362) Mega-Multi-Meta-Factor

Wer kennt das nicht? Da sitzt du am Computer oder Tablet, willst schnell etwas bestellen oder einfach nur deine Millionen von links nach rechts schieben und dann …. eilst durch die Bude … weil auf dem Handy eine SMS samt PIN angekommen ist. Deine Daumenspitze für eine Freigabe verlangt wird. Oder von der Kreditkarte eine dreistellige Nummer abzutippen ist, die du dir einfach nicht merken kannst. Risikofaktor, Angstfaktor, Erfolgsfaktor, Nervfaktor … Zweifaktor, Multifaktor.

Na immerhin bleibt man bei dem Online-Gedöns immer schön in Bewegung. Aber mal sehen, wo das mal noch hinführt.

Irgendwann muss man dann wohl …

  • Speichelprobe auf den Homebutton geben
  • Haarspitzen und Hautschuppe scannen
  • Real-time-Foto vom Muttermal an Po-Backe machen
  • Polizeiliches Führungszeugnis uploaden
  • Bürgschaft vom Arbeitgeber beilegen
  • Post-Ident-Verfahren durchlaufen
  • Unbedenklichgkeitsbescheinigung vom Vermieter anfordern
  • Vertrauensbeweis des Ehegatten einreichen (das wird nicht leicht … 😉 )

… nur um eine Toner-Kartusche zu bestellen oder ein Bahnticket zu buchen.

Man o Man.

Willkommen bei der Mega-Multi-Meta-Factor-Authentication!

PS: Beim Thema Home Button, fällt mir meine Beitragsreihe Smartvid wieder ein.
Kurz nach Auftauchen des Corona-Virus spekulierte ich, ob nicht vielleicht die verkeimten Smart Phones die Ursache des Schlamassels sein könnten. Ick‘ weiß ja … Eigenlob stinkt … trotzdem jut.

Hier gern noch mal der Reihe nach lesen:

359) Die neue Auto-App

Das Urlaubs-Auto war voll gestopft mit Elektronik, ständig bimmelte, gongte und leuchtete etwas und verlangte meine Aufmerksamkeit. Vorbei die Zeit von „Aufschließen, Einsteigen, Anmachen, Losfahren.“ Was die heute alles so an Elektronik in die Autos packen … meine Güte.

Wo das wohl mal noch hinführen wird:

  • Atlas unterm Sitz ist out, macht die Navi-App
  • Schlüssel braucht man nicht, übernimmt die Finger-Print-App
  • Kleingeld in der Mittelkonsole unnötig, macht die Park-App
  • Tankloch bald überflüssig, läuft über Volt-App
  • Türgriffe nicht aerodynamisch, also Private-Key-App
  • Sanifair-Bons fliegen im Auto rum, ab in die Wallet-App
  • Rückspiegel machen das Auto breit, also Kamera-App
  • Innenbeleuchtung teuer, nun Taschenlampen-App
  • Sani-Kasten kostet Geld und läuft ab, besser Health-App
  • Armaturenbrett muss man putzen, Armaturen-App
  • Lenkrad völlig überbewertet, wischen über Wheel-App
  • Motorgeräusche gibts nicht mehr, geht mit Vintage-Sounds-App
  • Frontscheibe teuer, nun also Windows-App, stürzt hoffentlich nicht ab
  • Reiseproviant vergammelt schnell, also besser Apple und Cookies mitnehmen

Irgendwann besteht das ganze Auto nur noch aus Apps, dann baut man keine Elektronik mehr in die Autos rein, man schraubt einfach vier Räder an eine App. Die Auto-App. Aber immerhin darf ich noch selber „fahren“ 😉

Und all das braucht Strom …
.. ach herrje …
… Spielverderber!

PS: Also ich muss mich jetzt ja mal selber loben … das mit Windows, Apple und Cookies … ist schon genial und verdient APPlaus.

340) Analoges Reisen

Heute will ich einen Gedanken aufnehmen, den Reiner >hier kürzlich aus Malaysia geschickt hat und den wir hier fast zeitgleich auf Korsika diskutiert hatten.

Es geht darum, wie sehr all die digitalen Helferlein das Reisen beeinflussen. Positiv und Negativ.

