304) Erfrischende Videokonferenzen

„Am I living in a box, am I living in a cardboard box“, so begann ein Refrain in den 80er Jahren.

Nach zwei Jahren Homeoffice lebe ich zwar zum Glück nicht in einem Karton, aber in TEAMS (und dieses Produkt sei mal nur stellvertretend genannt, es gibt ja viele andere).

Neulich habe ich einer lieben Kollegin aus UK mein Leid geklagt und dann schlug sie vor, sie sollte mich mal drücken. Was ja online schlecht geht, aber dann dachten wir im Scherz über eine neue Funktionserweiterung an der Software nach: Zwei Gummi-Arme die per Mausklick rechts und links des Monitors hervorschnellen. Plop. Hug. Na ja, noch nicht ganz zu Ende gedacht … aber immerhin.

Die aktuelle Woche verbrachte ich eigentlich 90% im virtuellen Meeting-Raum und da kamen mir noch zusätzliche Verbesserungen in den Sinn:

  1. Mir fällt zunehmend auf, wie jung und frisch manche Kollegen auf ihren Profil-Bildern wirken und wenn sie sich dann mal die Kamera freischalten, erschrecke ich schon mal.
    Feature Request: Eine Alterungssoftware sollte mitlaufen, die die Profilbilder kontinuierlich dem Alter und den Arbeitsgewohnheiten anpasst.
  2. Manche Leute sind zwar im Meeting, aber nicht wirklich anwesend. Beobachtet man ihre Augen genauer, sieht man, dass sie eigentlich mit Händen und Gedanken ganz woanders sind.
    Feature Request: Unter dem Profilbild sollte stehen, was die gerade nebenbei machen. „Writing e-mails“,  „Watching Netflix“ oder „Planning Weekend“. Das erhöht dann die Aufmerksamkeit. Garantiert!
  3. Am Dienstag nahm ich einen Mann und eine Frau im Meeting wahr, die zur gleichen Zeit etwas tippten und dabei ganz verschmitzt lächelten. Chatten die miteinander? Flirten die etwa? Läuft da mehr?
    Feature Request: Man sollte Beziehungslinien zwischen den Profilbildern einrichten so wie „Hat Affäre mit Kathrin“ oder „Ist Sohn von Jürgen“ oder „Hat Bonus für Peter genehmigt“. Das würde sofort das ein oder andere Verhalten im Meeting erklären.
  4. Oft werden Leute zu einem Statement aufgefordert und dann labern die nur Blödsinn. Das ist so auffällig und einfach zu durchschauen.
    Feature Request: Ein „Mind-Reader“, der die Gedanken des Sprechers in einer Sprechblase darstellt. Sagt der Teilnehmer zum Beispiel: „Danke, aber ich hätte das nicht besser formulieren können als mein Vorredner. Ich bin dabei, ihr habt mein volles Commitment“. Dann stünde über ihm geschrieben. „Worum geht‘s hier eigentlich, ich habe nicht aufgepasst und wo zum Henker bleibt der Lieferdienst?“
  5. Oft zeigen sich Teilnehmer überhaupt nicht und sagen nichts. Also nicht, dass ich sonderlich scharf drauf wäre, immer jeden sehen zu müssen. Aber wenn ich mir mehrere Stunden dieses Meeting gebe, erwarte ich das auch von Anderen.
    Feature Request: Ein Radius-und Bewegungskarte, die zeigt wo der Typ gerade herumschleicht. „Garage“, „Sauna“, „Geräteschuppen“, „Baumarkt“?
  6. Die ersten Konferenzsysteme funktionierten ja noch ohne Hintergrundbilder. Da musste man den Leuten in die verkramten Arbeitszimmer oder zugemüllten Küchen schauen. Heute sind die Hintergrundbilder sehr stabil und uns werden auch nicht mehr die Ohren abgeschnitten. Die Leute fühlen sich sicher und könnten im Prinzip sogar auf dem Klo sitzen oder auf eine Strandliege auf Mallorca, man würde es nicht merken.
    Feature Request: Die Hintergrundbilder spontan wegblenden und nur gegen Spende an Unicef wieder zulassen. Und ich verspreche: Die Spendenbereitschaft wäre ungeahnt hoch. Die Leute würden gar einer Einzugsermächtigung zustimmen.
  7. Das Hauptproblem ist eigentlich, dass man zu den Meetings immer noch persönlich erscheinen muss, oder?
    Feature Request: Ein „On behalf“-Login, da könnte ich dann jemanden einstellen, der sich statt meiner da hin hockt oder ich schicke einfach meinen Personal Blog Assistant >T.Bot. Das merkt doch eh keiner.   

Und hier zum Abschluss der Meeting-Woche noch etwas Musik:

Am I living in a box

Am I living in a cardboard box

Am I living in a box

Life goes in circles

Around and around circulating

I sometimes wonder

What’s moving underground

I’m escaping

I’ve found a way to break

Through this cellophane line

Cause I know what’s going on

In my own mind“

(C) Living in a Box

7 Kommentare zu „304) Erfrischende Videokonferenzen

    1. Danke Anke fürs Lesen, ich verhandle noch mit den großen Playern im Silicon Valley. Welches Feature soll ich denn nach oben priorisieren???

  1. Sehr gut beobachtet!
    Ich selbst habe einmal gebügelt, während unser CEO seine Quartalsbotschaft verkündete. Und ich hatte nicht das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Zum Glück war mein Mikro abgestellt, denn mein Dampfbügeleisen machte Darth Vader Konkurrenz…

    1. Ja großartig, aber mal ehrlich. Wenn man „nur“ irgendwo zuhören muss, kann man solch leichte Tätigkeiten nebenbei machen. Und damit auch die Bügelzeit dienstlich genutzt wird, nehmen moderne CEOs ihre Botschaften bereits als Podcast auf …

  2. Danke für Deine wie immer netten Anregungen und Beobachtungen unserer derzeitigen Arbeitsgewohnheiten.
    Zu 1. hätte ich gern noch den Wunsch, dass es auch andersherum geht, also dass man aktuelles Bild dem Profilbild angepasst wird. Fände ich persönlich jetzt viel netter 😉
    Nummer 3 kann echt verwirren, wenn man Moderator ist und plötzlich zwei gleichzeitig anfangen zu lachen. Hat man sich da gerade selbst in irgendein Fettnäpfchen gesetzt?

    1. Danke Belana Hermine, also dein Vorschlag zu 1 ist auch cool irgendwie, damit könnte man eine Menge Geld verdienen. Man sollte nur aufpassen, welches Bild man hoch lädt, denn nach der Transformation gibts vermutlich kein Zurück mehr. 😉

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