41) Leergutautomaten

Es gibt da so rot lackierte Ungetüme, die mich einmal pro Woche an den Rand des Wahnsinns treiben. Diese Apparate stinken zum Himmel, gelten gemeinhin als Keimschleuder und sind zudem noch widerspenstig, bockig und dämlich. Dort wo wir unseren wöchentlichen Einkauf erledigen, stehen gleich vier dieser zeitfressenden Monster nebeneinander. Leider sieht man ihnen ihre Tages-Laune nicht von außen an, man hat also kaum Chance, sich für oder gegen einen der Pfand-Automaten entscheiden. Zunächst fordert ein Display dazu auf, die Flaschen mit dem Boden zuerst in den grün leuchtenden Schlund einzuwerfen. Damit kann ich ja noch leben, selbst wenn einem dabei häufig irgendwelche Flüssigkeits-Reste in den Ärmel laufen. Die ersten zwei, drei Flaschen schluckt der Automat bereitwillig. Es scheint so, als hätten die Techniker bei der letzten Wartung das Zickigkeits-Level etwas herunter gedreht. Aber der Schein trügt und der Automat fällt wieder in sein gewohntes Verhaltensmuster. Er unterbricht den Vorgang, sein Schlund leuchtet rot auf und auf dem Display erscheinen wahlweise folgende Meldungen:

Gebinde nicht vollständig entleert!
Erstens habe ich die Pulle ja soeben erst in meinen Jacken-Ärmel entleert und zweitens, was ist das überhaupt für ein antiquierter Begriff? „Gebinde“. Meine Kids wissen gar nicht, was das heißen soll. Geschweige all die fremdsprachigen Benutzer, die dem Automaten ihre Falschen in den Hals werfen.

Flasche gehört nicht zum Sortiment!
Und ob, du dumme Maschine! Die habe ich ja erstes letzten Samstag hier im Markt gekauft. Ich kaufe ja schon kaum Flaschen bei anderen Märkten, um genau diesen Ärger mit euch zu vermeiden. Ich probiere es wieder und wieder, aber das Förderband schiebt die Flasche stur zurück. Mir reichts! Ich werfe die Flasche wie einen Dart-Pfeil an dem Scanner vorbei. Dafür gibt es zwar kein Geld zurück, aber ich habe nun auch nicht ewig Zeit.

Bitte kontaktieren Sie einen unserer Mitarbeiter!
Das ist die Höchststrafe und eigentlich schon ein Widerspruch an sich. Wenn es hier noch irgendwo Mitarbeiter geben würde, dann müsste ich mich ja nicht jeden Samstag mit euren nervenden Flaschenpfand-Maschinen herumärgern und meine Zeit mit ihnen verplempern.

 

Was waren das für Zeiten, als unsere Flaschen noch von Menschen entgegen genommen wurden.  Und wie geschickt und schnell die dabei waren…

Frühere Beiträge zu nervigen Automaten und Self-Service:

40) Flug-Vieh am Terminal C

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen Tegel (besonders am Terminal C, da wo die Billig-Flieger ablegen), gibt mir regelmäßig das Gefühl, nur für blödes Flug-Vieh gehalten zu werden. Dort geht es zu wie auf der Ponderosa-Ranch in  „Bonanza“. Das Flug-Vieh wird zunächst auf ein chromglänzendes Metall-Gatter zugetrieben, dass all die Massen ordnen und beruhigen soll. Ein Wunder eigentlich, dass man keine Cowboys sieht, die pfeifend ihr Lasso schwingen. Ist man in diesem „Ordnungssystem“ angekommen und hat sich ihm ergeben, folgt man dem Strom der Menge. Stumpf tippelt man ein paar Schritte in die eine Richtung, macht kehrt und geht dieselbe Zahl an Schritten wieder in die andere Richtung zurück. Hin und her geht das so weiter, immer am Chrom-Geländer entlang. Auf diese Weise begegnet man in kurzer Zeit, immer wieder den selben Menschen. Man hat keine Chance diesem Schauspiel zu entgehen, es sei denn man entscheidet sich kurzfristig für die Bahn oder einen Mietwagen. Außen lehnen zwei Cartwright-Brüder vom Sicherheitsdienst über der Chrom-Stange, beobachten uns blöden Rindviecher und machen so ihre Kommentare. Sollte ein Fluggast mal in Eile sein und die Brüder anflehen, das Zick Zack ausnahmsweise abkürzen zu dürfen, würden die ihm mit Berliner Oberlehrer-Charme folgendes erklären: „Na da hätt’n se halt eha hier sein müssen. Zwei Stunden eha jenau jenommen. Dit steht doch druff uf ihre Buchung, oder etwa nich?“ Irgendwann erreicht man dann endlich den Bordkarten-Scanner. Hat man diese elektronische Sicherheitsmaßnahme gemeistert, wartet weiteres Human-Kapital an den Metall-Detektoren auf den genervten Reisenden. Ich packe all mein Zeug in der für mich mehrfach erprobten Art und Weise auf das Band. Im besten Fall ist der Sicherheit-Mensch völlig emotionslos, maulfaul und kaut Kaugummi. Im schlimmsten Fall belehrt er mich und sortiert mein Klamotten und die Reihenfolge der Plastikwannen um, so dass ich völlig aus meinem Trott komme.

Egal wie es nun wieder laufen wird, ich kann aber mit Sicherheit damit rechnen, dass dort überall wieder lautstark über … 

  • die Erlebnisse vom Wochenende, 
  • die unfaire Pausenregelung,
  • und den blöden Schichtleiter 

debattiert wird. 

Auch wenn Teamleiter und Fluggast in Hörweite daneben stehen.

Liebe Airlines und Flughafenbetreiber, bitte gebt mehr Geld für die Sicherheitskontrolle aus und bezahlt die Leute da ordentlich! Dann kehrt vielleicht auch wieder etwas Flug-Kultur ins Terminal C ein. DANKE

Frühere Beiträge zu Schlange Stehen, Service und Low Cost-Wahn:

9) Salat alles

Heute konnte ich durch Zufall eine sehr gut funktionierende Deutsch-Türkische Integration beobachten. Oder war es eher eine Türkisch-Deutsche? Keine Ahnung. Lest selbst.

Kurz nach 18:00 Uhr stolpere ich bei unserem Döner-Mann des Vertrauens durch die Tür. Der Leser mag die saloppe Berufsbezeichnung „Döner-Mann“ entschuldigen. Es ist nicht diskriminierend gemeint, aber so nennen wir das Bistro nun mal bei uns in der Familie. Ähnlich wie der „Asia-Mann“ ein paar Türen weiter. Der „Döner-Mann“ ist eigentlich gar kein „Mann“ sondern ein türkisches Hochleistungs-Team, dass neben Döner auch Pizza, Lasagne, Salate und sogar Burger macht. Aber es sind wirklich nur „Männer“… das will ich mit Blick auf den nahenden Frauentag (früherer Beitrag) noch mal deutlich sagen. Ich taxiere kurz die Lage in dem Bistro. Gleich rechts hinter der Theke wird eifrig gearbeitet. Der Flachbild-Fernseher hinten hängt wie immer leicht schief an der Wand und es laufen Nachrichten ohne Ton. Die meisten Gäste scheinen zu warten, um ihr Essen mit nach Hause zu nehmen. Mit meiner Bestellung wird es also einen Moment dauern, ich lehne mich an den Getränke-Kühlschrank und beobachte einfach die Szenerie in dem Laden.

Einer der Männer hinter der Theke ruft laut „Döner?“. Keiner reagiert. „Döner?“. „Hallo?“. „Döööööner!“. Ein deutscher Gast schreckt auf und reißt sich die Kopfhörer von den Ohren. „Ähh… ich?“. „Mein…Döner…?“ und zeigt mit dem Finger auf sich selbst. Der Mann hinter der Theke nickt und fragt „Sauce?, „Salat alles“? (…jedes Mal erstaunt mich diese aufs Wesentliche gekürzte Frage erneut). Der Gast beginnt zu stammeln. „Ähhhm … also ähh ja … Knoblauch und Scharf, aber bitte mehr Knoblauch als Scharf … also wirklich nur’n bisschen Scharf ja … nicht so viel bitte ok … und ohne Zwiebeln, dafür mehr Rotkohl… also Kraut meine ich … und ohne Tomate bitte … dafür gern mehr Gurke …und so weiter. Ach so … und zum Mitnehmen, bitte“.

Ob das gut geht frage ich mich. Hat der gebürtige Türke das wirklich verstanden? Ich werde es nie erfahren, der deutsche Gast bekommt eine Tüte über die Theke gereicht und verschwindet.

Wieder ruft ein Mann hinter der Theke in das Bistro hinein: „Döner, bitte!“ Ein anderer Deutscher steht schon bereit an der Salat-Vitrine und antwortet ungefragt. „Kräutersauce und Salat alles.

Na bitte. Geht doch.

39) Wie aus Luft

Gestern fühlte ich mich zeitweise, als wäre ich „Sam“ aus dem 90-er Jahre Film „Ghost“. Der jüngeren Generation wird das vielleicht nichts sagen, also ziehe ich einen weiteren Vergleich. Ich fühlte mich wie Harry Potter. Mit Unsichtbarkeitsumhang.

München, Odeonsplatz. Chaos bei der U3 und U6. Der Bahnsteig ist überfüllt, die eintreffende Bahn ebenso. Ich beschließe, auf die nächste Bahn zu warten, bringe mich und meinen Rollkoffer aber schon mal in eine bessere Position. Ich stelle mich genau dahin, wo vermutlich die Türen der nächsten Bahn sein werden, halte aber noch etwas Abstand zur Bahnsteigkante. Kaum spüre ich den Luftzug der nächsten Bahn, erscheinen plötzlich weitere Menschen und stellen sich auf die kleine Fläche vor mir. Ähm, Hallo? Ich stehe hier doch nicht zum Vergnügen! Ich muss ins Büro.

München, U6. Trotz Koffer-Handicap schaffe ich es noch in die Bahn. Festhalten brauche ich mich nicht, umfallen kann ich eh nicht. Bei einer der nächsten Stationen, wird ein Mädel gegenüber unruhig. Sie will bestimmt aussteigen und hat Angst, dass sie es nicht rechtzeitig bis zur Tür schafft, weil ich ihr den Weg versperre. Ich signalisiere ihr nickend, dass ich verstanden habe und wühle mich in Richtung Tür, um ihr Platz zu machen. Die Türen öffnen sich. Ein breiter Kerl versperrt aber den Ausgang und bewegt sich keinen Zentimeter. Nicht nur weil er über Kopfhörer Musik hört, sondern weil man ihm anscheinend das Rücksichtnahme-Gen entfernt hat. Ähm, Entschuldigung, dürfte ich mal?

München, Flughafen. Airbus 319, Platz 26E. Ich bin auf meinem Platz in der Mitte der Reihe angekommen. Eine Frau kommt dazu, setzt sich selbstsicher auf den Gangplatz neben mir. Kurz danach erscheint ein Typ, scheucht sie wieder hoch, denn er habe wohl den Platz gebucht. Ich stehe schon mal auf, um in den Gang zu treten, damit sie dann zum Fensterplatz durchrutschen kann. Sie erhebt sich auch, bleibt aber in der Fußreihe stehen und schaut mich an.  Ähm, wie soll das jetzt laufen? Soll ich durch sie durchgehen oder will die vielleicht über mich drüber krabbeln?

Berlin, Flughafen. Flugfeld Terminal C. Wir verlassen das Flugzeug und laufen zu den Bussen. Es ist wieder sehr voll. Angekommen am Terminal, öffnet der Bus die vorderen Türen. Aus dem hinteren Bereich müssen wir also alle hintereinander durch den Bus laufen, um vorn auszusteigen. Der Menge stur folgend, schupst, schiebt und drängelt es permanent hinter mir. In meinem Nacken spüren ich fremden Atem. Als hätte ich jemanden im Huckepack. Ich schaue über die Schulter und wen sehe ich hinter mir? Die Lady vom Fensterplatz. Jetzt reicht es mir aber. „Rücken Sie mir nicht so auf die Pelle, man!“  

Berlin, Bernauer Straße. Ich sitze im Taxi und denke über die Ereignisse nach. War ich wirklich in München? Oder habe ich mir das nur eingebildet? War nur mein Geist in München und mein Körper war den ganzen Tag über noch in Berlin? Oder ist das mittlerweile vielleicht sogar anders? Kommt der Geist neuerdings eher an und der Körper folgt dann später? Ich durchsuche meine Jacken-Taschen nach Beweisen. Ich finde einen Kassen-Bon vom Münchener Flughafen. Ein Helles und eine Brezel. Datiert vom 30. Januar. Es muss so gewesen sein. Ich war in München, auch wenn ich permanent ignoriert wurde. Als wäre ich aus Luft. Als existiere ich gar nicht.

Ist das ein Münchener Phänomen oder liegt es daran, dass immer mehr Menschen ernsthaft glauben, der Planet wäre exklusiv für sie geschaffen worden?

