 

Das Wetter hier ist absoluter Mist, die Verpflegung aber gut, Personal habe ich allerdings schon länger nicht mehr gesehen. Wir haben die Nase voll vom Winter und wollen endlich in die Sonne!

Wir alle sind schon sehr aufgeregt. Manchmal sprechen wir beim Essen über schwierige Fragen. „Wie lange werden wir fliegen? Wieviel davon über Wasser? Fliegen wir auch über Syrien? Wird es solch eine Boing sein, über die man dieser Tage in den Nachrichten spricht?“ Als Vielflieger versuche ich dann mit statistisch/technischem Halbwissen zu überzeugen.

In den letzten Wochen haben wir unserem Hausarzt und der Pharma-Industrie kräftige Umsätze verschafft. In unseren Impfausweisen haben wir nun ein paar Aufkleber mehr, insbesondere auf den exotischen Seiten im hinteren Bereich des gelben Heftes. In den nächsten zwei Jahren sollten wir am besten wieder nach Asien reisen, damit sich das  mehrfach rechnet. Ich schaue mich schon einmal nach Reisezielen um.

Aber nun zurück zu dir. Zunächst wollen wir uns also etwas in deiner Hauptstadt herumtreiben. Dann besuchen wir dein berühmtes Taj Mahal. Wieder zurück in Delhi möchte ich noch ein paar Orte sehen, die bei meinem letzten Besuch in 2015 zu kurz gekommen waren. Und wir werden A. und ihre Familie besuchen! Das wird sicher ein unvergessliches Erlebnis. Zu guter Letzt geht es dann noch ans Meer, um die tausenden Bilder im Kopf zu sortieren und die Seele baumeln zu lassen.

Also, wir freuen uns auf deine Menschen, deine heiligen Kühe, den allgegenwärtigen Trubel, den chaotischen Straßenverkehr und das pausenlose Gehupe in der Stadt. Wir sind gespannt auf deine Tempel und Moscheen, auf deine Farben und Gerüche. Auch wenn nicht alles immer farbig sein und gut riechen wird. Ganz klar. Vieles wird zum Himmel stinken und schwer zu erklären sein. Manches wird wütend und hilflos machen. Das wissen wir. Trotzdem freuen wir uns und zählen die Tage schon rückwärts.

Also, mach‘s gut, wir sehen uns ja. bald. Ach so … und noch etwas. Wäre echt cool, wenn wir bei der Einreise nicht ewig warten müssen und der Taxi-Fahrer den Weg ins Hotel kennt. DANKE

 

So, das war nun meine erste Prekarte. Noch etwas ungewohnt, aber durchaus ein interessantes Format. Habe ich nun der eigentlichen Postkarte vorgegriffen? Gibt es denn überhaupt noch Stoff für weitere Postkarten aus Indien? Irgendwie bin ich mir sicher, dass es genug zu berichten geben wird…

Frühere Postkarten aus Asien: