55) Ebbe im Teich

Beim Ententeich, im benachbarten Volkspark, haben Wasserwerke und Grünflächenamt wohl den Stöpsel gezogen. Der Wasserspiegel nahm in den letzten Tagen kontinuierlich ab, nur in der Mitte des Tümpels haben sie noch ein große Pfütze belassen, damit die Enten nicht vollends austrocknen und die vorzeitige Abreise gen Süden antreten. Nun können wir alle auf den schlammigen und stinkenden Grund des künstlichen Gewässers schauen. Und auf all die Schätze, die in den See gefallen sind oder in ihm versenkt wurden. Da sind zum Beispiel große Äste dabei und Steine. So etwas schmeißen Kinder gern mal ins Wasser oder aufs winterliche Eis. Macht ja auch Spaß.

Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken:

  • Irgendwelche Vollpfosten haben im Suff eine Parkbank im See versenkt. Das ist schon echt ´ne Leistung, so ein Ding ist echt schwer und muss man erst einmal über das Geländer wuchten. Respekt Leute. Ihr seid Helden.
  • Die Stapelstühle des Park-Cafés dagegen, lassen sich noch viel weiter in den See werfen, als so eine blöde Parkbank. Das Café wird sich nun freuen. Die Stühle gehören zweifelsfrei zu ihnen und sie bekommen nun zehn vollkommen verdreckte Exemplare zurück auf die Terrasse gestellt. Die haben sie doch vermisst, oder?
  • Wie zu erwarten, liegen auch Leihfahrräder im Schlamm. Sind zwar schon lange abgeschrieben, man könnte aber mal mit `nem Lappen drüber gehen und dann rollen die wieder. Weiß eigentlich jemand, wie so ein Leihfahrrad in der Bike-Sharing-App angezeigt wird, wenn es im Wasser liegt? Als Tretboot vielleicht?
  • Und eine Menge Mülleimer konnte ich da in der Pampe ausmachen. „Warum werfen die den Müll nicht in die Mülleimer sondern die Mülleimer in den Müll“, fragt die Tochter. Gute Frage und kreatives Wortspiel, kommt auf meinen Blog, versprochen!
  • Gewundert hat mich allerdings, keine Bierflaschen dort im Schlamm gesehen zu haben. Aber vielleicht war am frühen Morgen schon ein fleißiger Sammler unterwegs und hat das Flaschensammeln mit einer Watt-Wanderung verbunden. Für etwas Kleingeld.

Kann man nur hoffen, dass Party-Touristen diese Sauerei veranstaltet haben, denn dann sind die jetzt wieder weit weg. Im Schlick liegen sie jedenfalls nicht.

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47) E-Sharing-Wahn

Dass ich so meine Probleme mit den unzähligen bunten Leih-Rädern in der Stadt habe, hatte ich schon mal hier geschrieben (Früherer Beitrag). Mittlerweile kann ich denen ja wenigstens noch etwas ökologisches und sportliches abgewinnen, ABER nur wenn sie an Stationen gebunden sind. Wenn die Dinger einfach irgendwo abgestellt oder in die Büsche geschmissen werden, bleiben sie mir ein Dorn im Auge. Nix zu machen!

Aber nun wird‘s ja immer bunter:

In jeder Nacht werden neue bunte E-Tretroller in den Straßen abgestellt. Man spricht mittlerweile von 5.000-6.000 Stück in der Stadt, Tendenz steigend. Über diese Roller wurde schon vor ihrer Zulassung heftig gestritten, als es um Geschwindigkeit, Helmpflicht und Nutzungsrechte ging. Darum geht es mir aber heute nicht. Mir fehlt z.B. die Diskussion, welche konventionellen Verkehrsmittel denn dadurch weniger wurden. Haben denn all diese Spaß-E-Tretroller-Fahrer ihre Autos oder Mopeds verschrottet? Glaube ich wohl kaum. Da das Fahren der Dinger vermutlich auch noch Spaß macht und sie überall zu haben sind, wird künstlich Verkehr geschaffen, der sonst nie da war. Diese Wegstrecken wurden früher mit der Bahn oder eben zu Fuß erledigt. Die zweite Frage, die mich beschäftigt ist, wie denn die Dinger geladen und gewartet werden? Werden sie mit Diesel-LKW durch die halbe Stadt gefahren und morgens wieder aufgestellt? Das wäre eine schlechte Öko-Bilanz. Mal ganz zu schweigen davon, mit welchem Strom sie geladen werden und wie die vielen Heinzelmännchen bezahlt werden. Weiß hier jemand mehr?

Und nun kommt noch mehr oben drauf. In den letzten Tagen wurden zig Elektro-Autos in den Straßen abgestellt. Zum Beispiel 1.500 VW e-Golf ! Was soll denn der Mist nun wieder? Wenn man e-Tretroller und Fahrräder in die Büsche schmeißt, sieht das zwar übel aus, aber sie nehmen wenigstens keine Park-Plätze weg. Mit den E-Cars werden nun noch mehr Autos in die Stadt gespült und geparkt. Sollten es nicht eigentlich weniger Autos werden? Was soll der Schwachsinn? Auch hier die Fragen. Wie und wo werden die aufgeladen? Wieviele werden nachts irgendwo durch Waschanlagen geschoben, die Wasser und Chemie verbrauchen. All die Kunststoffe, Reifen und Metalle, die nötig waren, um die Autos zu produzieren. Und auch noch einmal die Frage, wieviele konventionelle Autos dafür aus dem Verkehr gezogen wurden. Weiß das jemand?

Wenn ich nur mal die Zahlen hier im Beitrag addiere, handelt es sich ungefähr um zusätzliche 7.500 Batterieren! Für den Moment. Die müssen alles aus seltenen Rohstoffen hergestellt, nach Deutschland gebracht und später wieder entsorgt werden. Mir wird da echt schwindelig. Was hier im grünen Antlitz daher kommt, ist doch ökologisch eine Mega-Augenwischerei oder denke ich zu einfach? Kann mal bitte jemand aufklären?

Was soll das nur werden, wenn es irgendwann mal an jeder Ecke E-Hoverboards zum Leihen gibt? Und noch E-Segways, E-Dreiräder und E-Rollschuhe und E-Inliner und E-Skateboards und E-Tuk-Tuks und E-Rollatoren und E-Bobby-Cars und …

Wir müllen unsere Stadt mit stehendem Schrott zu und verfetten zunehmend, weil keiner mehr nur noch einen Meter läuft. Na großartig. Gut gemacht!

Anmerkung: Ich finde E-Autos sehr interessant und könnte mich selber mit einem E-Auto oder Hybriden anfreunden. Aber das was hier passiert, wirkt total planlos. Oder ist da echt ein Plan dahinter? Autos auf den Markt spülen, damit Menschen ihre alten Autos abgeben und am Ende weniger Autos auf dem Markt sind als vorher. Hääääh??? Is‘n das für eine Rechnung?

 

PS: mein Sohn klärte mich gerade auf, dass ein durchschnittlicher E-Tretroller in Paris ungefähr 78 Tage alt wird, häufig landen sie in der Seine. Bingo!

22) Bikesharing

Der hier nun nachfolgend beschriebene Trend in unserer Stadt basiert gleich auf zwei egoistischen Fundamenten. Zunächst begann alles mit Bikesharing-Anbietern, die ihre Fahrräder an entsprechenden Stationen, quer im Stadtgebiet verteilt, anboten. Eigentlich eine tolle Idee. Kann man doch zu einer Station in der Nähe gehen und auf ein Fahrrad umsteigen. Dann, es war wie über Nacht, wurde die Stadt auf einmal von orangenen Fahrrädern überschwemmt, die plötzlich an jeder Ecke standen. Wer hatte die da alle abgestellt? Wo kommen die alle auf einmal her? Und kurz darauf folgten dann noch grüne Räder und dann auch noch gelbe Ausführungen. Und zwar in echten Mengen bzw. Massen. Die Räder waren technisch so ausgestattet, dass man sie quasi überall anmieteten und dann, dank eines integrierten Ständer, wieder stehen lassen konnte. Egal wo man wollte. Sie waren nicht mehr an eine Station gebunden. Für die einen war das vielleicht super-bequem und hip. Andere empfanden es wiederum als das größte Metallwaren-Lager der Stadt. Ich würde mich zur letzteren Gruppe zählen. Natürlich braucht eine Großstadt neue Konzepte, um den Verkehr zu meistern, aber so etwas planloses und ignorantes? Die Anbieter stellen ihre Räder einfach auf öffentlichem Straßenland ab und überlassen das Metall sich selbst und der Schwarm-Intelligenz der Kunden. Die Fahrer, die anscheinend pro Kilometer bezahlen, scheuen jeden weiteren Meter zu einer geeigneten Abstellgelegenheit zu fahren und lassen das Rad am Platz ihrer Ankunft einfach stehen. Wenn es an einer Hauswand oder an einem Baum abgestellt wird, kann man noch von Glück reden. Bei uns im Viertel stehen die Räder mitten auf der Wiese, in bunter Mischung vor dem Kino oder auf Verkehrsinseln. Manchmal sehe ich sie auch hochkant in Müll-Tonnen stecken, im Park-Teich schwimmen oder völlig demoliert im Gebüsch liegen. Wer hat das genehmigt? War die Entwicklung nicht abzusehen? Und werden all die Räder jemals einen Kunden finden? Hat bei der Stadt jemand eine Öko-Quote zu erfüllen?

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