67) Das merkwürdige Verhalten gestörter Großstädter

Ich habe lange nichts mehr über das merkwürdige Verhalten gestörter Großstädter:Innen* geschrieben, fällt mir auf. Woran kann es liegen? Bin ich abgestumpft, habe keine Lust mehr mich daran aufzureiben? Ist schon alles gesagt? Oder sind die Aufregbarkeiten so rar geworden? Keine Sorge, es gibt sie noch.

Drei Situationen aus den letzten Monaten:

  1. Pfingstsonntag um die Mittagszeit, ich freunde mich mit dem Gedanken an, mal für einen Moment die Augen zu schließen. 12:45 Uhr beginnt ein Honk im Haus zu bohren. Mit dem großen Besteck. Weder will ich im Haus den Spießer geben, noch habe ich einen besonderen Draht „nach oben“ an diesem Tag und es fehlt mir auch nicht an eigenen Bohrstellen. Aber ich würde die Maschine nicht um 12:45 Uhr anschmeißen, schon gar nicht an einem Sonntag, schon gar gar gar nicht an einem Feiertag.
  2. Im Sommer sitzen wir auf einer Bank, schlecken unser Prenzlauer-Berg-Bio-Regio-Fair-Vegan-Eis und glotzen dabei auf eine Grünfläche mit alten Eichen direkt vor uns. Weiter links sitzen zwei Frauen, um sie herum wuselt ein kleines Mädchen. Dem Mädchen drückt die Blase, es wird ermuntert, sich doch an die Eiche vor uns zu hocken. Nicht das drumherum genügend Büsche wären. Also entledigt sich die Prinzessin ihrer Klamotten da wo nötig und strullt mir direkt vor mein hippes Kürbiskernöleis. Na lecker. Nachdem ihr Geschäft erledigt ist, wirft sie Sand auf die Fläche, streichelt den Baum und rennt auf unsere Bank zu. Mein Blick war deutlich. „Wehe!“
  3. Ich sitze mit Sohn und Schulfreund im Biergarten. Kühles Getränk, heiße Pizza, alles sehr friedlich. Die Fahrradhelme der Jungs liegen zu unseren Füßen. Auf einmal kommt ein kleiner Bengel angewackelt und interessiert sich merklich für die Helme der Jungs. Er hebt sie auf, dreht sie, setzt sie auf, probiert sie beide sabbernd durch. „Ähhm, was macht der?“ fragen mich die Jungs. „Ähhm, zu wem gehört der überhaupt?“ schaue ich fragend in den Biergarten. Irgendwann bemüht sich ein Struwwelkopf-Kopf-Papa mit Hose unterm Hintern zu uns und dann folgte dass, wo ich schnell rot sehe:
    • „Oh, was hast du denn da schönes gefunden?“
    • „Hast du die schon probiert, ja? Gefallen die dir?“ Ja?
    • „Das ist ein Helm, weißt du? H-E-L-M. Ein HEEEEEEEEELM!
    • „Wollen wir die den Jungs zurückgeben? Wollen wir? Ja?
    • „Neeeeeeeeiiin, meiiiiineee“. Plärr, tropf, lutsch, schnief … corona … schmier“
       —> „Papa, der soll meinen Helm nicht anfassen“, empfange ich über die Vater-Sohn-Leitung. Mit erhöhter Dringlichkeit.

Ich greife zum Handy und stehe auf. „Jungs, ihr müsst jetzt los zum Fußball.“

„ZAAAAAAHLEN!.“

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*) die adulten Vertreter natürlich

237) Schriftverschmutzung

Ich möchte heute einen Gedanken von Simon Sinek aufgreifen. In einer seiner Podcasts geht es auch um all die Schrift, die in einer Stadt verteilt ist. Dafür kam mir das Wortkonstrukt „Schriftverschmutzung“ in den Sinn. Denn „Luftverschmutzung“ haben wir ja schon, „Lichtverschmutzung“ gibt es auch. Bei der Datenkrake finde ich für „Schriftverschmutzung“ gerade mal 22 Treffer, aber alle in anderem Kontext. Also fühle ich mich jetzt mal als Schöpfer diese Wortes.

