233) Corona-Lektionen 100 (Jubiläum ;-)

Das ist sie nun, die 100. Ausgabe dieser Reihe! Eigentlich wollte ich genüsslich im Eigenlob baden, aber es gab natürlich ein paar Entwicklungen, die wollen dokumentiert und kommentiert werden. Ich mache es kurz.

Impfen: 
Der Impfstatus der Familie liegt bei exakt 75% ;-). Damit liegen wir weit über Bundesdurchschnitt und arbeiten uns bereits an den Dänemark-Gold-Status heran. Weiter so!

Tankwart erschossen: 
Dass da so etwas noch passieren muss. Wegen einer Maske und einem Sechser-Pack Bier. Furchtbar. Na klar trägt der Täter die Verantwortung, rein strafrechtlich. Aber die Gesellschaft (und da meine ich alle) muss sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte.

Frage 1: Wie kann ein Tankstellen-Kunde so ausrasten, wegen einer Maske, die er für 2 Minuten Kassiervorgang tragen muss?

Frage 2: Warum muss ein Student, der an einer Tankstelle jobbt, die Corona-Maßnahmen des Staates durchsetzen?

Wortwahl:
Es ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Reihe auf bestimmte Wörter hinweise, die mir sauer aufstoßen. Diesmal soll es das Wort „Daumenschraube“ sein. Es wird in den letzten Tagen vermehrt verwendet, wenn es darum geht, den Druck auf die Impfunwilligen und Impfunentschiedenen zu erhöhen. Auch in den öffentlichen-rechtlichen Programmen, für die ich immer eine Fahne hochhalte. Aber solche platten Begriffe polarisieren und verschärfen die Situation. Wer keine Ahnung hat, was eine Daumenschraube ist, findet im Internet genügend schmerzhafte Bilder. Da nehme ich lieber eine Impfung im Sechser-Pack.

Und nun aber zum Eigenlob:
Ja es sind 100. Beiträge geworden. Hätte ich nie gedacht. Und da es anscheinend für den Pulitzer-Preis nicht gereicht hat, rufe ich mich nun selber auf die Bühne und beantworte ein paar Fragen des virtuellen Laudators:

Wie bist du auf die Idee für diese Reihe gekommen?
Nun, daraus sollte eigentlich nie eine Reihe werden. Der erste Beitrag entstand im März 2020, um ein paar Gedanken loszuwerden. Ich stellte in Aussicht, dass es vielleicht noch einen zweiten Beitrag geben könnte. Und nun sind es eben 100 geworden.

Warum der Titel Corona-Lektionen?
Ursprünglich ging es mir gar nicht um die Corona-Bekämpfung, um alle die Daten und Maßnahmen. Ich wollte mich eher damit befassen, was die Pandemie mit uns macht und was wir für die Zukunft daraus lernen können. Daher der Begriff „Lektionen“.

Und dann?
Tja, dann ging es Schlag auf Schlag. Es wurde politisch und der Dissens in der Gesellschaft wurde lauter. Es dauerte nicht lange, und da fand das Wort „Freiheit“ den Weg in meine Beiträge. Die ersten Male bei Lektion 7, Lektion 17 und Lektion 41. Und kurz danach kam der Begriff “Demonstration“ hinzu. Beginnend in Lektion 31, Lektion 36 und Lektion 37, die mich emotional schon aufgewühlt haben.

Oh, das hat Deiner Beitragsreihe wohl einen deutlichen Moll-Anstrich verpasst?
Ja, da gab es Beiträge, wo ich sehr frustriert war, aber ich habe auch mit Humor und Augenzwinkern geschrieben. Zum Beispiel in Lektion 21, Lektion 23 oder Lektion 43. Man muss auch mal schmunzeln, auch in pandemischen Zeiten.

Welche Beiträge wurden am wenigsten gelesen?
Rein statistisch die Lektion 5, Lektion 32 und Lektion 44. Das haben die aber echt nicht verdient, die sind durchaus gut, vielleicht hatten die Leute einfach keinen Bock an diesen Tagen oder es gab eine Störung im WLAN

Und die Top-Seller?
Na ja, „Seller“ ist vielleicht das falsche Wort. Es sind ja eher Geschenke für die Leserschaft. Aber die besten Beiträge vom Klick-Volumen her, waren die Lektion 30, Lektion 38 und Lektion 42. Und natürlich, sie sind Spitzenklasse, keine Frage 😉

Du hast immer das gleiche Motiv für die Beiträge, oder?
Ja, das gleiche, aber nie das selbe. Ich habe fast jeden Arbeitstag den Sonnenaufgang fotografiert, für mich ein Symbol das täglichen Aufstehens, Nachrichtenhörens und dem dann folgenden „Weg“ ins Homeoffice. Manchmal war aber das Wetter schlecht oder das Bild verwackelt, einige sind der Löschtaste zum Opfer gefallen. Es gibt aber einen einzigen Beitrag, der das aus der Reihe tanzt, das ist die Lektion 92, denn die habe ich in Frankreich geschrieben.

