220) Windräder

Kürzlich fuhr ich an einem Wahlplakat (AfD) vorbei. Da stand drauf „Landschaft statt Windparks“. Bei dem Spruch wurde an sich schon etwas kurz gesprungen, aber er hat mich an ein paar Notizen denken lassen, die schon ewig in meinen Entwürfen liegen. Irgendwie konnte ich mich nie so richtig dazu positionieren

Windräder und Windparks:

Damals
Als die ersten Windräder in Deutschland aufgestellt wurden, fand ich die sehr beeindruckend. Da stand so ein Windrand in der Landschaft und schaufelte Wind zu Strom. Gigantische Rotorblätter lagen auf Sattelschleppern an den Autobahn-Raststätten, die Dinger mussten üble Kräfte aushalten und durften keinem auf den Kopf fallen. Ich hatte mal überlegt, bei so einem Laden anzuheuern, weil mir die Idee echt gefiel. Wind zu Strom machen, wow. Das roch nach Innovation.

Mittlerweile
Wenn ich mal die Autobahn entlang düse und sehe dann links und rechts Windräder, finde ich die Dichte zwar grenzwertig, aber noch okay. Meistens ist da eh sonst nicht so viel zu sehen und wenn die Ränder dort anmutig drehen, habe ich wenigstens etwas zu gucken. Fliegt man allerdings übers Land, gleicht die Erdoberfläche schon bald einem Käse-Igel und manchmal frage ich mich, ob es jemals wieder eine Zeit ohne Windräder geben wird. Denn in der Menge aktuell, und in der Menge die da noch kommt … oh ha … das könnte stachelig werden. Aber wenn wir innerdeutsch eh nicht mehr so viel fliegen, dann sieht‘s ja keiner so geballt 😉

Bei mir nich‘
Ich kann schon verstehen, dass keiner so ein Ding im Garten stehen haben will. Nur wenn wir 1.000 Meter Abstandsregel haben in NRW (….künftiger Kanzler?) oder einen relativen Abstand zur Bauhöhe in Bayern (… fast Kanzler), dann wird das vermutlich nie was mit dem grünen Strom werden. Wälder abholzen, Braunkohletagebau oder ein hübsches Atom-Kraftwerk in der Nachbarschaft will ja auch keiner haben, oder?

Hier in der Stadt stehen zig E-Autos herum, E-Roller liegen auf der Erde, E-Scooter stehen auf dem Gehweg, Straßenbahnen rumpeln über Gleise, Stromzapfsäulen entstehen … will sagen … Klimawandel mit „E“ gibts nicht umsonst und schon gar nicht frei von optischen / akustischen Nachteilen. Und das gefällt mir auch nicht immer!

Aber ich weiß wie Braunkohletagebau aussieht und ich habe neulich ein AKW in Frankreich umfahren … gruselig. Beides sind heftige Eingriffe in Landschaft und Zukunft … und beide Optionen sind auf diesem Wahlplakat nicht beantwortet. 

Wer nun eine schlaue Idee hat, bitte vortreten und machen, aber nicht solche Parolen durchs Land pusten!

Grüße aus der Hauptstadt
T.

 

11 Kommentare zu „220) Windräder

    1. Aber natürlich, da bin ich voll dabei und leiste meinen Beitrag. Nur „wir“ verbrauchen stattdessen immer mehr Strom. Das, was wir über Stromsparlampen und LED einsparen wird über fahrende Batterien (Roller, Scooter und Zeugs) wieder herausgeblasen. Zum Beispiel für Wege, die man „früher“ gelaufen ist …

      1. Rebound-Effekt nennt man das. Habe eben in der Tageszeitung gelesen, dass Minden jetzt auch e-Scooter testen will und musste sofort an deine Postings über den Elektoschrott in Berlins Gewässern denken. Oje…

  1. Die „Lösungsansätze“, die du anfangs vom Wahlplakat zitierst, sind keine. Soweit klar. Und mehr Windkraft ist notwendig, auch klar.
    Die Meinung „not in my backyard“ kennen wir alle zur Genüge, in den 80ern hieß das „alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß“.
    Allerdings muss zunächst ja eigentlich noch ein anderer Aspekt geklärt werden: woher sollen die ganzen Akkus und Batterien kommen, ohne an anderer Stelle Menschen und Natur auszubeuten?
    Die Antwort finde ich bisher bei keinem politischen Akteur…

    1. Jup, deshalb sehe ich die E-Mobilität auch durchaus skeptisch. Am meisten eigentlich den E-Verkehr, der nicht den konventionellen Verkehr ersetzt, sondern besonders den E-Verkehr der durch neuen Lifestyle künstlich geschaffen wurde, den es vorher schlichtweg nicht gab (E-Roller, Lieferdienste, E-Bikes, etc)

      1. Ich stimme dir grundsätzlich zu, nur bei den e-Bikes sehe ich es inzwischen differenzierter. Mein Mann hat sich jetzt ein e-Klapprad zugelegt, da er MS hat und damit eine leichte Gehbehinderung. Spaziergänge mit mir und den Hunden waren lange nicht möglich, und beim Segeln ist er auf Landgängen stark eingeschränkt in seinem Bewegungsradius. Und ich liebäugele inzwischen ebenfalls mit einem e-Bike, mit dem ich aber auch Einkäufe transportieren kann, denn wegen meines Rheumas soll ich eigentlich nur noch in der Ebene radfahren, um die Belastung für die Gelenke und Sehnen möglichst gering zu halten. Noch vor drei Jahren hätte ich überhaupt keinen zweiten Gedanken daran verschwendet, aber naja. Man wird nicht jünger und gesünder.
        Aber es gibt anderes, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann: Elektrisch betriebene Salz- und Pfeffermühlen (als I-Tüpfelchen auch noch mit Beleuchtung🙈) oder Parmesanreiben beispielsweise.
        Was auf jeden Fall wichtig ist, ist das Bewusstsein, dass wir Ressourcen verbrauchen und damit sinnvoll umgehen.

      2. … das ist ja voll nachvollziehbar und das macht ihr ja dann aus gutem Grunde und nicht aus Jucks und Dallerei. Und wenn jemand mit einem E-Bike den Berg hochradelt, statt mit einem stinkenden, lauten Moped hochfährt, ist das ja auch gut.
        Aber wie du schon sagst, es sollte eine bewusste abgewogene Entscheidung sein

  2. Na, der Plakatspruch ist immerhin noch etwas besser als das, was in unserem Dorf auf den Postern der betreffenden Partei vermeldet wird: „Alternativ – Fleißig – Deutsch“ oder gar, hey, das steht da wirklich, ich bin schon zwei Mal dran vorbeigefahren, „Alternativ – Fraulich – Deutsch“😄😄😄

    1. Ach du meine Güte. Ich glaube nicht, dass sie sich das alle am Stammtisch ausgedacht haben. Da sind im Hintergrund Profis/ Agenturen am Werk …

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