255) Corona-Lektionen 105

Vor knapp einem Jahr, habe ich >Corona-Lektion 56 geschrieben. Würde ich den nun einfach kopieren, wäre dieser Beitrag hier schnell verfasst. Ein paar Dinge sind jedoch anders.

Gedanken der letzten Woche:

Déjà-vu?
Seit Tagen sehe ich die lila Welle auf der Corona-Karte näherkommen. Hätte ich jeden Tag ein Foto gemacht und würde ich die Bilder hintereinander abspielen, sähe das Ganze wie eine heranrückende Schlechtwetterfront aus. Wieder steigt ein beklemmendes Gefühl auf, es nimmt Tag für Tag zu, genauso wie im Frühjahr und Spätherbst 2020 und man kann sich nur schwer dagegen wappnen. Fenster vernageln und Sandsäcke stapeln bringt nichts.

Alles anders?
Aber die Situation ist eben nicht direkt vergleichbar. Wir kämpfen mittlerweile gegen Delta und erwarten jeden Moment, dass Omikron an die Tür klopft. Beide sind anscheinend viel ansteckender, als der initiale China-Import. Wir haben nun Test-Center, mehrere Impfstoffe, eine Corona-Warn-App und einen digitalen Impfausweis. Lief alles andere als flüssig, aber immerhin, haben wir das Besteck. Aber wir haben eben auch einen virologisch nennenswerten Teil der Gesellschaft, der meint, er hätte die Weisheit mit dem eigenen Löffel gefressen und, dass sie das alles nichts angeht.

Freiheit?
Soll von mir aus jeder glauben was er will, aber wenn eine bockige, teils auch manipulierte, influencierte Minderheit, das ganze Land in Geiselhaft nimmt, macht mich das sehr wütend. Am meisten ärgert mich, dass die Gegner der Corona-Politik für sich in Anspruch zu nehmen, auf die Straße zu gehen und laut „Freiheit“ zu fordern. Vielleicht sollte man es mal umdrehen und es sollten die Menschen auf die Straße gehen, die all die Maßnahmen vernünftig mitgemacht haben und mittlerweile die Faxen dicke haben.

Infektion?
Eine kleine, disziplinierte Familienfeier sorgte anschließend für mächtig Trubel und Verunsicherung, weil Kinder U12 dabei waren und danach positiv getestet wurden. Und wenn der Stammhalter danach mehrere Tage Kopfschmerzen hatte, man selber mal nicht den besten Tag erwischt hat oder die Corona-Warn-App rot bimmelt, dann stellt man sich gleich die bange Frage. „Hat es uns nun auch erwischt?“

Handeln?
In >Corona-Lektion 104 habe ich die drastischen Worte von Herr Wieler zitiert, als er circa 400 Tote pro Tag überschlug, bei der Zahl von 52.000 Neuinfektionen Mitte November. 400 Tote, die Zahl ist schwer zu greifen. Die Jungs von >Lage der Nation haben es diese Woche etwas plastischer gemacht. Jeden Tag ein Flugzeugabsturz über Deutschland. Keine Überlebende. Jeden Tag.

Und damit kommentierten sie ja nur noch mal die 52.000 Neuinfektionen von Mitte November. Unterstellen wir mal einen weiteren exponentiellen Anstieg und 70.000, 80.000, 90.000 Infektionen pro Tag sind es schnell 650 Tote und mehr. Zwei Flugzeugabstürze. Pro Tag. Rums. Rums.

Zwang?
Ich bin bestimmt kein Freund von staatlichem Zwang und beim Thema Impflicht war ich innerlich unentschieden, aber vermutlich ist es der einzige Weg raus aus dem Schlamassel. Die Gesellschaft wird nicht durch eine Impfpflicht gespalten, sondern durch fehlende klare Ansage und mangelnde Entscheidung dazu. Sollen sie es machen, dann gibts 6 Monate Getöse und dann ist das Thema durch. (Stichwort: Gurtpflicht, Helmpflicht, Rauchverbot, Masern, Meldepflicht, Census etc). Vielleicht hilft es Impfskeptikern oder Impfgegnern auch, sich erhobenen Hauptes aus dem inneren Konflikt oder von schwurbelnden Einflüssen von Freunden, Bekannten und Schwiegereltern zu lösen.

Wird vielleicht nicht jedem Leser hier schmecken, aber das ist ja auch mein Blog hier, hier habe ich Hausrecht und bestimme wie die Tische gestellt werden!

Schönes Wochenende!

PS: Apropos Hausrecht. Ich muss die beiden Bilder aus dem >Oktober-Trip nach Sachsen noch mal bringen.

Nun haben die da ein richtiges Problem. Wenn kapieren sie endlich, dass es da einen Zusammenhang geben könnte?

<— Corona-Lektionen 104

–> Corona-Lektionen 106

14 Kommentare zu „255) Corona-Lektionen 105

  1. Die Frage nach einer Demo derer, die gern be“frei“ter von der Virenlast Unverbesserlicher leben wollen, ist definitiv gut und richtig gestellt. Ich habe mich das so im April/Mai letzten Jahres schon gefragt, ob wir nicht eben auch mal auf die Straße müssten, um klare Maßnahmen zu fordern. Aber irgendwie ist es dann doch schizophren, denn man will ja explizit große Menschenansammlungen meiden, um sich nicht anzustecken… Ein Teufelskreis? Ja, mit einem Virus in Teufels Gestalt.

    1. ja Belana, vermutlich würde das logistisch nicht gehen, denn dann würde es etwas eng auf der Straße. Vielleicht muss man andere Wege finden, um der Vernunft ein Bühne zu geben.
      Was haben wir uns mit rotem Kopf amüsiert, als Anfang der 90-er für Kondome geworben wurde?
      Warum liest man nicht alle Namen der täglichen Todesfälle vor, per Lautsprecherwagen und per Zwangspushnachricht auf alle Handys.
      Klingt etwas verrückt, aber vielleicht braucht es so etwas. Wer sich nicht aktiv für das Geschehen interessiert, kriegt ja davon auch nichts mit. Ich habe gesehen, dass es auf Corona-Stationen sehr leise zugeht, vielleicht ist auch das ein Problem.

      1. Ja, ich glaube, dass das wirklich EIN Teil des Problems ist. Sich an Regeln zu halten ist nicht reißerisch genug und kriegt deshalb keine Aufmerksamkeit.
        Das mit dem Vorlesen der Namen aller Toten ist wirklich eine gute Idee, wird vermutlich aber am Datenschutz scheitern. Vielleicht kann man sich eine anonymisierte Variante einfallen lassen, dann aber noch das Alter ergänzen.
        Und irgendwie fände ich es ja gut, wenn die vielen kleinen Heldentaten, die Tag für Tag vollbracht werden, ebenfalls mehr Gehör fänden.

  2. Passt. Alles.
    Wir haben gerade die Auffrischimpfung (terza dose) gebucht. Gibts bei uns in Italien nach 5 Monaten. War gerade letzte Woche beschlossen worden. Buchung wie gehabt super bequem online. Es könnte so einfach sein. Für uns alle. LG Anke

    1. Gute Nachrichten!, Ich habe neulich in einer Talkshow Giovanni di Lorenzo zugehört. Chefredakteur der „Zeit“, gebürtiger Italiener. Der hat mit einem Auge auf das Italienische Alltags-Chaos gezwinkert, dann aber beeindruckend beschrieben, wie generalstabsmäßig die Impferei da durchgezogen wird.
      Hut ab!

  3. Inzwischen sehe ich das mit der Impfpflicht ähnlich. Die Deutschen neigen dazu, lauthals zu meckern und dann doch zu tun, was der Deutschen Pflicht ist. Oder so.
    Bei deinen Fotos aus Sachsen bekam ich spontan Schnappatmung… Wie sagte Einstein? „Zwei Dinge sind unendlich, das Weltall und die menschliche Dummheit. Wobei man sich beim All noch nicht ganz sicher ist.“

    Ob er sich wirklich wünschte, damit recht zu behalten?
    Liebe Grüße, Anja

    1. Vielen Dank fürs Lesen und Kommentar.
      Ja, Schnappatmung bekam ich da auch, als ich vor den Läden stand.

      Der Einstein … das war schon ein schlauer 😉

  4. Im Moment habe ich das Gefühl, ich habe noch so viele erschöpfte und auch wütende Menschen um mich rum erlebt. Es gibt wohl kaum noch jemanden, den das alles kalt lässt und selbst bei uns im Büro bekommen die wenigen Ungeimpften mittlerweile viel Wut und Unverständnis ab. Mit der Contenance ist es da oft nicht mehr weit eher. Ich habe sie auch schon verloren

  5. Stimme dir voll zu. Wenn jeder von uns nur einen Skeptiker aus seinem Bekanntenkreis zur Impfung überzeugen kann, dann ist das Problem bald gelöst.
    Redet miteinander, nicht übereinander, ist meine Devise

  6. Ich kann deine Gefühle und Gedanken gut nachvollziehen. Hier in Indien scheint die Pandemie momentan unter Kontrolle zu sein. Die Fallzahlen sinken stetig, obwohl wir vor 2 Wochen viele Feiertage hatten. Aber den Blick nach Europa gerichtet, denke ich, dass es auch hier nicht vorbei ist. Wünsche euch gutes Durchhalten und vor allem Gesundheit! Liebe Grüße aus Südindien 🌺Irène

    1. Danke Irène und auch viele Grüße aus Berlin bei 2°C. Ich hoffe, dass es Indien nicht noch einmal so erwischt. Ihr habt mit dem Wetter schon genug zu tun

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