Und wie gehts weiter?
Nun ja, das Thema beschäftigt mich schon und ich fürchte, da gibt es noch eine Menge zu kommentieren. Ich mache erst einmal weiter, vielleicht nicht mehr mit der Häufigkeit. Ich will ja keinen Corona-Blog betreiben.

Was willst Du Deinen Lesern mitteilen?
Großes DANKE für’s Lesen und dass es bei den Kommentarwechseln immer freundlich und sachlich abging. Ich würde mich freuen, wenn ihr weiter dran bleibt oder Freunde und Familie dazu einladet. Als kleine Zugabe, gibt es heute ein paar Sonnenaufgänge, die noch auf meinem Handy schlummerten, es bislang aber nicht auf die Titelseite geschafft haben.

Und wer das alles noch einmal Review passieren, kann hier die ganze Reihe von der Rolle weglesen 😉

Schönes Wochenende!

228) Corona-Lektionen 97

Die 4. Woche nach den Ferien ist absolviert, die Inzidenzen bei den Kindern stiegen an, halten sich aber stabil. Die Infektionen bei den jungen Erwachsenen nehmen mächtig zu und das liesse sich ja nun relativ einfach verhindern. Unser Regierender Bürgermeister verschickte neulich poppige Postkarten und rief in mehreren Sprachen zum Impfen auf. Ein Versuch ist es wert.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

0G
Habe ich in Beitrag 96 dieser Reihe, noch über alle möglichen G-Varianten philosophiert, hat der Döner-Mann um die Ecke dieses komplexe Regelwerk bereits übersprungen. Während ich mit FFP2 meine „Kantine“ betrat, schauten mich Personal und andere Gäste verwundert an. Sie trugen alle „oben ohne“ und ich gab hinter meinem Kaffee-Filter die Bestellung auf.

Er: „Bitte?“
Ich: „Einen Pöner pitte“.
Er: „Salat alles?
Ich: „Ja, pie immer, Palat allep und scharp/knoblaup“.

Er hatte Schwierigkeiten mich zu verstehen, aber wir hatten in den letzten 18 Monaten ja häufiger das Vergnügen miteinander. Mittlerweile kennt er meine kulinarischen Vorlieben. Und ich winke ihm schon zu, wenn ich mal an dem Laden vorbeilaufe. Mit der Küche sollte man sich immer gut stellen, habe ich gelernt. Das galt schon in Aula und Mensa, auf Klassenfahrten und während einer Pandemie gilt das natürlich erst recht.

Jubiläum
Bald feiere ich Jubiläum. Am 10. September erreiche ich 18 Monate Höhlenoffice. Bis auf Urlaub und Wochenende ganz ohne Unterbrechung. Nix Büro, Nada Dienstreise, Niente „face to face & skin to skin“ mit Kollegen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie lange man doch ohne Chef:In auskommt, oder? Aber zurück zu meinem Jubiläum. Leider können die Kollegen nicht zur Party kommen. Denn die hocken ja auch alle noch zu Hause. Wir werden uns also virtuell befeiern und an die letzten Meetings im Frühjahr 2020 erinnern.

Höhlenoffice
75% meines Höhlen-Teams hier, sind bereits wieder tagsüber unterwegs. Schule und Büro fordern Präsenz. Das gibt mir in der Höhle die volle WiFi-Power zurück, aber ich merke auch, dass wieder mehr „Organisation“ in den familiären Alltag Einzug hält. Elternversammlung, Arbeitswege, Bahn-Streik, Joggen, Arzttermine, Klassenarbeiten, Fußballspiele und so weiter. Und die Straßen sind wieder deutlich voller, es ist wieder lauter geworden und die Menschen sind ruppiger zueinander.

Ist das schon wieder das „old normal“?
Oahhhh nee, bitte nicht!

