67) Blitz-Post aus Frankreich

Heute hatte ich einen Brief von der République Française im Briefkasten. Der Brief war schwer und sah sehr offiziell aus. Oh, Oh. Wenn man nach dem Urlaub solche Post aus dem Urlaubsland bekommt, heißt das meist nichts Gutes.

Sofort erinnerte ich mich an die vielen Blitzer, die entlang der Land-und Nationalstraßen standen. Ich war mir eigentlich sicher, alle rechtzeitig entdeckt zu haben. Aber nun ja. Bei 2.500 Kilometern im Land ist das doch eigentlich eine gute Leistung. Well spotted mein Lieber! Augen und Reaktionsvermögen sind intakt!

Also nahm ich es eher locker, zerlegte den Brief in seine Teile und dokumentierte meine User Experience.

1) Ein zweiseitiger grüner Bogen informierte mich in perfektem Deutsch über meinen Verstoß. Ortsangaben, KFZ-Daten, Geschwindigkeit und Typ-Bezeichnung des Kontrollgeräts.

Im unteren Teil wurden drei Optionen gelistet, welches Bußgeld ich gerne zahlen möchte.

  • Betrag 45 EUR wenn ich es innerhalb 46 Tagen zahle
  • Betrag 68 EUR wenn ich es zwischen 47 und 76 Tagen zahle
  • Betrag 180 EUR wenn ich erst nach 76 Tagen zahle

Oh, das ist aber nett, immerhin habe ich die Wahl!

2) Bei einem weiteren zweiseitigen Bogen in orange, ging es um die eigentliche Zahlungsabwicklung

Auch hier zeigt sich die französische Behörde sehr kundenorientiert:

  • Per Bankkarte
  • Per Smartphone
  • Per Überweisung
  • Vor Ort in einem Tabakgeschäft —> eigentlich mein Favorit, wenn ich ehrlich bin 😉
  • Vor Ort in einem Schalter der öffentlichen Finanzen —> ach nee, danke, lieber nicht

Ansonsten viel Kleingedrucktes und ein Papier-Überweisungsträger auf der Rückseite.

3) Und dann noch ein blauer Bogen, auch zweiseitig. Hier konnte ich Befreiung von der Zahlung beantragen, und zwar aus folgenden Gründen …

  • Wegen Diebstahl, Beseitigung, Entwendung oder Veräußerung
  • Wegen Verleihung oder Vermietung
  • Anderer Grund

Den Grund: „C’est une banalité“ suchte ich vergebens.

Und nun zur Auflösung:

Ich bin 97 km/h auf einer 90-er Strecke gefahren, veranschlagt wurden 92 km/h, also 2 km/h drüber. Bußgeld: 45 EUR … recht happig, oder?

Aber ich nehme es positiv. Für die 45 EUR kriegt man auch eine Menge geboten. Sechs Seiten Papier mit hohem Farbanteil, sehr gutes Deutsch, digitale Zahlungsmethoden, viele QR-Codes zum Zeitvertreib, ein farbiges Emblem und sogar einen Rückumschlag. Das ist doch mal gar nicht so schlecht oder? Allerdings möchte ich anregen, dass ich für diesen Preis auch gern ein Foto für unser Urlaubsalbum hätte. Und dass der Rückumschlag doch künftig bitte frankiert sein sollte, dann könnte ich den noch für andere Zwecke nutzen. Alles in allem ein „User Satisfaction Index“ von 84,44% würde ich sagen, da gibt es also durchaus noch „Room for Improvement“, oder?

Aber jetzt, wo ich hier fasst fertig bin … da fällt mir doch glatt …  ein kleingedrucktes Datum … unter der Typ-Bezeichnung des Messgeräts auf. Da steht: „Datum der letzten Überprüfung: 04/02/2021“. Hah! Anfechtbar! Formfehler! Gerät nicht geeicht! Wahrscheinlich war ich müde und bin sogar nur 85 km/h gefahren und dieser blöde Apparat hat irgendeinen Unsinn gemessen.

Soll ich Widerspruch einlegen? Soll ich es wagen? Soll ich … na ?

Aber, ich warte mal lieber noch, vielleicht kommen ja noch mehr solcher dicker Briefe in den nächsten Tagen … ;-), da lege ich mich jetzt mal besser nicht mit „La Grande Nation“ an.

192) Atlas, wat das?

Ab und zu fällt mir mal mein Auto-Atlas in die Hände. Das stolze Werk steht im Seitenfach der Fahrertür und wartet dort auf den Fall der Fälle. „Atlas? Wat das?“ mögen die jungen Erdenbürger fragen. Ich versuche mich mal an einer Rezension

Features:

  • 2,1 kg, Hard Cover (scheiße schwer)
  • Farbdruck, 1.232 Seiten Papier (… ja Papier … wirklich)
  • 2 Lesebändchen (heute würde man wohl „Bookmarks“ oder „Favorites“ sagen)
  • „Touren-Planer auf CD-Rom für PC“ (das sind die komischen Scheiben, die eure Alten im Regal stehen haben)

Content:

  • Reisekarten, Durchfahrtspläne für Europa
  • Innenstadtpläne, Planungskarten
  • Entfernungstabellen, Hotel-und Restaurantverzeichnis
  • Verkehrsregel pro Land, KfZ-Kennzeichen
  • Erste Hilfe, Pannenhilfe, Fremdwörter
  • Ortsregister
  • PS: manchen Autobahnen fehlen noch

User Experience:

  • Entweder man arbeitet sich durch 70 Seiten Ortsregister oder man blättert „free style“ zum Ziel. Ihr wisst ja hoffentlich noch, Polen ist rechts von zu Hause, Frankreich ist links, Dänemark ist oben, Österreich unten. Von da kommt man dann ganz gut weiter.
  • Auf jeden Fall braucht man gute Augen, wenn man sein Reiseziel finden will. Und man kann nur hoffen, dass es nicht direkt im Knick zwischen zwei Seiten liegt. So wie „Oberi         lbach“ in Bayern oder „Frie         gen“ in Westfalen. Wenn dann noch Kekskrümel im Knick liegen, wird es fast unmöglich.
  • Zoomen funktioniert da noch nicht. Zumindest nicht mit den Fingern. Entweder man hält sich das Buch direkt vor die Nase oder man senkt den Kopf über das Buch, bis man Druckfarbe riechen kann.
  • Wischen und Swipen geht nur bedingt, man kann sich aber anhand von kleinen Zahlen an den Seitenrändern orientieren und „blättern“. Man sollte aber vorher Daumen und Zeigefinger in die eigene Viren-Gusche halten und ordentlich befeuchten.
  • Sprachsteuerung? Fehlanzeige. Auto-Korrektur, Auto-Updates und Auto-Backup gibt’s noch nicht, dafür aber eine Auto-Versicherung auf Seite 6 und eine Auto-Vermietung auf Seite 123
  • Siri, Alexa, Cortana … könnt ihr vergessen … nix da

Fun Factor:

  • Der/die/das Beifahrer_*-In mit dem Ding navigieren lassen und dann seinen/ihren/dessen Ansag_Innen vertrauen und folgen
  • Die Route halten, wenn er/sie/es dann doch bei 80km/h auf Dänemarks Landstraßen eingeschlafen ist
  • Nachtfahrten, wenn man die Abfahrt Genua gerade verpasst hat und die Fähre in 10 Minuten erreichen muss.

Und nun, was mache ich nun damit? Wegschmeißen? Anzünden? Ins Museum bringen?

Ach … ich glaube ich lege das Ding wieder ins Seitenfach der Fahrertür.
Nur für den Fall der Fälle

60) Auto-Innenreinigung

Da ich noch die Ehre habe, dass Innere der Familienkutsche selber reinigen zu dürfen, läuft dieses Spektakel jedes Mal ähnlich ab.

Zunächst muss ich Dampf ablassen:

  • Haben diese Auto-Designer eigentlich selber Kinder? Und waren sie jemals mit ihnen auf der Autobahn? Oder am Meer, oder im Wald unterwegs? Wie kann man sich nur so eine dämliche Innenausstattung ausdenken? Ich meine Teppiche am Boden! Polster auf den Sitzen!
  • Und wenn sie Kinder haben, verdienen vermutlich soviel Schotter, dass sie ihr Auto ständig zur Innenreinigung weggeben können? Oder kriegen sie einfach alle 6 Monate eine neue Karre gestellt und die verdreckte Schüssel wird nach Afrika verschifft?
  • Und wer hat eigentlich den Kindern erlaubt, hinten Salzstangen zu knabbern, Schokolade zu essen oder Kaugummi zu kauen? Und die ganzen Ü-Eier? Und die Fußballkarten? Wo kommen die her? Vorsicht, das könnte nach hinten losgehen 😉

Nachdem diese Schuldfragen nun angesprochen sind, folgen dann die etwas konstruktiveren Überlegungen:

  • Warum müssen Autos mit Teppich ausgelegt sein? Kann man die Bodenplatte nicht fliesen, mit Laminat auslegen? Oder eine Auffangeinrichtung wie beim Toaster vorsehen, die man rausziehen kann. Oder die Karosserie gleich auf ein Rost montieren? So könnten die Krümel durchfallen und man könnte mit einem Hochdruck-Reiniger ran.
  • Warum bauen sie allmöglichen High-Tech Schnick Schnack in die Karren rein, so dass es permanent piept und gongt? Aber sie kriegen es seit Beginn der seriellen Autofertigung nicht gebacken, mit dem Dreck der Reisenden umzugehen.
  • Warum gibt‘s Saug- und Wischroboter, Fenster-Putzgeräte für den Haushalt, aber nicht fürs Auto? Wieso sind manch andere Automaten im Auto sogar schon wieder ausgestorben (man denke an CD-Wechsler) und wir krauchen immer noch kopfüber unter die Polster und fluchen über die zu breite Staubsauger-Düse!

Liebe Auto-Industrie, bevor ihr euch an den selbstfahrenden Autos die Zähne ausbeißt, löst doch bitte erst einmal dieses Problem. Oder glaubt ihr etwa ich putze das Auto, während es autonom über die Autobahn fliegt?

Andere Nervigkeiten zum Thema Auto:

 

50) Autobahn

Die Ferien sind zu Ende Leute, ab geht‘s nach Hause! Ab auf die Autobahn. So fahren wir da hin und ich denke mir meinen Teil.

  • Ein großes Schild am Straßenrand gratuliert dem Raser des Monats. Erster Platz zwar, aber tot. Von hinten kommt ein Bolide mit Lichthupe angeflogen. Es scheint, als wollte da noch jemand auf‘s Treppchen.
    Ich mach’ ihm mal Platz
  • Wir haben Durst und halten an einer Tanke. Ein Sprudel-Wasser, ein Wasser mit Apfelgeschmack und ein Kaffee zum mitnehmen. Macht dann 10,27 EUR.
    Ist ja ein Schnäppchen. Vielen Dank auch
  • An einer Baustelle werden gigantische Landmassen bewegt. Hier türmen sie Abfahrten, Auffahrten und riesige Erdwälle auf. Alles sieht sehr künstlich aus, als wäre es mit der Maurerkelle erschaffen oder mit einem Laser planiert.
    Der Architekt war bestimmt schon als Kind ein Meister im Sandburgen-Bauen.
  • Unzählige Windräder säumen die Strecke. Kleine und große. Wahnsinn wie viele das mittlerweile sind. Kaum möglich ein Landschafts-Foto zu machen, ohne ein Windrad drauf zu haben.
    Irgendwann sieht das Land aus wie ein riesiger Käseigel
  • Wir fahren in die nächste Baustelle ein. Rechts tuckeln LWK einer nach dem anderen, links gibt es noch eine schmale Spur für den restlichen Verkehr. Ich fahre links und überhole. Neben den Trucks steigt der Puls und die Hände werden feucht.
    Hoffentlich haben die Driver ihre Hände am Lenkrad
  • Rechts zieht ein Rastplatz an uns vorbei. Alles ist NATO-grün dort und militärisches Gerät steht herum. Die Bundeswehr macht wohl eine Bewegungsfahrt oder ist auf dem Weg zu einer Übung. „Coooooooool“, tönt es hinter mir.
    Also Kids, früher, also ich noch Kind war … da war … ach egal …
  • Ein Kombi vor uns hat eine Dachbox und vier Fahrräder geladen. All das Zeug wackelt bedrohlich im Fahrtwind. Satteltaschen und anderes Equipment schlackert umher und sucht die Freiheit
    Na hoffentlich fliegt mir jetzt keine Klingel durch die Scheibe.
  • Ich greife mir die durchgeschüttelte Wasserflasche, klemme sie mir zwischen die Beine und drehe den Verschluss auf. Zisch … alles gut gegangen, Hose noch trocken. Nach ein paar Schluck will ich die Flasche wieder verschließen. Gar nicht so einfach … na …, wirst du wohl … klick, klack macht’s. Und der Deckel verschwindet im Fußraum.
    Na Großartig
  • Wir steuern den nächsten Rastplatz mit WC an. Wieder so ein Metall-Klo, deren Türen man besser nur mit dem Knie öffnet. Aber auch hier läuft alles in Camouflage herum. Eine Kolonne mit Raketenwerfern stoppt zum Massen-Pissen. Das erste Mal in meinem Leben erlebe ich eine lange Schlange am Herren-Klo. Der Sohn wählt einen Busch. Bei den Damen ist alles frei.
    Ich fordere einen höheren Frauenanteil in der Bundeswehr!

Endlich zurück zu Hause.
Oaaahhhh, und wer macht jetzt die ganzen Mücken da weg?

Präventives Geständnis zur Vorbeugung eines Shit Storms:

Ja, es war ein Kaffee zum Mitnehmen. Mit Plastik-Deckel. Und Plastik-Rührstäbchen. Und die Wasserflasche war aus PET. Und ja, Individualverkehr ist doof. Wir wissen auch von der Nitratbelastung durch übermäßige Gülle auf den Feldern und versprechen Besserung. Und Armeen sind natürlich auch nicht „cool“.

21) Postkarte aus Kopenhagen

Die Hauptstadt Dänemarks stand schon länger auf der Liste der Kurzreisen. Nun gab es mal Gelegenheit für einen Wochenend-Tripp. Wie so üblich bei meinen Postkarten, geht es hier weniger um die bekannten Touristen-Attraktionen (die findet ihr bei der gängigen Suchmaschine), sondern eher um Skurrilitäten und Beobachtungen.

Taler du dansk?

Als Deutschsprachiger hat man es in Kopenhagen sehr einfach. Auch wenn man hier überall Englisch spricht, ist das meistens gar nicht nötig. Insbesondere bei den geschriebenen Wörtern, macht es echt Freude sie zu entziffern. Noch irgendwelche Frægen?

img_6291

Kunst, Architektur und Egon Olsen

Kopenhagen bietet viel Kunst und Kultur. Da wären Oper, Theater und Street-Art in Christiana. Aber auch Aktionskunst, wie diese Debattier-Sauna hier. Moderne Architektur wechselt sich mit nordisch-rotem Klinker-Bau ab. Bei manchen Häusern glaubt man, jeden Moment auf die Olsen-Bande zu treffen. Aber das passiert nur bei uns im Kopf. In Kopenhagen konnte ich nicht mal im Souvenir-Laden irgendwelche Spuren von den drei sympathischen Kleinkriminellen finden. Auch das Wort „Politi“ war nur selten im Stadtbild zu sehen. Sehr angenehm.

img_6285

Fahrrad und Verkehr

Kopenhagen zählt sich zu den fahrradfreundlichsten Städten der Welt. Das kann ich nur bestätigen, am ersten Tag waren wir noch zu Fuß unterwegs, am zweiten Tag größtenteils per Rad. Da kann unsere Hauptstadt noch eine Menge lernen. Der Fahrrad-Verkehr läuft in einem eigenen System ab, breite und glatte Radwege stehen zur Verfügung, die meistens sind vom Straßenverkehr und Fußverkehr entkoppelt . Und die Radler halten sich sogar an Ampeln! Berlin? Mal sehen, wie sich die vielen Räder gegen die neue Konkurrenz der vielen E-Roller behauptet.

img_6289

Kreuzfahrt

Im Norden der Innenstadt legen die dicken Pötte an. Schwimmende Luxus-Hotels bringen täglich neues Gäste in die Stadt. Viele aus Fernost, aber auch unsere Landsleute sind kaum zu überhören. Bereitgestellte Busse bringen die Besucher zur kleinen Meerjungfrau in der Nähe und dann später in die Altstadt. Währenddessen kommen Versorgungs-LKW, die den Gästen neues Bier, Klo-Papier, Handtücher und braunen Zucker für den Caipi bringen. Prost.

img_6353

Altstadt, Hafen und Schlösser

Kopenhagen hat eine schöne Altstadt, einen alten Hafen, aber auch Parks, Burgen, Brunnen und Schlösser. Und die Stadt wächst weiterhin. Es werden neue Gebiete am Hafen geschaffen und sogar neue Schlösser kommen täglich dazu. Und nur weil hier mehr Schlösser verkauft werden, heißt es noch lange nicht, dass man sich dort unsicher fühlt. Dänen zählen zu den glücklichsten Menschen der Welt!

img_6260

War wirklich nett hier.

Alle de bedste fra København!

Frühere Postkarten gibt es hier: Postkarten

 

29) Acoustic Vehicle Alerting System

Neulich mussten wir mit den Kids eine Tiefgarage zu Fuß über die Ausfahrt verlassen. Das ist auch gar kein Drama, wenn man die Augen und Ohren offen hält. Gesagt, getan. Wir laufen wir also im Entenmarsch die Ausfahrt schräg hinauf in Richtung Schranke.

Leise nehmen meine Ohren ein Motorgeräusch wahr und ich rufe nach vorn: „Kinder’s, da kommt bald ein Auto. Lauft mal noch die paar Meter hoch und dann wartet ihr rechts neben der Schranke“. Aber ich fühle etwas direkt hinter mir und drehe mich um. Ein kleiner Elektro-Flitzer ist mir schon auf den Fersen. Wo kommt der denn auf einmal her?

Gestern las ich in der Zeitung über sogenannte Acoustic Vehicle Alerting Systems (AVAS). Also akustische Systeme, die das wegfallende Motor-Geräusch der E-Autos in den langsamen Geschwindigkeiten ersetzen sollen. Klingt vernünftig. Es gibt ein paar Vorgaben an die Hersteller, aber ansonsten setzt man auf Kreativität und Erfindergeist der Ingenieure und Sound-Tüftler.

Vielleicht wird es also ein sonores Brummen, ein Schnurren, Gluckern oder eher ein Pfeifen?

Oder aber sie machen sogar ein Business draus? Ich kann es schon hören:

  • Bei Volvo läuft ABBA, bei Renault trällert Charles Aznavour und bei Dodge hört man die US-Amerikanische National-Hymne
  • Über das AVAS der Mietwagen-Anbieter und Car-Sharing-Dienstleister schallt Werbung auf die Straße, die Fahrt wird dann noch billiger, wenn der Sound auch nach innen strahlt
  • Aus den Elektro-Mobilen des Ordnungsamts, werden die lokal geltenden Park-Bestimmungen, Tarife und Ordnungsstrafen vorgelesen
  • Junge Fahranfänger dürfen sich über eine App einen ganz eigenen Sound komponieren, Passanten können das Motor-Ersatz-Geräusch dann auch gern like‘n.
  • Filmfreaks können Zitate aus Blockbustern verwenden. Manchmal droht also der Terminator mit „I‘ll be back“, Rocky ruft immer noch nach seiner „Adrian“ und E.T. will nun wirklich langsam mal „nach Haus.“
    Manche Zitate stehen natürlich auf dem Index. Ist auch besser so.

Noch andere Vorschläge für diesen Patchwork-Klangteppich zur Elektromobilität?

Frühere Beiträge zur neuen Mobilität:

43) Gurtwarner

Dieses kräftige Rot, gehört nicht dem Hintern eines Pavians, sondern dem Gurtschloss unserer Familien-Kutsche. Auf der Fahrerseite blöderweise. Seit ein paar Wochen, macht es mit einer Verhaltensstörung aufmerksam.

Es denunziert mich als gurtfaulen Fahrer an die Zentraleinheit, welche wiederum das zentrale Gong-System befehligt, dauerhaften Alarm zu schlagen. Anfänglich reichten da noch ein paar sanfte Schläge auf den Kopf des Schlosses, nun aber entwickelte sich diese Macke aber zur Dauererkrankung. Es benötigt dringend Behandlung.

