45) Klotür

Kommen wir mal wieder zu etwas ganz Kleinem und Alltäglichem. Dem Klo. Speziell dem öffentlichen Klo in Restaurant, Bahnhof oder Flughafen und der Tür, durch die man wieder hinaus muss. Hat man den Klo-Besuch halbwegs trocken überstanden (siehe Beitrag 25) Hose nass) und die Hände trocken bekommen (siehe Beitrag 47) Händetrocknungssysteme), wird man vor der Herausforderung stehen, das Örtchen ohne weitere Infektion zu verlassen.

Hier meine persönliche Top 5 der Klotüren:

  1. Platz 1: Auf vielen Flughäfen und Bahnhöfen gibts schon gar keine Türen mehr, das ist mir das liebste. Die beste Klotür ever
  2. Platz 2: Eine Klo-Tür, die sich nach außen öffnen lässt, wahlweise mit den Schuhsohlen. Die trifft man gern in den Metall-Klos an der Auto-Bahn an
  3. Platz 3: Eines solcher Drehkreuze, die diese neuen Sani-Oasen versperren. Die kann man mit den Oberschenkeln bedienen, man muss sie nicht anfassen
  4. Platz 4: Ein langer vertikaler Tür-Griff, leider zum Ziehen, häufig in Fastfood-Restaurants verbaut. Hier kann man nur versuchen, weiter oben anzufassen und hoffen, dass alle bisherigen Besucher unter 1,80 m groß waren. Aber auch nicht zu weit oben, denn in dieser Höhe war noch nie eine Putzkraft zu Gange
  5. Platz 5: Eine Tür mit klassischer Türklinke, die nass oder gar seifig, irgendwie tropfend, feucht und schmierig ist. Und nur nach innen zu öffnen. Der Horror!!
    Für diesen worst case habe ich drei Strategien entwickelt:
    A) Das Papierhandtuch in der Hand behalten und damit die Klinke bedienen. Leider gibt es immer mehr dieser „Turbo-Puster“ statt Tücher.

    B) Inne halten, abwarten und drauf bauen, dass gleich jemand von außen hinein kommt. Dann Fuß oder Ellbogen einsetzen und schnell ab durch die Mitte.

    C) Mal ausgesprochen „nett sein“, zur Seite treten und anderen Klo-Absolventen den Vortritt lassen
    —> … aber bitte nicht weitersagen, sonst funktioniert das bald nicht mehr 😉

Andere Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial?
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48) Wäsche aufhängen

Die frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen, kann noch viel schlimmer sein, als den Geschirrspüler (-> früherer Beitrag) auszuräumen.

Das Zeug, was der Spüli ausspuckt, ist ja über die Woche mehr oder weniger gleichartig und damit in der Menge gut kalkulierbar. Die Waschmaschine dagegen, hat da viel mehr Überraschungen parat. Es gleicht einem Lotterie-Spiel. Hat die Maschine ihr Piepen endlich aufgegeben (-> früherer Beitrag), hat sie im besten Fall wenige Teile Bettwäsche im Angebot oder im worst case viele Socken und andere Kleinteile. Zudem ist die Waschmaschine immer genau dann fertig, wenn man es nun echt nicht gebrauchen kann. Den Spüli kann man ja einfach nur öffnen und ggf über Nacht stehen lassen, bei feuchter Wäsche allerdings hat das seine Grenzen.

Also los, fangen wir an, hilft ja nix…

  1. Das Bullauge geöffnet und beherzt zugegriffen
    … wo ist dieses blöde Waschmittel-Portionierungs-Ding nur geblieben?
  2. Die klammen Stoffe quer durch die Wohnung zum Wäschetrockner geschleppt
    … eine Schüssel wäre praktisch, ist aber irgendwie auch uncool oder?
  3. Die Klamotten auf dem Trockner zwischengeparkt, fallen weitere Teile durch die Lücken hinunter auf die Erde
    … vielleicht doch eine Schüssel?
  4. Passende Socken-Pärchen suchen (-> früherer Beitrag), T-Shirts in Form ziehen, Kaugummi-Papier und Steine aus des Sohnes Hosentaschen pulen
    … was  kommt da noch? Taschentücher? Sand?
  5. Mehrer gezielte Griffe in den Klammer-Korb
    … kommen zwei gleichfarbige Klammern eigentlich bereits einer Marotte gleich?

Irgendwann ist es dann geschafft.

Schleppt der Sohn zusätzlich die roten Trikot-Sets der E-Jugend an, ist man zunächst entsetzt wegen der schieren Menge, dann aber schnell entspannt, ist doch alles Uni Size und Uni Color und ohne Socken …

47) Händetrocknungssysteme

Händetrocknungssysteme. Herrlich, was die deutsche Sprache so alles möglich macht. Hat man das öffentliche Klo im Flughafen, Bahnhof oder Rasthof besucht, dann sind die Hände nass und riechen nach Seife. So hoffe ich doch zumindest. Wenn man das Manöver des Händewaschens ohne größere Schäden überstanden hat (siehe früherer Beitrag Hose Nass), dann muss man die Hände irgendwie trocken bekommen.

Da kann man immer wieder das gleiche Spektakel erleben

  • Stapelblatt-Spender: Wer kennt sie nicht. Papiere werden in grün oder weiß gestapelt und geben uns das Gefühl, etwas exklusives, noch nie genutztes, zu erhalten. Nur leider bekommt man oft gleich 30 Blatt in die Hand, auch wenn man eigentlich nur zwei Stück davon benötigt.
  • Einzelblatt-Spender: Ein Blatt hängt heraus wie ein analoges Fax, oft sind die Seiten mit Werbung bedruckt. Zieht man das erste Blatt ab, folgt automatisch ein weiteres Papier. Wen das stört ( … das wäre schon fast etwas für myspleen.de …), der zieht dann auch das zweite Blatt heraus. Worauf wieder ein neues zu Tage kommt … und so weiter.
  • Papier-Rolle: Da zieht man mit nassen Fingern an dem schmalen Streifen Papier, der unten aus dem Kasten herausguckt. Das Drehrad an der Seite mag man nicht anfassen. Schnell hat man nur Papier-Schnipsel in der Hand. Das Papier ist oft so dünn, es schmilzt förmlich dahin.
  • Handtuch-Rolle: Die weiße Stoffrolle scheint endlos, man kann an ihr ziehen und mit stetigem Knacken bietet der Kasten viel Material zum Anfassen. Allerdings fühlt sie sich häufig auch schon feucht und benutzt, an. Manchmal ist sie zerknittert oder verdreckt. Vielleicht also doch lieber die Hände an der eigenes Jeans trocknen?
  • Power-Dryer: Sie sind erst seit wenigen Jahren auf dem Markt, man soll seine beiden Hände senkrecht in den Automaten halten und in nur 10 Sekunden sind die Hände dann trocken. Das Ding macht einen Höllenlärm und könnte vermutlich sogar eine kleine Cessna antreiben.

Aber egal, wie man seine Hände nun trocken bekommt. Die größte Herausforderung bleibt immernoch, die Tür zu öffnen, ohne etwas anzufassen … aber das schreit schon förmlich nach einem weiteren Beitrag.

Frühere Beiträge rund ums öffentliche Klo:

46) Krümel-Kaffee und Mikro-Welle

Sao Paulo, Dienstag 03:30 Uhr: Ich bin wach, kann nicht mehr schlafen und beschließe, die Qual zu beenden und mich der Arbeit zu widmen. Das Hotel-Zimmer hat sogar eine kleine Küchenzeile und ich meine, dort bei Ankunft sogar kleine Kaffee-, Zucker-, und Creamer-Tütchen gesehen zu haben. So ein Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Also checke ich die Mini-Küche. Zwei Tassen, zwei Gläser, 1 Besteck und eine Mikro-Welle. Wasser-Kocher = Fehlanzeige. Wie kriege ich jetzt bloß Wasser heiß? Meine Augen bleiben bei der Mikro-Welle hängen. Habe ich noch nie gemacht, aber müsste doch gehen, oder? Tief im Gedächtnis habe ich einen Informationsfetzen gespeichert, dass die schnelle/heiße Erwärmung zu einem Problem führen kann, kriege es aber nicht mehr zusammen. 