<— Corona-Lektionen 96

–> Corona-Lektionen 98

Mehr lustig Döner gibts hier 😉

225) Ruf nach Freiheit – Teil 1

Seit dem frühen Mittag kreisen Hubschrauber über unseren Dächern. Die Demonstrationen waren zwar nicht genehmigt, aber die „Gegen-Einfach-Alles-Gegner“ haben sich heute wieder unseren Stadtbezirk als Tummelplatz ausgesucht. Es ist ja auch ganz nett hier.

Hier spielen sie nun „Katz und Maus“, „Räuber und Gendarm“ oder „Freiheit und Diktatur“. Um die Mittagszeit war ich ca. 1 1/2 Stunden zu Fuß in meiner Hood unterwegs, um mir mal ein Bild von der Situation zu machen. 

Was ich beobachtet habe:

  1. An mehreren Stellen tauchten auf einmal Gruppen von Menschen auf. PopUp-Demonstranten sozusagen. Wenige Fahnen, Schilder oder Transparente, dafür viele Rücksäcke. Sie sahen aus wie Touristen, wie auf Wandertag, nicht von hier. Sie wirkten auf mich auch nicht wie not-leidende Kleinunternehmer, die am Rande ihrer Existenz ihrem Ärger Luft machen wollten.
  2. Sie folgten keiner festgelegten Strecke, sondern liefen im Zickzack-Kurs durch den Kiez, durch Grünanlagen, über Seitenstraßen, Höfe und Tram-Gleise.
  3. Diese Leute blockierten Kreuzungen, liefen in den laufenden Verkehr und zwangen somit die Autos zum Halt.
  4. Die Polizei begleitete die Demo nicht wie üblich vorn und hinten (wie denn auch … es gab ja gar keine klare Wegführung), stattdessen eilten sie mit Blaulicht hinterher und versuchten den Mob irgendwie zu lenken.
  5. Im erweiterten Radius habe ich Radfahrer, E-Roller-Fahrer gesehen, die die Lage auskundschafteten und per Handy an die Demonstranten weitergaben, wo es denn „freie“ Räume gab, die für sie zugänglich waren.

Aber ich will denen hier nicht soviel Aufmerksamkeit geben, außerdem könnt ihr das auch woanders mit mehr Fakten nachlesen.

Aber ich tue mich grundsätzlich schwer damit.

Die Stadt Berlin geht mit Demonstrationen wirklich sehr offen um. Jeder kann hier seinen Willen kundtun. Einfach Demo anmelden, Genehmigung abwarten, Strecke und Regeln folgen und unter Polizeischutz sein Meinung kundtun. Quasi, ein Paradies für Frischluft-und Demo-Fans. Wo gibt es schon so etwas? Nur diese Meute dort brüllt laut nach „Freiheit“ und „Grundrechten“ und meint, dass alleine reiche schon aus, um Polizei und Anwohner mit ihrer asymmetrischen Demo-Führung den ganzen Sonntag zu beschäftigen.

Was tun?

Die Demo war nicht genehmigt, also die Teilnehmer einfach auseinandertreiben? Wasserwerfer, Platzverweise, Ordnungsstrafen? Das wäre rein rechtlich vermutlich sogar gerechtfertigt, aber politisch schwer vorstellbar, denn das würde ihnen nur noch mehr Rückenwind geben. Sie würden noch lauter „Diktatur“ brüllen, obwohl sie sich nicht ans freiheitliche Prozedere gehalten haben.

Soll man sie einfach machen lassen? Diesen wenigen tausend Menschen einfach mal die Tür zum Bällebad öffnen. Ein paar Stunden austoben in der Hauptstadt, bevor es dann morgen wieder zurück geht in die öde Reihenhaussiedlung? Auch schwierig, denn dann macht hier bald jeder was er will und die Stadt wird zum Demo-Adventure-Land

Ich habe keine Antwort. Und noch viel weniger Verständnis. Denn da, wo ich großgeworden bin, gab es keine Demonstrationen, bei denen man laut über die Straße rufen konnte, was einen stört oder was künftig anders werden soll. Denn dann fand man sich ruckzuck in einem Gefängnis wieder und die ganze Familie hatte auf Jahre etwas davon. Und auch heute, müssen wir gar nicht lange suchen und wir werden Länder finden, wo das an der Tagesordnung ist.

Ich kenne keinen dieser Menschen, die da durch die Straßen kreuzen, kann also auch nur aus der Distanz urteilen. Vielleicht tue ich auch Unrecht und ziehe hier die Schublade der Polarisierung noch weiter auf, wenn ich behaupte: Das scheint mir ein Haufen verwöhnter Mitmenschen zu sein, die sonst nicht viel zu melden haben und nun endlich mal die Klappe aufkriegen. Tut mir leid, anders kann ich es mir nicht erklären. Konstruktive Gegenargumente könnt ihr gern in den Kommentaren absetzen.