Frühere Beiträge zum Thema:

8) Berliner Frauentag

Wer die Nachrichten in den letzten Tagen verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass Berlin einen neuen arbeitsfreien Feiertag bekommt. Den Frauentag am 8. März. Ab wann? Bereits dieses Jahr, also in sechs Wochen. Wenn es dazu eine breite Diskussion im Vorfeld gab, ist die irgendwie an mir vorbeigegangen. Liegt es vielleicht daran, dass ich kürzlich im Arabischen Raum (früherer Beitrag) unterwegs war? Dort war das keine Nachricht wert. Warum nur? In meiner Wahrnehmung kam der Entschluss des Berliner Innenausschuss erst letzten Montag aus dem Radio-Lautsprecher. Der finale Beschluss durch das Abgeordneten-Haus sei nur noch ein formaler Akt, hieß es. Aha. Und was sagt das Berliner Wahl-Vieh dazu? Hätte ich vielleicht die Wahlprogramme der Berliner Parteien gründlicher lesen sollen, so wie bereits beim Mobilitätskonzept (früherer Beitrag)? 

Aber nun ist er da, der Feiertag. Zunächst ist das natürlich im Bundesvergleich ganz nett. Gehört doch Berlin zu den Bundesländern mit den wenigsten Feiertagen. 

Trotzdem bleiben Fragen:

Kommen wir erst einmal zu Sinn und Zweck des Feiertages. In den Medien spricht man von dem „Frauentag“. Aber ist das nicht irreführend? Es geht doch gar nicht um die „Frau“ an sich, sondern um ihre Rechte, Stellung in der Gesellschaft, Nachteile in Karriere, Einkommen und Rente. Zumindest in Europa. Oder? Dann sollte der Tag aber noch ganz schnell umbenannt werden in „Tag der Frauenrechte“ oder so. Sonst erwarte ich die ersten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht, dass auch „andere“ einen arbeitsfreien Feiertag erwarten. Wäre es nicht viel zeitgemäßer, stattdessen einen gemeinsamen „Feiertag gegen Benachteiligung aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Gesundheitszustand“ usw. zu veranstalten? Natürlich muss weiterhin für die Frauenrechte gekämpft werden, ohne Frage. Da gibt es noch viel nachzuholen, nur ist Benachteiligung eben mittlerweile vielfältig und es gibt sie überall.

Nun zum Zeitpunkt. Ein gesetzlicher Feiertag soll doch zum Innehalten, zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Demonstrieren dienen. Deshalb ist er ja arbeitsfrei. Dazu ist der 8. März nun aber nicht gerade geeignet. Im besten Falle gibt es keinen Frost mehr, vermutlich regnet es den ganzen Tag. Ich bin gespannt, wie die Organisatoren diverser Veranstaltungen das Volk von Glotze, Netflix und Prime weg und an die frische Luft kriegen wollen. Ich glaube, es wird also eher ein Couch-Tag, wenn man mal ehrlich ist. Vielleicht fahren auch alle zum Shoppen nach Brandenburg. Oder es wird Wäsche gewaschen und gebügelt (im besten Falle von Männern). Aber ist das denn gerechtfertigt und dem Hintergrund des Feiertages angemessen?

Es ist aber nun mal beschlossene Sache, also haben wir ganz spontan Anfang März einen Tag frei. Praxen, Ämter, Schulen und andere Dienstleister werden geschlossen haben. Dumm für diejenigen, die einen Termin beim Zahnarzt, Standesamt oder Scheidungsanwalt haben. Die geraten nun in Hektik und müssen ein paar Telefonate führen. Ich werde heute Nachmittag auch alle Meetings für den Frauentag am 8. März absagen. Die Inder werden sich über den Hintergrund wundern, die Araber auch, aber die haben Freitags eh frei. Die merken das gar nicht. In 2020 liegt der Feiertag auf einem Sonntag, das ist also alles wieder beim Alten.

Bevor wir hier zum Ende kommen, eine Frage noch:

Erlaubt das Berliner Ladenschlussgesetz eigentlich das Öffnen von Blumen-Läden an Feiertagen? Oder gibt’s dann am 8. März lange Schlangen bei ARAL, TOTAL, SHELL und beim Späti um die Ecke?

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion.

7) Bilder-Berge

Wer ein Smartphone nutzt, der weiß, wie einfach man damit Photos machen kann. Vielleicht nun nicht gerade prämierte Meisterwerke, dafür aber schnell und um so mehr. Man kann gleich mehrfach auf den Auslöser drücken, nur für den Fall, dass der erste Versuch verwackelt oder falsch fokussiert ist. Kostet ja erst einmal nichts. Man kann mit Blitz, Filter und Panorama spielen, bis der Akku qualmt.

Schnell sammeln sich auf diese Weise in einem Urlaub tausend Bilder an. Reist man mit Familie und mehrere Menschen knipsen gleichzeitig, wird es noch mehr. Erinnern wir uns da mal an die analogen Zeiten zurück. Da hatte man drei 36-er Filme mitgenommen, die Motive sorgsam gewählt und beim Abdrücken die Luft angehalten. Wollte man noch mehr Photos machen, musste man halt einem lokalen Halsabschneider einen Film abkaufen, der schon seit Jahren in der Sonne eines Schaufensters lag. War man zurück zu Hause und hat die entwickelten Bilder beim Foto-Laden abgeholt, konnte man die Hälfte wegschmeißen. Verwackelt, unterbelichtet, langweilig. Es blieben also noch ungefähr 70 Bilder übrig, davon schafften es 30 ins Familien-Album. Reicht ja auch.

Heute ist das anders. Im guten Falle löscht man bereits auf dem Rückflug all die verwackelten Bilder direkt vom Smartphone. Hat man etwas mehr Zeit, sollte man die Bilder erst einmal nach irgendeiner Logik auf diverse Festplatten, auf den Home-Server oder in die Cloud schieben, um das dann „irgendwann“ einmal anzugehen. Die absolute Kür ist, die besten Bilder in einem Photo-Buch zusammenzustellen. Meinen vollen Respekt dafür.

Wie man es aber auch angeht, es werden sich über die smarten Jahre tausende Bild-und Video-Dateien angesammelt haben und der Bestand wird stetig wachsen. 50.000 Dateien in 10 Jahren sind bestimmt nicht übertrieben. Waren früher manche Fotos einer Kaffee-Tasse, einem Wasserschaden oder einem Wohnungsbrand zum Opfer gefallen, war man natürlich traurig. Die Bilder waren schwer beschädigt oder gar verloren, wenn es die Negative auch erwischt hatte. Es war aber nicht zu ändern. Die digitalen Bilder werden uns hingegen bald über den Kopf wachsen.

Wenn man die Bilder nicht löschen will, dann muss man sich Gedanken machen, was damit eigentlich geschehen soll. Überschlage ich nur mal die Zeit bis zur Rente (…der frühestmögliche Zeitpunkt, mich damit zu beschäftigen…), wird der Bestand auf 200.000 Bilder angewachsen sein. Angenommen, ich würde pro Bild 30 Sekunden benötigen, um es zu sichten, zu entscheiden, zu drehen und zu ordnen, dann wäre ich mit der Aufgabe ein knappes Jahr beschäftigt. Unterbrochen nur von Schlaf. Nur für das Sortieren! Da ist noch kein Film draus entstanden oder gar ein Photo-Buch. Und nun?

Wie so oft in dieser Kategorie hier, gibt es auf all das keine Antworten, sondern eher Fragen:

  1. Wäre es nicht an der Zeit eine Software zu erfinden, die diese Bilder-Berge sichtet? Oder gibt’s die vielleicht schon? Kennt ihr eine?
  2. Angenommen, die Bilder-Berge lösen sich auf einmal in Luft auf. Irgendein fieser Virus frisst die alle auf. Ohne Ankündiung. Was dann?
  3. Was passiert, wenn all die Bilder mal in ein neues Format konvertiert werden müssen? Ein Multi-Trillionär ist der, der einen solchen Konverter gegen kleines Geld anbietet.
  4. Was ist eigentlich, wenn wir mal ins Altersheim müssen und gern ein paar Papier-Photos mitnehmen wollen. Welche denn? Und wer sucht die aus den Bilder-Bergen heraus?
  5. Vererbt man eigentlich digitale Bilder an die Hinterbliebenen und wenn ja wie? „Liebe Kinder, im Keller stehen drei Server mit Photos, seht zu was ihr draus macht! Wir sind dann mal offline. Eure Eltern. ROFL, LOL ;-)“

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion

Frühere Beiträge zu Smartphone und Co:

10) Postkarte aus Dubai 2019

Im Januar hatte ich Gelegenheit, nach Dubai zu reisen. Trotz der vollen Agenda konnten wir ein paar Highlights sehen und etwas von der Stadt spüren. Neben den wohl bekanntesten Sehenswürdigkeiten Burj al Arab, Burj Khalifa, Palm, Wüste und den riesigen Märkten in der Altstadt, konnten wir auch ein paar Skurilitäten entdecken oder haben sie aus Gesprächen mit dortigen Kollegen erfahren.

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Dubai ist sauber und sicher. Die Standards entsprechen westlichem Niveau, oftmals liegen sie drüber. Ein guter „place to live“ so sagen alle, die wir hier treffen. Absolut verständlich, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen hier aus Indien, Pakistan, Afghanistan oder dem kalten Europa stammen. Dubai schillert an allen Enden, aber genauso widersprüchlich ist es auch an vielen Ecken.

Geld, Events und Luxus:

In der Marina liegen teure Yachten. Die wenigsten Eigner fahren vermutlich  selbst, sondern lassen sich samt Party-Gästen vor die Küste schippern. Da gehts dann richtig zur Sache. Entlang der Marina gibt es nette Lokale, wo man sich durchaus mal gern auf ein Bierchen hinsetzen würde. Leider dürfen nur wenige Lokale Alkohol ausschenken. Und wenn man ein Pint in die Hände bekommt, kann es gut und gern 8-11 EUR kosten. Prost!

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Man besitzt hier gerne teure Limousinen und Sportwagen, das Maxium auf dem Highway liegt aber bei nur 140 KM/h. Also bleibt nichts anderes übrig, als die Flitzer beim JBR-Beach zur Schau zu stellen. Tür auf, Musik an und hoffen das jemand einsteigt.

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Die Personaldichte ist hier sehr hoch. Die Einwohner Dubais kochen kaum selbst, putzen selten selber. Im kleinen Shawarma-Grill erwarten uns 7 Service-Kräfte, in der Kaffee-Küche nahe unseres Meeting-Raums wuseln ständig drei Menschen und wischen uns die Zucker-Krümel und Milch-Tropfen hinterher. An der Tankstelle springen lauter Helferlein zwischen den Säulen hin und her,  man wird grundsätzlich betankt. Unser Kollege am Steuer gibt zu, dass er eigentlich gar nicht weiß, wie so ein „Betankungsvorgang“ eigentlich funktioniert. Immerhin weiß er wo das Tankloch (früherer Beitrag) seines SUV ist.

Energie, Bau und Umwelt:

Die Gebäude sind angestrahlt, alle Häuser haben Aircondition, selbst viele Bushaltestellen sind gekühlt. Die Mall of Dubai zählt zu den größten der Welt und bietet mal eben auch eine Ski-Abfahrts-Piste mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Sessel-Lift. Für die Kleinen gibt es auch eine Rodel-Bahn. All das wird von riesigen Power-Plants versorgt, an denen man stadtauswärts kilometerlang vorbei fährt.

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In der Stadt wird gebaut was das Zeug hält. Nicht bedarfsgetrieben, sondern einfach drauf los. Um so höher, um so besser. Ob das jemals alles bewohnt wird, steht in den Sternen. Die Zeichnungen zukünftiger Projekte deuten auf komplett neue Städte. Und ein neuer Super-Turm entsteht Aund natürlich eine Mega-Mall.

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Obwohl doch so hoch entwickelt, gibt es kein Recycling System in Dubai. Alles fliegt in den Müll, Plastik-Flaschen, Plastik-Tüten, sogar die großen Wasser-Gallonen von den Wasser-Spendern sind hier Hausmüll. Der Sprit kostet gerade mal ungefähr 0,30 EUR pro Liter, der Fahrstil bringt den Drehzahlmesser an den Anschlag und beim Tanken lässt man den Motor laufen.

Die Dubai Mall gehört zu den größten Shopping-Malls der Welt und beherbergt neben Shops und Food Cord auch Riesen-Aquarien und Eislaufflächen.

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Draußen werden Einwohner und Gäste mit Lightshows, Fun-Parks und Wasser-Fontänen bei Laune gehalten. So ungefähr muss es im alten Rom auch gewesen sein.

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Fazit: Sehenswert auf jeden Fall, auf jeden Fall auch mit Familie. Man sollte nur nicht zu viel drüber nachdenken, ob die Welt das alles braucht, und was dort wäre, wenn all das eben nicht dort wäre

 

PS: dies ist mein erster Beitrag, den ich über den Wolken veröffentliche! Irgendwo zwischen Bukarest und Budapest.

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Frühere Postkarten: