229) Corona-Lektionen 98

Nächste Woche öffnen BaWü und Bayern wieder ihre Schultore … und die Fenster. Ja, das „Extreme-Lüfting“ beginnt wieder und wenn das Kind die C-Karte gezogen hat und an der Fensterseite sitzen darf, kann man schon mal dicke Pullies besorgen. Aus den Lüftungs-Hoodies des letzten Jahres sind sie vermutlich schon rausgewachsen und die Luftfilter wird’s erst geben, wenn die Mars-Landung geglückt ist. Vorher hat man für solch komplexe Aufgaben keine Kapazitäten.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Impfen 1
Impfen macht müde. Erst mussten wir auf den edlen Stoff warten, dann wurde er Ende letzten Jahres unter Polizeischutz über die nächtlichen Autobahnen verteilt und am 27.12.20 fand er den Weg in die ersten Deutschen Oberarme. Erst 9 Monate sind seither vergangen, der Stoff stapelt sich in den Regalen und wir diskutieren und diskutieren, wie die Impfquote im Land der Dichter und Querdenker erhöhen können. Mit Appell, Motivation und Überzeugung oder durch Druck, Sanktion bis hinzu Zwang. Wenn mich Kollegen aus Asien fragen, wie es denn bei uns so vorwärts geht, weiß ich gar nicht was ich sagen soll. Wie soll man das erläutern? Dabei fehlt es mir nicht nur an den passenden Vokabeln, sondern mir bleibt einfach die Spucke weg.

Impfen 2
Wenn ich dann sehe, wie die Dänen ihre Corona-Regeln und die nationale Ausnahme-Situation aufheben, da kann ich schon neidisch werden. Und sie machen das nicht, weil ihnen der Virus und die erkrankten Menschen egal sind, nö, sie können sich das mit einer Impfquote von schlapp 80% leisten. Nun werden wir sehen, wie sie damit durch die kalten Monate kommen, aber es zeigt doch recht eindrücklich, wie vermeintlich einfach die Geschichte doch sein könnte. Bei der großen Datenkrake suchte ich nach den Impfquoten im internationalen Vergleich. Ganz oben standen Malta und Gibraltar. Und da kann man gern schmunzeln … ja ja … Zwergstaat … is’ ja auch einfacher … klar. Mit den nächsten 8 Ländern ergab sich eine Top 10. Deutschland war nicht dabei. Ich klickte „View more“, weitere 10 wurden nachgeladen und in den Top 20 war dann schwarz-rot-gold zu finden … war aber Belgien … dann wieder „View more“ … nix … noch mal „View more“ und immerhin stehen wir am Ende der Top 40. Es ist deprimierend, ich muss das Thema wechseln, ich will den Beitrag nicht so enden lassen.

Wortwahl
Ich werfe einen Blick auf die Übersicht der aktuellen Corona-Regeln für unsere Stadt. Was für eine eigenartige Sprache … ich glaube darin sind wir aber nun aber wirklich Weltmeister. Der Begriff „Körpernahe Dienstleistungen“ klingt ja schon bizarr, aber lädt immerhin zu Phantasie ein. Beim Terminus „Prostitutionsbetriebe und Bordelle“ kann es einem schon wieder gleich vergehen. Das klingt nach Groß-Schlachterei und man benötigt dort ein „Hygienekonzept, Termin, FFP2-Maske und Test*“, das kleine Sternchen ist weiter unten erläutert. Schüler müssen keinen Test mitbringen. Erleichterung. Schön sind auch „ Tanzlustbarkeiten im Freien“ und „allg. Erwachsenenbildung, Musik-, Jugendkunst-, Jugendverkehrs-und Gartenarbeitsschulen“.

Herrlich!
Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 97

–> Corona-Lektionen 99

7 Kommentare zu „229) Corona-Lektionen 98

  1. Wir fanden uns letze Woche in der Vieldenker-Demo. Weil Ringbahn fuhr nicht und wir dachten, wir sind schlau und haben uns für Tram entschieden. Da haben wir dann jede Menge von dem Mist hören müssen und als die Tram uns dann rauswarf (weil 5 Straßenbahnen davor) standen wir mittendrin auf der Danziger. Absolut gruselig! … Schade, wenn man überlegt, wofür Stadt Berlin sonst so Geld ausgeben könnte. Langsam glaube ich, die haben alle keine Kinder im Schulalter … In diesem Sinne — auf den Herbst!

    1. Ja das ist eine intensive Erfahrungen, ich habe mir den Zirkus ja auch von der Seitenlinie verfolgt und da wird mir der Kragen eng, wenn die Knallos durch MEINEN Kiez laufen. Kurzeitig wollte ich irgendetwas brüllen, aber das bringt ja auch nix. Der Herbst wird spannen, die Wahl auch …

  2. Manchmal fühle ich mich wieder die 3 Affen und will nix sehen, nix hören, nix sagen. Und doch kommt dann der Impuls all dieses aufgestaute Nicht-Verstehen, diese angehäufte Wut über Egoismen… lauthals rauszuschreien, um wenigstens diesen inneren Druck loszuwerden, wohl wissend, dass es zu keiner Veränderung führen wird. Ich habe auch keine Ahnung, was man da noch machen kann. Und mich gruselt es auch vor dem Herbst. Mit Sorge denke ich daran, dass unsere Klienten ja schon im Sommer versucht haben, Dinge einzufordern, die wir einfach nicht durften und die ich auch nicht für sinnvoll gehalten habe.
    Wir müssen da durch – hoffentlich mit wenig Blessuren.

    1. Danke Belana Hermine, so schwer es mir tut, dass zu schreiben. Aber ich denke, man muss es durchziehen, irgendwie. Ich bin wahrlich kein Freund von Zwang, aber dann muss das andere halt so unbequem und nervig werden, dass sie sich damit beschäftigen müssen.

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