13) Wi-Fi for kids

New Delhi, Connaught Place, Zimmer 100, Bett rechts und Bett links. Darauf unsere Kinder.  Sie haben genug für heute und ihren ersten Tag auf dem Subkontinent wirklich gut gemeistert. Besonders wenn man bedenkt, dass wir heute erst 02:00 Uhr im Hotel waren und am Tag bereits bei über 40 Grad durch die nähere Umgebung des Hotels gelaufen sind. In Jantar Mantar waren wir und dann noch zu Fuß in einem Handicrafts Bazar. Anschließend ging es per Taxi zum Lodi-Garden, der Driver hat das Geschäft der Woche gemacht … am Sonntag schon 😉. Zum Abhängen kriegen die Kids nun die iPads und dürfen daddeln. Ich will mal kurz in den WordPress Reader schauen und mache es mir auf dem Büro-Stuhl bequem. Gar nicht so einfach, sich hier zu konzentrieren. Die Klimaanlage habe ich heruntergedreht, trotzdem pustet sie mich permanent an. Hinter mir auf dem Connaught Circle hupt es pausenlos. Die Stadt kommt eher in Fahrt, nicht zur Ruhe. Ist das noch Wochenende, oder schon Wochenanfang?

Es ist 20:30 Uhr Ortszeit und ich lausche ab und zu den Kids:

  • “Wie sind deine Serverdaten?“
  • “Ich habe eine Spitzhacke und Äpfel für dich“
  • “Die Welt ist doch super oder? Ich nehme mir einen Platz“

Na dann, Namaste!

Frühere Beiträge zum Thema Hotel und Mobile:

 

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41) Fallen über 40

Hat man das Alter 40 passiert, scheint man zwar „komplett“ zu sein, man ist aber nicht davor gefeit, heftig auf die Schnauze zu fallen. Und da stellen wir uns sehr dämlich an, es tut weh und sieht zudem auch blöd aus.

Vor einiger Zeit war ich zu Fuß im Kiez unterwegs. Ich eile also am Späti vorbei in Richtung Sparkasse, auf einmal macht es laut „Klatsch“ und meine 1,80m Mensch fallen wie eine frisch gefällte Eiche aufs Pflaster. Wie gefesselt liege ich auf dem Fußweg und komme zu mir. Kids laufen an mir vorbei und schauen abfällig auf mich hinunter, als wäre ich gerade besoffen aus dem Späti gefallen. Ich schaue an mir herab und sehe meine Füße gefangen in einem weißen Plastik-Band, womit man normalerweise Zeitungsstapel bündelt. Diese dämliche Schlinge hat mich also zu Fall gebracht? Kurz überlege ich, mich im Kiosk zu beschweren. Ein kurzer Body-Check ergab aufgeschlagene Knie, Prellungen am Brustkorb, verschrammte Hände. Mein Visage hat nichts abgekommen. Ab nach Hause.

Im Sommer joggte ich an der Algarve. Zunächst entlang der Strandpromenade hin und her, später dann durch eher wildes Gelände mit Trampelpfaden und kniehohen Büschen. Im „Runners-High“, denke ich kurzzeitig an Schlangen oder wilde Hunde. Den Stein vor mir registriere ich aber nicht. Ich stolpere, taumele und lande im Dreck. Irgendwie wollte sich mein Körper noch abrollen, dass berichtet die schmerzende Schulter ans Kleinhirn. Ansonsten sind die Knie wieder aufgeschrammt und die rechte Handfläche blutet. Verziert mit Sand, kleinen Steinchen und was die portugiesischen Brache sonst noch so zu bieten hatte. Was nun? Auf den Rücken legen und heulen? Interessiert hier aber auch keinen. Im Schongang zurück zur Unterkunft überlege ich, wann ich eigentlich meine letzte Tetanus-Impfung hatte.