Nun ist 18:00 Uhr, es beginnt wieder zu regnen, es wird ungemütlich. Die Hubschrauber, sie stehen nicht mehr am Himmel, sie drehen größere Kreise. „Sehr geehrte Gäste, das Gaga-Land schließt in wenigen Minuten“. Und die Schreihälse? Vermutlich sind die auf dem Heimweg … ab auf die heimische Telegram-Couch. Morgen ist wieder Alltag …

—>Ruf nach Freiheit – Teil 2

224) Corona-Lektionen 96

Die dritte Schulwoche nach den Sommerferien ist absolviert und ich habe tagsüber immer noch Hoheit übers heimische WLAN. Wer hätte das gedacht. Ich war sogar auf einer Elternversammlung. Ganz konventionell, im Klassenraum. Mit Kaffee-Filter vor dem Gesicht, konnte ich gute nachfühlen, wie es den Kids dort gehen muss. Auf die besorgte Frage einiger Eltern, was denn so der Plan für den Umgang mit einer möglichen vierten Welle wäre, folgte seitens Schule ein stammelndes … „ähhhm … na dann … machen wir über die Lernplattform weiter … wie bisher“. Wie bisher? Oh Graus.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Mehr oder weniger G?
Kaum war „3G“ letzte Woche als neuer Deutscher Standard implementiert, experimentiert die Hansestadt Hamburg nun mit einem Optionalen 2G Modell. Was hier klingt wie ein veralteter Handy-Tarif, bestimmt nun, wie man dort am öffentlichen Leben teilnehmen darf. Und was meint das doch gleich? Geföhnt und Geschminkt? Geimpft und Gechipt? Geschnitten oder Gewürfelt? Gebraten oder Gekocht? Geschüttelt oder Gerührt? Mit 1-2 g kann der Körper ja noch ganz gut umgehen. In der deutschen Provinz ist man schon froh wenn man 3G hat, 4G sind da utopisch, die Chinesen wollen uns 5G bringen und man forscht sogar schon an 6G. Bei den G7 und G8 wir’s schnell politisch und die GSG-9 klopft besser auch nicht an die eigene Wohnungstür. Meine Güte, wer hätte eigentlich gedacht, welches Ordnungspotential der Buchstabe G so hat, oder? Die Berliner Polizei stellt sich mit einem „Großeinsatz auf Demonstrationen von Gegnern der gesetzlichen Regelungen“ am Wochenende ein. Eine kleinere Demo sei wohl genehmigt worden, weil von den 500 angemeldeten Teilnehmern keine Gefahr für die Gesellschaft ausgehe.

Weiter schreibt die Welt: „Die Polizei geht davon aus, dass eine Vielzahl von Menschen den Demonstrationsverboten nicht folgen wird. Deshalb werde man „die Versammlungsverbote durchsetzen, entsprechend präsent sein und insbesondere das Regierungsviertel schützen“, hieß es“. Seit Mittag kreisen zwei Hubschrauber über der Innenstadt, na hoffentlich geht das gut und gerät nicht ganz und gar außer Kontrolle.

Impfen
Auch hier gibt es interessante Entwicklungen. Einzelne Airlines preschen vor und wollen für ihr Personal verpflichtende Impfungen durchsetzen. Das ist dahingehend interessant, weil das selbst im Gesundheitsweisen oder im Staatsdienst m.W. noch nicht angekommen ist. Ich bin gespannt wie das weitergeht, dann das wäre ein Novum, dem andere private Brötchengeber dann sicher folgen wollen. Nun kann man sicher diskutieren, ob ein Arbeitgeber das dürfen soll oder nicht, aber ich halte das in gewissen Berufsgruppen eigentlich für angemessen. Noch interessanter würde ich die Diskussion mal in Zusammenhang mit dem Beamtentum finden. Zitat Wiki: „Während ihrer Dienstzeit sind Beamte einer gesteigerten Bindung an den Staat ausgesetzt, welche in ihrer Intensität über die normale Bindung des Bürgers an den Staat hinausgeht. Beamte stehen also in besonderer Nähe des Staates; sie sind dessen Repräsentanten. Infolgedessen können die Grundrechte von Beamten eingeschränkt werden.“
Ei, ei, ei …