Natürlich will ich das Navi nicht missen, ein digitales Wörterbuch ist auch Klasse und wenn ich im Wiki ein paar Daten zu einer Stadt oder Sehenswürdigkeit finde, ist das doch grossartig. In Supermärkten sind alle Preise ausgeschildert, man muss nicht mehr nach ihnen fragen. Auf der Packung sind Fotos abgebildet, ein Fehlkauf fast ausgeschlossen. Man zahlt mit VISA oder mit den EUR-Scheinen, die man zu Hause aus dem Automaten gezogen hat. Das Navi spricht deutsch, die Restaurant-Kritik kommt in Form von Sternen daher, zum Frühstück höre ich Verkehrsfunk aus der Bundeshauptstadt, Tagesschau gibts per Mediathek und den Rest erledigt die Datenkrake. Alles großartige Erfindungen, selbst das Bloggen auf der französischen Terrasse und die Bio-Pistazien „Thai Style“ zu meiner Linken.

Aber man muss schon aufpassen, dass man ein Land noch erlebt. Daher bringe ich heute drei Erlebnisse , die ich wohl mit einem Handy bzw voriger Online-Recherche nie erlebt hätte.

  1. Mitte der 90-er Jahre in Tarifa (Südspanien), kurzer Ausflug über die Grenze nach Gibraltar (britisch). Geld zu wechseln halten wir für übertrieben, wir wollen ja nicht lange bleiben. Nur einmal den Affenfelsen hinauffahren und dann wieder runter zurück nach Spanien. Gesagt getan, fahren wir also die enge Bergstraße bergauf und stehen irgendwann vor einer Schranke mit Kassenhäuschen. Shit! Kein Geld. Die Schranke blieb unten und hinter uns folgten immer mehr Autos. Gehupe. Geschimpfe. Emotionen. Aber die Schranke bewegte sich nicht. Unseren Vorschlag ans dortige Personal, uns wenigstens erst einmal aufs Gelände zu lassen, um die Straße freizumachen wurde abgelehnt. Also blieb irgendwann nur eins: Eindrucksvolle Dreipunkt-Wendung am Abgrund, einer rennt die Straße wieder runter und warnt den nachrückenden Verkehr, der andere fährt die Einbahnstraße entgegengesetzt wieder herab. Mit Licht. Großes Kino, liebe Kinder.
  2. Frühe 2000-er Jahre. Wir sind dabei, Havanna mit dem Mietwagen schweißgebadet zu verlassen und suchen die A1, Kubas einzige Autobahn nach Osten. Oder besser Schnellstraße. Die Beschilderung ist saumäßig bzw. gar nicht existent. Wir navigieren mit Kompass, Sonne und Karte und verfransen uns immer wieder. Wir sind allein auf der Straße, also wende ich einfach da wo es geht. Ein Motorrad-Polizist fand das aber gar nicht witzig und stoppte uns. Er trug eine verspiegelte Sonnenbrille, hielt die Hand auf dem Holster und mir einen Vortrag auf Spanisch. Was tun?  Dumm stellen und nerven. Also kramte ich mein Reise-Spanisch hervor und reduzierte es noch einmal zu einem dummen „Donde A uno?“, „Donde A uno?“  Ich wollte auf keinen Fall vernehmungsfähig klingen. Es hat geklappt, der Typ wies uns den Weg und lies uns in Ruhe.
  3. Mitte der 2000-er Jahre. Ich mache eine Männer-Tour mit meinem Busen-Kumpel J. ins Verdon-Tal. Mutig melden wir uns bei einer Canyoning-Tour an. Bisschen Planschen, Rutschen, wird wohl ganz nett werden. Dass ich am Ende in einer Felswand hänge und eine Abseilstrecke von 50 Metern mache und dabei 300 Meter tief auf die Stadt Moustier blicke während mir von oben der Wasserfall auf die Schädelplatte drömmelt, nee, das hätte ich mit ausgiebiger Online-Recherche niemals getan. Nie. Nie. Nie. 

