138) Von der Rolle

Wie soll ich den Beitrag nennen? Vielleicht „Rollenbilder“? Oder „Rollenklischees“? Ach ist ja auch Wurscht, kann ich später immernoch entscheiden.

Sarah von https://mutter-und-sohn.blog hat vor kurzem einem Beitrag über antiquierte Rollenbilder veröffentlicht und wir hatten ein paar Kommentare dazu gewechselt. Am Wochenende drauf fiel mir eine Werbebeilage eines Kücheneinrichters in die Hand.

Ich blätterte und wunderte mich:

Seite 1: Eine Frau sitzt mit hohen Hacken gegenüber dem Induktionskochfeld und zeigt ihre hübschen Zähne, der Mann gegenüber gießt ihr ein Glas Wasser ein. Die Küche bleibt kalt. Laaaaaaangweilig aber na gut, die Küche kostet schlappe 10.000 EUR, da gibts erst mal für längere Zeit nur Wasser.

Seite 2: Ein Mann schneidet Baguette in Scheiben, ihm gegenüber am Tresen steht sein Kumpel mit einem Glas Rotwein in der Hand. Eine teure Küche kaufen und dann nur „Brot und Wein“ kredenzen. War ja nicht anders zu erwarten. Typisch Mann.

Seite 3: Ein Mann in frischen Jogging-Klamotten hält vier halbe Limetten über einen Mixer. Weitere Limetten liegen griffbereit, aber sonst keine Zutaten. Was macht der da? Haut der sich jetzt vor dem Joggen einen Caipi rein? Oder wird das ein Vitamin-Drink?

Seite 4: Zwei Pärchen amüsieren sich beim Kochabend. Die zwei Kerle mit Dreitage-Bart freuen sich drollig, ihre Augen glänzen, denn es gibt gleich Essen. Die Dame des Hause hat opulent gekocht, ist aber sonst nur verschwommen von hinten zu sehen, während sie die Teller übers Kochfeld reicht.

Seite 6: Eine Mama sitzt mit zwei Kids am Küchentisch, die Kuschel-Teddies helfen mit, den Salat und Blumenkohl zu schnippeln. Ein Mann ist nicht zu sehen. Mal wieder typisch, der ist bestimmt beim Fußball.

Seite 8: Die Dame des Hauses trägt superhohe Schuhe und nimmt sich ein Glas aus den oberen Fächern. Wieder kein Kerl weit und breit zu sehen. Und weil die Dame so „groß“ ist, gibt’s die Arbeitsplatte auch 90 cm hoch.

Seite 9: Das Töchterchen packt Geburtstagsgeschenke aus, Mama holt die Muffins aus dem Backofen und freut sich tierisch. Papa is’ schon wieder weg. Oder war noch nie da. Schwer zu sagen.

Alles in Allem ein vernichtendes Bild für die Herren. Einerseits schäme ich mich, andererseits fühle ich mich auch diskriminiert! Ich bin weit häufiger in der Küche zu sehen und kann auch mehr, als Wein einschenken. Bei mir gibt‘s mindestens noch Käse dazu 😉

Seite 10: Die Krönung! Ein einsamer Typ steht in einer Single-Einbauküche. In Army-Hose und Schlabber-Pulli lehnt er da am Koch-Möbel und schneidet gedankenversunken eine Zucchini (!) 

Hah! Auf der letzten Seite bringen sie nun den Quoten-Mann. Und der ist so anders. So nett. So weich. Kein Alkohol, kein rohes Fleisch. Sondern Zucchini!!!! 

Da bin ich ja ganz von der Rolle.

6 Kommentare zu „138) Von der Rolle

  1. schick das doch mal an den Küchenhersteller, so ein fühlbares feedback zur werbung haben die bisher noch nicht bekommen; wäre doch interessant, wie die darauf reagieren.

    1. Gute Idee eigentlich, aber so langsam bräuchte ich eine Art „Büro“ um mit den Behörden, Medien und sonstigen Strukturen zu kommunizieren. Vielleicht eine eigene Investigativ-Redaktion? Wer hat Bock mitzumachen??

  2. Trägst du beim Wein und Käse auch so hohe Hacken wie Jorge Gonzalez? Frage für eine Freundin🤣.

    Im Ernst, diese Klischees passen bei mir alle nicht. Ich trage in der Küche meist Crocs, da brauche ich keine höhere Arbeitsplatte, sondern einen Tritthocker. Und mein bester aller Ehemänner macht in der Küche meist seine Superduperkaffeemaschine sauber (was mir persönlich wieder viel zu viel Aufwand wäre, deshalb trinke ich den Kaffee daraus auch nur äußerst selten). Was noch wichtiger ist: Er macht danach auch immer alles wieder sauber und trocken. Ach wie gut, dass wir eine Durchschnittsküche haben, da stellen sich deine beschriebenen Luxus-Situationen gar nicht erst zur Debatte.

    1. Ich bin häufiger in der Küche zu treffen, als man „von Männern“ vielleicht so denkt. Dabei eher im Schlabber-Look als in Pumps. Und ja, auch ich bin stuben… ähm … küchenrein.
      Danke fürs Lesen und Grüße aus Berlin

  3. Hahaha… eben gelesen und musste herzlich lachen!😂 Bei uns gibt’s zum Glück auch nicht nur Rotwein oder Zucchini – und männliche Familienmitglieder wurden schon des Öfteren in der Küche gesichtet – übrigens nicht nur zum Essen abholen…😉 Aber Werbestrateg/innen sind ja auch der Meinung, Mädchen stünden genetisch bedingt ausschließlich auf rosa Einhörner und Jungs auf schwarze SUVs… Freut mich, dass mein Artikel somit noch „nachgewirkt“ hat! Viele Grüße und gern bei Gelegenheit auf weitere Diskussion, Sarah (mutter-und-sohn.blog)

    1. Es macht ja auch Spaß sich damit zu beschäftigen und mit den subtilen Botschaften umzugehen. Jeder auf seine Weise. Frage mich nur was war zuerst da? Bedient die Werbung das Klischee oder folgen wir der Werbung und die macht uns dann so …?

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