Inzidenz
Die Inzidenz soll nicht mehr der Hauptindikator für die Bewertung des Infektionsgeschehens sein. Ist nachvollziehbar. Aber schade eigentlich, wirkte man als Privatmensch doch ausgesprochen informiert und auf dem besten Wege zu einer Karriere zum Stammtisch-Epidemiologen, wenn man die Inzidenz-Werte seiner Nachbarschaft auswendig konnte. Nun kommt die sogenannte „Hospitalisierungsquote“ hinzu. Ach herrje … was? Gibt‘s denn da keine Abkürzung für? HQ ist schon belegt, heißt üblicherweise Headquarter. Und Ho-Quo klingt irgendwie nach vietnamesischem Nudelgericht. Hat jemand geeignete Vorschläge?

Schönes Wochenende
T.

<— Corona-Lektionen 95

–> Corona-Lektionen 97

223) Corona-Lektionen 95

Die Kids sind seit 2,5 Wochen wieder in der Schule … und … sie sind bislang nicht wieder nach Hause geschickt worden. Das allein ist schon ungewöhnlich, denn in anderen Stadtbezirken geht schon wieder die Pest … ähm … sorry …, bitte jetzt Ruhe bewahren, … ich meine natürlich, … die Post ab. Mit einer 7 Tages-Inzidenz von schlapp 70 ist Berlin mit dabei auf den ersten drei Plätzen. 

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

3G
Es gibt hier nichts Neues zu berichten, was nicht auch woanders nachzulesen ist. Trotzdem will ich ein paar Dinge dokumentieren … man vergisst ja so schnell. Die STIKO empfiehlt nun die Impfung der 12 bis 17-jährigen Kinder, wer Dienstleistungen oder Kultur in Anspruch nehmen will, muss 3G sein (ein G davon reicht aber schon 😉 und ich denke, die meisten schauen recht skeptisch auf Herbst und Winter. Oder etwa nicht?

Mangel
Wenn ihr im Hotel übernachten wollt, solltet ihr vielleicht euren Staubsauger einpacken, geht’s zum Candlelight-Dinner in ein Restaurant, kann ich das Buch „Eindecken für Anfänger“ empfehlen. Vorher! Denn es mangelt überall an Service-Kräften. Und wenn ihr eine findet, klagt sie vermutlich, wie allein sie doch ist. CheckIn, Ausschank, Tischabräumen und Bettenmachen zugleich. Da hilft auch kein Händeklatschen auf dem Hotel-Balkon mehr. Denn es hört keiner mehr zu. Weil sie weg sind. Und da sich unser Heimatland so herzlich-offen für ausländische Arbeitnehmer zeigt, bleibt wohl erst einmal nur eins: Mach‘ es selbst oder verzichte!

Bahnfahren
Seit Beginn der Pandemie bin ich nicht mehr geflogen und selbst mit der Bahn habe ich keine größeren Distanzen zurückgelegt. Kürzlich war es aber dann mal wieder so weit, ein Drei-Stunden-Trip mit der Bahn stand an. Und ja, Reisen verlernt man so schnell nicht, wenngleich ich aber etwas mehr Reisefieber verspürte als früher. Beim Einstieg am Hauptbahnhof, war es mir dann schon wieder vergangen. Was für ein Gedrängel durch die schmale Tür. Lange her, dass ich fremden Menschen so nahegekommen bin. Im Großraum war es auch nicht besser. Alle Plätze waren ausgebucht, selbst in den Gängen standen Fahrgäste. Am Bahnhof Gesundbrunnen, sprach der Zugchef durchs Mikro, dass der Zug zu voll sei und er den kompletten Zug überprüfen müsse, um sich einen Überblick zu verschaffen und dann zu entscheiden „ob“ es weitergeht. Das gab’s auch schon vor Corona, aber mit Corona ist es schon etwas gruselig. Da hilft auch 1G+FFP2 nicht.

Herbstreise
Die Idee, im Oktober vielleicht noch einmal ins Warme zu reisen, wurde ca. 72 Stunden nach der Idee bereits wieder kassiert. Die ausgeguckten Ziele sind mittlerweile wieder zu Hochrisiko-Gebieten erklärt worden und irgendwie fehlt mir die Lust, wieder verschiedene Optionen zu buchen, damit am Ende wenigstens eines Erfolg verspricht. Das „Suchen, Buchen und Fluchen“ kostet Zeit und die ist mir sehr kostbar.

Mal sehen was alles noch so kommt … 

T.

