126) Corona-Lektionen 35

Jedes Kleinkind hat‘s mittlerweile kapiert und kann es textsicher aufsagen: Maske auf und 1,5 m Abstand. Ich bin ja bekanntermaßen kein Virologe, aber ich bin überzeugt, dass wir mit diesen beiden einfachen Maßnahmen eine Weile überbrücken könnten, bis endlich der Impfstoff da ist. Könnten wohlgemerkt.

Ein Teil der Mitmenschen ist dazu aber schlichtweg zu blöd. Und mit Habgier, Faulheit und Egoismus infiziert. Tut mir Leid, dass so sagen zu müssen, aber anders kann ich es mir nicht erklären.

Drei ausgewählte Situationen aus den letzten Tagen:

Ich stehe an der Ausgabe eines Imbisses und bezahle meine „Bocki“. Vor meiner Nase trennt mich eine halbe Glasscheibe von der Bedienung in der Hütte. Unter der Glasscheibe wurden noch ca. 40 cm Luft gelassen, um eben Speisen und Geld zu tauschen. Ich verstaue mein Geld und will mir meine Bocki auf‘m Pappteller greifen. Da kommt ein Typ von der Seite, sagt „Tschuljung“, steckt seinen Specknacken unter der Glasscheibe in den Imbiss und fragt „Kann ick noch mal zweimal Besteck haben“.

Warum du Blödmann ist da wohl ein Glasscheibe und warum aerosolst du das Wort Besteck so feucht auf meine Bocki?

Ich warte noch einmal in der Schlange vor dem Eisladen gleich neben dem Imbiss, lasse vor mir die circa 1,5 m Abstand zum Vordermann. Oder mehr, ist aber auch egal. Die Geschwindigkeit des Vorankommens wird schließlich durch den Ferien-Jobber an der Eis-Vitrine bestimmt, nicht durch die kompakte Aufstellung der Menschenschlange. Es geht weiter, aber ich träume etwas vor mich hin und schließe nicht sofort auf. Vor mir entsteht ein Abstand von 2 Metern. Dieser wird kurzerhand zur Transfer-Fläche erklärt. Ein Familien-Vater kreuzt die Schlange und trägt ein Tablet voller Speisen direkt vor mir auf Brusthöhe durch die Lücke.

Warum du fauler Sack, kannst du nicht einfach diesen aufgemalten Weg gehen? Stattdessen trägst du das Fritten-Zeug direkt vor meinem Corona-Auspuff vorbei. Soll ich mal kräftig in deine Armbeuge niesen?

Ich beobachte das Boarding eines Dampfers. Man ruft zum Einstieg für die Zwei-Stundenfahrt auf. Was bis eben noch wie eine halbwegs gestrechte Corona-Schlange aussah, entwickelt sich in kürzester Zeit zu einem gestauchten Touristen-Engerling. Der Durchschnitts-Teutone kann es auf den Tod nicht leiden, wenn vor dem Vordermann eine Lücke entsteht und wenn‘s „da vorn“ nicht weiter geht. Dann hält er panisch die Tickets in die Luft und rückt Anderen so dicht auf die Pelle, dass er bei der Gelegenheit gleich noch einen Abstrich von dessen Rachenraum machen könnte.

Warum ihr gierigen, von Neid und Torschluss-Panik durchtränkten Landsleute, könnt ihr nicht einfach mal die Füße stillhalten?

 

Also Leute, Corona ist gar nicht so hinterhältig, so unberechenbar oder so komplex. Corona ist einfach nur schlau und hat verstanden, wie es Zugang in die Körper der Deutschen bekommt.

Nicht Mund und Nase sind das Einfallstor, sondern Habgier, Faulheit und Egoismus.

Schönen Sonntag noch!

T.

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8 Kommentare zu „126) Corona-Lektionen 35

  1. Wir hatten Besuch und daher auch mal wieder auf den Dampfer gewartet, im Regen unter nem mini kleinen Dach. Kommt so’n süddeutsches Pärchen dazu, ohne Mundschutz, und drängelt sich so dicht dazu, dass man merkte, die waren auch ne Weile nicht mehr beim Sport. Und schwups standen wir im Regen, um ordentlich Abstand zu halten. Meine vernichtenden Blicke wurden sogar ignoriert. Hauptsache Mürzi wird nicht nass. Wie schwer ist es denn bitte einfach mal Rücksicht zu nehmen. Auf andere.

  2. Genau so ist es ! Ständig bin ich diejenige, die ausweicht, um den Mindestabstand zu halten, während die anderen es nicht tun. Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute denken, Corona sei vorbei. Meine besonderen Freunde sind die Radlfahrer. In unserer Nähe gibt es eine Fahrradstraße. Statt diese zu benutzen, fahren, auch die Erwachsenen, auf dem engen Bürgersteig und weichen nicht auf die Fahrbahn aus, wenn ich dort gehe ! Oder wenn es auf dem Waldweg eine Pfütze ist, dann fahren sie nicht etwa hindurch, um den Abstand zu halten sondern lieber dicht an dir vorbei 😡. Ich habe es aufgegeben, die Leute freundlich anzusprechen. Wenn es mir ein Bedürfnis ist, fluche ich laut ( auf Bayerisch: „Kruzifix“). Im übrigen empfehle ich: „Nicht ärgern, nur wundern“.

    1. Oh ja, solche Engpass-Situationen hat wohl jeder schon erlebt. Man macht einen Schritt zur Seite, um nem anderen nicht zu nahe zu kommen und er/sie marschiert, fährt, jogged mitten durch.
      Bitte doch, geschehen, jederzeit wieder!

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