Probieren geht über Studieren:

  1. Versuch: Ich kippe etwas von meinem restlichen Mineralwasser in eine Tasse, stelle sie in die Mikro-Welle und drücke auf die „Milch-Taste“.  Dadurch erwarte ich eher eine schonende Erwärmung. Und siehe da, 200 Watt liegen an. Nach 1:40 Minuten ist die Tasse schweineheiß, aber das Wasser immernoch kalt. So wir das nichts.
  2. Versuch: Ich kippe Mineralwasser in eines der Gläser, das sollte doch die Mikro-Wellen viel besser durchlassen als die Tasse. Wieder drücke ich die „Milch-Taste“. Nach Ablauf das „Milch-Programms“ ist das Wasser sichtlich heiß. Es sprudelt nicht. Aber es sieht so aus, als wollte es irgendwo hin ausbrechen. Ich kippe ein Tütchen Instant-Kaffee-Pulver drauf und dann auch noch Zucker. Auf einmal beginnt ein energisches Sprudeln, der Kaffee wird immer mehr und geht ab wie eine geschüttelte Cola. Der Kaffee schwimmt in der Mikro-Welle.
  3. Versuch: Basierend auf Versuch Nummer 2, nehme ich nun Wasser ohne Sprudel aus der Mini-Bar. Diesmal mache ich das Glas nur halbvoll, starte wieder das „Milch-Programm“. Das Wasser wird heiß. Ich kippe das zweite Kaffeetütchen drauf. Die Eruption bleibt aus. Den Zucker werfe ich hinterher. Dann noch mehr Wasser oben drauf, aber eben nicht bis ganz voll, denn oben muss ich das Glas irgendwie noch anfassen können.

Bing! Kaffee ist fertig. Na geht doch. Ich bin zwar in einem Hotel in Sau Paulo, es fühlt sich aber an wie auf dem Zeltplatz. Nachdem ich ja nun Erfahrung damit habe, könnte ich gegen 04:30 Uhr glatt noch eine zweiten Kaffee vertragen, aber das Päckchen hatte sich ja leider in Schaum aufgelöst und schwimmt in der Mikro-Welle.

Frühere Beiträge aus dem Hotel-Leben:

45) Schnürsenkel

Folgt man dieser Tage den Nachrichten, da kann einem schon echt schlecht werden. Wahlergebnisse aus Brandenburg, zerbröselnde Regierungen in Europa und immer wieder diese Brüllereien aus Washington. Zum Glück gibt es da noch viele sympathische Kleinigkeiten aus dem Alltag, über die ich mich herrlich aufregen kann.

Schnürsenkel zum Beispiel:

5.Stock: Ich lasse die Tür hinter mir zufallen und binde mir die Lauf-Schuhe zu. Mit Doppelknoten. Nichts ist schlimmer, als Schnürsenkel, die während des Laufens aufgehen. Ich öffne die Lauf-App auf dem Handy, damit das GPS mich schon mal orten kann und mache mich die Treppen hinunter. Es kann losgehen!

4.Stock: Irgendwie ist der rechte Schnürsenkel heute enger als der Linke. Schlimmer noch. Es drückt auf den Fußrücken. Das könnte unangenehm werden. Aber vielleicht legt sich das gleich noch. Ich habe keine Lust, die Schuhe wieder neu zu schnüren. Weiter die Treppe hinab. Ich will starten!

3.Stock: Es wird nicht besser. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein? Zur Ablenkung starte ich mein Hörbuch und versuche wieder ins Thema zu kommen. Ach ja, … die Verfolgungsjagd …, stimmt, da habe ich letztens aufgehört. Ich arbeite mich weiter die Treppe hinunter. Gleich gehts los!

2.Stock: Ok, ich gebe auf. Ich muss da etwas gegen unternehmen. Es tut weh. Ich bücke mich, schnüre den rechten Schuh neu und binde ihn aber diesmal nicht so fest. Natürlich setze ich noch einen Doppelknoten drauf. Weiter gehts die Treppe bergab. Nun aber!

1.Stock: Sag mal spinn’ ich jetzt? Ist jetzt der linke Schuh zu fest? Kann das sein? Oder fühlt sich das nur so an, weil der rechte Schuh nun lockerer ist. Vielleicht muss ich noch einmal beide Schuhe neu binden? Es hilft nichts. Ich fange komplett von vorn an. Irgendwann habe ich es dann geschafft und laufe die Straße hinunter zum Park. Endlich kann ich starten!

