76) Ornithologische Bettflucht

Hey, ihr Vögel, Ruhe da draußen!
Es gibt Werktätige, die in paar Stunden mehr Schlaf brauchen!
Die gegen die Inflation arbeiten und die soziale Schere,
Die auch ein Nest abzahlen und die Brut satt kriegen müssen.

Nur weil es euch zu hell ist, müsst ihr nicht die ganz Nachbarschaft aufwecken.
Denkt doch mal nicht nur an euch, wir Zweibeiner leben schließlich auch hier.
Ohne gäbe uns hier es hier keine Brotkrümel, kein Spalten im Gemäuer.
Keine Krane, Strommasten oder Leitungen auf denen ihr hocken könnt.

„Früher Spatz fängt den Wurm“, ha, ha. Das ich nicht lache.
Ist das denn erwiesen? Wer sagt denn, dass die Würmer um die Zeit schon wach sind?
Vielleicht wollen die sich um 04:30 morgens auch noch mal umdrehen.
Die Snooze-Taste drücken und `ne Decke über die Wurm-Ohren ziehen.

Ihr Berliner Spatzen seid noch erträglich, eure Amsel-Freunde auch.
Ihr Tauben oder Meisen seid hart an der Grenze.
Bei euch Krähen und Elstern ist Schluß mit der Toleranz.
Habt ihr keine Mute-Taste? Jeder TEAMS-Vogel hat so was. ZOOM-Vögel auch.

Bei euch piepts wohl,!
Habt doch‘n Vogel!
Meise oder wat?
Ihr Haubentaucher!

Na ja, immerhin keine Sirenen …

Schönen Wochenstart!

75) Ready to beat

Habe ich schon mal geschrieben, dass ich verdammt gern Mango esse? Vermutlich nicht. Eine vernünftige Mango wäre schon mal ein triftiger Grund auszuwandern. Denn was es hier an Mangos gibt, ist entweder am Vorabend mit dem Hubschrauber eingeflogen worden (und kostet dementsprechend) oder dümpelte wochenlang auf einem Schiff übers große Meer.

Und dann kleben die einfach einen Aufkleber „Ready to eat“ drauf und verticken die für ein paar Euro an urlaubsreife Homeworker, wie mich.

Nur sind die Dinger dann meistens noch hart wie Stein:

  • Sollte mir so eine Mango im Supermarkt auf den Fuß fallen, erleide ich vermutlich einen Mittelfußbruch und muss Erwerbsminderungsrente beantragen. Wenn morgen bei den 1. Mai-Krawallen in Berlin die Pflastersteine ausgehen, könnte man glatt die Mangos aus Peru werfen. Die sind dann wenigsten biologisch abbaubar.
  • Und wie soll ich die überhaupt zubereiten? Reinbeißen geht nicht, dass ist im Kleingedruckten der Zahnzusatzversicherung ausdrücklich geregelt. „Kein Leistungsanspruch im Falle vorsätzlichen Verzehrs peruanischer Mangos“ steht da schwarz auf weiß. 
  • Vielleicht sollte ich sie über eine deutsche Rohkostreibe ziehen und einen Mangosalat so wie Möhrensalat anrichten? Oder sollte ich die drei Stunden kochen? Chutney drauß machen? Ich will aber kein Chutney, ich will eine Mango am Stück! Ich will da reinbeißen und erwarte, dass mir die Suppe den Hals hinunter in den Ausschnitt läuft!
  • Oder sind die gar nicht zum Essen gedacht? Mann könnte die Schlaglöcher auf den Berliner Straßen mit Mangos ausbessern. Oder sie einem Kegelverein schenken. Oder als „schwere Waffen“ gen Osten schicken.

Also lasse sich wieder ein paar Tage liegen, schnüffele und taste jeden Tag dran rum und hoffe, dass sie nicht schon von innen verfault ist.

Guten Appebeat! 

Beat this!

Frühere Beiträge mit dem Wort Mango:

74) Welcome back home

Ein Frohes Neues Jahr noch, liebe Leser. Da blieb nicht viel Zeit für einen ausgedehnten Hangover. Der Alltag ist zurück, und mit ihm all die nervenden Kleinigkeiten

Ein Auszug:
1. Noch im alten Jahr wurden wir informiert, dass irgendwelche Honks an der Schule gezündelt haben und daher der Unterricht „erst einmal online“ stattfinden muss. Gut, vielleicht sogar besser so. Dann können die Kids zu Hause etwas ausdünsten.
2. Die Rückfahrt von Dänemark dauerte dann zähe 9 Stunden. Vermutlich hatten sich die Familien eine spontane Verlängerung der Ferien erhofft und fuhren dann erst am Sonntag von der Nordsee zurück, so dass wir uns dann alle am Drive-In kurz nach Rendsburg trafen.
3. Etwas später trafen wir dann noch auf die Urlauber, die von der Ostsee kamen. So standen wir alle nett am Kreuz Wittstock/Dosse und glotzten auf die Rückleuchten des Vordermanns. What a pleasure! Aber immerhin ganz Corona-konform, jeder in seinem Auto und ich hatte gute Hörbücher + Podcasts dabei.
4. Endlich zu Hause angekommen, folgte dann das gemeinsame Auto ausräumen. Hier erspare ich mir weitere Ausführungen und verweise auf den Beitrag >Volle Packung.
5. Eine Hand voll Briefe wartete auf uns, unter anderem einer, der mich wie folgt begrüßte: „Hallo T., Du bist uns 0,06 Cent wert“ und weiter dann „Deine Adresse haben wir für 0 EUR und 6 Cent gekauft, um dich als Kund*in zu gewinnen“. Na vielen Dank ihr Nervbacken … ich will nicht eure Kund*in sein! Niemals! Rundablage!
6. Die Papiertonne ist immer noch überfüllt, das war sie vor Weihnachten schon. Nun kommt noch Spaßfaktor dazu, dass das Licht im Müllraum nicht mehr geht. Das macht große Freude, besonders wenn man keine Handy-Taschenlampe dabei hat.
7. Die Corona-Warn App schlägt mal wieder rot aus. Es gab da wohl eine Begegnung in Dänemark. Nur schwer erklärbar. Ich sammele die Meldungen jetzt und mach‘ mir zusammen mit den Impf-Barcodes irgendwann ein hübsches Album draus.
8. Die Dachdecker vom Haus gegenüber, hatten über über die Feiertage große Plastikplanen über dem Dachstuhl verspannt. Das macht nun einen Höllenlärm, wenn der Wind mit 20 km/h Wind die ganze Nacht da drauf geht. Selbst bei geschlossenem Fenster wurde sozusagen die ganze Nacht geböllert, aber die Straße sehen diesmal immerhin sauber aus.
9. Update von der Schule: Die Schäden nach der Brandstiftung müssen noch aufgenommen werden, man geht mal bis zu den Februar-Ferien von Home Schooling aus. Na großartig! So viel zu „erst einmal online“.
10. Und was soll ich sagen? Mal raten? Genau. Nichts vorbereitet, keine Aufgaben online. Nüscht! Ich verlange ja nicht, dass Lehrer extra ihren Urlaub abrechen, aber es zeigt doch wieder, wie weit wir von digitalem Lernen weg sind. Sei es im Falles eines Lockdowns, eine Klima-Katastrophe, oder wegen einer Brandstiftung.

Welcome back home, es hat sich nichts geändert 😉

73) Lampenladen

Meine Güte, was ist die Lampenwelt kompliziert geworden. Aber man sagt ja gar nicht mehr „Lampe“ oder „Birne“, es heißt stattdessen „Leuchtmittel“. 

Was war das früher doch einfach:

  • Im Wesentlichen gab es „Normal“ (E27) oder „Kerze“ (E14). Und dann nahm man halt 40 oder 60 Watt, die 100 Watt wurden nur zur Bescherung eingeschaltet. Wer’s etwas kuscheliger mochte, konnte sich mit 15 Watt etwas Muschebubu-Licht erzeugen. (Muschebubu … was für ein geiles Wort). Ja, und dann galt es, zwischen „klar“ und „matt“ zu wählen, und es ward Licht. Aber eigentlich hat man eh immer das genommen, was das Regal gerade so hergab. Und die Birnen, die man aktuell nicht brauchte, kamen in eine Kiste.
  • Anfang der 90-er Jahre traten dann Energie-Sparlampen in mein Heimwerker-Leben. Die waren schweineteuer und man sah in ihrem Licht so fahl aus, wie eine Wasserleiche. Ich würde mal sagen, die Lampen waren deshalb so sparsam, weil sie eigentlich nie wirklich „an“ waren. Meistens hatte man das Zimmer schon wieder verlassen, bis die Lampe endlich ein nennenswertes Licht abgab. Und es hieß sogar, dass häufige Ein-und Ausschalten tue den Lampen gar nicht gut, man solle sie lieber eingeschaltet lassen. Was für ein Irrsinn, habe ich doch immer eingetrichtert bekommen: „Licht aus, wenn du das Zimmer verlässt!“. Mein Lampen-Ordnungssystem fiel in sich zusammen. Fortan musste ich umrechnen. Kleine Tabellen auf den Packungen und Aushänge im Baumarkt, sollten den Umstieg zu erleichtern, wirklich dahinter gestiegen bin ich nie. Und die alten Birnen? Na die kamen in die Kiste. Zu schade drum.
  • Heute ist das Angebot an Leuchtmitteln gigantisch. In Form, Farbe, Dimmbarkeit, Leistung, Stromverbrauch und Anwendungsbereich. Mit der reinen Wattzahl kommst’de nicht mehr weit, du brauchst ein Semester in Elektrotechnik. Du musst wissen, was Lumen, Kelvin und Ra bedeuten. Ob du das Licht eher kalt oder warm magst. Ob du auf eine Fläche schauen willst oder auf einen Faden, den du dann noch Stunden später auf der Linse hast. Und wenn du in den Baumarkt fährst, packst du dir am besten etwas zu essen ein, denn es könnte eine Weile dauern, bis du dich da durch Gänge voller Lampen gearbeitet hast. Und wenn du darauf keine Lust hast, dann kannst du die auch online bestellen. Knapp 2.000 Artikel finde ich auf einer Glühlampen-Website. Fehlkäufe vorprogrammiert. Aber die kommen dann halt in die Kiste, denn die kann man ja noch mal brauchen.

Mittlerweile könnte ich auch einen Lampenladen aufmachen …

Disclaimer: Auf dem Foto sind eingetragene Warenzeichen zu sehen, rein zufällig, ich kriege keine Kohle, Äpfel oder Birnen von denen.

Weitere Beiträge für etwas mehr Licht in diesen grauen Tagen

72) So hoch auf der Leiter

Liebe Kinder, wenn ihr mal irgendwann eine eigene Bude habt, könnt ihr diese Checkliste verwenden, um eure Zimmer zu streichen.;-)

  • Wunsch registrieren
  • Anliegen ignorieren
  • Nachdruck verspüren
  • Projekt zusagen
  • Termin herauszögern
  • Farbe diskutieren
  • Wochenende auswählen
  • Equipment checken
  • Material kaufen
  • Möbel ausräumen
  • Möbel abbauen
  • Wohnzimmer vollstellen
  • Flur vollstellen
  • Terrasse vollstellen
  • Lampen abbauen
  • Kabelkanäle abreißen
  • Laut fluchen
  • Nägel ziehen
  • Schrauben entfernen
  • Dübel ziehen
  • Löcher zuschmieren
  • Laut fluchen
  • Stellen schleifen
  • Laut husten
  • Zimmer saugen
  • Zimmer wischen
  • Türen abkleben
  • Fenster abkleben
  • Scheuerleisten abkleben
  • Flies auslegen
  • Farbeimer öffnen

Mhm, die Farbe heißt „Polarweiß“.
Na, ob das dann wirklich weiß wird?
Die Pole sind verdreckt mit Micro-Plastik.
Habe gelesen, der Permafrost schmilzt da.
Schmiere ich da jetzt Mammut-A-a an die Wand?

  • Podcast anmachen
  • Wände streichen
  • Döner essen
  • Weiter streichen
  • Verbrauch bestaunen
  • Laut fluchen
  • Pause einlegen
  • Nachschub besorgen
  • Weiter streichen
  • Podcasts ausmachen
  • Malerkrepp entfernen
  • Kanten nachbessern
  • Werkzeug fluten
  • Zimmer saugen
  • Zimmer wischen
  • Möbel aufbauen
  • Möbel einräumen
  • Regale anbauen
  • Lampen anbauen
  • Werkzeug reinigen
  • Laut fluchen
  • Müll runterbringen
  • Werkzeug runterbringen
  • Schulter klopfen
  • Finger schrubben
  • Knochen bejammern
  • Lob provozieren

Nächsten Wunsch zur Kenntnis nehmen …

Was ich euch sonst noch so mitgeben kann?

  • Laut kundtun, dasd man noch in seine alten Malerklamotten passt.
  • Auf jeden Fall zwischendurch immer mal wieder „So“ sagen.
  • Oder auch „Det jeht doch janz jut voran“.
  • Oder auch „Dit‘ sieht doch schon janz jut aus“.
  • Und zwischendurch immer mal wieder fluchen. Das befreit.

Noch mehr Kleinigkeiten, die mich auf die Palme bringen, >gibt‘s hier

71) Volle Packung

Moin Nachbar, wo soll es denn hingehen?
Ach … öhm … nix Besonderes eigentlich.
Ja aber, die Karre, die is‘ voll bis unters Dach?
Tja … nur das Nötigste, weißt ja wie das is‘.
Wem sagst du das. Aber jetzt sag‘ mal … was macht ihr?

Zum Wandern nach Patagonien?
Auf UN-Hilfsmission? Nach Mali?
Südpol, Nordpol, Mond, Mars?
Gebt ihr etwa die Wohnung auf?
Sonst, alles in Ordnung … Probleme?
Schimmel, Schwamm, Schädlinge?
Schafft ihr Platz? Macht ihr jetzt Airbnb?
Habt ihr vielleicht finanzielle … ?
Können wir irgendwie helf…?

Nee du, eigentlich … fahren wir nur …
Nach Italien, Spanien, Portugal?
Nee … gar nich‘ weit von …
Norwegen?… auch schön da!
Nee … eigentlich nur …
Jetz‘ hab‘ ich‘s … Schweden oder?

Nee … nur fünf Tage Sachsen 😉

70) Horst und die Schredder-Retoure

Der Schredder hat vor ein paar Tagen den Dienst quittiert. Noch gar nicht alt, wenig genutzt und erst kürzlich entleert. Das Ding gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Alle Schalter probiert, verschiedene Steckdosen, auf Fremdkörper überprüft, Kabel untersucht. Half aber alles nix. Tot. R.i.P. my dear.

Aber da das eigentlich ein Markengerät war, wollte ich es mit Retour / Garantie versuchen, aber wie das nun mal so ist. Es gibt immer tausend Gründe sich aktuell nicht darum kümmern zu können. Keine Ahnung, keine Telefonnumner, kein großer Karton, keine Lust sowieso. 

Kurz gesagt: Prokrastination vom allerfeinsten.

Und so stand das Ding tagelang im Flur und wartete auf Aufmerksamkeit. Gestern gab ich mir dann einen Ruck. Ich suchte Hersteller, Typbezeichnung, Seriennummer, Kontaktadresse, Online-Formular etc und machte noch Fotos von dem Ding. Bevor ich aber mein „Service-Ersuchen“ abschickte, nahm ich die Komponenten noch einmal auseinander und checkte wiederholt. Schließlich wollte ich mich ja nicht zum „Horst“ machen, sollte es zum Gespräch mit deren Hotline kommen. Der Schredder war aber nicht zu reanimieren. Also schickte ich mein „Request“ ab, freundlich geschrieben eigentlich, aber einen kleinen Seitenhieb auf das noch so junge „Markenprodukt“ konnte ich mir nicht verkneifen.

Damit ich die Elektro-Leiche übers Wochenende nicht um Flur zu stehen habe, setzte ich die Teile wieder grob zusammen. Auffangbehälter aufstellen und Schneidwerk oben drauf … aber wie rum eigentlich … so rum oder so rum … ? Logo vorn oder Logo hinten? Mir doch egal! Aber da dämmerte es mir. Vielleicht ist es dem Schredder aber eben nicht egal.

Also setzte ich das Schneidwerk andersherum drauf, steckte das Kabel in die Steckdose und siehe da … er lief wieder!!!!

Und nun kann ich „Horst“ wieder schreddern, bis die Messer glühen. So wie damals der Erich in der Normannenstraße.

Aber, was sage ich denen jetzt, sollten die am Montag anrufen?

  • Guten Tag, Horst hier? 
  • Falsch verbunden?
  • Oder ich piepe laut … wie ein Fax 😉

69) Ich schreib‘ jetzt Rechnungen

Sagt mal, bin ich etwa der Einzige, der das Gefühl hat, immer mehr Arbeit von Dienstleistern zu übernehmen und das auch noch in Rechnung gestellt zu bekommen?

Vielleicht bin ich da etwas dünnhäutig, wenn andere über meine Zeit verfügen, aber ich glaube, ich werde jetzt auch einfach Rechnungen schreiben!

Situation 1:
Neulich stehe ich im Baumarkt an der Menschen-Kasse und nehme nicht das Self-Scan-Terminal, weil ich da keine Lust drauf hatte und weil ich überzeugt davon bin, dass so ein Kassiervorgang mit etwas Wartezeit auch Quality-Time ist. Da rief eine Angestellte den halben Laden zusammen, dass „bei ihr“ alles frei sei. Also tapperte ich da hin. Und dann drückte sie mir den Scanner in die Hand. 

  • Ich: „Nein danke, darauf habe ich keine Lust“. 
  • Sie: „Aber schauen Sie mal, das ist ganz einfach.“
  • Ich: „Mag sein, aber mich nervt das.“
  • Sie: „Aber wirklich, Sie „müssen“ nur …“

Aufgrund der gültigen Gebührenordnung erlaube ich mir zu berechnen:

  1. Manuelle Ausführung automatisierbarer Tätigkeiten
  2. Erhöhte Aufwendungen wegen erschwerender Verhältnisse
  3. Entsprechend GOZ-Nr 3010 erhöhter Hygieneaufwand
  4. Beratung, auch mittels Fernsprecher (… stellen die alle in Rechnung)
  5. Sonstiges, nicht näher spezifiziert

Situation 2:
Die Spaßkasse hat sich vollends in den virtuellen Raum verabschiedet. Konto-Auszüge „muss“ ich mir selber downloaden und irgendwie digital ablegen. Deren blöde Apps „muss“ ich auf dem Handy warten und dafür „muss“ ich dann noch Kontoführungsgebühr bezahlen. What? Konto“führungs“gebühr? Wer führt denn das Konto? Ich!

Aufgrund der gültigen Gebührenordnung erlaube ich mir zu berechnen:

  1. Erschwerniszuschlag mangels Interesse an Ausbildung zu Bankkaufmann/-frau
  2. Erhöhte Telekommunikationskosten gegenüber IT/TK-Provider
  3. Gestiegene Festspeicherkosten bzw. Cloud-Speicher-Kosten
  4. Risikopauschale für haptischen Kontakt mit Bankautomaten
  5. Sonstiges, nicht näher spezifiziert

Situation 3:
Die Kieferorthopädin der Kids, hat ihre komplette Rechnungslegung automatisiert. Da wo ich früher eine Rechnung per Post bekommen habe, werden nun automatisiert E-Mails verschickt. Eine Ankündigung per E-Mail mit Password für die Rechnung. Eine weitere E-Mail mit der Rechnung. Die „muss“ ich dann fürs Lesen „entschlüsseln“, die Rechnung „unverschlüsselt“ irgendwo ablegen, weil ich die für die Krankenkasse natürlich „unverschlüsselt“ uploaden „muss“. Logisch. Sonst können die das nicht lesen, weil denen der „Schlüssel“ fehlt. 

Aufgrund der gültigen Gebührenordnung erlaube ich mir zu berechnen:

  1. Aufsuchen eines Urologen, weil ich ständig „müssen muss“
  2. Consultation eines Schlüsseldienstes außerhalb Öffnungszeit
  3. Externe Aufwendungen für eine Halbtags-Bürokraft (w/m/d)
  4. Schmerzensgeld wegen Mausarm rechts
  5. Sonstiges, nicht näher spezifiziert

Man, macht doch euren Mist alleine!!!

Andere Beiträge zum Thema:

67) Blitz-Post aus Frankreich

Heute hatte ich einen Brief von der République Française im Briefkasten. Der Brief war schwer und sah sehr offiziell aus. Oh, Oh. Wenn man nach dem Urlaub solche Post aus dem Urlaubsland bekommt, heißt das meist nichts Gutes.

Sofort erinnerte ich mich an die vielen Blitzer, die entlang der Land-und Nationalstraßen standen. Ich war mir eigentlich sicher, alle rechtzeitig entdeckt zu haben. Aber nun ja. Bei 2.500 Kilometern im Land ist das doch eigentlich eine gute Leistung. Well spotted mein Lieber! Augen und Reaktionsvermögen sind intakt!

Also nahm ich es eher locker, zerlegte den Brief in seine Teile und dokumentierte meine User Experience.

1) Ein zweiseitiger grüner Bogen informierte mich in perfektem Deutsch über meinen Verstoß. Ortsangaben, KFZ-Daten, Geschwindigkeit und Typ-Bezeichnung des Kontrollgeräts.

Im unteren Teil wurden drei Optionen gelistet, welches Bußgeld ich gerne zahlen möchte.

  • Betrag 45 EUR wenn ich es innerhalb 46 Tagen zahle
  • Betrag 68 EUR wenn ich es zwischen 47 und 76 Tagen zahle
  • Betrag 180 EUR wenn ich erst nach 76 Tagen zahle

Oh, das ist aber nett, immerhin habe ich die Wahl!

2) Bei einem weiteren zweiseitigen Bogen in orange, ging es um die eigentliche Zahlungsabwicklung

Auch hier zeigt sich die französische Behörde sehr kundenorientiert:

  • Per Bankkarte
  • Per Smartphone
  • Per Überweisung
  • Vor Ort in einem Tabakgeschäft —> eigentlich mein Favorit, wenn ich ehrlich bin 😉
  • Vor Ort in einem Schalter der öffentlichen Finanzen —> ach nee, danke, lieber nicht

Ansonsten viel Kleingedrucktes und ein Papier-Überweisungsträger auf der Rückseite.

3) Und dann noch ein blauer Bogen, auch zweiseitig. Hier konnte ich Befreiung von der Zahlung beantragen, und zwar aus folgenden Gründen …

  • Wegen Diebstahl, Beseitigung, Entwendung oder Veräußerung
  • Wegen Verleihung oder Vermietung
  • Anderer Grund

Den Grund: „C’est une banalité“ suchte ich vergebens.

Und nun zur Auflösung:

Ich bin 97 km/h auf einer 90-er Strecke gefahren, veranschlagt wurden 92 km/h, also 2 km/h drüber. Bußgeld: 45 EUR … recht happig, oder?

Aber ich nehme es positiv. Für die 45 EUR kriegt man auch eine Menge geboten. Sechs Seiten Papier mit hohem Farbanteil, sehr gutes Deutsch, digitale Zahlungsmethoden, viele QR-Codes zum Zeitvertreib, ein farbiges Emblem und sogar einen Rückumschlag. Das ist doch mal gar nicht so schlecht oder? Allerdings möchte ich anregen, dass ich für diesen Preis auch gern ein Foto für unser Urlaubsalbum hätte. Und dass der Rückumschlag doch künftig bitte frankiert sein sollte, dann könnte ich den noch für andere Zwecke nutzen. Alles in allem ein „User Satisfaction Index“ von 84,44% würde ich sagen, da gibt es also durchaus noch „Room for Improvement“, oder?

Aber jetzt, wo ich hier fasst fertig bin … da fällt mir doch glatt …  ein kleingedrucktes Datum … unter der Typ-Bezeichnung des Messgeräts auf. Da steht: „Datum der letzten Überprüfung: 04/02/2021“. Hah! Anfechtbar! Formfehler! Gerät nicht geeicht! Wahrscheinlich war ich müde und bin sogar nur 85 km/h gefahren und dieser blöde Apparat hat irgendeinen Unsinn gemessen.

Soll ich Widerspruch einlegen? Soll ich es wagen? Soll ich … na ?

Aber, ich warte mal lieber noch, vielleicht kommen ja noch mehr solcher dicker Briefe in den nächsten Tagen … ;-), da lege ich mich jetzt mal besser nicht mit „La Grande Nation“ an.