Gestern stand wieder mein Laufprogramm auf dem Plan. Zunächst 1 Kilometer über Berliner Pflaster, dann hinein in den Park. Auf dieser Strecke kenne ich jede Wurzel, jeden Kiesel. Aber die Plattentektonik scheint auch in Berlin zu wirken. Am Arnswalder Platz hat sich der Gehweg angehoben. Der Rest verlief wie in Zeitlupe. Mein Kopf registriert, dass etwas nicht stimmt. Der Körper gerät in Schräglage, der Kopf scheint die Füße zu überholen. Also signalisiert er an die Beine, die Schritte größtmöglich zu verlängern, um das ganze System wieder zu stabilisieren. Oberkörper nach vorn und mit riesigen Schritten stolpere ich also ein paar Meter, um dann letztendlich doch zu fallen. Laufhose an den Knien kaputt, darunter Blut und  der linke Mittelfinger hat auch etwas abbekommen. Abbrechen? Nein. Finger in den Mund und mehrmals in die Höhe gestreckt, absolviere ich die Strecke. Sieht doof aus, aber funktioniert. 

Vermutlich werde ich den ganzen Tag keine E‘s tippen können, denke ich auf dem Heimweg. Was sollen die Kollegen nur denken? Vielleicht sage ich einfach, die Tastatur hat einen Schaden…

 

PS: Aber der aufmerksame Leser wird hier jede Menge E‘s gefunden haben, es geht also wieder, ich lebe noch 😉

 

Frühere Beiträge zum Thema Ü40 und Sport:

40) Spülmaschine

Spülmaschinen sollen ja eigentlich Arbeit abnehmen, sie können uns aber auch ganz gut beschäftigen. Andere schreiben über diese weißen Monster, ich tat es auch schon. Eine Spülmaschine kann ein Geschenk oder ein Graus sein. Je nachdem was man von ihnen will und zu welcher Tageszeit man ihren „Service“ bemüht.

Ist man am Abend nur müde und will Geschirr und Gläser aus den Augen haben, ist sie ein Segen. Einfach nur die Klappe öffnen und das ganze Zeug halbwegs sinnvoll unterbringen. Die Schwerkraft hilft da ungemein. Abend für Abend kann man das Schwedische Porzellan darin entsorgen, bis die Maschine voll ist. Dann noch ein Tab hinterherwerfen, Super-Programm auswählen (viel hilft ja viel… weiß man ja), Klappe zuwerfen und dann schnurstracks ins Bettchen. Gute Nacht. 

Schon ganz anders verläuft dagegen das Ausräumen der Maschine am Morgen. Zunächst ist da die Fülle an Material, die auf einmal zu Tage tritt. Wer hat das eigentlich alles dort hineingestellt? Um effizient vorzugehen, versuche ich mehrere gleichartige Dinge mit einem Mal zu greifen und an ihren Plätzen zu verstauen. Also zum Beispiel die großen Teller in die eine Hand. Alle kleinen Teller in die andere. Nach dem all die zueinander passenden Dinge eingesammelt sind, finden sich jedoch immer mehr „Singles“ im Spüli.

  • Da ist ein Plastik-Deckel zu einer Frischhalte-Dose, allerdings fehlt die Dose. 
  • Eine Souvenir-Espresso-Tasse von der Algarve tanzt aus der Reihe und lässt sich nicht stapeln.
  • Der Bier-Becher vom „Hosen“-Konzert ist umgekippt und hat Dreckwasser in sich gesammelt.

Alle Einzelgänger müssen nun separat gegriffen und verstaut werden. Mit jedem dieser Teile singt meine Laune und steigt das Risiko, dass ich mir nun doch noch den Kopf an einer offen Schranktür stoße. 

Der Erfinder in mir wird wach: 

  • Warum können wir nicht einfach zwei Spül-Maschinen haben? Aus der einen Maschine bedient man sich mit sauberem Geschirr, in die andere packt man gleich danach die dreckige Teile.
  • Warum gibts denn noch keinen Küchenschrank, dessen Innenleben sich quasi von selber reinigt? Das lästige Ausräumen hätte ausgedient, nur das Einräumen bliebe noch.
  • Warum gibt es keine Roboter, die nachts heimlich alle Einzelteile entsorgen. Wenn das jemand anderes macht, sind wir doch alle dankbar, oder? Nur wir selber können uns doch davon nicht trennen.