<— Corona-Lektionen 94

–> Corona-Lektionen 96

215) Rückkehr ins Büro – Teil 2

Manche von euch waren schon wieder mal im Büro, bei meinem Brötchengeber ist das noch kein Thema. Also bleibt mir nur der Blick in die Glaskugel und das Mutmaßen, wie es denn so wäre. Kürzliche Wortwechsel mit Anke und Belana Hermine inspirierten mich für einen zwinkernden Fortsetzung von >Rückkehr ins Büro.

Also … wenn wir mal wieder ins Büro kommen … dann …

  • stehen wir zunächst ratlos vor dem Kleiderschrank. Die Klamotten, die da hängen, sind schon über zwei Jahre alt. Kann man post-coronär noch Streifen, Punkte oder Karo tragen? Oder trägt man nun lebenslang Home-Hoodie und Schlappen? Besser wir wählen ein zeitlos hellblaues Hemd
  • müssen wir unseren Sitzplatz über eine App buchen, so wie einst den Platz im Kino. Die App wird uns Arbeitsplätze vorschlagen, belegte Plätze werden aber anonym angezeigt, so dass jeder mal neben „Knolauch-Ulf“ oder „Quassel-Biggi“ sitzen muss
  • torkeln wir aufs Firmengelände zu, erwarten uns große Wegweiser, Anzeige-Tafeln, Warte-Bereiche,  Quarantäne-Zonen, Sicherheitsschleusen, Temperatur-Scanner und über Lautsprecher werden die neuen Spielregeln verkündet. „Achtung, Achtung … hier spricht die Firmenleitung! Wir erwarten alle Rückkehrer_Innen pünktlich 10:00 Uhr zum Appell im Innenhof
  • haben wir dann endlich unseren Sitzplatz im Großraum-Stall gefunden, fühlen wir uns sofort unwohl und beobachtet. Wir brauchen etwas im Rücken. Wir überlegen, morgen das Rennrad, den Wäscheständer oder unser verkramtes Bücherregal mitzubringen
  • in persönlichen Gesprächen mit Kollegen fremdeln wir total. Wir kriegen es einfach nicht hin, ihnen in die Augen zu schauen. Stattdessen suchen wir ständig die Kamera, die sich die letzten 1,5 Jahre ungefähr 4-5 cm über deren Stirn befand
  • zum Mittag stehen wir völlig verloren in der Kantine. Überfordert von all den Speisen, suchen wir mit der Minuten-Terrine in der Hand die Mikro-Welle und hoffen verzweifelt, dass sie baugleich mit dem heimischen Modell ist. Piep. 2 Minuten. Bing. Mittag!!!!!.
  • nach dem Essen, gehen wir mehrmals vor die Tür, weil wir die Freunde der letzten Monate vermissen. Der Zoltan von Hermes, der Pete von Amazon oder auch der nette Klaus von DHL. Wo bleiben die heute nur, es ist doch schon nach 13:00 Uhr?
  • gegen 14:00 Uhr geht uns der Büro-Lärm so sehr auf die Ketten, dass wir uns verabschieden. „Macht‘s gut, ich fahre jetzt nach Hause zum Arbeiten!“

So oder so ähnlich wird’s wohl werden, oder 😉

<— Rückkehr ins Büro – Teil 1

209) Corona-Lektionen 89

Die Radtour fällt buchstäblich ins Wasser, aber das verschafft mir etwas Zeit für einen weiteren Beitrag über das blöde Virus und was es so mit uns macht.

Ein paar Gedanken der letzten Tage

Freiheiten
Eine Einschränkung fällt nach der anderen. Kaum ist eine Lockerung zu mir durchgedrungen, überlege ich, was ich damit nun anstelle. Aber da ist die Information schon wieder veraltet und es geht schon wieder etwas mehr. Ich find es echt krass, wie sehr wir in 7 Monaten gelernt haben zu verzichten und bin mit den neuen Freiheiten auch leicht überfordert. Aber Stück für Stück entdecken wir sie zurück. Zum Beispiel letzten Dienstag mit Freunden beim Griechen. Es gab Wein, Gyros und Tsatsiki in ordentlichen Mengen. Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an und ich hatte das Gefühl, das nun besonders genießen zu müssen, denn wer weiß was im Herbst wieder auf uns wartet.