Aber zurück zum Thema:

Ich gehöre zu den Menschen, die ständig alles lesen. Auch wenn ich eigentlich gar nicht will. Vielleicht habe ich da eine kleine Macke, aber ich nehme alle möglichen Wörter, Buchstaben und Hinweise wahr. Alles. Straßennamen, Werbung, Schilder, Beschriftungen, Warnungen, Aufkleber oder Graffiti. Aushänge, Info-Tafeln, Anzeigen. Ich denke über Auto-Kennzeichen nach, erkenne  Botschaften, Bedeutungen und Firmennamen in ihnen. Das einzige was ich nicht lese, sind kleingedruckte lange Texte wie AGBs, Beförderungsbedingungen und Cookie-Regeln 😉 

Erleichterung. Schöne Grüße von Herrn Asperger, alles noch nicht so schlimm.

So eine große Stadt wie Berlin, ist völlig zubuchstabiert. Dem Lärm kann man halbwegs entgehen, wenn man sich dicke Muscheln auf die Ohren packt. Der Enge kann man ausweichen, wenn man asynchron unterwegs ist oder bestimmte Plätze meidet. Den Buchstaben kann man aber nicht entgehen. Wenn man so auf Schriften reagiert, kann man eigentlich nur versuchen, die Lettern nicht als einzelne Objekte wahrzunehmen, denn die ergeben zwangsweise ein Wort. Man muss Wörter besser als Oberflächen, als Strukturen, als Design nehmen. So wie eine Tapete quasi oder ein Nudelgericht. 

Das Lesenkönnen (physisch als auch kognitiv) ist ein großartige Gabe, aber manchmal würde ich mir auch wünschen, für einen Moment mal nicht lesen zu können. Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit, fragen sich vermutlich, ob ich noch alle Latten am Zaun habe. Verstehe ich. Aber manchmal ist es auch zu viel.

Kann man Lesen eigentlich verlernen? Weiß das jemand hier? Sprachen kann man ja auch verlernen, Verhalten auch. Oder ist man quasi ein Leben lang zum Lesen „verdonnert“, wenn man es einmal erlernt hat?

Tja und was macht man da nun?

  • Häufiger die Augen schließen? Das kann in Berlin gefährlich werden. 
  • Den Wohnsitz aufs Land verlagern? Da gibt es weniger Schilder und „Schriftverschmutzung“.
  • Oder nach China, Japan, Indien oder Israel umziehen. Die haben ihre eigenen Schriften, das ist dann wie Tapete oder Nudelgericht und ich verstehe nix 😉

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5) Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vorwort: Was habe ich nicht hier schon geschimpft über grün angepinselte Radwege, neue Mobilitätskonzepte und das permanente „Bashen“ meines Diesels. Da wird mir manchmal immer noch der Kragen eng, aber mir ist bewusst, dass sich Dinge ändern müssen, auch wenn es nicht immer bequem ist. Und da kam mir sehr gelegen, dass Hermann einen Gastbeitrag anbot. Aber lest selbst.

Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vor 30 Jahren sangen die Scorpions vom wind of change, der über die östliche Welt hinweg fegte. Die westlichen Freunde der Demokratie und der Marktwirtschaft waren glückselig und bekamen bei dem Song feuchte Augen – alles so schön, denn sie waren entweder Zuschauer oder Nutznießer…..und sie gehörten zu den Siegern der Geschichte.

Die Ostwelt wurde ordentlich durchgerüttelt, der deutsche Osten bekam zügig die Kopie aus dem Westen, die anderen östlichen Länder mussten ihren Weg finden in die globale Marktwirtschaft, z.T. mit Oligarchen oder sogar Parteidiktatur und Turbokapitalismus.

Vor 10 Jahren blies der Sturm scharf aus West von „hinterm Atlantik“ und brachte die globale Finanzwirtschaft ins Wanken.  Das betraf dann schon sehr viele Menschen auf der ganzen Welt.

Jetzt, spätestens nach den häufigeren Unwetterkatastrophen (im selbstzufriedenen Westen – wo anders gab´ s die aber auch), wird klar, dass wieder wind of change weht, nur diesmal sind wir alle dabei.

In wenigen Tagen gehen wir zur Wahl und sollten bereit sein für deutliche Veränderungen, auch wenn´s schwer fällt; jeder ahnt, so geht es nicht weiter, aber Änderungen mag man ja eigentlich auch nicht.

Selbst Spitzenleute, die jetzt viel im Fernsehen auftreten, sagen „wir müssen schneller werden; 6 Jahre für die Genehmigung einer Windkraftanlage sind zu viel, Ziel muss 6 Monate sein“. Die Verwaltungsmodernisierung hätten sie schon seit Jahren anschieben können, jetzt aber kommt Druck – wind of change.

Die Digitalisierung oft wird als Lösungsweg angesehen, aber eine verkrustete, m.E. über-föderale Organisation (mit vielen schönen, warmen Sesseln) kann man damit noch ein bisschen sichern, wirklich auf Drehzahl kommt sie damit nicht. – wind of change.

Berlin arbeitet an der der Verkehrswende; teilweise tauchen echt breite Radbahnen auf. Der klassische Straßenverkehr wird enger.

Die Digital Natives mit optimierter Work-Life-Balance bestellen ihren Lebensmittelbedarf per App und lassen sich das Zeug durch radelnde Kulis nach hause bringen.

Mal sehen, wann die ersten Radel-LKW zur Belieferung der hubs auftauchen. Elektro-unterstützte Minitransporter für Paketdienste habe ich schon gesehen. Man könnte doch die 8-Mann-Bierradel-Fahrzeuge umbauen, oder?

Als ganz persönlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung habe ich mir kürzlich einen Elektro-Roller für die typischen Allein-Kurzstrecken angeschafft und fühle mich gut dabei. (3 kwh statt 10 ltr sprit pro 100 km ist schon super).

Blöd nur, dass ich als „Guter“ damit neben den Verbrennern an der Kreuzung stehe und neidisch auf den wachsenden geschützten Verkehrsraum schaue.

Ich sollte eine Petition „E-Roller auch auf Radwegen“ lostreten. – wind of change

Abschließend ein Kulturtipp zur Wahl:

Kurt Tucholsky 1930: „Ein älterer, aber leicht besoffener Herr“ by Gerd E. Schäfer – köstlich, hört mal bei Youtube rein –

– Allen eine gute Wahl! –

Ende Gastbeitrag Hermann

Kommentare? Gerne 😉

225) Ruf nach Freiheit – Teil 1

Seit dem frühen Mittag kreisen Hubschrauber über unseren Dächern. Die Demonstrationen waren zwar nicht genehmigt, aber die „Gegen-Einfach-Alles-Gegner“ haben sich heute wieder unseren Stadtbezirk als Tummelplatz ausgesucht. Es ist ja auch ganz nett hier.

Hier spielen sie nun „Katz und Maus“, „Räuber und Gendarm“ oder „Freiheit und Diktatur“. Um die Mittagszeit war ich ca. 1 1/2 Stunden zu Fuß in meiner Hood unterwegs, um mir mal ein Bild von der Situation zu machen. 

Was ich beobachtet habe:

  1. An mehreren Stellen tauchten auf einmal Gruppen von Menschen auf. PopUp-Demonstranten sozusagen. Wenige Fahnen, Schilder oder Transparente, dafür viele Rücksäcke. Sie sahen aus wie Touristen, wie auf Wandertag, nicht von hier. Sie wirkten auf mich auch nicht wie not-leidende Kleinunternehmer, die am Rande ihrer Existenz ihrem Ärger Luft machen wollten.
  2. Sie folgten keiner festgelegten Strecke, sondern liefen im Zickzack-Kurs durch den Kiez, durch Grünanlagen, über Seitenstraßen, Höfe und Tram-Gleise.
  3. Diese Leute blockierten Kreuzungen, liefen in den laufenden Verkehr und zwangen somit die Autos zum Halt.
  4. Die Polizei begleitete die Demo nicht wie üblich vorn und hinten (wie denn auch … es gab ja gar keine klare Wegführung), stattdessen eilten sie mit Blaulicht hinterher und versuchten den Mob irgendwie zu lenken.
  5. Im erweiterten Radius habe ich Radfahrer, E-Roller-Fahrer gesehen, die die Lage auskundschafteten und per Handy an die Demonstranten weitergaben, wo es denn „freie“ Räume gab, die für sie zugänglich waren.

