67) Das merkwürdige Verhalten gestörter Großstädter

Ich habe lange nichts mehr über das merkwürdige Verhalten gestörter Großstädter:Innen* geschrieben, fällt mir auf. Woran kann es liegen? Bin ich abgestumpft, habe keine Lust mehr mich daran aufzureiben? Ist schon alles gesagt? Oder sind die Aufregbarkeiten so rar geworden? Keine Sorge, es gibt sie noch.

Drei Situationen aus den letzten Monaten:

  1. Pfingstsonntag um die Mittagszeit, ich freunde mich mit dem Gedanken an, mal für einen Moment die Augen zu schließen. 12:45 Uhr beginnt ein Honk im Haus zu bohren. Mit dem großen Besteck. Weder will ich im Haus den Spießer geben, noch habe ich einen besonderen Draht „nach oben“ an diesem Tag und es fehlt mir auch nicht an eigenen Bohrstellen. Aber ich würde die Maschine nicht um 12:45 Uhr anschmeißen, schon gar nicht an einem Sonntag, schon gar gar gar nicht an einem Feiertag.
  2. Im Sommer sitzen wir auf einer Bank, schlecken unser Prenzlauer-Berg-Bio-Regio-Fair-Vegan-Eis und glotzen dabei auf eine Grünfläche mit alten Eichen direkt vor uns. Weiter links sitzen zwei Frauen, um sie herum wuselt ein kleines Mädchen. Dem Mädchen drückt die Blase, es wird ermuntert, sich doch an die Eiche vor uns zu hocken. Nicht das drumherum genügend Büsche wären. Also entledigt sich die Prinzessin ihrer Klamotten da wo nötig und strullt mir direkt vor mein hippes Kürbiskernöleis. Na lecker. Nachdem ihr Geschäft erledigt ist, wirft sie Sand auf die Fläche, streichelt den Baum und rennt auf unsere Bank zu. Mein Blick war deutlich. „Wehe!“
  3. Ich sitze mit Sohn und Schulfreund im Biergarten. Kühles Getränk, heiße Pizza, alles sehr friedlich. Die Fahrradhelme der Jungs liegen zu unseren Füßen. Auf einmal kommt ein kleiner Bengel angewackelt und interessiert sich merklich für die Helme der Jungs. Er hebt sie auf, dreht sie, setzt sie auf, probiert sie beide sabbernd durch. „Ähhm, was macht der?“ fragen mich die Jungs. „Ähhm, zu wem gehört der überhaupt?“ schaue ich fragend in den Biergarten. Irgendwann bemüht sich ein Struwwelkopf-Kopf-Papa mit Hose unterm Hintern zu uns und dann folgte dass, wo ich schnell rot sehe:
    • „Oh, was hast du denn da schönes gefunden?“
    • „Hast du die schon probiert, ja? Gefallen die dir?“ Ja?
    • „Das ist ein Helm, weißt du? H-E-L-M. Ein HEEEEEEEEELM!
    • „Wollen wir die den Jungs zurückgeben? Wollen wir? Ja?
    • „Neeeeeeeeiiin, meiiiiineee“. Plärr, tropf, lutsch, schnief … corona … schmier“
       —> „Papa, der soll meinen Helm nicht anfassen“, empfange ich über die Vater-Sohn-Leitung. Mit erhöhter Dringlichkeit.

Ich greife zum Handy und stehe auf. „Jungs, ihr müsst jetzt los zum Fußball.“

„ZAAAAAAHLEN!.“

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*) die adulten Vertreter natürlich

7 Kommentare zu „67) Das merkwürdige Verhalten gestörter Großstädter

  1. In der Großstadt trifft man solche Zeitgenossen einfach häufiger, die gibt es überall.
    Ich bin ja aus Berlin weg und damit dem Lärm der Stadt entkommen. Hier gibt es jeden Sonntag schön ländliche Geräusche: Rasenmäher, Häcksler, Laubbläser, Kantentrimmer und alles was sonst im Garten ordentlich Krach macht…🤣

  2. Ich habe keine Vorurteile gegen Eltern 🙂 Aber diese Sorte „lassen sich mich durch, ich bin Mutter (gilt auch für manche Väter) habe ich trotzdem gefressen. Und dazu gehören auch die hier geschilderten Exemplare, die ihren Gören nicht mal ansatzweise beipulen können, was man vielleicht einfach nicht machen sollte.
    Unser geschätzter Nachbar, dessen Wohnung die Struktur eines Schweizer Käse gehabt haben muss, sooft wie der zu allen Zeiten und Unzeiten seine Hilti angeschmissen hat, ist zum Glück ausgezogen.

    1. Danke fürs Lesen und für den Kommentar, Kinder und deren Heli-Eltern sorgen immer für Schreibstoff. Hat der Nachbar gesagt wo er hinziehen wollte? Berlin vielleicht 😉

      1. Keine Sorge. Ich kann Entwarnung geben… der ist ins Wendland gezogen 🙂
        Ich habe lange im Bio-Laden gearbeitet und könnte halbe Romane über eine bestimmte Sorte Eltern schreiben….

  3. Danke für die netten Stories, die so oder ähnlich auch bei uns ablaufen ***grummel***
    Interessant an den Heli-Eltern ist doch aber, dass sie immer nur dann heli-mäßig einschreiten, wenn ihrem Kleinen was angetan werden könnte, und nie, wenn ihr Kleiner…

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