3G
Auch wenn wir sonst gern über das mobile Netz in Deutschland schimpfen und uns bereits auf 5G freuen, scheint 3G dieser Tage völlig ausreichend. Getestet, Geimpft oder Genesen. Aber selbst das ist gar nicht mehr unbedingt notwendig. Ich wollte heute endlich mal wieder in den Baumarkt (letztes Mal Mitte November !), checkte aber vorher noch mal die Regeln dort. „Dieser Markt hat ohne Test und Einkaufstermin für alle Kunden geöffnet. Wir freuen uns auf ihren Besuch.“, stand auf der Homepage. Und Tatsache, die Türen standen offen, die Gänge waren luftig leer und die Abteilungen waren noch an ihren alten Plätzen. So wie „damals“ in 2020. Zum Glück haben sie während des Lockdowns nicht noch umgeräumt, dann wäre ich völlig verloren gewesen.

Events
Auch Veranstaltungen scheinen wieder möglich. Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber als gestern die Italiener im Stadion ihre Nationalhymne schmetterten, stand mir PiPi in den Augen.

Stringiamoci a coorte,
Siam pronti alla morte,
Siam pronti alla morte,
L’Italia chiamò

Puhhh, was für Zeilen. Die geballte Kraft der Stimme, die vielen Menschen im Stadion und aber natürlich auch das Wissen, wie der blödes Virus dort gewütet hat. 

PS: Vor einem Jahr habe ich >Corona-Lektionen 32 zum Thema „New Normal“ geschrieben. Passt bestens in die aktuelle Zeit.

Also, genießt die Möglichkeiten, aber übertreibt‘s nicht gleich wieder!

<— Corona-Lektionen 88

—> Corona-Lektionen 90

208) Corona-Lektionen 88

Ich habe meine 64. oder 65. Höhlen-Office-Woche abgeschlossen. Genau kann ich es gar nicht sagen, ich habe auch keine Lust die Wochen noch einmal genau abzuzählen. Is’ ja eigentlich auch Wurst. Im besten Falle gegrillt, denn das Wetter ist bombig.

Mathe:
In den letzten Monaten haben wir alle ungewollt Auffrischung in Mathe bekommen. Entweder weil wir unserer Brut die Bruchrechnung, Flächen und-Volumenberechnung erklärt haben oder selber endlich das exponentielle Wachstum verstanden haben. Kaum gibt’s mal ein Beispiel aus der Praxis, schon geht’s doch. Aktuell erleben wir das Gegenteil von exponentiellem Wachstum. Wie nennt sich das eigentlich? Exponentielle Schrumpfung? Meine Güte, is’ ja ekelhaft. Das klingt ja wie eine Krankheit. Guten Tag Herr Doktor, ich glaube ich habe exponentielle Schrumpfung. „Na, dann machen Sie sich mal frei.“

Kurve:
Die Kurve wird nicht nur allmählich „flat“, nein sie fällt deutlich und man kann es kaum glauben. Wäre es der DAX stünden wir vor dem Herzinfarkt, wäre es der eigene Puls, erschiene ein helles Licht und ein Notarzt würde „Bitte treten Sie zurück“ rufen. Was gibt’s sonst noch so für Kurven, deren Fallen uns Deutsche so verzücken? Arbeitslosenzahlen? Bratwurstpreise? Überstunden? Bierpreise? Mieten? Super?

Freiheit:
Ungeahnte Dinge werden auf einmal möglich. Biergärten, Kneipen und sogar Hotels reissen die Dornenbüsche von den Toren und gewähren dem Volk mit Begehr testfreien Einlass. Am Himmel sehe ich mehrere Kondensstreifen kreuz und quer gezogen. Sind das Eingewöhnungsflüge der Piloten oder fliegen Menschen schon wieder durch die Gegend? Aus München erreichen mich Bilder vom überfüllten Marienplatz, die Menschen alle oben ohne. Und was mache ich nun mit dieser Freiheit? Was essen gehen? Ein bisschen shoppen? Nach einem halben Jahr mal wieder in den Baumarkt fahren?

Ich bin völlig überfordert!

Bei der Gelegenheit erinnere ich gern an meinen Beitrag > Postpandemische Belastungsstörung am 14. Juni 2020 geschrieben, aus der Sicht von heute. Lesen! Is’ jut.