Aber ich will denen hier nicht soviel Aufmerksamkeit geben, außerdem könnt ihr das auch woanders mit mehr Fakten nachlesen.

Aber ich tue mich grundsätzlich schwer damit.

Die Stadt Berlin geht mit Demonstrationen wirklich sehr offen um. Jeder kann hier seinen Willen kundtun. Einfach Demo anmelden, Genehmigung abwarten, Strecke und Regeln folgen und unter Polizeischutz sein Meinung kundtun. Quasi, ein Paradies für Frischluft-und Demo-Fans. Wo gibt es schon so etwas? Nur diese Meute dort brüllt laut nach „Freiheit“ und „Grundrechten“ und meint, dass alleine reiche schon aus, um Polizei und Anwohner mit ihrer asymmetrischen Demo-Führung den ganzen Sonntag zu beschäftigen.

Was tun?

Die Demo war nicht genehmigt, also die Teilnehmer einfach auseinandertreiben? Wasserwerfer, Platzverweise, Ordnungsstrafen? Das wäre rein rechtlich vermutlich sogar gerechtfertigt, aber politisch schwer vorstellbar, denn das würde ihnen nur noch mehr Rückenwind geben. Sie würden noch lauter „Diktatur“ brüllen, obwohl sie sich nicht ans freiheitliche Prozedere gehalten haben.

Soll man sie einfach machen lassen? Diesen wenigen tausend Menschen einfach mal die Tür zum Bällebad öffnen. Ein paar Stunden austoben in der Hauptstadt, bevor es dann morgen wieder zurück geht in die öde Reihenhaussiedlung? Auch schwierig, denn dann macht hier bald jeder was er will und die Stadt wird zum Demo-Adventure-Land

Ich habe keine Antwort. Und noch viel weniger Verständnis. Denn da, wo ich großgeworden bin, gab es keine Demonstrationen, bei denen man laut über die Straße rufen konnte, was einen stört oder was künftig anders werden soll. Denn dann fand man sich ruckzuck in einem Gefängnis wieder und die ganze Familie hatte auf Jahre etwas davon. Und auch heute, müssen wir gar nicht lange suchen und wir werden Länder finden, wo das an der Tagesordnung ist.

Ich kenne keinen dieser Menschen, die da durch die Straßen kreuzen, kann also auch nur aus der Distanz urteilen. Vielleicht tue ich auch Unrecht und ziehe hier die Schublade der Polarisierung noch weiter auf, wenn ich behaupte: Das scheint mir ein Haufen verwöhnter Mitmenschen zu sein, die sonst nicht viel zu melden haben und nun endlich mal die Klappe aufkriegen. Tut mir leid, anders kann ich es mir nicht erklären. Konstruktive Gegenargumente könnt ihr gern in den Kommentaren absetzen.

Nun ist 18:00 Uhr, es beginnt wieder zu regnen, es wird ungemütlich. Die Hubschrauber, sie stehen nicht mehr am Himmel, sie drehen größere Kreise. „Sehr geehrte Gäste, das Gaga-Land schließt in wenigen Minuten“. Und die Schreihälse? Vermutlich sind die auf dem Heimweg … ab auf die heimische Telegram-Couch. Morgen ist wieder Alltag …