Tja, liebe Kinder und genau deshalb sollte man das Telefon einfach ab und zu mal in der Unterkunft liegen lassen, dann müsste ich mir jetzt auch keinen Kopf machen, wie ich es nun wieder trocken kriege 😉

Und wer mal so echt virtuell verreisen mag, der kann ja mal hier anfangen zu lesen, wie sich mein Alter Ego Noah so anstellt

—> Reisen 6.0 – Teil 1 und dann die weiteren jeweils am Ende verlinkt 😉

78) App in den Urlaub

Bastia Airport, Samstag 21:30, Warteschlange vor dem Mietwagenanbieter mit den markigen Sprüchen. Es sind nur sechs Väter vor mir, es sollte also zügig gehen. Nach und nach betreten die französischen Daddys die Vermietungsbaracke, das Einzige was an flüssiger Abfertigung hindert, ist die südfranzösische Arbeitsteilung. Zwei Mädels bearbeiten Kunden, die zwei anderen sind einfach „nur da“ und daddeln auf ihren Telefonen. Sorry … Klischee … ich weiß … aber ein Bisschen ist was dran 😉 Aber kein Grund zur Aufregung, ich bin ja im Urlaub.

Bei den beiden Teutonen vor mir dauerte es schon mal deutlich länger, Kopfschütteln, Achselzucken, Armrudern, Ehefrau und Freundin am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Oh je, bestimmt Stress mit der Kreditkarte. Kann mir nicht passieren, denn ich habe alles schon bezahlt, habe alle Daten online erfasst, incl Führerschein etc. Ich bin ja ein Schlauer, mag es gar nicht, unvorbereitet zu sein.

Eine halbe Stunde später wurde ich mit dem Stammhalter in den Container gewunken. Der eine Teutone fluchte immernoch und diskutierte mit der Dame am Counter nebenan. Bei uns ging es zunächst recht flott. Buchung war da, Auto war da. „Siehst’de mal mein Sohn, alles kein Problem, wenn man alles im Griff hat.“

„Sir, there should now a notification arrive on your phone. You just need to approve it. Not a payment, just a deposit in case of any damage.“ Na ja und den weiteren Verlauf könnt ihr euch ja denken. Nüscht kam an und ich war nun der Teutonen-Clown der den weiteren Daddys hinter mir weiche Knie und Angstschweiß verursachte. Sackgasse. Alle Banking-Apps gescheckt, alle PIN-TAN-APP-Geschichten die man so hat. Nüscht. Die letzte Rettung war die VISA-Karte unserer Ministerin für Inneres, Familie und Soziales, wobei ich wenig Hoffnung hatte, denn die Karte ist vom gleichen Kreditinstitut. Aber diese Karte funktionierte anstandslos. „Wie hast du das gemacht?“ fragte ich. „Keine Ahnung, da kam halt so `ne Meldung, habe ich bestätigt“. 

Ah ja.

Und nun der ärgerliche Teil, den ich noch mit dem Kutschenvermieter diskutieren will. Um die Karte der Ministerin für Inneres, Familie und Soziales zu akzeptieren, musste sie als zweiter Fahrer hinterlegt werden, wobei sie zwar durchaus fahren kann, aber gar nicht fahren wollte. Und dieses Eintragen eines zweiten Fahrers kostet mal eben 190,— Mäuse.

Und das alles, weil …

  1. Ich das Auto schon vorher vollständig bezahlt habe
  2. Es sich nur um eine Kaution handelte, für den Fall eines Kratzers
  3. Und es doch eigentlich scheißegal sein sollte, welche Kreditkarte als Sicherheit hinterlegt wird. Warum muss die Kreditkarte denn anwesend sein?

Na bloß gut, dass die Ministerin ihren Führer:Innen-schein dabei hatte.

Auflösung: Heute Morgen vor dem Frühstück, checkte ich die Einstellungen meiner Banking-App und sah dort zwei hinterlegte mobile Geräte für Zahlungsfreigaben. Mein Handy und mein Tablet. Ja, so soll es auch sein. Ich bin gern flexibel. Leider stand das Tablet ganz oben, mit dem kleinen Hinweis, dass immer das Gerät für Zahlungsfreigaben genutzt wird, was zuletzt im Banking aktiv war.

Merde! 

77) Handy-Tausch

Es gibt da so zwei Angelegenheiten, die ich äußerst gern auf die lange Bank schiebe. Der Besuch beim >Zahnarzt und einen Handy-Tausch. Müsste ich zwischen beiden wählen, würde ich sogar den Zahnarztbesuch bevorzugen. Und das will was schon was heißen.

Ein neues Telefon musste her. Denn der Ersatz-Akku machte schon wieder schlapp und mein Gerät steht auf der Liste der demnächst aussterbenden Betriebssysteme des weltweit größten Apfel-Produzenten.

Dann lieber jetzt agieren, statt später unter Druck reagieren. Tolle Weisheit. Aber allein die Gerätewahl war schon mal eine Herausforderung. Denn wenn ich schon keine Klinkenstecker-Buchse mehr für Kopfhörer kriege, dann hätte ich wenigstens gern noch einen Home-Button zum Anfassen.

Seitdem das Ding vor zwei Wochen hübsch verpackt ankam, habe ich einen großen Bogen drum gemacht. „Früher“, als die Mobil-Telefone noch „un-smart“ waren, da war es mir eine Freude, solche Dinger in Betrieb zu nehmen. Auspacken, Aufladen, SIM-Karte wechseln, Klingel-Ton auswählen. Fertig.

Heute, da solltest du dir am besten ein ganzes Wochenende für das „Migrationsprojekt“ blocken. Im Ideal-Fall noch einen zweiten IT-Project-Manager anstellen und einen Dieselgenerator besorgen, falls der Strom ausfällt. Eine digital-versierte Pubi-Ressource ist auch zu empfehlen und sollte man dann noch eine Ehefrau (.. oder gleichwertig) zur Hand haben, die dieses Vorhaben erst kürzlich überstanden hat, sollte man ihre Ratschläge auch annehmen. Neben der Liste der Passwörter, empfehle ich noch eine Liste der Schimpfwörter und Flüche bereitzuhalten. Diese sollte nicht zu knapp bemessen sein, wenn man ohne Wiederholungen auskommen will.

Denn wer glaubt, man macht mal eben schnell ein Back Up und dann legt man die beiden Geräte über Nacht nebeneinander, damit die sich gegenseitig digital befruchten, der hat sich geschnitten.

Samstag Mittag war ich noch ganz zuversichtlich, denn es stand die Meldung „Voraussichtliche Dauer: 1 Stunde“ auf dem Gerät. Sonntag 14:00 war ich fertig. Nun habe ich mich nicht durchgehend damit beschäftigt, aber es dauert halt `ne Weile bis Musik, Daten, Apps, Pins, TANs, Phushs, Impfzertifikate, Hörbücher, Fotos, Kontakte, Mitgliedschaften, Kommunikations-Kanäle, Kilometer-Zähler etc. wieder hergestellt sind.

Luxusprobleme…

Andere Beiträge zum Thema ;-):

299) Zustimmung erforderlich

In den letzten Tagen flogen mir Briefe von Banken und anderen Instituten ins Haus.

Zusammengefasst:
Bislang war es möglich, … „Änderungen von Vertragsunterlagen sowie Entgeltanpassungen nach einer Frist von zwei Monaten ab Bekanntgabe wirksam werden“ zu lassen. „Gemäß dem Urteil des BGH vom 27.04.2021 mit dem Aktenzeichen XI ZR 26/20 ist für die Wirksamkeit von Änderungen …. Ihre ausdrückliche Zustimmung erforderlich“.

Ich kann „der Änderung“ nun per QR-Code, per Online-Banking oder per Post zustimmen. Also Kamera an, QR-Code knipsen, bestätigen, erledigt. „Vielen Dank für Ihre Zustimmung“.

Keine Ahnung was ich da gerade bestätigt habe. Haben wir jetzt die Wohnung verpfändet? Wurde das Ersparte 1:1 in Rubel umgetauscht? Wurde die Altersversorgung in Gas-Bezugsscheine gewandelt? Sind die Kinder verkauft? Who knows.

Die Spaßkasse macht es etwas „intensiver“. Die Aufforderung erfolgt auch per Post, man kann das aber „mit wenigen Klicks im Online-Banking“ machen, man muss sich aber vorher 130 Seiten PDF durchlesen … oder … zumindest mal anklicken … und im Download-Ordner entsorgen.

Digga, wann soll ich ernsthaft 130 Seiten AGB lesen? Da hat sich wieder irgendein Anleger-oder Verbraucherverein durch die europäischen Instanzen geklagt, das Zustimmungs-oder Verweigerungsrecht liegt nun beim Verbraucher. Eine echte Erfolgsstory! Und ich soll nun 130 Seiten lesen … vielleicht noch über meinen Tintenstrahler ausdrucken und mir unters Kopfkissen legen? Na vielen Dank auch.

  • Wenn ich es überfliege, verstehe ich kaum ein Wort.
  • Wenn ich es durcharbeite, kann ich eh nichts dran ändern.
  • Wenn ich es ablehne, lösen die den Vertrag auf.
  • Wenn ich zustimme, kann ich mich wieder anderen Dingen widmen.

