39) Wie aus Luft

Gestern fühlte ich mich zeitweise, als wäre ich „Sam“ aus dem 90-er Jahre Film „Ghost“. Der jüngeren Generation wird das vielleicht nichts sagen, also ziehe ich einen weiteren Vergleich. Ich fühlte mich wie Harry Potter. Mit Unsichtbarkeitsumhang.

München, Odeonsplatz. Chaos bei der U3 und U6. Der Bahnsteig ist überfüllt, die eintreffende Bahn ebenso. Ich beschließe, auf die nächste Bahn zu warten, bringe mich und meinen Rollkoffer aber schon mal in eine bessere Position. Ich stelle mich genau dahin, wo vermutlich die Türen der nächsten Bahn sein werden, halte aber noch etwas Abstand zur Bahnsteigkante. Kaum spüre ich den Luftzug der nächsten Bahn, erscheinen plötzlich weitere Menschen und stellen sich auf die kleine Fläche vor mir. Ähm, Hallo? Ich stehe hier doch nicht zum Vergnügen! Ich muss ins Büro.

München, U6. Trotz Koffer-Handicap schaffe ich es noch in die Bahn. Festhalten brauche ich mich nicht, umfallen kann ich eh nicht. Bei einer der nächsten Stationen, wird ein Mädel gegenüber unruhig. Sie will bestimmt aussteigen und hat Angst, dass sie es nicht rechtzeitig bis zur Tür schafft, weil ich ihr den Weg versperre. Ich signalisiere ihr nickend, dass ich verstanden habe und wühle mich in Richtung Tür, um ihr Platz zu machen. Die Türen öffnen sich. Ein breiter Kerl versperrt aber den Ausgang und bewegt sich keinen Zentimeter. Nicht nur weil er über Kopfhörer Musik hört, sondern weil man ihm anscheinend das Rücksichtnahme-Gen entfernt hat. Ähm, Entschuldigung, dürfte ich mal?

München, Flughafen. Airbus 319, Platz 26E. Ich bin auf meinem Platz in der Mitte der Reihe angekommen. Eine Frau kommt dazu, setzt sich selbstsicher auf den Gangplatz neben mir. Kurz danach erscheint ein Typ, scheucht sie wieder hoch, denn er habe wohl den Platz gebucht. Ich stehe schon mal auf, um in den Gang zu treten, damit sie dann zum Fensterplatz durchrutschen kann. Sie erhebt sich auch, bleibt aber in der Fußreihe stehen und schaut mich an.  Ähm, wie soll das jetzt laufen? Soll ich durch sie durchgehen oder will die vielleicht über mich drüber krabbeln?

Berlin, Flughafen. Flugfeld Terminal C. Wir verlassen das Flugzeug und laufen zu den Bussen. Es ist wieder sehr voll. Angekommen am Terminal, öffnet der Bus die vorderen Türen. Aus dem hinteren Bereich müssen wir also alle hintereinander durch den Bus laufen, um vorn auszusteigen. Der Menge stur folgend, schupst, schiebt und drängelt es permanent hinter mir. In meinem Nacken spüren ich fremden Atem. Als hätte ich jemanden im Huckepack. Ich schaue über die Schulter und wen sehe ich hinter mir? Die Lady vom Fensterplatz. Jetzt reicht es mir aber. „Rücken Sie mir nicht so auf die Pelle, man!“  

Berlin, Bernauer Straße. Ich sitze im Taxi und denke über die Ereignisse nach. War ich wirklich in München? Oder habe ich mir das nur eingebildet? War nur mein Geist in München und mein Körper war den ganzen Tag über noch in Berlin? Oder ist das mittlerweile vielleicht sogar anders? Kommt der Geist neuerdings eher an und der Körper folgt dann später? Ich durchsuche meine Jacken-Taschen nach Beweisen. Ich finde einen Kassen-Bon vom Münchener Flughafen. Ein Helles und eine Brezel. Datiert vom 30. Januar. Es muss so gewesen sein. Ich war in München, auch wenn ich permanent ignoriert wurde. Als wäre ich aus Luft. Als existiere ich gar nicht.

Ist das ein Münchener Phänomen oder liegt es daran, dass immer mehr Menschen ernsthaft glauben, der Planet wäre exklusiv für sie geschaffen worden?

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8) Berliner Frauentag

Wer die Nachrichten in den letzten Tagen verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass Berlin einen neuen arbeitsfreien Feiertag bekommt. Den Frauentag am 8. März. Ab wann? Bereits dieses Jahr, also in sechs Wochen. Wenn es dazu eine breite Diskussion im Vorfeld gab, ist die irgendwie an mir vorbeigegangen. Liegt es vielleicht daran, dass ich kürzlich im Arabischen Raum (früherer Beitrag) unterwegs war? Dort war das keine Nachricht wert. Warum nur? In meiner Wahrnehmung kam der Entschluss des Berliner Innenausschuss erst letzten Montag aus dem Radio-Lautsprecher. Der finale Beschluss durch das Abgeordneten-Haus sei nur noch ein formaler Akt, hieß es. Aha. Und was sagt das Berliner Wahl-Vieh dazu? Hätte ich vielleicht die Wahlprogramme der Berliner Parteien gründlicher lesen sollen, so wie bereits beim Mobilitätskonzept (früherer Beitrag)? 

Aber nun ist er da, der Feiertag. Zunächst ist das natürlich im Bundesvergleich ganz nett. Gehört doch Berlin zu den Bundesländern mit den wenigsten Feiertagen. 

Trotzdem bleiben Fragen:

Kommen wir erst einmal zu Sinn und Zweck des Feiertages. In den Medien spricht man von dem „Frauentag“. Aber ist das nicht irreführend? Es geht doch gar nicht um die „Frau“ an sich, sondern um ihre Rechte, Stellung in der Gesellschaft, Nachteile in Karriere, Einkommen und Rente. Zumindest in Europa. Oder? Dann sollte der Tag aber noch ganz schnell umbenannt werden in „Tag der Frauenrechte“ oder so. Sonst erwarte ich die ersten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht, dass auch „andere“ einen arbeitsfreien Feiertag erwarten. Wäre es nicht viel zeitgemäßer, stattdessen einen gemeinsamen „Feiertag gegen Benachteiligung aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Gesundheitszustand“ usw. zu veranstalten? Natürlich muss weiterhin für die Frauenrechte gekämpft werden, ohne Frage. Da gibt es noch viel nachzuholen, nur ist Benachteiligung eben mittlerweile vielfältig und es gibt sie überall.

Nun zum Zeitpunkt. Ein gesetzlicher Feiertag soll doch zum Innehalten, zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Demonstrieren dienen. Deshalb ist er ja arbeitsfrei. Dazu ist der 8. März nun aber nicht gerade geeignet. Im besten Falle gibt es keinen Frost mehr, vermutlich regnet es den ganzen Tag. Ich bin gespannt, wie die Organisatoren diverser Veranstaltungen das Volk von Glotze, Netflix und Prime weg und an die frische Luft kriegen wollen. Ich glaube, es wird also eher ein Couch-Tag, wenn man mal ehrlich ist. Vielleicht fahren auch alle zum Shoppen nach Brandenburg. Oder es wird Wäsche gewaschen und gebügelt (im besten Falle von Männern). Aber ist das denn gerechtfertigt und dem Hintergrund des Feiertages angemessen?

Es ist aber nun mal beschlossene Sache, also haben wir ganz spontan Anfang März einen Tag frei. Praxen, Ämter, Schulen und andere Dienstleister werden geschlossen haben. Dumm für diejenigen, die einen Termin beim Zahnarzt, Standesamt oder Scheidungsanwalt haben. Die geraten nun in Hektik und müssen ein paar Telefonate führen. Ich werde heute Nachmittag auch alle Meetings für den Frauentag am 8. März absagen. Die Inder werden sich über den Hintergrund wundern, die Araber auch, aber die haben Freitags eh frei. Die merken das gar nicht. In 2020 liegt der Feiertag auf einem Sonntag, das ist also alles wieder beim Alten.

Bevor wir hier zum Ende kommen, eine Frage noch:

Erlaubt das Berliner Ladenschlussgesetz eigentlich das Öffnen von Blumen-Läden an Feiertagen? Oder gibt’s dann am 8. März lange Schlangen bei ARAL, TOTAL, SHELL und beim Späti um die Ecke?

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion.

33) Ceran-Feld

Habe ich schon einmal darüber geschrieben, dass es mich auf die Palme bringt, wenn Haushaltsgeräte oder andere Maschinen mitdenken und vermeintlich intelligent in meinen Alltag eingreifen wollen? So etwas wie piepende Geschirrspüler und Waschmaschinen? Oder etwa geistig gestörte Saugroboter? Oder das nie endende Bimmeln des Autos, wenn ich mal nicht angeschnallt bin? Ja, habe ich. Auf meiner Hitliste der nervigsten Haushaltsgeräte arbeitet sich auch unser Ceran-Feld in der Küche beharrlich nach oben. Es hat nun die Top 5 der Liste erreicht, also verdient es einen Beitrag hier in aller Öffentlichkeit. Das Kochen auf vier Flammen ist eh schon stressig genug, aber unser Ceran-Feld kann mich auf fiese Weise an den Rand eines Tobsuchtsanfalls bringen. Auf Fläche 1 blubbert ein Gemüse, auf Fläche 2 eine Beilage, auf Fläche 3 steht die Soße und wartet bereits auf ihren Einsatz. Fehlt also nur noch das Steak. Aber zunächst muss dazu ordentlich Hitze auf Fläche 4 entstehen, damit die Pfanne so richtig heiß wird. Nichts ist schlimmer, als ein Steak in einer Pfanne, die nicht heiß genug ist, oder? Nun hat sie ausreichend Temperatur, es kann losgehen. Ich warte trotzdem noch einen Moment und beobachte dabei die Küchen-Uhr. Ich will warten bis die nächsten vollen 5 Minuten erreicht sind, um beim Steakbraten nicht ständig rechnen zu müssen, wieviele Minuten, denn nun schon vergangen sind. Es ist so weit und ich lege die Steaks in die Pfanne. Sofort tut sich etwas unter dem Fleisch. Phantastisch, so muss es sein. Auf einmal aber sabbert der Topf auf Fläche 2 und spuckt etwas Wasser. Es blubbert mehr aus diesem Topf und das Ceran-Feld fängt an zu piepen. Ich kenne das Piepen schon und mein Puls steigt an. Das Piepen heisst so viel wie „irgendwo läuft etwas über und wenn du blöder Mensch das nach dem fünften Piepen nicht stoppst, schalte ich schlauer Herd mich erst einmal ab“. Ich drehe die Hitze auf Fläche 2 etwas herunter, trotzdem befindet sich nun aber Wasser auf dem Ceran-Feld. Bevor ich mir überlegen kann, wie ich das Wasser vom Glas entfernt kriege, ohne mir die Pfoten zu verbrennen, piept der Herd zum fünften Mal und schaltet sich ab. Na großartig. Man bekommt das Ceran-Feld aber nur wieder angeschaltet, wenn man alle 4 Flächen geräumt und die Flüssigkeit entfernt hat. Wo soll ich aber mal soeben vier heiße Töpfe zwischenparken? Dazu fehlt mir gerade der Platz. Das Manöver dauert zwar nur eine kurze Zeit, aber lang genug, dass die Pfanne mit den Steaks abkühlt. Nachdem das Ceran-Feld wieder zum Leben erwacht ist, versuche ich schnell wieder die alte Hitze in die Pfanne zu kriegen. Vergeblich. Die Steaks geben ihre Flüssigkeit ab und schwimmen nun darin vor sich hin. Mann, du dämliches Kochfeld! Ich wollte kein gekochtes Steak!!! Welcher schlaue Ingenieur hat sich diese bekloppte Abschaltautomatik einfallen lassen? Ich wünsche mir eine dumme Kochstelle!

Frühere Beiträge zu widerspenstigen Haushaltsgeräten:

28) Waschmaschine

Habe ich nicht erst vor kurzem über die heutige Auto-Ausstattung geschrieben, die permanent klingelt, piept und gongt? Ja, das habe ich und zwar im Beitrag „Das klingende Auto“. Das ist schon wirklich nervig, aber im Auto hat man zumindest alle Möglichkeiten in Reichweite, um das Gepiepe sofort zu stoppen. Man kann sich anschnallen, man kann langsamer fahren oder halt die Türen noch einmal schließen. Bei unseren Haushaltsgeräten aber, kann das noch viel mehr nerven und das Geräusch lässt sich eben nicht mehr in Greifnähe stoppen. Mein bester Freund ist unser Toaster. Der verrichtet sein Werk ganz leise und wirft die Brote kurz in die Höhe, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Nichts piept. Großartig. Schon etwas offensiver meldet sich unsere Mikro-Welle. Sie piept 5 mal hintereinander, um uns zu sagen, dass das Essen ausreichend bestrahlt wurde. Für meinen Bedarf schon viel zu viel Getöse. Ich frage mich, warum sie überhaupt piept, wenn sie schon gar nicht mehr heizt. Müsste sie nicht eher piepen, wenn das Zeug darin zu lang seine Runden dreht und zu heiß wird? Wenn ein Unglück droht? Ähnlich meldet sich der Geschirrspüler. Der ist üblicherweise dann fertig, wenn ich auf der Couch liege und die Nachrichten des Tages sehen will. Kaum ist der Spüli fertig, piept er 5 mal. Ich will aber nun echt nicht aufstehen, um das Piepen zu stoppen. Ich will fernsehen. Eine echte Eskalation droht, wenn ich in der Badewanne liege und meine Ruhe haben will. Mal einen Moment allein sein, gern in Gesellschaft eines Buches oder einer Zeitung. Oder einer Radiosendung. Wenn dann die Waschmaschine im Bad die Zielgerade erreicht, piept sie exakt 3 mal hintereinander. Und das Ganze in 5 Durchgängen. Warum muss ein Waschmaschine 15 mal piepen und was soll ich jetzt tun, um diesen Wahnsinn zu beenden? Soll ich aus der Wanne aussteigen, um die Maschine abzuschalten? Danach schwimmt das halbe Bad, weil ich überall das Wasser verteile. Oder ich rutsche vielleicht noch auf den Fliesen aus und schlage mir den Kopf auf. Keine gute Idee. Kann ich vielleicht mit Duschbad oder Shampoo nach der Maschine werfen? Eher unrealistisch, dass ich wirklich den Stopp-Knopf treffe. Vielleicht könnte ich jemanden aus der Familie rufen? Gute Idee, dumm nur, dass ich die Tür von innen verriegelt habe. Soll ich die Kids ermutigen, die Tür von außen zu öffnen? Das käme einem Dammbruch gleich und ich wäre nie wieder für mich allein. Was bleibt da sonst noch an Optionen? Unsere Waschmaschine hat leider keine Fernbedienung, keine Sprachsteuerung und sonstige künstliche Intelligenz verbaut. Ich entscheide mich fürs Abtauchen und Haare-Waschen. Unter Wasser lässt es sich das Piepen aushalten. Derweil frage ich mich, warum es für die Maschine ungefähr 30 Waschprogramme gibt, aber keine Stumm-Taste. Jedes analoge Handy hatte so etwas bereits. Vielleicht sollte ich mal einen Brief an den Hersteller der Maschine schreiben. Oder mich nach einer smarten Waschmaschine umsehen?

PS: jetzt zum Ende des Beitrags werfe ich einen Blick in die gängige Suchmaschine. Ich tippe „piepsende W..“ ein und sehe, dass sich auch viele andere Menschen darüber aufregen. Na ein Glück.

 

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26) Socken-Memory

Das man Waschmaschinen häufig vorwirft, unsere Socken zu fressen, ist allgemein bekannt. Andererseits ist das technisch kaum möglich. Die Waschmaschine hat keinen zweiten Ausgang und wenn all die fehlenden Socken wirklich noch in der Waschmaschine wären, wäre sie verstopft und hätte schon längst den Geist aufgegeben. Jeder hat vermutlich seine eigene Theorie, wie es eigentlich dazu kommt, dass man nach dem Öffnen des Bull-Auges häufig „Single-Socken“ findet. Vielleicht gibt es mittlerweile schon wissenschaftliche Arbeiten über dieses Wohlstands-Problem. Doch wie kann man der Situation Herr und Frau werden?

Bei Erwachsenen kann man folgendes probieren:

1. Ein Groß-Kontingent an gleichfarbigen Socken kaufen, alles austauschen und alle noch später auftauchenden andersfarbigen Socken wegschmeißen. Das klingt sehr drastisch, im Falle von Socken ist das vielleicht aber noch vertretbar.

2. Mit Socken-Klammern, Wäsche-Netzen und anderen Hausmitteln probieren, das Problem zu managen. Oder eine eigene Erfindung dafür machen, Patent anmelden und reich werden. Dann in ein Land umziehen, wo man nur selten Socken benötigt.

Beide Ansätze eignen sich für Kinder nicht so gut. Durchgehend schwarze oder graue Socken finden sie vermutlich doof und alle Hausmittel funktionieren nur, wenn sich auch beide Socken an einem Ort befinden. Aber hier beginnt das Problem ja bereits.

Einzelne Socken befinden sich bei Kids aber noch in Hosen, Sporttaschen und Schlafsäcken. Sogar außerhalb der Wohnung liegen sie. Bei den Großeltern, in der Schule oder auf dem letzten Kindergeburtstag. Im schlimmsten Fall im Schullandheim 300 km weit weg. Ohne ein Socken-Ortungs-System besteht kaum eine Chance.

Da bleibt nicht viel anderes übrig, als die Singles in einem Korb zu sammeln und die Kids alle paar Wochen zum gemeinsamen „Socken-Memory“ aufzurufen. Also gemeinsam den Korb auskippen und dann passende Socken-Paare suchen. Die Kids begreifen aber schnell, dass dahinter kein Spiel steckt und verlieren bald die Lust dazu. Irgendwann sitzt man allein da. Hat man dann krampfhaft  6-7 passende Paare gefunden, legt sie übereinander und zieht sie etwas in die Länge, stellt man fest, dass die vermutlich schon zu klein sind. Soll man sie nun letztlich doch in die Kleider-Tonne oder in den Müll werfen? Und was macht man dann mit dem Rest der Singles? Noch ein paar Wochen warten, bis die zweite Socke auftaucht? Ist das noch realistisch? Und was ist eigentlich, wenn man gar nicht mehr die erste Socke in der Hand hält, sondern bereits den Zweiten?

PS: Bei der Gelegenheit: Auch wenn das hier kein Hausmittel-Forum werden soll. Hat denn jemand einen entspannten Umgang damit gefunden? Wenn ja, dann einfach unten kommentieren. DANKE

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33) Kiezladen

Den Bötzow-Kiez habe ich noch ganz anders in Erinnerung als er heute ist. Baufällige Häuser, Einschuss-Löcher in den Fassaden, Etagen-Klo und Kohlenheizung überall. Kopfsteinpflaster auf der Straße, ein Kohlenhandel auf der Ecke und ein Kinderzahnarzt im Vorderhaus (knarrende Treppe, zweite Etage links. Gruselig.) Heute ist das aber ganz anders. Fast alle Wohnungen sind mittlerweile saniert, oft findet man wunderschönen Stuck an den Wänden und nach Kohle riecht es schon lange nicht mehr. Und auch die Struktur der Läden hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Ein paar Geschäfte von damals halten sich noch immer wacker. Die tragen auch noch keine künstlichen Namen über dem Schaufenster, sondern nur ein Schild mit der Aufschrift „Frisör“, „Bäcker“ oder „Farben-Handel“. Auch die Kneipe gegenüber gibt es immer noch. Neu hinzu gekommen sind sehr exklusive Geschäfte, in denen man aber nur selten wirklich Kundschaft sieht. Ein Lampen-Geschäft bietet edle Designer-Lampen an, eine Holz-Manufaktur fertigt Möbel auf Maß und ein Wasser-Geschäft verkauft Wasserflaschen. Für mich alles etwas fragwürdig, aber gut. Immerhin kann man da noch etwas kaufen und es dient dem Stadtbild. Viel bedenkenswerter finde ich allerdings, dass die Ladenkultur dort immer mehr von „Services“ ersetzt wird, die einzig und allein dazu da sind, unseren körperlichen und seelischen Verfall zu bremsen. Oder auch unserem Nachwuchs, Business und Eheleben etwas auf die Beine zu helfen. 

Läuft man die Bötzow-Straße vom Kino her bergauf, findet man dicht an dicht die folgenden „Anbieter“: 

  • Nummer 10: Naturheilkunde, Ernährungsberatung, Akupunktur
  • Nummer 12: Physiotherapie
  • Nummer 14: Ingwer-Bar… es gibt dort auch „health“ und „wellbeing“
  • Nummer 24: Naturkosmetik, Körperarbeit, Massagen
  • Nummer 28: Kunststoffblenden für die nicht mehr ganz so hübschen Zähne 
  • Nummer 28: Vollkeramische Lösungen nach der Probefahrt mit den Kunststoffblenden auf den alten Zähnen
  • Nummer 28: Führungs- & Team Coaching, Eltern & Familiencoaching, Gründercoaching
  • Nummer 36: Logopädie & Ergotherapie
  • Nummer 41: Anti Aging, Lifting, Ultraschall, Wimpern und vieles mehr

Das kleine Nähgeschäft hat erst kürzlich dicht gemacht, das Kaffee mit der Spielecke schon etwas länger. 

Ich bin gespannt, welche neuen „Provider“ dort nun einziehen.

  • Vielleicht eine Vermittlung freier Seniorenheim-Plätze am Goldstrand
  • Eventuell regelmäßige Performance-Gespräche für Erst-Klässler?
  • Möglicherweise doch noch eine Konfliktberatung für Haushaltsroboter und deren Eigentümer?

Ich werde berichten und wage vorherzusagen, dass es hier in zwei Jahren die ersten Wochenend-Gutscheine für den Bötzow-Kiez zu kaufen gibt. 

„Lassen Sie ich ein Wochenende lang verwöhnen oder mal etwas restaurieren! Für nur 1.999 EUR genießen Sie Messer, Nadel, Botox und eine inspirierende Tasse Tee mit dem Coach ihrer Wahl. Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte. Bei Nichtgefallen gibt’s Geld zurück.“

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25) Hose nass

Die heimischen Wasserhähne in Haus oder Wohnung kennt man in- und auswändig. Man kann sie sogar in der dunklen Nacht bedienen und sicher sein, die erwartete Wasser-Menge und -Temperatur zu erhalten. Auch wenn man in anderen Wohnungen zu Gast ist, erwarten einen keine großen Überraschungen. Auf öffentlichen Toiletten, in Hotels oder im Büro ist das aber ganz anders. Da kann mir aber ganz schnell die gute Laune vergehen:

  1. Man bekommt nur kaltes Wasser. Angeblich soll das ja gut für die Haut sein, ist aber auch sehr unangenehm. Je nach innerer Temperatur.
  2. Der Wasserhahn ist zu kurz. Das Wasser fällt direkt hinter der Beckenkante in die Tiefe. Fast unmöglich, dort zwei große Hände drunterzukriegen.
  3. Es kommt zu wenig Wasser. Hier dauert es ewig, bis man die Seife wieder los wird. Hat man dabei keine Geduld, wird man anschließend mit anhaltender Flüssig-Seife unterm Ehe-Ring bestraft.
  4. Das Wasser läuft zeitlich begrenzt. Oft ist das so kurz eingestellt, dass man kaum nasse Hände bekommt und schon allein eine Hand benötigt, um nur den Drücker zu bedienen.

Mit diesen Umständen kann man irgendwie umgehen, die nächste Situation allerdings ist ein Albtraum für jeden Mann.

5. Man geht nichtsahnend auf das Waschbecken zu und öffnet den Wasserhahn. Das Wasser schießt mit viel Druck heraus und verteilt sich auf der Hose. Unterhalb der Gürtellinie. Riesige nasse Flecken. Na großartig. Trägt man schwarz,  fällt es kaum auf. Wenn nicht, kann man nicht viel machen außer zu warten oder das irgendwie zu fönen oder zu trocknen. Dazu bitte einfach mal „Mr Bean“ und „Trockner“ in die gängige Suchmaschine eingeben und dann selber probieren!

Nun aber, wo immer mehr der konventionellen „Handpuster“ gegen diese lauten Wind-Maschinen eingetauscht werden, in die man seine Hände 10 Sekunden hineinhalten soll, hat man echt keine Chance mehr. Man kann sich nur noch einen coolen Spruch ausdenken und mit nasser Hose zurück ins Meeting gehen.

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