—>Ruf nach Freiheit – Teil 2

224) Corona-Lektionen 96

Die dritte Schulwoche nach den Sommerferien ist absolviert und ich habe tagsüber immer noch Hoheit übers heimische WLAN. Wer hätte das gedacht. Ich war sogar auf einer Elternversammlung. Ganz konventionell, im Klassenraum. Mit Kaffee-Filter vor dem Gesicht, konnte ich gute nachfühlen, wie es den Kids dort gehen muss. Auf die besorgte Frage einiger Eltern, was denn so der Plan für den Umgang mit einer möglichen vierten Welle wäre, folgte seitens Schule ein stammelndes … „ähhhm … na dann … machen wir über die Lernplattform weiter … wie bisher“. Wie bisher? Oh Graus.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Mehr oder weniger G?
Kaum war „3G“ letzte Woche als neuer Deutscher Standard implementiert, experimentiert die Hansestadt Hamburg nun mit einem Optionalen 2G Modell. Was hier klingt wie ein veralteter Handy-Tarif, bestimmt nun, wie man dort am öffentlichen Leben teilnehmen darf. Und was meint das doch gleich? Geföhnt und Geschminkt? Geimpft und Gechipt? Geschnitten oder Gewürfelt? Gebraten oder Gekocht? Geschüttelt oder Gerührt? Mit 1-2 g kann der Körper ja noch ganz gut umgehen. In der deutschen Provinz ist man schon froh wenn man 3G hat, 4G sind da utopisch, die Chinesen wollen uns 5G bringen und man forscht sogar schon an 6G. Bei den G7 und G8 wir’s schnell politisch und die GSG-9 klopft besser auch nicht an die eigene Wohnungstür. Meine Güte, wer hätte eigentlich gedacht, welches Ordnungspotential der Buchstabe G so hat, oder? Die Berliner Polizei stellt sich mit einem „Großeinsatz auf Demonstrationen von Gegnern der gesetzlichen Regelungen“ am Wochenende ein. Eine kleinere Demo sei wohl genehmigt worden, weil von den 500 angemeldeten Teilnehmern keine Gefahr für die Gesellschaft ausgehe.

Weiter schreibt die Welt: „Die Polizei geht davon aus, dass eine Vielzahl von Menschen den Demonstrationsverboten nicht folgen wird. Deshalb werde man „die Versammlungsverbote durchsetzen, entsprechend präsent sein und insbesondere das Regierungsviertel schützen“, hieß es“. Seit Mittag kreisen zwei Hubschrauber über der Innenstadt, na hoffentlich geht das gut und gerät nicht ganz und gar außer Kontrolle.

Impfen
Auch hier gibt es interessante Entwicklungen. Einzelne Airlines preschen vor und wollen für ihr Personal verpflichtende Impfungen durchsetzen. Das ist dahingehend interessant, weil das selbst im Gesundheitsweisen oder im Staatsdienst m.W. noch nicht angekommen ist. Ich bin gespannt wie das weitergeht, dann das wäre ein Novum, dem andere private Brötchengeber dann sicher folgen wollen. Nun kann man sicher diskutieren, ob ein Arbeitgeber das dürfen soll oder nicht, aber ich halte das in gewissen Berufsgruppen eigentlich für angemessen. Noch interessanter würde ich die Diskussion mal in Zusammenhang mit dem Beamtentum finden. Zitat Wiki: „Während ihrer Dienstzeit sind Beamte einer gesteigerten Bindung an den Staat ausgesetzt, welche in ihrer Intensität über die normale Bindung des Bürgers an den Staat hinausgeht. Beamte stehen also in besonderer Nähe des Staates; sie sind dessen Repräsentanten. Infolgedessen können die Grundrechte von Beamten eingeschränkt werden.“
Ei, ei, ei …

Inzidenz
Die Inzidenz soll nicht mehr der Hauptindikator für die Bewertung des Infektionsgeschehens sein. Ist nachvollziehbar. Aber schade eigentlich, wirkte man als Privatmensch doch ausgesprochen informiert und auf dem besten Wege zu einer Karriere zum Stammtisch-Epidemiologen, wenn man die Inzidenz-Werte seiner Nachbarschaft auswendig konnte. Nun kommt die sogenannte „Hospitalisierungsquote“ hinzu. Ach herrje … was? Gibt‘s denn da keine Abkürzung für? HQ ist schon belegt, heißt üblicherweise Headquarter. Und Ho-Quo klingt irgendwie nach vietnamesischem Nudelgericht. Hat jemand geeignete Vorschläge?

Schönes Wochenende
T.