Dann also Klick.

„Wir freuen uns auf eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit!“

Kann man eigentlich eine Einzugsermächtigung für Zustimmungen hinterlegen??

Frühere Beiträge rund ums Banking:

148) Corona-Lektionen 52

Morgen beende ich meine 34. Woche im Voll-Home Office, gleichzeitig die erste Woche des neuen Teil-Lock Downs. Nix besonderes eigentlich, machen andere auch. Trotzdem warten ein paar Gedanken auf schriftliche Fixierung.

Corona-Maßnahmen
Die sind, wie sie sind. Könnt ihr woanders nachlesen. Auch wenn ich diese Regeln ernst nehme, nervt mich kolossal, dass wir das alles lesen sollen. Wir müssen uns nun Z.B. informieren, in welcher Straße Berlins der Schnuten-Pulli verpflichtend ist. Wäre das nicht mal ein interessantes Feature für die Corona-App? Selbst die große Daten-Krake mit G* hat zwar ein Corona-Layer in seiner Map, aber die färbt ganz Berlin nur orange ein, statt mir zu sagen, wo ich nun eine Maske tragen sollte, um keinen Ärger zu kriegen. 

Karten
Und überhaupt habe ich den Eindruck, ich glotze nur noch auf Karten. Auf die Johns-Hopkins World Map, RKI-Map Deutschland, Corona-Map Berlin. Die Maps, die ich mir im Job anschaue. Den Regen-Radar. Nun noch die Map zur US-Wahl. Und eigentlich auch ganz gern die WordPress-Map, die mir anzeigt, wo auf der Welt meine Leser sitzen. Ich war noch nie so wenig unterwegs wie dieses Jahr, habe aber mehr Bundesländer, Bundesstaaten und Landstriche der Welt kennengelernt wie je zuvor. Ich strebe eine 1+ in Geographie oder die Saal-Wette bei „Wetten Das“ an.

Und sonst so?
Die jüngsten Ereignisse in Nizza, Paris und Wien stimmen mich nachdenklich. So etwas könnte in Berlin jederzeit auch wieder passieren. Gab’s ja schon, Diese Bilder zeigen aber auch, dass wir neben diesem beschissenem Virus noch ganz andere Dinge zu meistern haben. Von Ökologie, Migration, Digitalisierung, Arbeitsmarkt etc mal ganz zu schweigen. Man mag ja schnell auf die „da oben“ schimpfen, die aktuell das Sagen haben, aber wirklich tauschen möchte ich mit denen auch nicht.

In diesem Sinne … machen wir das Beste draus und tragen zur Beruhigung der Lage bei.
Grüße aus der Hauptstadt

<— Corona-Lektionen 51

—> Corona-Lektionen 53

16) New Work – Teil 7

Fortsetzung …

Gong: „Noah, es ist 07:55 Uhr“, spricht es aus der Zimmer-Decke. „Das geplante Meeting 08:00 Uhr ist abgesagt, stattdessen spricht der CEO zu den Mitarbeitern. Man erwartet pünktliche Teilnahme via Holo-Con.“

Noah räumt schnell noch ein paar persönliche Dinge aus dem Weg, denn wenn der CEO zu ihm spricht, sollte es doch halbwegs ordentlich aussehen in seiner Micro-Flat.

Gong: „Noah, die Holo-Con beginnt in T minus 5, 4, 3, 2, 1.“  Wie aus dem Nichts baut sich der CEO in seiner kleinen Wohnung auf und beginnt seine Ansprache. „Liebe Mitarbeitenden“, „lieber … Noah … “, personalisierte man sein Anliegen mit eingeschobener Roboter-Stimme. Unternehmensberatungen rieten jüngst zu dieser Form der individualisierten Ansprache.

„Ungewöhnliche Zeiten erfordern drastische Maßnahmen“, setzte er fort. „Die Entwicklung der Geschäftszahlen seit Beginn der Pandemie, mache radikale Veränderungen notwendig“, schlussfolgerte er und begann die Kernpunkte zusammenzufassen:

