153) Corona-Lektionen 56

Üblicherweise tritt bei mir die Weihnachtssättigung immer am Abend des 26. Dezember ein. So war es zumindest in den letzten Jahren immer.

Der Druck fiel ab, nach den üppigen, gefräßigen Tagen konnte man endlich etwas relaxen und in die Weihnachtsferien gehen. Dieses Jahr habe ich die Sättigung bereits Ende November erreicht. 

Warum?
Obwohl ich noch keinen Weihnachtsmarkt betreten, keinen Glühwein getrunken und erst einen einzigen Lebkuchen gekostet habe, ist eigentlich schon genug. 
Ich war auf keiner Weihnachtsfeier, habe für kein Weihnachtsgeschenk im Laden angestanden und habe noch nicht einmal „Last Christmas“ gehört. Doch reicht es mir schon.
All meine Wünsche habe ich mir schon selbst erfüllt, nur um die deutsche Wirtschaft zu retten und  um mal ein anderes Gesicht im Homeoffice zu treffen. Auch wenn es „nur“ der wortkarge DHL-Mann war.

Seit Tagen wird das „große Fest“ auf allen Kanälen zerredet. Ob man sich denn nun treffen darf, wen man treffen darf und ob, wie und wie lange übernachtet werden darf. In den Hotels die eh geschlossen sind. 

Und schon fängt man selber an zu überlegen, ob das Kind noch unter die Altersgrenze fällt, ob man die Großeltern bei Minusgraden auf die Terrasse setzen kann, ob man gegenüber an einer Tafel sitzt oder besser doch im großen Stuhlkreis wie bei einer Talkshow. 

Gemeinsam singen sollte man dann besser auch nicht, auf Oma’s Schoß darf auch keiner hüpfen und Gesellschaftsspiele bei denen gebrüllt wird, sind tabu. Am besten wäre eigentlich, alle laden sich eine Weihnachts-App runter und begehen Weihnachten auf diese Weise. Still. Digital. In sich gekehrt. Mit viel Abstand. Bloß nicht sprechen, lachen oder singen. Klappe halten. Maximal eine WhatsApp-Nachricht aus der Küche. „Wollt ihr noch’n Glas Wein?“ oder „Noch‘n Stück Stolle?“ Getippt natürlich, nicht gesprochen.

Also meine Vorfreude ist mir eigentlich vergangen, noch nie habe ich … bzw. wurde ich … im November mit so viel Weihnachten beschäftigt. Oder will man uns eigentlich damit nur so lang wie möglich unterhalten, damit bloß keiner die unangenehme Frage stellt, wie es denn eigentlich im Januar weitergehen wird?

Sorry liebe Leser, ich will hier nicht den Grinch spielen und euch die Adventszeit versauen, aber besser wär’s doch, wir sagen das alles ab, gehen in den Winterschlaf und wachen kurz vor Beginn der Grillsaison wieder auf. Weiß jemand wie das geht?

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11 Kommentare zu „153) Corona-Lektionen 56

  1. Ich kann dich gut verstehen. Wir werden Weihnachten feiern wie immer. Basta. Wir gehören zu den braven Bürgern die alle Regeln und Vorschriften befolgen. Und wir feiern Weihnachten in und mit der Familie.
    Wenn dann im Januar wieder alle aufbrechen in die Skigebiete in Österreich, dann haben wir ein echtes Problem! Wer Bitteschön sollte den die Quarantänen Beschränkungen überwachen…. darüber sollten die Politiker mal nachdenken!

    1. Tja, schwieriges Thema. Wenn es keine Regeln gibt, macht jeder was er will. Gibt es Regeln, kann sie keiner kontrollieren und manch einer fühlt ich ungerecht behandelt. Am besten wäre eher die Vernunft … aber die scheint mir so einigen abhanden gekommen zu sein. Sorgt Corona neben dem Verlust des Geschmacks auch für den Verlust des Vernunfts-Sinns???

  2. Ich feiere wie immer, das war zwar noch nie ein riesig großer Rahmen, aber dennoch bleibt mir die komplette Tradition der Adventszeit und Weihnachtszeit auch in diesem Jahr, auch mental erhalten. Die gebe ich auch nicht her.
    Allerdings schaue ich nur sehr gezielte Nachrichten.

    1. Danke fürs Lesen und den Kommentar. Ich halte mich mit den Nachrichten über Tag zurück, habe kaum Zeit dazu … vielleicht auch gut so …

  3. Das mit dem Winterschlaf finde ich eine Superidee und diese bereits auch schon ins Auge gefasst. Nervlich dafür bereit wäre ich definitv. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Pläne für Weihnachten gemacht, die sich dann einer nach dem anderen in Aerosole aufgelöst haben. Da kann man durchaus zum Grinch werden…ich glaube, den werde ich mir dieses Jahr mehr als einmal zu Gemüte führen.
    Liebe Grüße und nicht unterkriegen lassen. Kerstin

    1. Danke Kerstin, da bin ich ja schon mal erleichtert, dass es anderen ähnlich geht. Wenn ich das mit dem Winterschlaf herausbekommen habe melde ich mich…

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