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219) Corona-Lektionen 94

Am Montag soll in Berlin die Schule wieder starten. In voller Klassenstärke, maskiert, getestet und intensiv belüftet. Mit jedem Wort dieser Einleitung werfen sich Falten auf meiner Stirn auf. Hoffentlich geht das gut.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Kino
Ja, wir haben es mal wieder gewagt. Wir waren in einem Lichtspieltheater! Ihr wisst, so eine Einrichtung, wo man gegen Entgelt bewegliche Bilder auf einer Leinwand dargeboten bekommt. Inclusive erhitzen Maiskörnern, dunkler Brause aus Übersee und Tex-Mex-Tortilla-Chips mit warmer Käse-Sauce und grünen Chilli-Schoten. Eine nette Abwechslung, allerdings sollte man für das Eintritts-Procedere immer einen Pandemie-Zweit-Akku dabeihaben. Noch an der Tür wurde der digitale Impfpass kontrolliert, dann galt es bei Luca einzuchecken und natürlich die Tickets auf dem Handy vorzuzeigen. Mit FFP2 Kaffee-Filter vor dem Gesicht, die Hände voller Snacks, Getränke und Corona-Apps arbeiteten wir uns zu unseren Plätzen vor. Die Plätze wurden nur paarweise vergeben, unsere Brut also 5 Meter von uns entfernt platziert. „Der, der da so laut lacht und mit der Chips-Tüte raschelt??? Keine Ahnung, nee, der gehört nich’s zu uns, da müssen sie mal jemand anders fragen“ 😉

Demonstrationen
In den letzten Tagen wurde wieder gegen die Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert in Berlin. Beobachter sprechen davon, dass das nicht mehr die heterogene Menge war, wie letztes Jahr, sondern ein verbitterter, gewaltbereiter Kern, der aus dem halben Bundesgebiet herangekarrt wurde. Zum einen ein bisschen beruhigend weil es so wenige waren, zum Anderen aber verstörend, weil diese Typen unberechenbar sind. Die Demo war verboten. Ich muss zurückdenken, als die ersten Demos genau vor einem Jahr in Berlin stattfanden. Bei einer Demo war ich ja selber als Beobachter dort und habe mir mal ein Bild gemacht

Rückblick August 2020:

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Impfen
Das Impfen erhitzt die Gemüter, ganz besonders, die Diskussionen, ob geimpfte Menschen eher weitere Vorteile oder nichtgeimpfte Bürger eher Nachteile bekommen. Nichtgeimpfte Menschen von Restaurants und Veranstaltungen auszuschließen finde ich affig. Ich bin dafür, dass die Tests für Erwachsene irgendwann kostenpflichtig werden, dann wird sich das der Ein oder Andere noch mal überlegen, wenn man vor dem Kneipen-Besuch erst einmal 30 EUR für zwei Tests hinlatzen muss…

Die beste Nachricht der Woche erreichte mich Mitte der Woche:  Astrazeneca-Bestände werden an die internationale COVAX-Initiative abgegeben.

Das war auch längst überfällig! 

Schönen Sonntag!

<—Corona-Lektionen 93

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51) Postkarte aus Berlin (… solche und solche)

Großstädte wie Berlin sind laut, verdreckt und hässlich. Sie sind überfüllt, mit Graffiti beschmiert, das wenige Grün ist plattgelatscht und Beton überwiegt überall. Da ist was dran. Im ersten Halbjahr 2021 war ich auf meinen Corona-Freigängen mehr im Kiez unterwegs und habe aus dem Fenster geschaut. Aber eher zeitversetzt, wenn noch nicht so viele Menschen unterwegs waren. Und wenn man da etwas wählerischer hinschaut, lassen sich da durchaus schöne Bilder einfangen. 

Wer hier öfter mal auf’m Blog vorbeischaut, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich eine Schwäche für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge habe. Warum? Weiß nicht. Vielleicht weil sie jedes Mal anders sind. Mit ihnen beginnt und endet der Tag, wenn man Glück hat und auch hinschaut, auf of recht beeindruckende Weise.


Und die Natur versucht die Stadt zurückzuerobern. Da streifen Füchse über die Höfe, Blütenteppiche auf dem Gehweg lassen eine Indische Hochzeit in der Nachbarschaft vermuten und das knappe Budget für die Grünflächen-Pflege lässt Wildwiesen entstehen. Hat ja auch was.

Selbst im Winter war Berlin recht ansehnlich. Zumindest so lange Schnee lag oder man allein unterwegs war. Gelben Schnee sollte man trotzdem nicht essen und die Schnee-Engel-Figur macht man besser nicht gerade an der Häuserwand.

Aber wenn ihr jetzt denkt, „Ohhhh  … das ist es aber nett dort, da fahren wir doch glatt mal hin … “ lasst es besser sein. Bleibt zu Hause.

Kommt bloß nich‘ her 😉

218) Corona-Lektionen 93

Wir gehen in die letzte Ferien-Woche, die Ferien in Bayern und Baden Württemberg fangen gerade erst einmal an. Ausgewählte Clubs in Berlin dürfen im Rahmen eines Pilot-Projekts öffnen, im  Nachbarbezirk Friedrichshain/Kreuzberg geht die Inzidenz wieder auf die 45 zu. Mhm.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Dienstreisen
Letzte Woche stand ich noch auf dem Eiffelturm. Um da hoch zu kommen, mussten wir Sicherheitsschleusen passieren. Rucksäcke, Taschen wurde durchleuchtet, die Besucher auch. Eigentlich ein völlig banaler Vorgang, aber Erinnerungen blitzen kurz auf. Das letzte Mal, dass ich so eine Sicherheitskontrolle passierte, war Mitte März 2020. Auf meiner letzten Dienstreise. Seitdem saß ich in keinem Flugzeug mehr. Und selbst wenn dienstliches Reisen mal wieder möglich wird, glaube ich, dass das Innerdeutsch wohl nicht mehr per Flugzeug sein wird. Na ja, hat ja auch was Positives. 

Anti-Corona-Besteck
Da wo wir über den Champs-Elysées gebummelt sind, gab es schon wieder Demonstrationen gegen die dortigen Corona-Regeln. Laut ARD liegt die 7-Tage-Inzidenz in Frankreich bei 214, etwa 47% der Franzosen sind vollständig geimpft. Da wundert es mich nicht, dass die Regierung da die Maßnahmen verschärft. In Paris stehen zwar überall Desinfektionsspender, das Tragen von Masken in der Bahn ist Pflicht (allerdings nur das dünne OP-Modell) und es drohen Strafen von 135 EUR wenn man es nicht tut. Allerdings, als ich gesehen habe, wie eng die Menschen in den Restaurants am Mont Saint Michel aufeinander hockten, da wurde mir schon ganz anders. Aber wir müssen da gar nicht so sehr auf die Nachbarn schauen. 52% Impf-Quote in Deutschland sind auch nicht so üppig. Das sind ca. 40 Millionen Bürger. Wenn man mal für den Moment ca. 13 Millionen Kinder unter 18 Jahre abzieht, bleiben immer noch 27 Mio Erwachsene (33%), die noch keinen Impfschutz haben. Weil sie noch nicht dran waren oder nicht wollen. Und da bin ich gedanklich eher bei der STIKO. Bevor die Kids nun den Arm hinhalten sollen, um eine bessere Impf-Quote zu erreichen, müssten erst einmal um Ü18-Segment die Hausaufgaben gemacht werden. Denn wenn Kids anscheinend wenig anfällig für das Virus sind und Erwachsene „durchgeimpft“ sein würden, dann wäre es doch eher egal, ob die Kids dann immer noch Überträger bleiben. 

Rückkehr
Und da jede Reise mal ein Ende hat, wartet irgendwann die Rückkehr. Während wir letzte Woche noch frei über Grenzen fuhren, ist 3G ab heute nun Pflicht und deutlich mehr Kontrollen sind angekündigt, egal ob man mit Bahn, Flugzeug oder Auto einreist. Aber da war noch ein anderer Aspekt, der unsere Rückreise anders machet als „früher“. Als ich die Wohnung betrat und die Taschen fallen ließ, stand ich quasi schon direkt wieder im Büro. Grmpf. Da musste ich erst einmal schlucken. Das Höhlen-Office ist ja auch noch da. Welcome back.

An alle die, die jetzt erst in die Ferien fahren: Genießt es.

<—Corona-Lektionen 92

–> Corona-Lektionen 94

216) Orange Netze, mystisch, sonderbar

In den letzten Wochen fallen mir in der Gegend immer mehr orange Netze auf, die eine frischgegossene Beton-Platte umrahmen. Was hat es damit auf sich? Nirgends ein Hinweis, keine Informationen wie sonst hier in Großschildistan.

