59) Ernährungswirrenschaften

Also wenn ich irgendwo höre, das man sich in Deutschland überdurchschnittlich wenig mit dem Essen beschäftigt, kriege ich einen TobsuchtsanfallAnfall.

Ich nehme das eher so war:

1. Weniger Fett
Ja, verstanden, wegen Blutgefäßen und Hosenbund

2. Weniger Zucker
Ja, auch klar. Die Zähne gehen kaputt und schon wieder der Hosenbund

3. Weniger Salz
Ja, weiß doch jeder. Die Nieren und so

4. Nicht so viele Eier
Logo man, und nur brauen Nudeln … Cholesterin-Spiegel … oder so ähnlich … kenn‘ ich schon

5. Mehr Fisch
Klar. Als Alternative zum Fleisch. Mach‘ ich

6. Kein Thunfisch
Yep. Weiß ich. Wegen der Delphine. Aber was ist mit Punkt 5.?

7. Mehr Eiweiß
Ooookeee … aber … widerspricht das nicht Punkt 4. …  Wurscht … mach ich. Ach nee. Wurscht ist auch nicht gut. Dazu dann gleich.

8. Am besten Vegetarisch
Kein Fleisch, ja, weiß doch jeder. Wurscht auch nicht. Wegen dem Tierschutz. Bin ja schon dabei, drauf zu achten. 

9. Und Tomaten nur vom Strauch
Jo, wegen dem Plastik drumherum, auch kapiert

10. Besser auch gar kein Rind mehr
Habe ich gehört, klar. Die pupsen so viel. Schweinerei eigentlich

11. Milch stärkt die Knochen und bringt Eiweiß ins Human-System
Aber … was ist mit Punkt 1. und Punkt 10.?

12. Auf jeden Fall aber Bio
Mhm ja. Wegen der Chemie in Körper und Böden. Ich nehme mir das vor. Ist zwar sau-teuer … aber gut … gehört ja schon zum guten Ton

13. Richtig gut ist aber eigentlich nur vegan
Ja, mag sein, aber Vegan heiß nicht „Bio“ und schon gar nicht „gesund“, oder? Parmesan aus Sägespänen ist vegan

14. Aber Fair Trade bitte
Ja, auf jeden Fall. Der Kolumbianische Bauer soll unter fairen Bedingungen anbauen. Selbstverständlich. Bin dabei

15. Und Regional natürlich
Bin ja nicht blöd man, eine fair angebaute Mango, die Bio, Vegan, Vegetarisch, Fettarm, Fischfrei aus Brasilien eingeflogen wird, da wo vor kurzem noch Urwald war, geht ja nun gar nicht

 

Oahh, liebe Leser, ich fürchte, dass wird mir zu viel.
Es ist ja nicht so, dass ich mich langweilen würde … aber kann es sein, dass das irgendwie ein wenig verwirrend ist. Wollte ich Ernährungswissenschaften studieren? Kann mich gar nicht daran erinnern. Sollte ich vielleicht mal Magnesium, Kurkuma, Ginko …

58) In die Provinz

Sonntag 12:55 Uhr soll es von Hannover in die Provinz gehen. Mit der S-Bahn. Knapp zwei Stunden wird das Vergnügen wohl dauern. Ich sehe das erst einmal ganz positiv.

Am Sonntag wird nicht viel los sein und so stelle ich mir die Fahrt eigentlich recht chillig vor. Etwas lesen, vielleicht was schreiben oder einfach nur aus dem Fenster glotzen. Ein Kurzurlaub quasi.

Kaum im Bahnhofsgebäude angekommen, ist es dort aber gar nicht chillig. Unzählige Leute rennen von Gleis zu Gleis, wuchten ihr Gepäck die Treppen hinauf, weil die Rolltreppen außer Betrieb sind. Andere stehen vor Imbissbuden und stopfen sich irgendetwas in den Hals. Pizza-Ecke, Asia-Nudel-Box oder Fisch mit Fritten. Tauben fliegen über Köpfe und Döner hinweg, an den Seitenausgängen lungern verwahrloste Gestalten und suchen Wärme. Ich besorge noch schnell Wasser und Sandwich, dann quäle mich mit zwei Koffern durch die Drehkreuze des Sanifair-Wohlfühl-Centers. Nach diesem Boxenstopp schlurfe ich mit abnehmender Motivation zur S5. Auf dem Bahnsteig warten bereits viele Menschen und ich stelle mich darauf ein, in der Bahn stehen zu müssen. Aber meine Position ist günstig, die Türen öffnen vor meiner Nase und ich kann einen Sitzplatz ergattern.

Zwei Mädels mit viel Gepäck setzen sich mir gegenüber und verteilen ihr Zeug um meine Füße herum. Der Zug fährt ab und bereits 5 Minuten später frage ich mich, wie ich nur so lange aufrecht sitzen soll. Die Beine angewinkelt, kribbeln schon bald meine Fußsolen. Irgendwann wird der Zug geteilt, ein sicheres Zeichen dafür, dass Städte nun Orte werden. Einem nach dem anderen klappern wir ab, während wie durchs neblige Niedersachsen rollen. Viele von ihnen habe ich noch nie gehört. Entlang der Hot Spots Emmerthal, Bad Pyrmont, Lügde, Schieder und Steinheim verlassen immer mehr Menschen die Bahn. Die Distanzen zwischen den Stopps werden länger, die Phasen ohne Mobil-Funk auch. Bei Altenbeken sehe ich ersten Raureif auf den Bäumen. Etwas später erwachen die Fahrgäste um mich herum, checken ihre Telefone und ziehen sich ihre warmen Jacken an.

Sehr geehrte Fahrgäste. Dieser Zug endet hier. Bitte alle aussteigen.

 

Beitrag 200 – Vom Prenzlauer Berg

Tusch … Töröö ... Ein Prosit, ein Prosit … Happy Birthday … Herzlichen … dreimal hoch … tschakka … kudos … thumps Up … well done … confetti… 200 Beiträge, 1.000 likes … Congrats!

Wie soll es auch anders sein? Mein 200. Beitrag kommt vom … na … richtig … vom Prenzlauer Berg. Nein, nicht Prenzl‘-Berg und auch nicht von Prenzlauer Berg und erst recht nicht aus Greater Area Pankow und schon gar nicht Stuttgart Ost. Sondern vom Prenzlauer Berg. Ganz einfach.

Der Berliner Stadtbezirk, der seit Gründung diverse Reikarnationen erlebt hat. Als Mietskasernen-Viertel in den 1910/1920er Jahren begonnen und schnell gewachsen, war er dem kleinen Mann, seiner Frau und deren vielen Piefkes bestimmt. Durch den zweiten Weltkrieg und in 40 Jahren DDR danach, war die Altbau-Substanz völlig heruntergekommen. Einschusslöcher, Ofenheizung, Etagen-Klo, feuchte Wände, dunkle Hinterhöfe und muffige Keller. Ein riesiger Spielplatz  für uns Kids, ein Treibhaus für intellektuelles und oppositionelles Leben Ende der 80-er Jahre.

Mit der politischen Wende wurde das Proletariat zunehmend verdrängt und das alternative Leben zog ein. Kunst, Kreativität und Anarchie. Party pur. Rammstein im Knaack-Club Mitte der Neunziger … werde ich nie vergessen. Die Epoche hielt nur kurz an und trocknete aus, als die zerschossenen Mietskasernen zu glänzenden Stuck-Altbauten verwandelt wurden.

Die Mieten stiegen an … Verdrängung … Gentrifizierung … ja und den Rest kennt man ja. Heute wohnt hier eher das höhere Einkommen, fährt USV und nippt am Latte Macchiato Glas während der kleine Ferdinand-Frederik beim Englisch-Unterricht weilt und die Luna-Marie-Cataleya dem Junior-Coaching-Kurs schnuppert.

Und so isset jetz’e hier in‘n Kiez:

,.. und das schöne ist … man hat immer was zu schreiben 😉

 

 

Beitrag 199 – Vom Reisen

Ach ja, das Reisen. Es gibt soviel zu entdecken auf dieser blauen Kugel. Städte, Dörfer, Bauwerke, Meere, Flüsse, Wüsten, Wälder, Berge, Täler und Dschungel.

Wenn doch nur Reisebudgets und Urlaubskontingente etwas üppiger ausgestattet wären, nicht wahr? Dann könnte man sich viel mehr ansehen, andere Menschen treffen und für kurze Zeit in das Leben vor Ort eintauchen. Deshalb verreist man ja schließlich oder nicht?

Na ja, nicht ganz. Na klar, ist das „Reisen“ hauptsichlich das Mittel der Wahl, um zu den Hot Spots dieser Welt zu kommen. Aber das „Reisen“ an sich, also der Weg dorthin oder auch die Strecken zwischen den Zielen macht ja auch etwas mit uns. Und von diesen …. handeln die folgenden fünf Beiträge

Viel Spaß beim Lesen

 

Beitrag 198 – Vom Anfang

Neulich mal ein wenig in WordPress herumgeklickt, sah ich doch, dass ich hier schon 197 Beiträge veröffentlicht habe. Seit Sommer 2018. Gar nicht so übel eigentlich.

Da mag sich so manch Robo-Blogger schlapp lachen, allerdings kann ich mit reinem Gewissen behaupten: „Alles selbst getippt, jedes Wort mehrfach überlegt, nix geklaut, und jeden Schreibfehler mit Bedacht erschaffen.“ Das dauert nun mal 😉

Wusste ich als Blog-Spätzünder in 2018 noch nicht genau, wohin mich das Format „Blog“ führen würde, kann ich heute feststellen, dass ich es ganz gern mag. Ich kann Gedanken loswerden, Botschaften platzieren und Menschen eine Freude machen. Einigen zumindest.

In den letzten Wochen, habe ich mich auf das Feld der fiktiven Geschichten gewagt und festgestellt, dass das noch einen Zacken anspruchsvoller ist. Respekt denen, die ganze Romane schreiben. Die neue Kategorie „Fiction“ ist nun geboren und steht noch ganz am Anfang. Und ich kann mir mehr davon vorstellen.

Beim Scrollen durch die WordPress-Statistiken sah ich aber auch, dass frühere Beiträge kaum wahr genommen wurden. Aber so schlecht sind die nun auch wieder nicht, Mensch!

Beschluss also: Bis Beitrag 200, kriegen jeweils 5 Beiträge eine Bühne, die noch etwas Aufmerksamkeit benötigen:

Viel Spaß beim Lesen

54) CCTV – bitte lächeln

Wer mit offenen Augen durch Flughäfen, U-Bahnen und Supermärkte geht, wird immer mehr Video-Überwachung wahrnehmen.

Selbiges Erlebnis folgt auf öffentlichen Plätzen, Tankstellen, Bahnhöfen oder am Rande von Baustellen. Man kann auch CCTV dazu sagen. Klingt niedlicher. Nun will ich hier keine Diskussion vom Zaun brechen und schon gar nicht Hardliner der konträren Lager an den schreib.blog bitten. Nein, dass will ich nicht, ich werde mich auch nicht daran beteiligen. Ich stelle nur für mich fest, was ich beobachte und dabei fühle.

  • Ja, in manchen Situationen beruhigen mich diese elektronischen Augen. Zum Beispiel abends, unterwegs mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß in bestimmen Ecken Berlins, wo man nur schnell vorbei will. WO?
  • Aber dann ist ja in diesem Moment nicht nur meine Visage festgehalten, sondern eben auch Situationen. Und zu diesen Situationen gehören auch andere Menschen wie Familien, Kollegen oder Freunde. WER?
  • Zusätzlich zu den zwischenmenschlichen Beziehungen des Moments, kommen meine Emotionen, Verhalten, Macken, Ticks, Vorlieben und Routinen auf die Festplatte des großen Bruders. WIE?
  • Dazu noch die Tätigkeit, die ich in dem Moment der Aufnahme eben so tue. Welches Buch ich lese, ob ich mir an der Bar ein Bier bestelle oder mir einfach nur mal am Hintern kratze. WAS?
  • Und letztlich kommen noch all die quantitativen Daten wie Überweisungen, Kontostände, Treuepunkte, Herzen, Meilen, Kilo, Schritte und Stockwerke hinzu. WIEVIEL?

Jedes „W“ für sich allein, scheint für uns zunächst entbehrlich. Da kann man gern sagen, „scheiß drauf … ich habe nichts zu verbergen … sollen die das doch wissen“. Wenn ich doch aber nichts Böses im Schilde führe, frage ich mich … WARUM?

PS: Liebe Leser, das Thema polarisiert vermutlich. Persönliche Kommentare sind gern gesehen, aber verschont mich mit Zitaten aus Wahlprogrammen von Links, Rechts, Oben, Unten, Blau oder Gelb 😉

53) Humanoide Tür-Roboter

Wir alle lieben doch diese tollen Vorrichtungen, die Türen vor uns aufstoßen. Wir müssen keinen Griff anfassen, fangen uns also keine Seuchen ein und können die Hände in den warmen Hosentaschen lassen. Großartige Technik.

Vor der Spaßkasse um die Ecke, stehen jetzt sogar schon humanoide Tür-Roboter. Die sehen aus wie echte Menschen. Voll abgefahren. Vom Äußeren her wirken die so, als hätten sie kein Dach über dem Kopf, keinen Job und auch sonst nicht viel zu tun.

  1. Kontinuierlich öffnen sie mit der einen Hand die Tür, während sie mir mit der anderen Hand einen Kaffee-Becher reichen. Da ist aber gar kein Kaffee drin, sondern nur ein paar kleine Münzen. Einen Kaffee würde ich ja nehmen, aber kleine Münzen will ich nicht. Eigentlich will ich ja Scheine aus dem Automaten holen.

Während die alten mechanischen Türöffner störungsanfällig und nicht wirklich kältebeständig sind, wirken die humanoiden Tür-Roboter da viel zuverlässiger. Selbst bei Minus-Graden stehen sie ihren Mann vor der Spaßkasse. Manche setzen sich auch hin und ziehen die Tür mit dem Schal oder Gürtel auf. Ziemlich schlau, oder?

Die humanoiden Tür-Roboter können sogar sprechen. Sie beherrschen ein paar Worte Deutsch, wie zum Beispiel „Hallo“ oder „Gutten Tak“ oder „Biite“. Meistens können die sogar ein oder zwei Fremdsprachen. Voll krass. Die herkömmlichen mechanischen Dinger dagegen sagen gar nichts, sondern brummen nur leise. Ziemlich unfreundlich.

Auch die System-Architektur scheint bei den humanoiden Tür-Robotern viel ausgereifter zu sein. Während die konventionellen Dinger bereits nach 2 Jahren den Geist aufgeben, können die Roboter bereits noch vor Abschluss der Schule den Dienst aufnehmen und dann locker 30 Jahre Türen öffnen. Bis sie von der monotonen Bewegung einen Tennisarm kriegen. Dann ist Schluss. Eine BU-Versicherung haben die noch nicht.

Bei den mechanischen Türöffnern muss auch ständig der teure Service kommen. Bewegungen einstellen, Gelenke ölen und alle 6 Monate ein Funktionstest machen. Die humanoiden Türöffner sind dagegen völlig genügsam. Sie bringen ihr weniges Essen mit oder Schnorren es vor Ort. Steckt ihnen ein freundlicher Passant mal etwas zu, dann teilen sie sich das gut ein. Echt beachtlich.

Immer wenn ich meine großen Scheine von der Bank hole frage ich mich:

  • Sollte ich vielleicht doch lieber selber die Tür aufmachen?
    Aber der lässt mich ja kaum, ich habe ja gar keine Chance an den Tür-Griff zu gelangen.
  • Sollte ich ihm etwas Geld in seinen Kaffee werfen?
    Aber dann motiviert ihn das noch mehr. Dann wird das noch sein Einkommen. Dann werden irgendwann die mechanischen Türöffner nicht mehr gebraucht und die Türöffner-Firma geht noch pleite. Im schlimmsten Fall müssten dann die Mitarbeiter der Türöffner-Firma solche Türen von Banken noch per Hand öffnen….

Aber, wo kommen wir denn da hin?

 

52) Schon wieder Oktober

Der Oktober ist ein Monat der Rituale und Wiederholungen. Ich habe das Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben. Hänge ich vielleicht in der Zeit fest? So wie Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“?