Aber worum geht es im Hörbuch gerade? Wer zum Henker ist dieser Jim? Wo kommt der auf einmal her?

 

PS: Großen Dank an meine Tochter, die mich zu dem Beitrag inspiriert hat und damit beweist, dass ich damit nicht allein auf der Welt bin 😉

 

44) Konzert über 40

Seit Wochen hängen zwei Konzert-Tickets an der Pinnwand im Flur. Gestern Abend war es nun soweit. Und irgendwie auch anders und verwunderlich. Neben der Musik gab es genügend Bilder und Beobachtungen zum Nachdenken.

  • Standen wir Anfang der Neunziger schon um 07:00 Uhr für Depeche Mode vor der Waldbühne, stolperten wir gestern erst kurz vor Beginn ins Tempodrom. Meetings am Freitagabend … sollten per Gesetz verboten werden.
  • Kostete das Bier in alten Tagen 4 Mark, sind es nun stolze 5 Euro. Ja ich weiß, die Umrechnerei ist etwas altbacken, aber wirklich 10 Mark für ein Bier? Alter Schwede … so teuer war Bier nicht mal bei Dir im Lande.
  • Hatten wir früher schon vor dem Haupt-Gig eine Schachtel Kippen geraucht, war die Luft gestern trotz Rauchverbot ähnlich mies. Leider gab es für uns nur noch einen Platz oben auf den Rängen … da wo sich der Mief sammelt und mangels Fenster nicht abzieht.
  • Bewiesen wir uns damals im Cisch Club noch im EBM-Pogo oder lauschten dem Newcomer Rammstein im Knaack, saßen wir nun auf Klapp-Sitzen und folgten aufrecht sitzend dem Gesang. Auch wenn die Musik eher zum Zuhören ist … ein Konzert im Sitzen ist schon echt eine eigenartige Geschichte und nix für den Rücken.
  • Mussten wir seinerzeit noch minutenlang „Zugabe“ brüllen und klatschen bis die Hände kribbelten, wurde dort nur kurz getrampelt und 30 Sekunden später stand die Band schon wieder auf der Bühne. Das ging aber schnell … die Künstler wollten anscheinend auch ins Bett.
  • Konnte ich einst nicht verstehen, dass Zuschauer vorzeitig abhauten, nur um nicht in einer vollen Bahn zu stehen, wollte ich gestern früher … , um nicht in einer vollen … ach, ist ja eigentlich auch egal und nicht so wichtig.

Aber eines war immer noch unverändert … wir gehörten immer noch zu den Jüngeren !

Andere Beiträge zum Thema Ü’40:

43) Sekundenbruchteil-Momente

Manche Momente sind so kurz und intensiv, dass es kaum möglich ist, sie in Worte zu fassen. Oftmals fehlt es der deutschen Sprache einfach an passenden Begriffen. Man braucht also viel mehr Buchstaben, als der Moment eigentlich andauerte.

Verschiedenste Momente von früh bis spät:

  • Man erwacht, öffnet die Augen und orientiert sich. Wo bin ich? Das Oberstübchen informiert, dass ein wichtiger Termin (Arzt, Präsentation, Chef-Gespräch, etc) ansteht.
    Bammel?
  • Man tritt ins Treppenhaus und tastet noch einmal die Tasche ab, wo eigentlich der Schlüssel sein sollte. Zeitgleich rummst es von hinten. Die Tür ist zugefallen.
    Panik?
  • Man eilt die Treppe hinunter, ist in Gedanken schon beim Termin. Auf einmal bemerkt man, dass man aus dem Takt kommt und zu stolpern beginnt.
    Hoffnung?
  • Man rennt quer über die Straße, um noch die Bahn zu kriegen. Es sieht gut aus. Man hat die Tür des letzten Wagens fast erreicht. Aber sie beginnt zu piepen und schließt vor der eigenen Nase.
    Enttäuschung?
  • Man spielt mit dem Handy, es fällt aus der Hand und landet auf dem steinigen Fußweg. Mit dem Glas nach unten natürlich. Man greift es, dreht es vorsichtig und versucht einen Blick auf das Glas zu erhaschen.
    Vorahnung?
  • Man sitzt im Flieger nach Hause und träumt so vor sich hin. Auf einmal fühlt man sich ganz leicht und scheint zu schweben. Im nächsten Moment wird man wach, der Kopf ist nach vorn gekippt.
    Nahtot?
  • Man betritt das Parkhaus, fährt per Fahrstuhl zum Geschoss, wo das Auto steht. Die Tür des Lifts öffnet sich langsam. Das Auto ist aber nicht zu sehen.
    Selbstzweifel?
  • Man fährt auf das Ende eines Staus zu. Während man noch hastig den Warnblinker drückt, zieht im selben Moment die letzte freie Ausfahrt rechts vorbei.
    Hilflosigkeit?
  • Man ist endlich wieder daheim und lässt sich auf die Couch fallen. Man freut sich auf ein Bier und die Spätnachrichten. Stattdessen wird Karneval oder eine blumige Schmonzette aus Süd-England gezeigt.
    Wut! Hass! Tobsucht! Groll! Raserei! Rage! Empörung! Zorn!

