344) Eure Armut kotzt mich an

Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören. Immer wenn von „oben“ und „unten“ gefaselt wird, von einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, von einer Einkommensschere die sich immer weiter öffnet. Das is‘n bisschen zu einfach, findet ihr nicht?

Klingt ja so, als hätten wir Bootseigner überhaupt keine Sorgen, nicht auch unsere Päckchen durchs Leben zu tragen. Stellt euch das mal nicht zu einfach vor bitte!

Der Klimawandel, die Pandemie, jetzt der Krieg, die Personalknappheit, das macht uns auch zu schaffen.

Glaubt ihr nicht? Okay, dann hier nur mal ein Auszug meiner Alltagsprobleme:

  • Mein Boot ist 65 Meter lang. Also finde da erst mal einen passenden Liegeplatz und genug Raum im Hafenbecken, um die Karre zu wenden. Das ist nicht so ohne!
  • Der Jacuzzi an Deck muss mittlerweile schon gekühlt werden, weil es draußen immer heißer wird. Da zweifele ich schon, ob der Energiezuschlag der Bundesregierung diese Mehrkosten kompensiert. Ich werde mich da auf eine Härtefallregelung berufen.
  • Meine Suite ist 130 Quadratmeter groß, es ist schon mal vorgekommen, dass ich da selber durchsaugen musste, weil die Putzfrauen nicht mehr für 7,20 EUR die Stunde arbeiten wollten. Die 8 Kabinen der 15 Crewmitglieder habe ich dann aber nicht gesaugt, da sollen die mal schön selber machen. Bin ja nicht die Heilsarmee, oder?
  • Wenigstens die Chinesen in der Kombüse und in der Wäscherei sind noch nicht abgehauen. Die waren noch nicht einmal an Deck, wissen gar nicht an welchem Ort wir eigentlich sind. Ich meine, was sollen die auch hier im Land der Franzosen machen? China-Pfanne verkaufen?
  • Wenn an den 12V 4000 M53-Motoren mal eine Wartung fällig ist, dann finde hier mal fachkundiges Personal. Die können hier einen Renault 5 wieder flott machen, aber doch nicht so etwas. Da muss dann ein Techniker von Rolls-Royce einfliegen. Das geht schon, der kann auf dem Heli-Deck landen, aber ich muss das bei der Hafenbehörde anmelden. Nerv….!
  • Ich habe ja schon mal überlegt auf E-Antrieb umzusteigen, ich will ja auch was für meine Umwelt tun. Aber wenn ich mir eine passende Batterie in das Boot baue, dann wäre die so schwer, da fällt die glatt durch die Bordwand, wohlmöglich direkt auf ein Korallenriff. Das wäre dann ja auch schade … also für die Batterie meine ich. Und für die Bordwand. Kostet ja alles sein Geld. Mein Geld.
  • Und am allerschlimmsten sind all diese Badelatschen-Touristen, die jeden Tag am Boot vorbeischlurfen und Selfies machen. Kommen gerade aus‘m SPAR-Supermarkt, weil sie zu geizig waren, im Restaurant 4 Teller Langusten mit Wein und Nachtisch zu bestellen. Dann mampfen die vor meinem Boot ihre Baguettes, saufen prekäre Erfrischungsgetränke und krümeln mir die ganze Promenade voll, auf die ich heute Abend noch einen Fuß setzen wollte. Um meine Gäste zu empfangen.

Also hört auf zu jammern! Macht mal was aus eurem Leben! Das wird nicht an die Haustür geliefert, da muss man sich auch mal ein bisschen bemühen! Von nix kommt nix.