  • Und wieder feiern wir einen Mädchen-Geburtstag
    Die Girls sind junge Damen geworden, ich erkenne die kaum wieder. Sie verschanzen sich im Zimmer, man sieht sie kaum. Unser WLAN haben sie dieses Mal zwar nicht blockiert, dafür aber die Bäder und Spiegel.
  • Und wieder irren wir durch die Wohnung und stellen die Zeit um
    In der Zeitung schreiben sie über die Geschichte der Zeitumstellung, die fraglichen Effekte in der Energieversorgung und die anhaltenden Diskussionen in der EU dazu. Zu guter letzt folgen verschiedene Eselsbrücken, wie man sich denn merken könne, ob man die Uhr nun vor-oder zurückstellt.
  • Und wieder erlebt man die letzten Tage der DDR
    Herr Genscher spricht vom Balkon der Prager Botschaft, David Hasselhoff und Klaus Meine beanspruchen für sich, die Mauer zum Einsturz gebracht zu haben und zwei Minuten später wird Günter Schabowski verdattert über den Brillenrand gucken und dann stammeln, dass die neue Reiseregelung … nach seiner Kenntnis … sofort …. unverzüglich … in Kraft tritt.
  • Und wieder haben die anderen Bundesländer einen Feiertag mehr
    Die einen feiern Reformationstag, die anderen feiern Allerheiligen. Berlin feiert nichts. Am Reformationstag werden die Brandenburger zum Shoppen nach Berlin strömen, zu Allerheiligen kann ich endlich mal in Ruhe arbeiten weil aus Bayern keine Anrufe, E-Mails und Chat-Nachrichten kommen. Mein persönlicher Feiertag.
  • Und wieder feiern die Kids ihr Halloween
    Es werden kleine Monster durch die Straßen spuken und an den Wohnungstüren mit „saurem“ drohen, wenn’s nix „süßes“ gibt. Oder gern auch Bargeld. Der neueste Trend sind anscheinend Messer- und Beil-Attrappen die man den Kindern an den Kopf steckt. Sieht voll echt aus. Großartig, in der heutigen Zeit. Ich lege mir schon mal einen kleinen Vorrat an Süßigkeiten an, manch andere werden sich im hinteren Teil ihrer Wohnung verstecken, nur damit man zur Straße hin kein Licht sieht. Wieder andere hängen einen Zettel an die Tür. „Wir geben nix“.
  • Und sonst so?
    Ui Ui, die Zeit rennt davon. Termin für Reifenwechsel vereinbaren, Datsche dicht machen, Wunschzettel nicht vergessen und mit der Sippe verhandeln, ob man sich nun am ersten oder zweiten Weihnachts-Feiertag sieht. Und was machen wir eigentlich zu Sylvester?

Oah nee … was freue ich mich auf den Frühling!!

Frühere Beiträge

51) Fußball im Radio

Am Samstag spielte der Lieblingsverein des Sprösslings auswärts gegen Freiburg. Wenn man aber nun mal kein Sky empfängt und auch nicht bis 18:00 Uhr auf die Sportschau warten will, gibts nur einen Weg halbwegs „dabei“ zu sein. Auf irgendeine App glotzen oder eben Radio hören. Ich schlage ihm das Radio vor und verweise auf dieses „Gerät“, was er mal geschenkt bekommen hat und seitdem wenig genutzt in seinem Zimmer steht. Ein blauer CD-Player mit Radio. Kompakt. Einfach zu bedienen. Alle funktionieren doch irgendwie gleich. Denke ich mir so.

  • „Wie war das noch mal … wo macht man hier Radio an?“
    Den Drehknopf da unten ganz nach rechts drehen, bis er auf „Radio“ zeigt.
  • „Aber da kommt ja dann immer Musik zwischendurch.“
    Wir können auch einen Nachrichtensender einstellen, da wird dann nur gesprochen. Dann kriegst du mehr vom Spiel mit.
  • „Oh ja, das machen wir!“
    Dann müssen wir mal kurz „googeln“ welche Frequenz der Radio-Sender hat. Weiß ich auch nicht aus dem Kopf, warte mal … ähhhm … 93.1
  • „Kann man den nicht einfach auswählen?“
    Nee, du musst die Pfeiltasten nach unten drücken, bis irgendwann 93.1 auf dem Display steht.
  • „So, jetzt bin ich bei 93.1!“
    Prima dann kann’s ja los gehen.
  • „Die sprechen da aber so langweilig!“
    Gut, dann drücke die Pfeiltasten nach oben, bis du wieder bei 95.8 bist
  • „Ok, hab ich gemacht. Papa, Tooooooooor!“
    Großartig, Juhuu. Ist doch ganz spannend per Radio dabei zu sein, oder?
  • Ja schon, aber ich schaue mal schnell in die App, ob das auch stimmt“
    … Grmmpf.

