178) Corona-Lektionen 73

An dem Sonntag genau vor einem Jahr, hatten wir noch keinen blassen Schimmer, was es bedeuten würde, wenn beide Eltern im Homeoffice arbeiten und die Kids im Homeschooling lernen sollten. Einen Tag später, am 16.03.20 bekamen wir dann schon den Aperitif gereicht und ahnten bereits, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Nun, unzählige WLAN-Resets, Instant-Suppen und Spiegeleier später, darf auch das zweite Kind morgen mal in die Schule gehen und Präsenzluft schnuppern. Aber nur durch eine Maske natürlich.

Apropos Maske
Ein Kind sagt zum Frühstück, es könne sich gar nicht mehr vorstellen wie es so wäre, ohne Maske zum Supermarkt zu gehen oder Bahn zu fahren. Tolles Thema zum Spekulieren. 

  • Wie würde es sein, wenn irgendwann ein Kollege mit ausgestreckter Hand vor mir steht?
  • Wenn ich mal wieder reisen würde und zwei Reihen hinter mir im Flieger jemand herzhaft niest?
  • Ich mit Maske eine Bank betreten würde und mich sofort ein Sicherheitsmann zu Boden streckt?
  • Oder wir mal wieder eine Party schmeißen und zig Leute bei uns in der Küche stehen? Werde ich da völlig hilflos sein? Verklemmt? Blockiert? Asozial?

Ich glaube, wir müssen erst einmal alle wieder zur Abendschule gehen und den Kurs „Soziales Miteinander – Part 1“ besuchen. Und nur wenn man das Zertifikat der VHS in den Händen hat, darf man wieder unter Menschen gehen. Vorausgesetzt geimpft. 

Erschöpfung
Irgendwie fällt mir auf, dass ich bereits Mitte der Woche schon platt bin. Kollegen berichten auch von diesem Phänomen. Werden wir einfach nur älter? Ist es die Arbeitsmenge, die Geschwindigkeit? Oder das immer gleiche Corona-Hamsterrad was so an uns zehrt? Ich glaube wir sind einfach alle nur „an oder mit Corona“ …. erschöpft.

Wortwahl
Es gibt Worte und Redewendungen, die wurden in der Pandemie erfunden, andere gab es schon eher, wurden aber in den letzte Monaten häufiger ausgesprochen. In Corona Lektion 71 ging es um das Wort „eigentlich“. Ein anderes solches Wort ist aber auch „eh“. Zum Beispiel so wie in …

  • „Wir sind eh zu Hause“
  • „Ich bin eh noch nicht dran“
  • „Wegfahren werden wir vermutlich eh nicht“.

Oh, ich merke, der Beitrag driftet ins Moll ab, sorry.

Wo habe ich nur wieder mein Dur hingelegt? Ich gehe mal beim Nachbarn klingeln, ob der vielleicht noch etwas Dur im Schrank hat.

Eine schöne Woche!

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7 Kommentare zu „178) Corona-Lektionen 73

  1. ich finde, inflationär überhand nimmt das Wort „dicht“. Dicht sind der Einzelhandel, die Kitas, die Restaurants, die A2, die A39. Da möchte ich jedesmal losbrüllen „Sagt doch bitteschön geschlossen, gesperrt, unbetretbar, unbefahrbar, Sperrzone, oder meinetwegen ‚off limits‘, aber nicht dauernd ‚dicht‘! Oder leben wir alle schon in einem Fass, Tank oder sonstigem Behältnis, das ‚abgedichtet‘ werden muss, damit es keinen Inhalt verliert oder gegen Kontamination geschützt ist?“ Dicht. Dicht. Ich kann’s nicht mehr hören. Land der Abdichter und Querdenker. Würg😄

  2. Ich überlege auch öfter, was mich wohl so schafft. Nur das zunehmende Alter kann es wohl nicht sein.
    Für mich habe ich (bis jetzt) zwei Punkte ausgemacht. a) Auch wenn ich nicht der allergeselligste Typ bin, hat es mir doch immer Spaß gemacht, Leute beim Leben zuzusehen. Das gab mir das Gefühl, von Leben umgeben zu sein. Das fehlt mir mit zunehmender Dauer der Pandemie immer mehr. Und es wegzustecken, kostet Kraft. b) Ich denke, dass wir alle in irgendwelchen kognitiven Dissonanzen leben. Wir wollen uns mit Menschen treffen, wissen aber, dass es gefährlich sein könnte. Wir wollen nett mit unseren engsten Mitbewohnern umgehen, manchmal gehen sie uns aber auf die Dauer auch ein wenig auf den Geist. Und das ließe sich fortführen. Um diese Dissonanzen auszuhalten, müssen wir kognitive Energie aufwenden, die uns dann für andere Dinge fehlt, bzw. was uns fühlen lässt, dass alles Andere anstrengender wird.
    Naja, zumindest soweit zwei meiner Erklärungsansätze. Aber das Phänomen „zunehmend anstrengend“ habe ich schon von vielen Menschen gehört.

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