PS: Liebe Leser, keine Sorge, die Sonne hat mir nicht das Hirn verbrutzelt. Aber wir haben heute ein paar riesige Yachten im Hafen gesehen. Zum Beispiel die „Triumph“ (könnt ihr selber googeln, kein Bock das zu verlinken). Nebenbei haben wir belegtes Baguette gefuttert und natürlich die Promenade vollgekrümelt. 😉

22 Kommentare zu „344) Eure Armut kotzt mich an

  1. Protzig, ja. Schön ist was anderes. Aber du hast das sehr gut erfasst, wie diese schwimmenden Statussymbole genutzt werden. Immerhin ist die Triumph ja offensichtlich nicht festgesetzt, weil sie einem Oligarchen gehört. Naja, jedem das Seine, ich mag eher urige Segelschiffe. Die Aleander von Humboldt zum Beispiel (wenn es groß sein soll) oder unsere Sterntaler (die ja nicht mal ganz 10 Meter lang ist)
    Aber in Heiligenhafen liegt über den Sommer auch immer eine Motoryacht, die der Besitzer nicht selbst steuern kann. Der lässt sie im Frühjahr auswintern und an den Steg legen und im Herbst andersrum. Dazwischen nutzt er sie als Ferienwohnung🙈.

    Auf jeden Fall hatte ich viel Spaß beim Lesen…

      1. Paddeln ist auch cool. Egal ob im Kanadier oder im Kajak. Machen meine Schultern nur leider nicht mehr mit. Aber ich habe die Paddelurlaube im Müritz-Nationalpark immer genossen.

      2. Ach guck an, ja da kann man wunderbar paddeln. Egal in welcher Wanne. Berlin und „drumherum“ hat auch viel Wasser.

        Ich habe aber auch schon Kanadier mit Außenborder gesehen … man oh man. 🙄

    1. also doch! Mir ist das schon mehrfach hier aufgefallen, danke für die Bestätigung. Der Klimawandel, die Pandemie, jetzt der Krieg, die Personalknappheit, das macht uns auch zu schaffen.

      Glaubt ihr nicht? Okay, dann hier nur mal ein Auszug meiner Alltagsprobleme:

      Mein Boot ist 65 Meter lang. Also finde da erst mal einen passenden Liegeplatz und genug Raum im Hafenbecken, um die Karre zu wenden. Das ist nicht so ohne!
      Der Jacuzzi an Deck muss mittlerweile schon gekühlt werden, weil es draußen immer heißer wird. Da zweifele ich schon, ob der Energiezuschlag der Bundesregierung diese Mehrkosten kompensiert. Ich werde mich da auf eine Härtefallregelung berufen.
      Meine Suite ist 130 Quadratmeter groß, es ist schon einige Male geschehen, dass ich da selber durchsaugen musste, weil die Putzfrauen nicht mehr für 7,20 EUR die Stunde arbeiten wollten. Die 8 Kabinen der 15 Crewmitglieder habe ich dann aber nicht gesaugt, da sollen die mal schön selber machen. Bin ja nicht die Heilsarmee, oder?
      Wenigstens die Chinesen in der Kombüse und in der Wäscherei sind noch nicht abgehauen. Die waren noch nicht einmal an Deck, wissen gar nicht an welchem Ort wir eigentlich sind. Ich meine, was sollen die auch hier im Land der Franzosen. China-Pfanne verkaufen?
      Wenn an den 12V 4000 M53-Motoren mal eine Wartung fällig ist, dann finde hier mal fachkundiges Personal. Die können hier einen Renault 5 wieder flott machen, aber doch nicht so etwas. Da muss dann ein Techniker von Rolls-Royce einfliegen. Das geht schon, der kann auf dem Heli-Deck landen, aber ich muss das bei der Hafenbehörde anmelden. Nerv….!
      Ich habe ja schon mal überlegt auf E-Antrieb umzusteigen, ich will ja auch was für meine Umwelt tun. Aber wenn ich mir eine passende Batterie in das Boot baue, dann wäre die so schwer, da fällt die glatt durch die Bordwand, wohlmöglich direkt auf ein Korallenriff. Das wäre dann ja auch schade … also für die Batterie meine ich. Und für die Bordwand. Kostet ja alles sein Geld. Mein Geld.
      Und am allerschlimmsten sind all diese Badelatschen-Touristen, die jeden Tag am Boot vorbeischlurfen und Selfies machen. Kommen gerade aus‘m SPAR-Supermarkt, weil sie zu geizig waren, im Restaurant 4 Teller Langusten mit Wein zu bestellen. Dann mampfen die vor meinem Boot ihre Baguettes, saufen prekäre Erfrischungsgetränke und krümeln mir die ganze Promenade voll, auf die ich heute Abend noch einen Fuß setzen wollte. Um meine Gäste zu empfangen.
      Also hört auf zu jammern! Macht mal was aus eurem Leben! Das wird nicht an die Haustür geliefert, da muss man sich auch mal ein bisschen bemühen! Von nix kommt nix.

      PS: Liebe Leser, keine Sorge, die Sonne hat mir nicht das Hirn verbrutzelt. Aber wir haben heute ein paar riesige Yachten im Hafen gesehen. Zum Beispiel die „Triumph“ (könnt ihr selber googeln, kein Bock das zu verlinken). Nebenbei haben wir belegtes Baguette gefuttert und natürlich die Promenade vollgekrümelt. 😉

      Geteiltes Leid ist halbes Leid.

  2. Sehr schön, sehr schön, sehr schön. Tja, es ist eben nicht allen Menschen gegeben, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Und je höher man die Mauern um sich zieht, desto schwieriger wird es. Aber an meinem Mitleid hat es nun doch nicht angeklopft. Vermutlich schlägt dann mein Sozialneid zu;-)
    Macht mal schön weiter mit Eurer Krümmelei. Sind es nicht die kleinen Nickelichkeiten, die auch Freude bereiten? Wenn ich dann allerdings doch mal ein Haar in die Suppe werfen darf: Vermutlich stört sie das nicht im Geringsten.

    1. Danke Belana Hermine, weiß du, ich glaube, die haben uns beim Krümeln gar nicht gesehen. Die haben innen so eine spezielle Folie auf den Fenstern, die ihnen nur Postkartenromantik zeigt 😉

      1. Eigentlich wirklich arme Kreaturen. Sie wissen doch gar nicht, was ihnen alles an Genüssen entgeht. So ein frisches Baguette in einer steifen Meeresbrise verspachtelt – das ist doch wirklich ein Erlebnis. Naja, zumindest ich beneide Euch ein bisselchen dafür 😉 aber gönne es Euch von Herzen.

  3. Sehr amüsant! Vor langer Zeit haben wir in einer Bar am Hafen in St
    Tropez stundenlang an einem immer weiter verdünnten Pernot genuckelt und dabei das Treiben auf den Luxusyachten beobachtet.

  4. Boah, immer diese Proleten vor der eigenen Yacht. Was kann ich denn dafür, dass die nicht reich geerbt haben. Selbst Schuld, wenn man in die falsche Familie geboren wird. Wissen diese Jesuslatschen-Touris eigentlich, was Hummer und Langusten inzwischen kosten? Das sind die wahren Probleme. nicht, ob man das Gas für seine Sozialwohnung noch zahlen kann.

  5. Da denke ich auch an die Leute, die hier gerade jammern, dass sie nicht bewässern dürfen, nachdem sie dieses Frühjahr 20.000 Euro für eine herrliche Grünanlage rund um ihre Villa bezahlt haben. Da soll uns der Staat mal diese Kosten erstatten. Schließlich bezahlt er die Autowaschanlagenbetreiber auch, wenn sie nicht arbeiten dürfen. Bitte? Oder wie du immer schreibst: What? Ach so, ein Argument ist auch, dass der Staat/die Kommune es nicht geschafft haben, die maroden Wasserleitungen zu sanieren. Vielleicht fehlen Steuereinnahmen? Soll es ja geben, dass die nicht bezahlt werden in Italien. Ja, auch die Besserverdienenden haben echte Sorgen gerade, da soll mal einer das Gegenteil behaupten.

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