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 87

–> Corona-Lektionen 89

207) Corona-Lektionen 87



In die positiven Entwicklungen in der vergangenen Woche, platzt nun der nächste Skandal. Die privaten Test-Center, die wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind und Schnelltests anbieten, können die 18 EUR Aufwandsersatz pro Test abrechnen, ohne entsprechende Belege einzureichen. What? Sonst wirft man Deutschland vor, oberbürokratisch zu sein und nun prüft man … gar nichts? Oberster Grundsatz in der Buchhaltung lautet „Keine Buchung ohne Beleg“. Und die Center können (heißt nicht, dass alle das machen) abrechnen was sie wollen? Das kommt einer Veruntreuung von Steuergeldern bei gleichzeitiger Ermunterung zum Betrug nahe. Ich meine, man muss ja nun nicht gleich wieder ein Mega-Prüf-Monster erfinden, aber der Betreiber eines solchen Centers könnte doch mindestens dazu aufgefordert werden, die Rechnung/Lieferscheinnummer für die Test-Kits beizulegen. Da kann man immer noch bescheißen, ja klar, aber ich lass doch auch nicht die Tür meiner Wohnung offenstehen, um mich dann zu wundern, dass sie ausgeräumt wird. Das ist dilettantisch und hat rein gar nichts mit der „der so unverhofften und nie gekannten Pandemie-Situation“ zu tun.

Hellblau
Gerade eben habe ich mir noch einmal auf die Corona-Karte von Berlin geschaut. Unser Stadtbezirk erstrahlt da in einem ganz zarten himmelblau. Die Einfärbung ist so schwach, ich muss bald mal die Kontrasteinstellungen am smarten Gerät verändern, damit ich das überhaupt noch erkennen kann. Und auf diesem hellblau protzt eine superschlanke 18,3. Zum Glück sind es nicht die Wahlprognosen der AfD, sondern unsere 7-Tage-Inzidenz. So schön wie das klingt, so zögerlich bin ich aber auch, gleich in Euphorie zu verfallen. Keiner rennt vor Freude auf die Straße, keiner zündet Raketen, keiner liegt sich freudeheulend in den Armen. War’s das? 

Ich traue dem Frieden noch nicht. 

Vielleicht macht das Biest nur Sommer-Pause?
Schönen Sonntag
T.

<—Corona-Lektionen 86

—> Corona-Lektionen 88

198) Corona-Lektionen 83

Ich habe gerade meinen 14. Höhlen-Office-Monate beendet .. bzw. unterbrochen wegen Himmelfahrt. Für all die, die sich nicht mehr erinnern können, Himmelfahrt war der Tag, wo man als „Mann“ mit den Jungs einen drauf machte, oder als „Vater“ etwas mit der Familie unternahm. Die Optionen sind eher wieder dünn dieses Mal. Keine Ausflugslokale, keine Kremserfahrten, immer noch Abstandsgebot und bloß nicht laut singen … oder grölen … oder in den Armen liegen.

Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeoffice 1:
Nicht nur wir Menschen arbeiten auf Verschleiß, auch die Technik um uns herum. Da sind beängstigende Meldungen nach Windows-Updates, die Smart Card wird häufiger nicht erkannt, das Headset ist mehrfach geflickt, der Rechner fiel in Super-Sleep Mode und gestern verabschiedete sich das DSL Modem in zweitweisen Streik. Großes Geschrei aus allen Zimmern. Wenn die Pandemie beherrschbar wird, muss die ganze Technik auf Kur. Wir Home Worker vielleicht auch?

Homeoffice 2:
Habe heute an einer virtuellen Messe teilgenommen. Referenten aus allmöglichen Ländern sprachen über ihre Solutions und waren natürlich per Video zugeschaltet. Und ich muss sagen, ich kann das nicht mehr haben. Ein durchgewühltes Sofa im Hintergrund, persönliche Bilder im Bilderrahmen-Sammelsurium, ein vollgekramtes Bücher-Regal. Neeee! Ich will das nicht sehen! Und Obstkorb oder Pflanze auf dem Sideboard machen es nicht besser! Gebt mir lieber eine durchgestylte Power Point Präsi oder macht einen coolen Film draus! Oder bastelt euch einen lustigen Hintergrund! Aber lasst mich nicht in eure Höhle schauen!

Homeoffice 3:
Irgendwann wird es ja mal wieder zurück in die Büros gehen. Das wird sehr spannend. Lassen die Arbeitgeber dann nur „Geimpfte und Genesene“ kommen und der Rest bleibt für immer daheim? Oder dürfen nichtgeimpfte Mitarbeiter kommen und werden dann besonders abgeschottet, denn der Arbeitgeber muss sie ja vor Infektion schützen? Ist es dann ein Arbeitsunfall wenn sie sich im Büro anstecken? Oder persönliches Pech?

Es bleibt spannend! 
Aber jetzt machen wir erst einmal etwas aus dem Feiertag. 
Aber was nur?

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