Was war ich froh über mein erstes Radio. Ohne CD-Player. Einfach nur Radio…

 

Auszug Titel „Radio“ von Rammstein:

…Radio, mein Radio
Ich lass‘ mich in den Äther saugen
Meine Ohren werden Augen…

Mit rrrrrrrrollendem RRRRRR natürlich

Mehr zu Hören im Radio 😉

50) Autobahn

Die Ferien sind zu Ende Leute, ab geht‘s nach Hause! Ab auf die Autobahn. So fahren wir da hin und ich denke mir meinen Teil.

  • Ein großes Schild am Straßenrand gratuliert dem Raser des Monats. Erster Platz zwar, aber tot. Von hinten kommt ein Bolide mit Lichthupe angeflogen. Es scheint, als wollte da noch jemand auf‘s Treppchen.
    Ich mach’ ihm mal Platz
  • Wir haben Durst und halten an einer Tanke. Ein Sprudel-Wasser, ein Wasser mit Apfelgeschmack und ein Kaffee zum mitnehmen. Macht dann 10,27 EUR.
    Ist ja ein Schnäppchen. Vielen Dank auch
  • An einer Baustelle werden gigantische Landmassen bewegt. Hier türmen sie Abfahrten, Auffahrten und riesige Erdwälle auf. Alles sieht sehr künstlich aus, als wäre es mit der Maurerkelle erschaffen oder mit einem Laser planiert.
    Der Architekt war bestimmt schon als Kind ein Meister im Sandburgen-Bauen.
  • Unzählige Windräder säumen die Strecke. Kleine und große. Wahnsinn wieviele das mittlerweile sind. Kaum möglich ein Landschafts-Foto zu machen, ohne ein Windrad drauf zu haben.
    Irgendwann sieht das Land aus wie ein riesiger Käseigel
  • Wir fahren in die nächste Baustelle ein. Rechts tuckeln LWK einer nach dem anderen, links gibt es noch eine schmale Spur für den restlichen Verkehr. Ich fahre links und überhole. Neben den Trucks steigt der Puls und die Hände werden feucht.
    Hoffentlich haben die Driver ihre Hände am Lenkrad
  • Rechts zieht ein Rastplatz an uns vorbei. Alles ist NATO-grün dort und militärisches Gerät steht herum. Die Bundeswehr macht wohl eine Bewegungsfahrt oder ist auf dem Weg zu einer Übung. „Coooooooool“, tönt es hinter mir.
    Also Kids, früher, also ich noch Kind war … da war … ach egal …
  • Ein Kombi vor uns hat eine Dachbox und vier Fahrräder geladen. All das Zeug wackelt bedrohlich im Fahrtwind. Satteltaschen und anderes Equipment schlackert umher und sucht die Freiheit
    Na hoffentlich fliegt mir jetzt keine Klingel durch die Scheibe.
  • Ich greife mir die durchgeschüttelte Wasserflasche, klemme sie mir zwischen die Beine und drehe den Verschluss auf. Zisch … alles gut gegangen, Hose noch trocken. Nach ein paar Schluck will ich die Flasche wieder verschließen. Gar nicht so einfach … na …, wirst du wohl … klick, klack macht’s. Und der Deckel verschwindet im Fußraum.
    Na Großartig
  • Wir steuern den nächsten Rastplatz mit WC an. Wieder so ein Metall-Klo, deren Türen man besser nur mit dem Knie öffnet. Aber auch hier läuft alles in Camouflage herum. Ein Kolonne mit Raketenwerfern stoppt zum Massen-Pissen. Das erste Mal in meinem Leben erlebe ich eine lange Schlange am Herren-Klo. Der Sohn wählt einen Busch. Bei den Damen ist alles frei.
    Ich fordere einen höheren Frauenanteil in der Bundeswehr!

Endlich zurück zu Hause.
Oaaahhhh, und wer macht jetzt die ganzen Mücken da weg?

 

Preventives Geständnis zur Vorbeugung eines Shit Storms:

Ja, es war ein Kaffee zum Mitnehmen. Mit Plastik-Deckel. Und Plastik-Rührstäbchen. Und die Wasserflasche war aus PET. Und ja, Individualverkehr ist doof. Wir wissen auch von der Nitratbelastung durch übermäßige Gülle auf den Feldern und versprechen Besserung. Und Armeen sind natürlich auch nicht „cool“.