Mit jedem Moment steigen Blutdruck oder Puls, Schweiß wird produziert und es wird einem warm oder kalt. Gesichtszüge entgleiten, Pupillen weiten sich, Falten entstehen, Haare werden grau oder fallen aus, noch bevor sie grau werden.
Aber all das dauert eigentlich nur einen Sekundenbruchteil …

Andere Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial:

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42) Auswärtsspiel

Samstag 07:00 Uhr, der Wecker klingelt. Verrückt geworden? Nee, eigentlich nicht. Wir müssen zum Auswärtsspiel. Anpfiff ist 09:30 Uhr, aber bereits 08:30 Uhr soll sich die E-Jugend dort treffen. Nach einem Express-Frühstück steige ich mit unserem angehenden Ronaldo ins Auto und düse in Richtung Berliner Norden. Pünktlich wie die Maurer sind wir dort. Unser Ronaldo entschwindet in die Umkleide und ich habe nun eine Stunde zeit. Herrlich.

Ich beschließe, mir die Beine zu vertreten und laufe ein wenig durch die Nachbarschaft des Sportplatzes. Neue Eigenheime stehen neben älteren Häusern. Eigentlich ganz nett hier. Schön grün und natürlich gewachsen das Viertel. Kurzzeitig freunde ich mich mit Gedanken an, dort zu wohnen. 

Doch dann treffe ich auf erste Zettel, die an Laternen kleben. Es sind wiederholt als „Bouletten getarnte Gift-Köder“ gefunden worden. Man solle bitte auf die lieben Hunde und Katzen achten. Von Kindern war nicht die Rede. Auf einem anderen Zettel mobilisiert die Anwohnerschaft gegen ein geplantes Neubau-Siedlungsgebiet. „Naturwiesen statt Beton-Riesen“. 

Gegen 09:00 Uhr bin ich zurück am Platz und genehmige mir im Sportler-Imbiss einen Kaffee. Ich kriege den abgestandenen Rest aus der Glas-Kanne. Für einen Euro. Die verbliebenen 20 Minuten bis zum Anpfiff tingele ich auf dem Gelände herum und schaue mich etwas um. Der hiesige Sportverein hat ein Faible für Regeln und Schilder. „Fahrräder am Zaun abstellen verboten“. „Sportplatznutzung außer zum Training und Punktspiel verboten“. „Leise verabschieden, Auto-Türen rücksichtsvoll schließen und nicht hupen“.

Ich beschließe, nicht dorthin zu ziehen.

Das Fußball-Spiel:

  • 09:30 Uhr: Anpfiff erfolgt, heute sogar mit Schiri und Linienrichterin. Schiri mit Notizblock, Linienrichterin mit Fahne. Na die fahren aber mächtig auf heute, mein lieber Mann. Gibt’s auch eine Video-Schalte nach Köln…?“, lästere ich mit einem anderen Papa.
  • 09:32 Uhr: Die Linienrichterin entpuppt sich schnell als parteiisch für die Gastgeber und schreit pausenlos „Klasse Toni!“, „Toll Kevin!“, „Schade Tim!“
  • 09:38 Uhr: 1:0 für die Gastgeber. Misst.
  • 09:39 Uhr: „Super Pete, weiter so!“, „Klasse Kevin!“. Och nö! Soll das jetzt das ganze Spiel so weitergehen? Anscheinend ja. Sie schreit weiter.
  • 09:41 Uhr: „Klasse Pete … nee … Toni meine ich!“, schreit sie
  • 09:42 Uhr: Ausgleich zum 1:1, meine Stimmung steigt wieder
  • 09:43 Uhr: „Klasse Jannik, toll gemacht!“
  • 09:44 Uhr: „Schön Pe … ähm Kevin“
  • 09:45 Uhr: „Toll Toni!“, „Super Louis!“. Aber halt, wer ist denn auf einmal Louis? Ach so, kürzlich eingewechselt. Habe ich nicht mitbekommen.
  • 09:50 Uhr: Der Gastgeber geht mit 2:1 in Führung, „Toll, superklasse Jungs“ schreit es von der Seitenlinie
  • 09:51 Uhr: Wir holen zum 2:2 auf, ich mache mir Hoffnung
  • 09:53 Uhr: Die Linienrichterin legt die Fahne gänzlich weg und focussiert sich nur noch darauf, Jungs-Namen über den Platz zu brüllen.
  • 09:56 Uhr: Halbzeit
  • 10:08 Uhr: „Toll Leon, ganz geiler Pass“. Die Spieler-Mama nebenan schaut zu mir rüber. Wir beiden runzeln die Stirn. Weiter schallen Namen über den Rasen, ich komme beim Schreiben gar nicht mehr mit.
  • 10:16 Uhr: Mit 3:2 gehen unsere Jungs in Führung, die Linien-Richterin stellt das Schreien ein
  • 10:32 Uhr: Abpfiff. Gewonnen! Gut gemacht! 

Los komm Kevi… ähm Ronaldo, wir hauen ab. 

Aber leise bitte…

 

Andere Beiträge zu Fußball und Kids:

 

 

42) Bettdecken-Gewurschtel

Zugegeben, es gibt größere Probleme auf der Welt, aber über die kleinen lässt sich besser schreiben 😉
Betritt man sein Hotel-Zimmer zum ersten Mal, wandern die Blicke im Zimmer kurz umher, um schnell einen Überblick zu bekommen. Kaffee-Maschine, Schreibtisch, Bad, Schrank, Sitzgelegenheit, Fernseher. Oder anders herum, je nachdem welche Prioritäten man setzt. Mit Sicherheit bleiben die Augen auch am Bett hängen, schließlich hat man ja deswegen ein Hotelzimmer gebucht. Die Bettdecke ist spiegelglatt, man könnte ein Kartenhaus drauf bauen. Wie machen die das nur? Bügeln die das Bett? Zerren sie zu viert an den Ecken? Manchmal liegt noch eine Tagesdecke drüber und mehr Kissen, als die kommende Nacht eigentlich Stunden bietet. Irgendwann ist der Moment erreicht, an dem ich mein müdes Haupt zur Ruhe legen will. 

Und dann geht es los:

  • Zunächst sammele ich all die Kissen vom Bett. Ich brauche nur eins. Aber welches soll ich nehmen? Eines, was meinem Kissen zu Hause am ähnlichsten ist oder vielleicht mal ein anderes Modell? Etwas Inspiration vielleicht? Gewohnte Pfade verlassen? Und wohin mit all den anderen Kissen?
  • Die Bettdecke ist ringsherum noch unter die schwere Matratze geklemmt. So kann ich nicht schlafen. Da komme ich mir ja fixiert vor wie in der Klapse. Also ziehe ich die Decke unter der Matratze hervor. Auf einmal sieht das Bett gar nicht mehr schön aus. Voll zerfleddert, als hätten da heute schon fünf Leute drin geschlafen.
  • Liege ich endlich im Bett, versuche ich die Decke zu ordnen. Ich kann drauf wetten, dass am oberen Ende des Bezugs gar keine Decke mehr zu greifen ist. Die oberen 15 cm Stoff schlabbern inhaltsleer vor sich hin. Am Fuß-Ende verzichten die effizienzgetriebenen Hoteliers immer häufiger auf Knöpfe. Beine und Füße kommen also immer wieder in Kontakt mit der eigentlichen Decke. Ein Zustand, über den man nicht zu sehr nachdenken sollte.
  • Ist dann alles sortiert, will ich das Licht ausschalten. Der Fernseher reicht als letzte Lichtquelle. Doch welcher Schalter ist es?
    —> siehe früherer Beitrag Lichtschaltkreise
  • Sind die Lichter endlich aus, verfolge ich noch etwas die Nachrichten. Die Lieder werden immer schwerer und ich beschließe, den Fernseher abzuschalten. Sch…, wo zum Henker habe ich die Fernbedienung hingelegt 😦

 

Frühere Beiträge aus dem Hotel-Leben:

41) Fallen über 40

Hat man das Alter 40 passiert, scheint man zwar „komplett“ zu sein, man ist aber nicht davor gefeit, heftig auf die Schnauze zu fallen. Und da stellen wir uns sehr dämlich an, es tut weh und sieht zudem auch blöd aus.

Vor einiger Zeit war ich zu Fuß im Kiez unterwegs. Ich eile also am Späti vorbei in Richtung Sparkasse, auf einmal macht es laut „Klatsch“ und meine 1,80m Mensch fallen wie eine frisch gefällte Eiche aufs Pflaster. Wie gefesselt liege ich auf dem Fußweg und komme zu mir. Kids laufen an mir vorbei und schauen abfällig auf mich hinunter, als wäre ich gerade besoffen aus dem Späti gefallen. Ich schaue an mir herab und sehe meine Füße gefangen in einem weißen Plastik-Band, womit man normalerweise Zeitungsstapel bündelt. Diese dämliche Schlinge hat mich also zu Fall gebracht? Kurz überlege ich, mich im Kiosk zu beschweren. Ein kurzer Body-Check ergab aufgeschlagene Knie, Prellungen am Brustkorb, verschrammte Hände. Mein Visage hat nichts abgekommen. Ab nach Hause.

Im Sommer joggte ich an der Algarve. Zunächst entlang der Strandpromenade hin und her, später dann durch eher wildes Gelände mit Trampelpfaden und kniehohen Büschen. Im „Runners-High“, denke ich kurzzeitig an Schlangen oder wilde Hunde. Den Stein vor mir registriere ich aber nicht. Ich stolpere, taumele und lande im Dreck. Irgendwie wollte sich mein Körper noch abrollen, dass berichtet die schmerzende Schulter ans Kleinhirn. Ansonsten sind die Knie wieder aufgeschrammt und die rechte Handfläche blutet. Verziert mit Sand, kleinen Steinchen und was die portugiesischen Brache sonst noch so zu bieten hatte. Was nun? Auf den Rücken legen und heulen? Interessiert hier aber auch keinen. Im Schongang zurück zur Unterkunft überlege ich, wann ich eigentlich meine letzte Tetanus-Impfung hatte.

Gestern stand wieder mein Laufprogramm auf dem Plan. Zunächst 1 Kilometer über Berliner Pflaster, dann hinein in den Park. Auf dieser Strecke kenne ich jede Wurzel, jeden Kiesel. Aber die Plattentektonik scheint auch in Berlin zu wirken. Am Arnswalder Platz hat sich der Gehweg angehoben. Der Rest verlief wie in Zeitlupe. Mein Kopf registriert, dass etwas nicht stimmt. Der Körper gerät in Schräglage, der Kopf scheint die Füße zu überholen. Also signalisiert er an die Beine, die Schritte größtmöglich zu verlängern, um das ganze System wieder zu stabilisieren. Oberkörper nach vorn und mit riesigen Schritten stolpere ich also ein paar Meter, um dann letztendlich doch zu fallen. Laufhose an den Knien kaputt, darunter Blut und  der linke Mittelfinger hat auch etwas abbekommen. Abbrechen? Nein. Finger in den Mund und mehrmals in die Höhe gestreckt, absolviere ich die Strecke. Sieht doof aus, aber funktioniert. 

Vermutlich werde ich den ganzen Tag keine E‘s tippen können, denke ich auf dem Heimweg. Was sollen die Kollegen nur denken? Vielleicht sage ich einfach, die Tastatur hat einen Schaden…

 

PS: Aber der aufmerksame Leser wird hier jede Menge E‘s gefunden haben, es geht also wieder, ich lebe noch 😉

 

Frühere Beiträge zum Thema Ü40 und Sport: