61) Handwerk Analog

Wenn man in Deutschland von Digitalisierung spricht, geht es häufig um die Infrastruktur. Fehlende Highspeed-Leitungen, Funk-Antennen und ähnliches. Man hört von Mittelständlern auf dem Lande, die einmal am Tag zu irgendeinem Hotspot fahren, nur um die elektronische Post zu erledigen. Gruselig.

Das wird sich irgendwann ändern.
ABER: Hardware, Kabel und Highspeed ist das eine. Worum es mir hier heute geht, ist die Digital-Kultur, besonders in der Dienstleistung, noch spezieller im Handwerk.

Versucht mal, in Berlin einen Handwerker per e-mail zu erreichen. Warum per e-mail? Na weil ich tagsüber schlecht telefonieren kann. Weil ich am Freitag Nachmittag nicht vor verschlossenen Türen stehen will. Weil Handwerksfirmen ihre e-mail-Adresse auf deren Homepages und Autos schreiben. Darum.

  • Im September habe ich einen Polsterer angeschrieben, mein Problem geschildert und Fotos beigefügt. Ich habe nur um ein Statement gebeten, ob er ein solche Reparatur übernimmt, bevor ich samt Möbelstück zu ihm fahre. Bis heute, Januar, nichts gehört.
  • Im November dann eine e-mail an eine Gas-Wasser-Heizungs-Firma. Wieder mit Problembeschreibung und Fotos. Tagelang hat niemand reagiert. Darauf hin rief ich dann an und bekam eine typisch Berliner Antwort: „Watt, per e-mail? Also dafüa ham‘wa keene Zeit“. Na danke auch.
  • Vor ein paar Tagen wieder per e-mail an eine Schlosserei. Keine Antwort. Nach Tagen ging ich dann vorbei und verwies auf meine e-mail. Nichts. Nicht mal ein, „Oh, tut mir Leid, ist irgendwie untergegangen“, oder so. Anschließend war ich an diesem Tag drei mal dort, um irgendwelche Maße und Fotos vorbeizubringen. Das war die längste Mittagspause der letzten Monate. Immerhin etwas.

Vielleicht habe ich einfach nur Pech gehabt und woanders läuft das besser. Tut es das? Es braucht mehr als nur Antennen und Netze! Es braucht eine grundlegende Digital-Kompetenz (… und ich rede aktuell ja nur von e-mail …).

Zusätzlich braucht es eine digitale Service-Attitüde und dazu gehört mehr, als sich bei t-online eine Mail-Adresse zu besorgen und eine billige Homepage aufschwatzen zu lassen.

Beim Schreiben des Beitrags, bin ich auf folgende Website gestoßen:
https://www.handwerkdigital.de

Dort thematisiert man die Digitalisierung um Handwerk.

Ein Auszug:

„… Das analoge Geschäftsmodell, hier der Verkauf und Verlegung von Fliesen und Designböden sowie der Verkauf und die Montage von Kachel- und Kaminöfen, soll mit den Möglichkeiten der digitalen Welt verknüpft werden. Beratung, Verkauf aber auch Auftragsbearbeitung und -umsetzung werden über den Einsatz von Virtual-Reality-Technologien (VR) erleichtert und verbessert, indem neue, digitale Präsentations- und Kommunikationsmöglichkeiten für den Kunden entstehen. Ein wesentliches Projektziel ist die Erweiterung der bestehenden Kundenbasis sowie die Erschließung neuer Zielgruppen, z.B. sehr technikaffine Menschen wie „Digital Natives“. Für die Auftragsbearbeitung und -umsetzung werden über eine weitestgehend medienbruchfreie Gestaltung der Prozesse ein Effizienzgewinn und eine Verbesserung der Kundenzufriedenheit angestrebt…“

Na denn strebt mal! Aber vielleicht fangt ihr erst einmal damit an, eure e-mails zu lesen?

26) Double-Deck

Ich manchen Kellern, Dachböden und Wochenend-Häusern stehen noch echte technologische Meisterstücke. Manche sind uralt und schon echt museumsreif, andere hingegen tun immernoch ihren treuen Dienst. Die sind auf keinen Fall „alt“ oder „aus einer anderen Zeit“, denn dann wären wir das ja auch.

Dazu gehört zum Beispiel das Double-Deck:

  • Es hat kein Display, man kann nicht auf ihm „wischen“ und beim Ruf nach „Alexa“ zuckt es nichtswissend die Schultern
  • Seit den 80-ern braucht es keine Updates, keine Schutzfolien, keine Backups und auch keine Ersatz-Akkus. Selbst bei aufziehenden Clouds, bleibt es gelassen und weitestgehend wartungsfrei
  • Es ist komplett offline und analog, statt Facebook-Account oder Fingerprint besitzt das Ding einen orangen Schalter, um es in Gang zu setzen
  • Hat man elektrischen Strom und etwas Äther zur Hand, entwickelt sich ein bombastischer Sound, bei der selbst der tragbare Speaker aus der Neuzeit etwas blass aussieht
  • Es bietet stolze 26 Schalter und Drehknöpfe, um das Hörvergnügen zu optimieren. Mono, Stereo, CrO2, LW, MW, Balance, Beat, Bass, Treble und so weiter machen das Ding anfassbar
  • Wem der Kasten zu grau ist, der kann ihn mit Aufklebern aus der Bravo bekleben oder mit einem Edding verzieren. Auch politische Statements machen sich immer gut darauf.
  • Die ausziehbare Antenne hat es schon vor Jahren dahingerafft, seither ermöglicht eine Gabel den Zugang zu Frühstücksradio, Hitparade und Halbzeitkonferenz.
  • Eine illegale Depeche Mode-Kassette von polnischer Herkunft und übelstem Klang im linken Deck, liess sich auf eine noch „leere Kassette“ im rechten Deck überspielen. Sogar in „High Speed“!

Im besten Falle auf eine Super Chrome II Audio 90 Minuten, Slim!!

Frühere Beiträge zum Rrrrrradio und Glotze: