130) Corona-Lektionen 39

Die 23. Woche in dieser Ausnahmezeit beginnt morgen. Ich bin froh, dass Berlin wieder im halbwegs normalen Schul-/Arbeitsbetrieb ist. Auf einer Spanischen Insel möchte ich gerade nicht hocken.

Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Reiseplanung:
Das Jahr 2020 stellt alles auf den Kopf. Auch beim Reisen. Ich bin noch nie so wenig gereist, doch die jeweiligen Vor-und Nachbereitungen der nicht stattgefunden Reisen ist schon beachtlich. Stornierungen, Umbuchungen, Draufzahlen, Kohle eintreiben, AGB lesen und herumärgern. Ein völlig neues Hobby ist entstanden. Non-Travel-Management.

Maske:
Kein anderes Stück Stoff hat jemals so polarisiert (… vielleicht der BH noch … oder das Einstecktuch). Ich will hier keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen, ich trage das Ding, wenn immer nötig. Einzig beim Betreten einer Tankstelle und Bank-Filiale ist das immer noch ein sehr eigenartiges Gefühl. In Zeitlupe laufe ich als Clyde auf die Tür zu, schaue nach links und rechts, dann nicke ich meiner imaginären Bonnie zu und ziehe die Maske bis hoch zu den Augen. Hände hoch oder ich niese!

Aber nun wieder zum Ernst zurück.

Demonstration:
In zwei Wochen soll in Berlin wieder ein große Demo gegen die Corona-Maßnahmen stattfinden. Heute war ich etwas im Internet unterwegs, um mich mal mit den Organisatoren zu beschäftigen. Einfach mal lesen, was sie so antreibt. Dabei bin ich auf der großen Video-Plattform auf einen 10-minütigen Redebeitrag einer ihrer Scharfmacher gestoßen und habe es mir komplett angehört. Sollte ich hier tiefer drauf eingehen? Nein, ich entscheide mich dagegen. Soll jeder selber sehen und sich ein Bild machen. Nur soviel: Der Sprecher klingt seriös, schmeißt meiner Meinung nach aber alle aktuellen Herausforderungen in einen Mixer und garniert das Ganze mit Wörtern wie „Corona-Regime“, „Corona-Lüge“ und dem „Umfassendsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte“. Zweifelhaft. So ein Cocktail kann nur schmecken, wenn es sonst nix zu trinken gibt.

Ich meine, die angerissenen Themen sind ja vertikal betrachtet schon sehr komplex und man müsste jeweils sehr in die Tiefe gehen. Es bringt aber meiner Meinung nach überhaupt nichts, all die Probleme der Zeit horizontal (oder „quer“) und flach auf eine Strippe zu ziehen und damit krampfhaft Beziehungen untereinander herzustellen. Im besten Falle könnte man 7,99 EUR drunter schreiben und das als Schmöker im Buchladen anbieten. Aber da gibts auch echte bessere Werke.

Ich überlege, bei der nächsten Demo hinzugehen. Nicht als Teilnehmer, sondern als Beobachter. Möchte mir ein Bild von den Demonstranten und ihren Ansichten machen. Mit verdammt viel Abstand und Maske.

Denn eines habe ich noch nicht kapiert: Wem nützt es?

Schönen Sonntag
T.

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11 Kommentare zu „130) Corona-Lektionen 39

  1. Ja, dass ist die grosse Frage, eigentlich niemanden, ob wir uns wehren, so tun als ob nichts wäre. Die Tatsache
    Corona können wir nicht weg demonstrieren. Aber Gedanken machen müssen wir uns schon ?

  2. Ich glaube, es führt zur Solidarisierung von vage Unzufriedenen unter dem Corona-Zweifel-Schirm und soll die Basis derer vergrößern, die auch mal auf den Stuhl wollen. Ich hoffe, dass diese „Masse“ sich schnell wieder auflöst, aber dann werden sie wieder hinter anderen kommenden Themen der Unzufriedenheit versammelt.
    Der von vielen als Freiheit interpretierte Egoismus, gepaart mit der bisher recht komfortablen Leistungsfähigkeit unseres Landes hat zu einem ausufernden Anspruchsdenken geführt und Rücksicht und Geben wird als schwach und unnütz angesehen.
    Zum Abschluss ein Literaturtip:
    Der Wal und das Ende der Welt, geschrieben 2015 von John Ironmonger passt 100% auf corona-heute, bin erst halb durch und gespannt, wie es ausgeht.

    1. Ja du, von mir aus sollen die gern in Stuttgart bleiben. Nur in zwei Wochen machen die wieder einen Ausflug nach Berlin. Ich find ja in Ordnung für „Freiheit“ zu demonstrieren, wenn man „eingesperrt“ oder „eingeschränkt“ ist. Aber dem Ländle geht‘s doch im Großen und Ganzen.

      1. Nach der letzten Demo hab ich eine Frau getroffen, die da gerade zufällig vorbei lief. Wir kannten uns gar nicht, aber sie war so verstört von den Demonstranten, dass wir uns ne halbe Stunde über Corona und AfD und Menschen überhaupt unterhalten haben. Berlin ist eine kleine Oase in Deutschland – diese Protest-Spakos brauchen wir hier nicht (aber das darf man wohl nicht laut sagen).

      2. Na ja, mal sehen, was da so anrollt in zwei Wochen. Ich habe mir fest vorgenommen, mir das mal mit eigenen Augen anzusehen

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