Ich weiß, ich weiß … das sind alles Wohlstandssorgen. All die Fragen werden für einen Moment an die Seite gelegt, wenn der weiße Aparillo mit einem Dauer-Piepton und „Error `20“ im Display auf sich aufmerksam macht. Sofort entwickelt sich die heimische Wohnküche zum Waschraum auf dem Camping-Platz. Wie früher. Alles schön per Hand. Die gängige Suchmaschine rät zur vollständigen Demontage des Abwasserschlauches. Auch den Siphon und die Rohre unter der Spüle sollte man bei der Gelegenheit mal abbauen.

Sonntag scheint ein guter Moment dafür zu sein. Ich liege mit Oberkörper und Taschenlampe im Spülschrank, baue alles ab und lege die Teile in das Spülbecken über mir. Durch den Einsatz der Küchen-Rolle bleibt alles erstaunlich trocken. Uff. Die erste Hürde ist erfolgreich genommen. Durch irgendetwas abgelenkt, widme ich mich kurzzeitig einer anderen „Challenge“ im Familien-Haushalt. Als das erledigt ist, stocke ich kurz. Wo war ich doch gleich stehengeblieben ….? Ach ja. Den Siphon und die Rohre durchpusten.

Also kehre ich zum Spülbecken zurück, drehe das Wasser auf (viel hilft viel…) und versuche den Dreck aus den Rohren zu kriegen. Das geht soweit ganz gut voran, bis ich merke, dass ich mit meinen Socken in einer schnell größer werdenden Pfütze stehe…

In diesem Moment schaue ich auf den Siphon in meinen Händen.

Schei…. !

Frühere Beiträge zu „weißer Ware“:

39) IBAN der Schreckliche

Vor ein paar Jahren hat uns das internationale Finanzwesen den IBAN geschenkt. Wer kennt ihn nicht. Man versprach uns, alles bleibe beim Alten. Im Prinzip. Man nehme nur eine neue Länderkennung, eine zweistellige Prüfzahl und klebe diese mit der alten Bankleitzahl und der Konto-Nummer zusammen. So wie Formfleisch auf einer schlechten Schinken-Pizza. Aber auch im fünften Jahr seit Einführung, werde ich mit dem IBAN einfach nicht warm. Meine alte Bankleitzahl konnte ich in-und auswendig. Am besten lies sie sich merken, wenn ich die ersten 6 Ziffern in zwei dreier-Gruppen packte. Also zum Beispiel 100 500 00. Auch meine Konto-Nummer konnte ich im Schlaf aufsagen. Meine Merkstrategie war da eine andere. Erst ein Dreier, dann zwei Doppel, dann wieder ein Dreier. Also ungefähr so hier: 123 45 67 890

Jahrelang war ich damit bestens unterwegs. Nun kam der Länder-Code hinzu, aber den kann man sich ja einfach merken. Man muss nur aus dem Fenster schauen. Die neue Prüfzahl aber, die sagt mir gar nichts. Sie lässt mich emotional total kalt. Ich kann keine Geschichte, keinen Songtext, keine Jugendliebe mit dieser blöden Zahl verbinden. Also steht sie auf einem Klebezettel geschrieben, der an meinem Monitor hängt. Damit der niemals verloren geht, ist er zusätzlich mit einem Klebestreifen gesichert. Sieht total doof aus.

Und nun ?

  • Fliegt eine Rechnung ins Haus, steht der IBAN meistens ganz klein unten in der Fußzeile. In Schriftgröße 6. Sofort beginnen all die kleinen Nullen vor meinen Augen zu tanzen. Ich versuche sie mit Daumen und Fingern in irgendein System zu bringen
  • Manchmal ordnen die Rechnungssteller ihren IBAN bereits in Vierer-Gruppen. Anscheinend hat da jemand das Problem erkannt und passte sein Brief-Design dahingehend an. Das finde ich großartig. Kann man eigentlich wunderbar abtippen
  • Tippt man aber diese IBAN ins entsprechende Feld, zerbröselt die blöde Software diese schöne Vierer-Kolonne wieder in eine eigene Logik und meckert herum, dass beim IBAN irgendetwas nicht stimmt. Nun sitze ich genervt vor dem Computer und zähle die einzelnen Stellen nach. Eigentlich wollte ich nur schnell meinen Strafzettel bezahlen
  • Habe ich dann endlich alles ausgefüllt und es gibt nichts mehr zu meckern, klicke ich auf „Senden“ … und ärgere mich in dem Moment, dass ich schon wieder den Haken bei „als Vorlage speichern“ vergessen habe…

Aber schon versammeln sich neue Spieler an der Seitenlinie, die auf ihren Einsatz warten. Sie nennen sich PushTan, TanApp, TAN2Go und so weiter. Aber die sind einen eigenen Beitrag wert.

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12) Prekarte nach Indien 2019

Ab und zu veröffentliche ich ja hier auf meinem Blog auch digitale Postkarten, um über Eindrücke und Kuriositäten in der Ferne zu schreiben. Postkarten heißen vermutlich deshalb Postkarte, weil man sie mit der Post verschickt. Irgendwie naheliegend. Vielleicht deutet aber auch das Wörtchen „Post“ darauf hin, dass die Karte immer erst „nach dem“ Erlebnis folgt.

So wie in posttraumatischer Belastungsstörung. Nur halt positiver. Alles nicht sprachwissenschaftlich belegt und etwas an den Haaren herbeigezogen, beschäftigt mich es aber nun doch. Wenn wir also auf einer Reise ein paar Impressionen nach Hause schicken, dann könnte man das doch eigentlich auch vor der Reise tun, oder? Abgeleitet von dem Begriff Postkarte, würde man quasi eine Prekarte schreiben. Die verschickt man nicht an die Heimat, sondern an das Reiseziel. Ganz einfach. 

Schon mal gemacht? Ich nicht. Aber ich probiere es heute einfach mal aus.

Liebes Indien,

Viele liebe Grüße senden wir aus Berlin. 

Das Wetter hier ist absoluter Mist, die Verpflegung aber gut, Personal habe ich allerdings schon länger nicht mehr gesehen. Wir haben die Nase voll vom Winter und wollen endlich in die Sonne!

Wir alle sind schon sehr aufgeregt. Manchmal sprechen wir beim Essen über schwierige Fragen. „Wie lange werden wir fliegen? Wieviel davon über Wasser? Fliegen wir auch über Syrien? Wird es solch eine Boing sein, über die man dieser Tage in den Nachrichten spricht?“ Als Vielflieger versuche ich dann mit statistisch/technischem Halbwissen zu überzeugen.

In den letzten Wochen haben wir unserem Hausarzt und der Pharma-Industrie kräftige Umsätze verschafft. In unseren Impfausweisen haben wir nun ein paar Aufkleber mehr, insbesondere auf den exotischen Seiten im hinteren Bereich des gelben Heftes. In den nächsten zwei Jahren sollten wir am besten wieder nach Asien reisen, damit sich das  mehrfach rechnet. Ich schaue mich schon einmal nach Reisezielen um.

Aber nun zurück zu dir. Zunächst wollen wir uns also etwas in deiner Hauptstadt herumtreiben. Dann besuchen wir dein berühmtes Taj Mahal. Wieder zurück in Delhi möchte ich noch ein paar Orte sehen, die bei meinem letzten Besuch in 2015 zu kurz gekommen waren. Und wir werden A. und ihre Familie besuchen! Das wird sicher ein unvergessliches Erlebnis. Zu guter Letzt geht es dann noch ans Meer, um die tausenden Bilder im Kopf zu sortieren und die Seele baumeln zu lassen.

Also, wir freuen uns auf deine Menschen, deine heiligen Kühe, den allgegenwärtigen Trubel, den chaotischen Straßenverkehr und das pausenlose Gehupe in der Stadt. Wir sind gespannt auf deine Tempel und Moscheen, auf deine Farben und Gerüche. Auch wenn nicht alles immer farbig sein und gut riechen wird. Ganz klar. Vieles wird zum Himmel stinken und schwer zu erklären sein. Manches wird wütend und hilflos machen. Das wissen wir. Trotzdem freuen wir uns und zählen die Tage schon rückwärts.

Also, mach‘s gut, wir sehen uns ja. bald. Ach so … und noch etwas. Wäre echt cool, wenn wir bei der Einreise nicht ewig warten müssen und der Taxi-Fahrer den Weg ins Hotel kennt. DANKE

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So, das war nun meine erste Prekarte. Noch etwas ungewohnt, aber durchaus ein interessantes Format. Habe ich nun der eigentlichen Postkarte vorgegriffen? Gibt es denn überhaupt noch Stoff für weitere Postkarten aus Indien? Irgendwie bin ich mir sicher, dass es genug zu berichten geben wird…

 

Frühere Postkarten aus Asien:

38) Zahnarzt

Wenn es um Zahnarzt-Besuche geht, bin ich eine echte Pfeife. Ein Weichei, ein Schisser, eine Flachzange, ein Drückeberger… die deutsche Sprache ist da recht vielfältig. Allein die telefonische Termin-Vereinbarung kann sich etwas hinziehen. Es gibt immer genug Gründe, diesen einen Anruf noch etwas hinauszuschieben. Viel Arbeit und „andere wichtige Projekte“ zum Beispiel. Aufgrund einer anstehenden Asien-Reise, musste ich nun doch mal zum Hörer greifen, denn vor Ort wollte ich bestimmt nicht zum Zahnarzt gehen. Als die Hürde des Anrufs aber erst einmal gemeistert war, trat sofort Erleichterung ein. Mein innerer Schweinehund war zunächst überwunden. Aber damit begann die Qual ja eigentlich erst. Zunächst war der Termin noch wochenlang entfernt, es gab noch viele andere schöne Dinge bis dahin. Dann waren es nur noch ein paar Tage bis zum Zahnarzt-Besuch, dann auf einmal war der Termin … „heute“. Heute schon?

Schon beim Gedanken daran, werden meine Hände feucht und kalt. Ich gehe also auf die Praxis zu und erhoffe ein Schild mit der Aufschrift  „wegen Krankheit bis auf weiteres geschlossen“. Das Schild fehlt aber und alle Türen springend summend auf. In der Praxis bin ich der Einzige und werde freundlich begrüßt. Eine kurze Ruhe-Pause wird mir noch gegönnt, dann ruft man mich ins Zimmer 1. “Machen Sie es sich bequem“.

Nun geht alles Schlag auf Schlag. Eine Betäubungs-Spritze ins Zahnfleisch, dann zunächst der kleine „fiepende“ Bohrer und dann der große „rubbelnde“ Bohrkopf, der meine Schädeldecke zum Vibrieren bringt. Zum Finale folgt noch ein Bohrer mittlerer Größe, der ganz laaaaaangsaaaam und  ausführlich das neue gebohrte Loch durchwühlt, um wirklich aaaaaaaalles zu erwischen und ans Tageslicht zu befördern. Es ist ein furchtbares Geräusch. Es ist ein „Kratzen“, „Schleifen“, „Feilen“, „Schleifen“… und da ist die deutsche Sprache auf einmal sehr arm an Wörtern.

Der Arzt ruft der Schwester ständig irgendwelche Abkürzungen und Nummern zu? Ist das etwa das Material, was er als nächstes benötigt oder sind das bereits die Nummern der Zähne, die in den nächsten Wochen noch dran sind. Ich kann nicht fragen, ich habe ein Pfund Watte-Stäbchen im Mund und einen Schlauch, der literweise „Sabber“ absaugt. Wo fließt die eigentlich hin, versuche ich mich abzulenken. Gibt’s im Keller etwa einen großen „Sabber“-Behälter, der einmal im Monat abgeholt wird und zu Frischwasser aufbereitet wird? 

Mein Kopf brummt und meine Ohren klingen, aber das Schlimmste scheint überstanden. Noch etwas Schmiere in das Loch, dann die Füllung rein, Heizlampe drüber und nur wenige Momente warten. Schon erstaunlich, was die Werkstoffe heute so ermöglichen. Nun noch mehrmals zubeißen und etwas nachschleifen, bis die Zähne oben und unten wieder aufeinander liegen und klappern können. Geschafft. Nach gut einer Stunde darf ich wieder aufstehen. Noch etwas wackelig auf den Beinen, verspreche ich Arzt und Schwester, mich bald wieder zu melden. Ernsthaft. Diesmal wirklich. Versprochen…

Ich torkele auf die Straße, laufe zur Tram und denke nach:

  • Wann gibt es endlich die ersten Nano-Roboter? Ich wüßte sofort einen Anwendungsfall.
  • Was kann man nur gegen diese Geräusche machen? Vielleicht Ohrschützer von der Baustelle besorgen?
  • Und warum muss im Praxis-Radio „103.6 LTR, Achim und das Morgen-Team“ laufen? Die ganze Bohren ist doch nun schon echt anstrengend genug, oder?

 

Bin ich hier der einzige Schisser?

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37) Senf am Morgen

Wieder so ein Moment, bei dem ich am liebsten laut „Schei…“ schreien möchte. Es ist Freitagmorgen um 06:45 Uhr. Die Familie sitzt am Frühstückstisch. Wir schieben Cornflakes und Toasts in unsere Futterluken und nippen an Kakao und Kaffe. Ein paar Wörter lösen sich aus unseren Kehlen, aber für tiefergehende Gespräche fehlt es an Zeit und Energie. Also mache ich den Anfang und beginne schon einmal, den Tisch abzuräumen. Geschirr und Besteck kommen in den Spüler, Wurst und Käse gehören in den Kühlschrank. Alles reine Routine, ich könnte es mit verbundenen Augen. Also reiße ich die Kühlschrank-Tür auf und … sehe einen Senfbecher in der untersten Ablage der Kühlschranktür? Aber das geht nun wirklich nicht. Ich brumme mein Unverständnis. Der Platz unten in der Tür ist für große Tetra-Packs und Flaschen reserviert, aber bestimmt nicht für kleine Senf-Becher. Da bin ich etwas eigen und kann schnell zickig werden. Also greife ich den Senf-Becher am Schlafittchen, um ihn in die oberste Etage zu befördern. Meine Feinmotorik liegt aber noch im Bett und schläft. Der Becher fällt zu Boden und zerplatzt. „Klatsch“ macht es. Ein großer Haufen gelber Senf liegt auf den Bodenfliesen vor dem Kühlschrank. Oaaahh, nö!!! Bitte nicht das jetzt! Das brauche ich jetzt echt nicht. Es riecht hier wie am Schwenkgrill auf dem Weihnachtsmarkt. Wie kriege ich das nun wieder weg? 

Mit ein paar Blättern Küchen-Papier von der Rolle? Nein, das ist irgendwie zu trocken. Vielleicht mit feuchtem Lappen oder Schwamm? Auch nicht, dann verschmiere ich das alles bloß noch. Also begebe ich mich auf die Knie und baue den Senf-Berg mit Torten-Heber und Crêpe-Besteck ab.

Um so mehr ich mich dort unten auf den Fliesen so umsehe, um so deutlicher sehe ich, dass sich der Senf noch weiter verteilt hat. Senf-Spritzer an den Tür-Fronten, weitere Kleckse an den Blenden und so weiter. Großartig.

Ach man, das ist doch eine riesige „Schei…“ fluche ich. 

Zum Glück ist heute Freitag und nicht Montag.

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