264) Kein Kommentar

Wenn man sich der Bloggerei hingibt, wird man über kurz oder lang auch mal auf anderen Blogs unterwegs sein. Bei manchen schaue ich ab und zu vorbei, anderen folge ich und lese jeden Beitrag. Meistens „like“ ich die dann auch, als Zeichen des Gefallens oder auch als einfache „Lesebestätigung“ an den Verfasser.

Mit ausführlichen Kommentaren halte ich mich aber zurück, ich kriege das zeitlich nicht hin.

Was aber, wenn mir der Inhalt des Beitrags oder ein Kommentar unter diesem Beitrag so dermaßen gegen den Strich geht, dass ich aus der Haut fahren möchte? Wenn ich trotz aller Toleranz anderer Meinungen gegenüber, Schnapp-Atmung und massive Zuckungen in den Fingern verspüre, wenn ich dem „Antworten“-Button näher komme.

  • Künftig einfach drüberblättern? Ignorieren, nicht lesen? Gar die „Followerschaft“ kündigen, es mir in meiner Blase gemütlich machen und die Beiträge vorbeiziehen lassen, wie kurze Regenschauer?
  • Die Beiträge lesen, mich mit deren Inhalt auseinandersetzen, versuchen den Standpunkt zu verstehen, oder zumindest zu akzeptieren, dass es ihn gibt? Mehr Zuhören, statt Urteilen? Das „Die“ und „Wir“ hinterfragen, auch wenn es schwerfällt?
  • Drauf eingehen, etwas kommentieren, dabei aber sachlich bleiben und sich nicht im Ton vergreifen? Ist es das Mindeste was man machen kann, um ein Zeichen zu setzen, dass es andere Auffassungen dazu gibt?
  • Oder aktiv dagegenhalten, es mit Fakten versuchen und den/die Verfasser/In und die jeweilige Leserschaft mit Argumenten zu überzeugen? Soll ich mir tagelange Wortgefechte liefern und ist das nicht völlig sinnlos, wenn ich zwar mit einem Menschen digital diskutiere und aber vielleicht zig andere auch so denken?
  • Will ich mich an diesen Inhalten abarbeiten? Schließlich kenne ich die Leute ja gar nicht. Und wenn sie ihre Blogs so führen wollen, dann ist das doch deren Ding. Was geht mich das an? Und steht es mir überhaupt zu, in deren Vorgarten zu pinkeln?

Alles gar nicht so einfach. Ich komme da an die Grenzen und muss mir einen Umgang damit überlegen.

Zunächst werde ich den Blogs weiterhin folgen, denn es gibt da auch Beiträge, die nicht so ideologisch aufgeladen sind. Ich werde aber weniger kommentieren. Dadurch kriege ich noch mit, was in anderen Blasen so abgeht, schone aber meine Nerven.

Mal gucken wie das funktioniert.

21 Kommentare zu „264) Kein Kommentar

  1. Wenn mir ein Blog z. B. Künstlerisch gefällt, ich ihn ideologisch aber wirklich nicht akzeptieren, stehe ich jedes Mal vor der Entscheidung Kunst und Künstler trennen? Handke zum Beispiel lese ich nicht mehr

    1. Interessanter Aspekt, danke. Bei Kunst kann ich das auch nachvollziehen, die kann mir gefallen oder nicht und was der Künstler politisch denkt, das kriege ich ja oft gar nicht mit. Die Schreiberei hat irgendwie den Nachteil, dass sie so direkt, offensichtlich, transparent und frei von Interpretation ist, wenn man nicht gerade in der Poesie unterwegs ist. Ich denke mal drüber nach.

  2. Interessante Frage! Neige eher dazu, so einen Beitrag nicht zu liken und zu kommentieren. Die wenigsten Erwachsenen würden ihre Meinung ändern, wenn ich dagegen halte. Wenn mir der Blog ansonsten gefällt und es sich nicht menschenverachtende, rassistische oÄ. Beiträge handelt, folge ich weiterhin, es sei denn die Posts, die mir gegen den Strich gehen häufen sich.

  3. Lieber T., das kann ich gut nachvollziehen. Ich finde es schon schwierig/herausfordernd/nervig genug mit Menschen, die zu meinem Bekannten-/Freundeskreis gehören, ideologische Themen (vor allem die Art, die gerade mit Macht an’s Tageslicht zu drängen scheint) zu diskutieren. Und das sind Menschen, die ich kenne und zu welchen ich meine, einen „Zugang“ zu haben. Zeit ist ein so kostbares Gut – und gefühlt habe ich so wenig davon – und zudem bin ich von Grund auf schon nicht wirklich per se eine „Menschenfreundin“. Was passiert da also? Ich werde ungeduldig, bin im schlimmsten Fall angeekelt (?!) bei gewissen Ansichten/Ideologien, habe das Gefühl meine Zeit zu verschwenden und falle immer noch mehr vom Glauben an die Menschheit an sich ab. Lohnt sich das? Andererseits muss man „dagegenhalten“ – das wissen wir ja nur zu gut, was passiert, wenn die Masse nicht dagegen hält. Insofern dosiere ich es – und versuche für mich die Balance zu finden zwischen dem, was ich meine mir selbst „schuldig“ zu sein und was mir (noch) guttut. (Was Du ja wohl auch versuchst, wenn ich Deinen Schlusssatz richtig interpretiere).

    1. Danke Sabine fürs Lesen und den Kommentar, alles nicht so einfach. Ich will da auch dagegenhalten, gerade wenn ich glaube, dass er/sie auf dem Holzweg ist, andererseits habe ich auch keinen Missionierungsauftrag. Ich wurschtle mich da jetzt so durch …

  4. Ich halte es ähnlich wie wanderlustig. Eigentlich ist der/die/das „like“ für mich auch so eine Art Gruß und Dankeschön fürs Teilen. Wenn es aber Beiträge sind, die (für mich!) an der Grenze oder zu sehr missinterpretierbar sind, dann like ich eben nicht. Wenn ich merke, dass ein Blog ganz abdriftet oder wirklich Menschenverachtendes schreibt, dann löse ich auch die Followerschaft. Es ist ein Unterschied, ob man sich mit anderen Meinungen auseinandersetzt oder fast schon in verbale Straftaten hineingezogen wird. In ein Wortgefecht per Internet lasse ich mich nicht ein. Dafür bräuchte ich einfach den ganzen Menschen.

  5. Blogs, die politische oder ideologische Themen aufgreifen sind meist gar nicht an anderen Meinungen interessiert, sondern wollen die Eigene bestätigt bekommen. Wenn mir der Inhalt mal nicht gefällt, ignoriere ich, wenn es sich häuft, lese ich den Blog nicht mehr. Alles andere ist Zeitverschwendung.

  6. Deinen Ansatz finde ich sehr konstruktiv. Mit Likes bin ich bei solchen Posts eher sehr sparsam, und auch mit den Kommentaren halte ich mich zurück. Ebenso, wenn es sich um Reaktionen auf meine Beiträge handelt, es sei denn, der betreffende Verfasser postet rassistisch, antisemitistisch oder ähnlich und es geht gegen meine Prinzipien.
    Auseinandersetzung ist gut, solange sie gegenseitig wertschätzend erfolgen kann. Im Frühjahr hatte ich es tatsächlich mal mit einem Zeitgenossen zu tun, den ich bei „Hass melden“ gemeldet habe. Der hatte in seinem Blog aber auch tatsächlich justiziable Inhalte.

    1. Danke Annuschka, zum Glück hatte ich so etwas bei mir noch nicht vor der Haustür. Ein konstruktiver Wortwechsel, macht ja irgendwie auch Spaß und man nimmt für sich was mit, aber manchmal rollen sich mir die Fußnägel hoch. Ich übe mich in Gelassenheit 😉 schönen Abend!

  7. Hm, spannendes Thema! Ich hab mich auch schon öfters gefragt, ob ich bei Kommentaren oder Beiträgen, die mir gegen den Strich gehen, meinen Standpunkt dagegen halte.
    Ich würde mich auf jeden Fall nicht in endlosen Kommentargefechten verlieren. Das bringt keinem was. Vielleicht einfach ein kurzes Statement, dass man anderer Meinung ist und fertig. Aber auch das nur, wenn es einem wichtig ist. Sonst verliert man sich im Internet und hat keine Zeit mehr für die vielen guten Beiträge und Kommentare.

    1. Sagen wir es mal so, ich muss schon ab und zu das Fenster aufmachen 😉
      Das unsere Kommentarwechsel auf deinem Blog und mein Beitrag hier so zeitlich aufeinandertreffen mag etwas unglücklich scheinen, aber mich beschäftigt das schon länger und ich will in den nächsten Tagen drüber nachdenken, wie ich die Bloggerei für mich künftig halte

  8. Interessant! Ich selbst unterscheide zwischen dem (respektvollen) Austausch zu Themen, bei denen nicht alle einer Meinung sind und der Abwertung derjenigen, die nicht meiner Meinung oder schlicht anders sind (dazu gehören für mich alle Arten des -Ismus: Rassismus, Sexismus, aber auch ein Idealismus, der sich selbst zum Maß aller erhebt.) Wie du weißt, habe ich zu dem Thema auch schon mehrmals geschrieben, z.B. hier: https://mutter-und-sohn.blog/2021/12/04/wie-gehe-ich-mit-meinungen-um-die-ganz-anders-sind-als-meine/. Persönlich schätze ich den respektvollen Austausch mit dir, obwohl wir in einigen Dingen offenbar anderer Meinung sind.

    1. Danke Sarah für’s Lesen und den Kommentar. Wir müssen ja auch gar nicht immer einer Meinung sein, das wäre total öde und ist ja nicht mal in unserem engsten Umfeld so, oder?

      Gäbe es das Internet nicht, würden wir solche Diskussion beim Kaffee oder Stammtisch führen, mit den Menschen die uns nahe sind. Durchs Netz ergeben sich halt x-mal mehr Verbindungen und Debatiermöglichkeiten mit uns eigentlich „fremden“ Leuten, die hunderte Kilometer weit weg sitzen. Und das beschäftigt mich aktuell, wie viel Zeit und Leidenschaft ich da reinstecke und ob das eigentlich noch der Ur-Idee meines oder anderer Blog folgt. Die Blogs sind doch meistens aus einem Schwerpunkt entstanden, sei es Familie, Reise, Literatur oder was auch immer und wird es zunehmend meinungsintensiver. Ich werde da drüber nachdenken. Schönen Abend!

  9. Ich habe es weitestgehend aufgegeben, dagegen zu halten. Ich habe es ein paar Mal mit Argumenten versucht, meist ist das tatsächlich vergeudete Zeit. Manchmal habe ich eh das Gefühl, so wirklich diskutieren will eh kaum jemand. Ich neige zum Ignorieren der Beiträge, die mir nichts sagen oder die für mich in die falsche Richtung gehen. Und wenn es offen in eine rechte, rassistische oder ähnliche Richtung geht, dann halte ich mich ganz fern. Ich bin auf FB in einer Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, dagegen zu halten, aber das kostet viel Zeit und Nerven und ich bewundere die, die da viel einbringen und sich so auch vielem aussetzen. Ich mache das relativ sparsam, aber manches kann ich einfach auch nicht unwidersprochen stehen lassen. Einige Blogs meide ich inzwischen oder ich bin auch quasi zur unerwünschten Person erklärt worden, weil es leichter ist, jemanden vor die Tür zu setzen, als sich auseinanderzusetzen.

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