  1. Ab sofort werde das Arbeitsverhältnis derer, die seit Mitte März nicht mehr in der Firma waren, vollständig virtualisiert. Wer seither nicht wirklich vor Ort gebraucht wurde, soll künftig nur noch „off-site“ arbeiten. Circa 95% der Büro-Flächen werden abgestoßen.
  2. Für den Fall, dass Human-Ressourcen einen Bedarf an persönlichem Kontakt verspüren sollten, wurden entsprechende Verträge mit Shared Working Spaces verhandelt, die diskreten Aufenthalt bei guter Infrastruktur anbieten.
  3. Sozialleistungen werden auf ein Minimum heruntergefahren. Eine ausgewogene Ernährung und sportliche Betätigung wurden als weiterhin förderungswert eingestuft und können über die bekannten Fast Food-und Fitness-Ketten abgerufen werden. Auch hier wurden entsprechende Kontingente verhandelt.
  4. Bisherige Arbeits- und Tarifverträge seien nichtig. Künftig werden Arbeitspakete ausgeschrieben, interessierte Mitarbeitende können sie online ersteigern. Der Download der Arbeit, die zeitgerechte Erbringung, die Bewertung, die Vergütung und Abführung der Steuer und SV-Beiträge laufe künftig „on demand“, auf Stunden-Basis, abgewickelt über eine App.
  5. Die Zuordnung der Human-Ressourcen zu Führungskräften ist damit hinfällig, letztlich ist über das Arbeitspaket definiert, was zu leisten ist. Es wird eine Führungsspanne von „0“ angestrebt. Der Begriff „Arbeitnehmer“ wird fortan nicht mehr genutzt, konsequenterweise ist auch eine „Arbeitnehmervertretung“ obsolet.
  6. Jegliche Hardware und sonstige in Nutzung befindliche Ausstattung ist binnen 48 Stunden zurückzuschicken. Basierend auf früheren BYOD-Konzepten, wird eine UYOD-Device-Policy eingeführt. Mitarbeitende, die künftig Arbeitspakete downloaden wollen, nutzen nur noch eigene Hardware.

Nach den ersten 6 Kernpunkten schweifen Noahs Gedanken ab. Der CEO spricht zwar weiterhin, unterstreicht seine Nachrichten mit großer Gestik. Aber Noah hört nicht mehr wirklich zu.

„ …und deshalb sind wir überzeugt, dass wir mit diesen Maßnahmen die Weichen für die Zukunft des Unternehmens gestellt haben und laden sie ein, uns dabei zu begleiten. Eine „Almost Manless Company“ bringt zwar auch einige Herausforderungen mit sich, aber Börsenanalysten bestätigen uns für diesen Weg“.

Gong. „Ende der Nachricht.“

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<— Zum Teil 6

122) Corona-Lektionen 33

Kaum waren die Kids mal wieder in der Schule, sind sie nun schon wieder zurück daheim. „Juhu, Ferien!“. Juhu. Ja. Juhu. Ich starte in die 16. Woche Homeoffice ohne Aussicht auf nur eine einzige Dienstreise. Wer hätte gedacht, dass mir das mal fehlen könnte.

Am Wochenende ist mir aufgefallen, dass ich nun schon seit 10. März keinem Menschen außerhalb des Inner Circle die Hand gegeben habe. Nicht mal in der Familie eigentlich, denn wir begrüßen uns ja schließen nicht per Handschlag. Zeit, heute mal etwas darüber nachzudenken, denn es gibt ja eigentlich verschiedene Anlässe in unserem Kulturkreis, bei denen man sich üblicherweise die Pranke reicht.

Begrüßung

In der westlichen Welt vollkommen normal und sogar schon seit dem römischen Reich eine etablierte Form, den Gegenüber zu begrüßen. Zumindest, wenn man ihn etwas längere Zeit nicht gesehen hat. Da gibt es den kräftigen warmen Händedruck, aber auch die labberige feuchte Variante. Auf Partys tat man sich auch schon vor Corona leichter. Man trat in den Raum sagte einfach … „Hallo ich bin der Jürgen und mach‘ mal so hier…“. Dabei ruderte man mit beiden Armen. Und das machte der Jürgen nicht, weil er Angst vor Viren hatte, sondern weil er sich die ganzen Namen eh nicht merken konnte. Oder wollte. In der Kneipe ging‘s auch ganz gut, da konnte man einfach auf den Tisch klopfen. Man sollte nur wissen, welche Tische im Lokal zum Freundeskreis des Einladenden gehörten.