  • Erste Idee: Blick ins Bordbuch, passende Sicherung suchen und einfach rausziehen. Ich bin alt genug, ich brauche keine Bimmel, die mich permanent an den Gurt erinnert. Fehlanzeige: Keine bestimmte Sicherung für den Gurtwarner zu finden.
  • Zweite Idee: Suche im Inhaltsverzeichnis im Buchstabenbereich „G“ wie „Gurt“. Ich finde die Überschrift „Gurtwarner deaktivieren“. Großartig, das muss es sein! Fehlanzeige: „Zur Deaktivierung des Gurtwarners bitte Fachwerkstatt aufsuchen“ steht dort geschrieben.
  • Dritte Idee: Im Urlaubs-Ort finden wir eine typenoffene Werkstatt, ich spreche dort vor. „Tach’chen, könnt ihr euch die Tage mal bitte meinen Gurtwarner anschauen, der treibt mich zur Weißglut. Können Sie auch gern ausbauen oder abschalten. Brauche ich nicht“.
    Fehlanzeige. „Den dürfen wir nicht ausbauen oder abschalten, wir können ihn aber gern tauschen“.
  • Vierte Idee: Na gut dann halt Tauschen. „Von mir aus, dann am besten aber in den nächsten zwei Wochen, ich kann die Karre gern mal ein paar Tage hier stehen lassen. Ich habe ja Urlaub.“ Fehlanzeige: „Den nächsten Termin kann ich ihnen in drei Wochen anbieten.“
  • Fünfte Idee: Eine kleiner Werbezettel liegt seit Tagen bei der Handbremse. Wenn ich den jetzt einfach ein wenig falte … und … mit der Schnalle ins Schloss … stecke, dann könnte doch vielleicht … Volltreffer: Es herrscht wieder Ruhe auf der Brücke!

Warum zum Geier, müssen sich erwachsene und erfahrene Auto-Fahrer von einem Gong nerven lassen? Ich schnalle mich doch an, Mann! Ich weiß, dass dieser Strick mein Leben rettet. Und wenn ich mich mal nicht anschnalle, dann hat das verdammt noch mal einen guten Grund. Welcher Bürokrat hat sich da nur wieder selbst verwirklicht? Es herrscht doch Gurtpflicht in Deutschland, warum muss man das noch mit einem Dauergong untermalen? Hat da jemand einen Schwager bei der Gurtwarner und Gong-Systeme GmbH?

Frühere Beiträge zur Auto & Co:

19) Postkarte aus LOS

Eine Postkarte aus LOS? Was soll das denn sein? Hat wohl für Los Angeles nicht gereicht, oder? Korrekt, für einen halbtägigen Samstags-Ausflug ist Los Angeles einfach zu weit weg. Außerdem kann man da nicht so schön paddeln, wie im Südwesten unserer armen aber sexy Hauptstadt. LOS steht in unseren Breitengraden für das Kfz-Kennzeichen des Landkreises Oder Spree. Die Berliner und Brandenburger sind sehr kreativ und nicht gerade zimperlich wenn es darum geht, den Kfz-Kennzeichen der Nachbarkreise eine deftige Bedeutung zu verpassen:

  • So wirft man den Autofahrern des Landkreises Oder-Havel (OHV) gerne vor, „ohne Hirn und Verstand“ zu fahren. Nun ja …  was soll ich sagen …  ganz von der Hand weisen kann ich …, aber egal.
  • Der Landkreis Dame Spree (LDS) hatte irgendwie mehr Glück. Hier kann man wählen, was einem besser gefällt. Entweder „Land der Schönen“ oder „Land der Sonne“. Wenn man sich selber nicht zu den Schönen zählt, kann man über die Sonne wieder viel an Attraktivität gutmachen.
  • Im Landkreis Telto-Fläming (TF) dagegen, sind  angeblich besonders viele Tiefflieger unterwegs. Ich weiß nicht, ob das wohl eher geistig oder auto-mobil gemeint ist.
  • Den Landkreis Oder-Spree (LOS) hat es aber noch härter getroffen. Man hat ihm gleich zwei depressive Bedeutungen verpasst, vielleicht sogar mehr. Die beiden, die ich kenne sind frei von Interpretation. Man spricht von „Land ohne Sonne“ oder auch von „Leben ohne Sinn“.

