199) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 1

Auch wenn die Technik nach 14 Monaten Homeoffice hier und da mal zickt, ist es eigentlich schon erstaunlich, wie autark und unabhängig das heute alles aus der Ferne funktioniert, oder? Das war „früher“ ganz anders und in den letzten Tagen denke ich öfter mal dran.

Meine ersten Kontakte zu Bürotechnik hatte ich Anfang der 90-er Jahre. Und da war schon ersichtlich, dass da ein großer Umbruch bevorstand.

Ich krame mal in meiner digitalen Mottenkiste und lasse euch über zwei Beiträge teilhaben. Garantiert Viren-frei!

Damals, zum Ende des letzten Jahrtausends:

Manche Mitarbeiter hatten ein eigenes Telefon, manche hatten gar keins oder der „Fernsprechapparat“ stand auf einem Schwenkarm und konnte somit zwischen zwei Arbeitsplätzen pendeln. Wollte man jemanden in der Firma anrufen, nahm man das interne Telefonbuch zur Hand. Diese wurden regelmäßig neu gedruckt und verteilt, denn Mitarbeiter kamen und gingen.

In irgendeiner Ecke standen Fax-Gerät und Kopierer. Faxen und Kopieren waren die Aufgaben, die man am liebsten uns Azubis aufdrückte. Meine Güte, ich habe ganze Wälder weggefaxt und verkopiert. Meistens interne Informationen an die Mitarbeiter, die dann in zig Ausfertigungen eingetütet und über die Hauspost verteilt wurden.

Formulare (z.B. Urlaubszettel, Krankmeldungen) waren aus Durchschlagpapier. So gab’s eine Fassung für den Mitarbeiter, eine für den Chef und eine für die „PersA“. Eingegangene Fremdrechnungen musste ich an bestimmten Stellen (ich glaube es waren neun) mit festgelegter Farbe unterstreichen, damit es die Datenerfassungsstellungsstelle einfacher hatte.

Es gab „Datensichtstationen“ (Typ 9756), die steuerte man nur mit der Tastatur und man musste sonderbaren Kommandos beherrschen. Damit die Arbeit etwas flinker vonstatten ging, konnte man diese Kommandos auf die unzähligen P-Tasten der Tastatur programmieren. Wie ein Klavier-Virtuose drückte man also nach und nach gewisse Tasten und automatisierte somit wiederkehrende Abläufe. Anschließend drückte man die DÜ-Taste und veranlasste die Datenübertragung an das 500 km entfernte Rechenzentrum.

Am nächsten Tag spuckte dann ein riesiger Nadeldrucker (unter eine Schallschluckhaube) meterweise Endlos-Papier aus. Das zerriss man dann an den perforierten Stellen, legte es den Kollegen auf den Tisch, die das dann wiederum säuberlich abhakten und in Leitz-Ordnern ablegten. Das „Backup“ der Eingaben des Vortags sozusagen.

Musste mal in der Vergangenheit gekramt werden, wurde ich entweder ins Archiv im Keller geschickt oder durfte mich im Büro ans „Microfiche Lesegerät“ setzen. Das war großartig. Man legte eine Filmkarte auf einen Glas-Träger und hatte somit auf hunderte DIN A4 Seiten Zugriff, die dann auf einem Bildschirm vergrößert und lesbar gemach wurden. Und wehe, man sortierte die Karte nicht wieder an der Stelle ein, wo man sie rausgezogen hatte. Das gab Ärger.

Nach und nach wurden auf den Schreibtischen immer mehr PC‘s aufgestellt. Aber dazu dann mehr im nächsten Beitrag … da erzählt der nette Märchen-Onkel hier weitere spannende Geschichten über Excel 4.0, Win 3.11 und Floppy-Disks von 1,44 MB Speichervolumen …

—> Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 2

8 Kommentare zu „199) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 1

  1. … und davor gab´s Telefone mit Wählscheibe, Telegrafen und Fernschreiber… und der Hammer ist, dass trotz aller Probleme auf der Welt eine Erarbeitung, Inkraftsetzung und Pflege von technischen Standards erreicht wurde, so dass man schon vor 100 Jahren grenzüberschreitend um die Welt kommunizieren konnte.

  2. Bei uns gab es in diesen, vor Dir oben beschriebenen, Zeiten einen „Computer-Raum“. Da standen für 7 Mitarbeitende 2 Computer zur Verfügung. Und man musste sich vorher – wollte man einen nutzen – wie in der Waschküche in einen Stundenplan eintragen. Was es soweit, ist man mit dem Packen an Unterlagen, die man „digital“ wandeln wollte, von seinem Schreibtisch aufgestanden und in den Computer-Raum gegangen. Und – war damit unerreichbar für Anrufer und persönliche Kundenkontakte. Der Hammer, wenn man sich das heute vorstellt, wo man gleichzeitig via diverser firmeninterne Sozialmedia-Kanäle, Smartphone, E-Mail, Teams, Planner etc. gefühlt 24/7 erreichbar ist…. manchmal würde ich etwas für einen „Computer-Raum“ geben – ertappe mich (furchtbar!) aber auch dabei, dass ich ganz unruhig werde, sollte auf den ganzen Kanälen mal eine Flaute herrschen….

    1. „Computer-Raum“, ja genau. Genauso wie ein Computer-Cabinet in der Schule. Heute tragen die Kids alle mehrere Computer mit sich herum und auf meinen Geräten brummt es auch pausenlos.

    1. Hi Belana Hermine, oh Histörchen, das klingt gut. Ich bin nicht so der Fan von Challenges, aber schreib doch auch was aus der Digitalen Mottenkiste, dann können wir gern kreuz und quer verlinken 😉

      1. Okay, ich schaue mal. Aber vermutlich wird das was dauern. Bis zum Sommer ist arbeitstechnisch viel los und ich muss wirklich eine Menge sortieren, ehe ich „sinnvoll“ losschreiben könnte. Aber ich werde einfach mal Ideen sammeln.

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