Handshake

Im Sport und auf der Straße, hatten sich zusätzlich noch saloppe Handshakes entwickelt. Fußballer klatschten sich vor und nach dem Spiel ab, Volleyballer feierten so jeden erzielten Punkt. Und auch Schwimmer reichten dem Gegner die nassen Flosse über die rot-weiße Schwimmleine. In meiner Kindheit war es sogar sehr trendy, ein gewisses Handshake-Ritual zu zelebrieren. Mehrere Grifftechniken folgten synchron in festgelegter Reihenfolge und dann war man cool. Keine Ahnung wie man das heute machen soll, aber nur mit dem Arsch zu wackeln oder sich die Ellbogen zu reiben ist jedenfalls mega uncool.

Vereinbarung

Und der Handschlag ist immer auch noch ein etabliertes Zeichen einer erzielten Vereinbarung. Selbst wenn der „Deal“ nirgendwo heruntergeschrieben ist, ist uns ein Handschlag mehr wert als nur ein „Ja ja, mache ich schon, kannst dich drauf verlassen“. Wie kriegen wir diese Verbindlichkeit ohne Handschlag jemals zurück in unseren Alltag.  Sollen wir nun immer einen persönlichen Notar mit uns führen?

Fazit

Ich bin gespannt wie das weitergeht. Wird der Handschlag in unserer Kultur für immer verblassen? Und was kommt dann? Eine japanische Verbeugung oder selbst ein indisches Namaste!  mit gefalteten Händen scheinen hier doch undenkbar. Tragen wir künftig eine dritte Hand mit uns? Montiert auf einem Handshake-Stick? Oder unterm Mantel wie bei „Fantomas gegen Interpol“? Ziehen wir uns einen Gummi-Handschuh drüber, sollten wir mal das Bedürfnis haben, eine fremde Hand zu schütteln?

Aber ich glaube, ich habe mir die Frage schon selber beantwortet.
Wir entwickelten einfach eine App.
Die macht das dann.
Appgemacht

Grüße aus Berlin
T.

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—> Corona-Lektionen 34

68) Handy-Zombies

Habe ich nicht erst vor einem Jahr über all die Handy-Nacken geschrieben, die man im Alltag antrifft? Mir Gedanken gemacht, was man wohl alles für Apps erfinden könnte? Ja, habe ich und zwar hier —> Handy-Nacken und Ampelmann (lesenswert wie ich finde 😉

Aber nun, ein Jahr später, sind wir bereits ein Level weiter:

Mir fällt zunehmend auf, dass am Sonntag immer mehr Menschen im Stadtpark unterwegs sind, die nur noch auf ihre Handys glotzen. Nein, ich meine nicht einzelne Geo-Caching-Daddys im Wolfskin-Parker, die mit ihren Kids ein   Abenteuer in der Großstadt erleben wollen. Ich meine mehrere Dutzend Menschen, locker an die Hundert, die allesamt irgendwie dort „abgesetzt“ wirken, um etwas zu suchen. Mit dem Handy. Sie laufen zu zweit als Pärchen oder im Trupp mit anderen, glotzen aufs Display und brabbeln kurze Kommandos. Manche haben zwei Geräte in der Hand. Was machen die da?

  • Ist es eine Art Schnitzeljagd, ein Flash Mob, ein Gruppen-Geo-Caching, eine Partner-Vermittlung oder gar ein Swinger-Club auf Exkursion?
  • Und warum gehen die in den Park? Sie schauen doch eh nur auf ihr Handy. Würden sie ihren Event in einer Tiefgarage oder Lagerhalle abhalten, käme es aufs Gleiche raus.
  • Sind die auf Rezept hier? Manche sehen so aus, als hätte man ihnen Tageslicht und regelmäßige Bewegung per Rezept verordnet.
  • Werden unter den Wegen bald Induktionsspulen verlegt, damit die Gäste permanent ihre Telefone aufladen können?
  • Und was ist mit den Laternen und Mülltonnen, werden die demnächst mit Gummi verkleidet, damit diese Entdecker nicht dagegen laufen und sich verletzen?
  • Und wenn ich doch nur in der Lage wäre, Push Nachrichten an alle diese Freaks zu schreiben? Das wäre lustig. „Fassen sie ihrem Gegenüber an die Nase und drehen sie mal kräftig dran“.

Ich erwarte jeden Moment Michael Jackson aus der Hecke springen zu sehen, wie ihr zu Thriller einleitet und die Zombies zum Gleichschritt animiert. Aber das war wohl nur so ein Flashback aus alten (…analogen) Zeiten.

Ach Michael, wenn du wüsstest was hier abgeht …