Wie schlimm muss es dort zugehen? Keine Sonne? Kein Sinn?
Gestern war Sonne und es ergab verdammt viel Sinn, aber schaut selbst.

 

img_5625

img_5666

img_5651

img_5664

 

PS: Liebe Grüße von den Kapverden, die haben wir gerade links passiert haben. Nein, nicht mit dem Paddel-Boot 😉

6501EE15-9936-4A1C-9D00-FE8B8EBCCDC9

13) Postkarte vom Taj Mahal

Gestern ging es für uns nach Agra. Die Stadt an sich ist in Europa wohl weniger bekannt, aber seine Hauptsehenswürdigkeit, das Taj Mahal, kennt wohl jeder. Für mich war es nicht der erste Besuch dort, doch gab es auch diesmal wieder neue Eindrücke von der wohl dekadentesten Begräbnisstätte ever. Aber links und rechts davon gab es auch ein paar Skurrilitäten zu sehen.

Der Fahrer holte uns 07:00 Uhr am Morgen vor dem Hotel in Delhi ab. Die Familie stieg hinten ein, ich vorne. In meiner Erinnerung waren es gute 200 km nach Agra, zudem gibt es ja mittlerweile den neuen Yamuna-Express-Highway. Also ging ich von ca. 2,5 Stunden Fahrzeit aus. Wir fuhren also auf den Highway, der Fahrer beschleunigte aber nur zaghaft. Er zeigte auf einen Aufkleber an der Frontscheibe direkt vor mir. „This car is limited to 80 km/h“ oder so ähnlich stand da in Spiegelschrift geschrieben. Er sagte „Good speed“ und grinste. Na großartig! Ich, der ja grundsätzlich ein Problem mit dem „Nichtstun“ hat, sitze nun bei 80 km/h auf einem kaum befahrenen indischen Highway und bin zur Entschleunigung verdonnert. Also betrachtete ich Bauern, Felder, Hütten, Büffel, Ziegeleien und versuchte mich in Small Talk. Gegen 11:00 Uhr in Agra angekommen besuchten wir das Grabmal von Mogul Akbar. Anschließend des Agra-Fort und als Höhepunkt natürlich das Taj Mahal.

79F7D225-7594-4330-A542-B64401449A5D

2017 wurde es wohl frisch geputzt. Eigentlich übernahm das bislang immer der Monsun, aber der fiel in den letzten Jahren immer dünner aus. Also musste man manuell ran. Arbeitskräfte dafür gibt es genug.

Die Sicherheitskontrollen vor dem Taj sind streng, die Mitnahme von diversen Gegenständen ist verboten. So will Indien sein knapp 400 Jahre altes Bauwerk schützen. Hoffentlich geht das auf Dauer gut. Auf der Welt gibt es genug Idioten, denen solch ein Prachtbau islamischer Prägung ein Dorn im Auge ist. Aber das Taj ist auch in der Neuzeit angekommen. An bestimmen Ecken gibt es WLAN, auch eine App kann man sich herunterladen.

4EBE3E56-C36F-46D1-A57F-1A0EDE3E4DD1

Ansonsten läuft Agra auf ein heftiges Verkehrsproblem zu. Die Stadt bietet wenig Platz für Metro oder Sky-Train. Agra verstopft an allen Ecken. Besonders an den beiden Brücken über den Yamuna River geht nichts voran. Für eine Fahrt zwischen zwei Sights haben wir 50 Minuten gebraucht.

3EB9B602-9153-4A03-A769-D8B6C7B153CE

Aber die Stadt hat eine große Vision. Sie steht auf ein Schild geschrieben, ist aber noch zurückhaltend an einen Baum gelehnt. Agra will eine „Smart City“ werden. Noch ist aber „Work In Progress“. Ehrlich habe ich aber noch nicht viel von „Progress“ gesehen.

182E28FA-21F3-4274-BAFE-4585D095DAC0

Kurz vor 18:00 Uhr traten wir die Heimfahrt an. Mindestens 3 Stunden, würde ich mir nun die andere Seite der Autobahn anschauen müssen. Aber so langweilig wurde es dann doch nicht. Sturm, heftige Gewitter und Platzregen begleiteten uns fast die ganze Zeit. Die Sicht war sehr bescheiden. Also klebte ich mit dem Gesicht an der Frontscheibe, um wilde Tiere, Fußgänger und Geisterfahrer zu entdecken. Von den Trucks erwartete ich jederzeit herunterfallene Eisenstangen, Zementsäcke oder Plastik-Planen. Und in dem Moment war ich eigentlich ganz froh, dass wir nur 80 km/h fahren durften … 😉

B91DFA7D-D9CB-485B-955F-E576899F489C

 

Frühere Postkarten aus Indien:

36) Park-App

Bargeldlos, Papierlos und Stressfrei – so wirbt die Park-App selbstbewusst und eingänglich. Allein diese drei Wörter lassen nur Gutes verheißen. Seitdem die Kids ein Taschengeld bekommen, habe ich kein Kleingeld mehr. Auf Papier-Tickets und Zettelwirtschaft kann ich auch sehr gern verzichten. Und wenn jemand verspricht, er könne mir etwas Stress abnehmen, würde ich sofort nachfragen, wo ich denn unterschreiben solle. 

Bei der Park-App musste ich hingegen gar nichts unterschreiben, sondern nur ein paar Buttons auf dem Bildschirm meines Telefons drücken. Ruckzuck war die App heruntergeladen, begrüßte mich umgehend und fragte ein paar Parameter ab. Das Land in dem ich zu parken gedenke, mein Einverständnis zu deren AGB und die Zustimmung zur Positionsbestimmung über mein Handy zum Beispiel. 

Währenddessen fragte ich mich, wovon die App eigentlich finanziert wird. Die Stadtkasse lebt bestimmt auch ganz gut von dem Geld, was zwar in die Automaten hineingeworfen, aber nicht „abgeparkt“ wurde. Ist eine Party also öde, sucht man schnell das Weite. Der Park-Automat zahlt aber nichts zurück. So, und da die Park-App ja angeblich sekundengenau abrechnet, kann es diese Überschüsse ja nun nicht mehr geben. Kurz darauf informierte aber die App, dass pro Parkvorgang 0,25 EUR berechnet würden. Aha. Damit war das nun auch beantwortet. Aber reicht das denn aus? Solch ein kleiner Betrag? Aber gut, warum eigentlich nicht. Die App is ja nun entwickelt, kostet nicht mehr viel Geld und die Umsätze werden irgendwie elektronisch an die städtischen Parkzonen-Bewirtschafter überwiesen. Viel Personal wird dafür vermutlich nicht benötigt. 

Erst kürzlich ergab sich uns die Gelegenheit, die App endlich einmal auszuprobieren. Wir waren zu einem Familiengeburtstag eingeladen und in der Gegend dort wimmelt es nur so von Mitarbeitern des Ordnungsamts. Also starteten wir vor dem Hauseingang die App, tippten auf „Parkvorgang starten“ und entschwanden in den Hausflur. Zwischen Kaffee, Kuchen und sprudelndem Getränk für die Erwachsenen, warf ich mehrmals einen Blick auf die Park-App. Sie war immer noch online und zählte Minuten und Sekunden vorwärts. Herrlich. Nie wieder dreckige Automaten anfassen, nie wieder hinuntergehen und Münzen nachwerfen, nie wieder zu viel Geld bezahlen. Das ist doch echt fair. 

Nach gut zwei Stunden verabschiedeten wir uns wieder. Die Party war zwar nicht öde, aber wir hatten noch andere Pläne. Später am Abend, auf der heimischen Couch, entsperrte ich mein Handy, um zu sehen, ob es irgendwelche Neuigkeiten aus der großen, weiten Welt gibt. Gab es nicht. Aber die Park-App … die lief noch und zählte eifrig vorwärts. Misst! 10,95 EUR waren bereits aufgelaufen. Für gut zwei Stunden Familiengeburtstag. In einem Wohngebiet. 

Na großartig. Nun weiß ich wenigstens, warum den Betreibern die 0,25 EUR pro Vorgang ausreichen.

Frühere Beiträge zu Parken, Apps und Kleingeld: