323) Batterie auf Rädern

Neulich kam ich an einer Ladesäule im Kiez vorbei und sah diesen riesigen weißen Blechhaufen kostbaren Strom aus der Erde zapfen. Auf dem Bild sieht dieses „Vehicle“ noch recht knuffig aus, aber ich hatte den Eindruck vor mir steht ein Schlafzimmer-Schrank schwedischer Bauart. 

Der Hersteller dieser „Innovation“ hat seinen Stammsitz im Südwesten Deutschlands, mehr will ich dazu gar nicht sagen. Eigentlich wollte ich für diesen Beitrag ein paar technische Daten diese „Dings“ aus dem Internet zu ziehen und dann mal mit meinem bald 14 Jahre alten „can be bashed“-Diesel zu vergleichen. Also Maße, Gewicht, Geschwindigkeit, CO2 Ausstoß etc.

Aber dann hätte ich mich eine ganze Weile mit E-Automodellen dieser Oberklasse beschäftigen müssen, bei denen ich erheblichen Zweifel verspüre, ob das nun der richtige Weg für die nahe Zukunft ist.

Ich bin kein Kfz-Ingenieur, kein Energieberater, kein Luftreinheitsspezialist aber, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das nun besser sein soll, als meine geliebte Familien-Kutsche. Immerhin ist die schon gebaut, das Alu wurde bereits gepresst, der Kunststoff gegossen, ich fahre mit reduzierten Tempo und versuche sie noch weniger zu bewegen. Natürlich kommt im Moment des Fahrens noch Dreck hinten raus, keine Frage, aber dieses „Monster“ dort, wurde kürzlich zusätzlich gebaut. In einer Größe, die absolut fragwürdig ist. Es hat einen schweren Akku hinten drin, dass ein Teil der Energie nur dafür draufgehen muss, diesen zu transportieren. Es wurden seltene Erden von weniger selten schlecht bezahlten Arbeitern aus dem Boden gepult, dieses „System“ nimmt noch mehr öffentlichen Straßenraum weg und keiner hat eine Ahnung, wohin mit der Batterie, wenn die mal schlappmacht. Und das alles wird dann noch steuerlich gefördert. Von uns allen. What?

Vielleicht bin ich da nicht genug informiert oder voreingenommen, mag sein. Aber kann mir mal bitte jemand darstellen, wie und wann sich das rechnet? Außer für die Autobauer, die nun ein neues Konjunkturprogramm bekommen??

Frühere Beiträge zum Thema:

9 Kommentare zu „323) Batterie auf Rädern

  1. Exakt diese Überlegung habe ich auch immer wieder – und sie ist mit ein Grund, warum wir unser altes Auto (einen Benziner, 16 Jahre alt und vom Muttibombertyp) immer noch am Leben halten und inzwischen immer weniger bewegen.
    Als Neuwagen war der damals sicher auch nicht gerade ein Kleinwagen, aber gegen die elektrischen Monster-SUVs mit Überbreite , -Länge und -Gewicht wirkt der heutzutage geradezu zierlich und mit einem Verbrauch von knapp sieben Litern bei moderater Fahrweise auch ziemlich sparsam.

    1. Danke Wilhelm für den Kommentar, genau diese Strategie „fahre“ ich auch. Ich fahre die Familienkutsche (auch nicht gerade klein) so lange es geht und dann schauen wir, was die Technik dann so bietet. Vielleicht ist man dann schon einen Schritt weiter.

  2. Wir hatten bisher nur Gebrauchtwagen und haben dieses so lange gefahren, bis sie nur noch als Ersatzteillager Verwendung finden konnten – haben sie dann aber genau zu diesem Zwecke an entsprechende Unternehmen abgegeben. Sollte der aktuelle Wagen schlapp machen, wird es keinen neunen geben. Gut, wir haben uns unsere Wohngegend explizit danach ausgesucht, dass ÖPNV zugänglich ist.
    Ansonsten bin voll der gleichen Vorurteile und ungeklärter Fragen, wie Du sie in Deinem Beitrag schilderst.

  3. Ich bin zufällig Fahrzeugingenieur😂😇. Und ich sehe das ganz ähnlich wie du. Ein großes Fahrzeug braucht mehr Energie als ein kleines, egal ob Strom oder Benzin, logisch. Erst wenn wir irgendwann mehr elektrische Energie haben als wir brauchen, und alle (wirklich alle) Prozesse CO2-neutral sind, dann macht so ein Fahrzeug vielleicht Sinn. Die ausgediente Batterie übernehme ich dann gerne für meine Solaranlage, da sehe ich kein Problem.

  4. Das Thema löst sich nur durch verändertes Verhalten und das wird lange dauern; Heute pflegen wir fröhlichen Egoismus, unterstützt durch das großartige Freiheits- und verklärte Indiviualismusgelaber und das schön abgestützt auf die Marktwirtschaft. Denn das Ding oben ist Teil auch der neuen Marktstrategie der Stern-Firma: Ausrichtung auf das Premiumsegment: heißt, wir bauen für die richtig Habenden, die sich freuen, mehr zu besitzen und zu zeigen, als der doofe Nachbar hat.
    Bisher 500 PS, jetzt eben 400 KW. … und dann für grade mal 30 Euro Jahresgebühr in Berlin aufs öffentliche Land stellen und die Gemeinschaft bezahlt die Straßenreinigung. Jahres-Anwohnerparkscheine müssten vielleicht 100 Euro pro angefangene Fahrzeugmeter kosten.
    Verhalten ändert sich ein bisschen durch politischen Druck (aber wer kann und will den erzeugen?), eher durch massive Umfeldveränderungen; >>> wer kauft Butter aus Bayern an der Nordsee (und umgekehrt) wenn der Liter Diesel erst 10 Euro kostet?

  5. gerne: und beim genauen Hinsehen ist das ein sog. plug-in-Hybrid, (hinten unten Auspuff zu sehen.) Damit werden starke Benziner noch mit zusätzlichem Elektroschub aufgepeppt (fast wie in der Formel 1), und als umweltpolitisches Feigenblatt kann man auch 30-40 km rein elektrisch fahren und dafür gibt´s noch ne satte Prämie; toll!

    Aber mal positiv: es gibt auch echt alltagstaugliche kleinere E-Autos, die den Beginn des Wandels in der Breite sichtbar machen (Renault Zoe, VW ID3, Dacia Spring u.a.)… und als Teilschritt bietet sich neben dem ÖPNV im Nahbereich ein platzsparender E-Roller an; ich bin in 6 Monaten mit meinem 1500 km in Berlin gefahren und habe damit ca. 120 ltr Benzin für andere oder später übrig gelassen.

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