Also bleibt nur Spekulation …

  • Entstehen da neue Arbeitsplätze, die man für die vierte Corona-Welle mieten kann, wenn es im Homeoffice wieder zu eng wird?
  • Oder werden da bald Mini-Townhouses gebaut, um der Berliner Wohnungsknappheit zu begegnen? Etagenbetten? Schlafregale?
  • Hat Berlin den Zuschlag für die Winter-Olympiade bekommen? Sind das Fangnetze für  Langläufer? Biathlon? Super-G?
  • Sind das neue Beerdigungskonzepte? Mal etwas ausgefallenen? Sogenanntes Near-Funeral? Böse, böse …
  • Vielleicht haben unsere Verkehrsplaner wieder mal eine neue Idee, was sie uns als Mobilitätskonzept verkaufen können? Kommen dort Mülltonnen hin, wo man endlich die E-Roller reinwerfen kann oder gibt es da künftig Skates oder Hoverboards zum Ausleihen?
  • Ist da möglicherweise eine Verschwörung im Gange? Ein Softwarekonzern oder eine dunkle Macht, die unsere Kinder aufessen will? Soll es ja schon alles gegeben haben.
  • Oder kommen da sogar Impf-Automaten hin? Vielleicht Checkpoints, die die nächsten Ausgangsbeschränkungen überwachen sollen?
  • Sind das etwa Landeplätze für unsere künftigen Drohnen, die die Brut zum Fußball und Tanzunterricht fliegen und auf dem Rückweg ein Koscher-Bio-Vegan-Regio-Schrot-Brot mitbringen?
  • Aber umso mehr ich drüber nachdenke, kommt mir da so eine Vermutung. Vermutlich steckt der große Online-Händler dahinter. Der hat einfach keinen Bock mehr, die Treppen zu laufen und schmeißt die Fracht irgendwann in große Schränke. Oder die Chinesen schicken ihre Päckchen gleich in diesen Schränken zu uns übers Meer, da muss man hier nicht mehr mühsam umpacken. Das scheint mir sehr schlau.

Und die Kunden können dann abends von Schrank zu Schrank irren und sich ihre Päckchen zusammensammeln.

Großartige Innovation …

Oder habt ihr eine Idee was das werden soll???

213) Mit Zettel und Stift 4

Eine Großstadt bietet genug Fläche, Meinungen oder Bedürfnisse kundzutun. Im Falle von Berlin läuft das häufig noch über Zettelwirtschaft. Immerhin findet man so noch Beachtung, während man im digitalen Dorf schnell verschüttgeht bzw. einen fäkalen Sturm vom Zaun bricht.

Hier ein paar Fundstücke aus den letzten 6 Monaten:

Es beginnt zunächst etwas covidistisch. Schönes Wortspiel eigentlich, allerdings in seiner Anspielung völlig an den Haaren herbeigezogen und überzogen. Trotzdem lichte ich es hier mal ab, als Dokument der Zeitgeschichte sozusagen.

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Die nächsten 3 Bilder illustrieren wunderbar, was man sich mittlerweile so alles einfallen lassen muss, um in der Innenstadt eine Wohnung zu kriegen. Der eine meint, er legt einfach einen Tausi auf den Tisch und dann klappt das schon. Die junge Familie kann nur 500 berappen und designed daher ein Bilderbuch. Die drei Studenten haben gar keine Kohle und versuchen es mit Daten-Striptease.

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Wer noch einen kleinen Raum frei hat, könnte neben einem Studenten auch einen Keramik-Ofen aufnehmen. Wenn er es schlau anstellt, könnte er mit der freigesetzten Hitze noch Sauna oder Pizza anbieten.

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Bei der folgenden Nachricht, habe ich mir ausgemalt, was da wohl für ein Ehekrach ablief. Ein Carsten stellt eine „doofe Lampe“ auf die Straße und die Birgit kriegt am nächsten Tag einen Tobsuchtsanfall. Oder war es vielleicht andersrum? Allerdings müssen sie wohl etwas mehr aufrufen als 15 EUR, denn die Preise ziehen hier extrem an. Siehe oben.

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Zu guter Letzt noch etwas Politik, wie immer kurz und knapp aber gut 😉

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<— Mit Zettel und Stift 1

<— Mit Zettel und Stift 2

<— Mit Zettel und Stift 3