74) Brauch‘ ick nich‘

Der Einzelhandel hat ordentlich zu kämpfen, wenn er gegen den Online-Handel bestehen will. Also denken sich Shopping-Center immer mehr Kleinst-Attraktionen aus, um die Menschen in die Konsum-Tempel zu locken. Krippen-Spiel zu Weihnachten, echte Hasen zu Ostern und diverses Mode-Schauen zwischendurch.

Aber auch auf den Gängen zwischen den Shops findet man zunehmend kleine Stände die „Zum Verweilen einladen“ oder „Vom zielstrebigen Einkauf abhalten“. Je nach dem wie man so dazu steht.

  • An einem Stand kann man sich die Finger-Nägel aufwändig bemalen lassen. Wüsste gar nicht was ich da draufmalen lassen sollte.
  • Ein paar Meter weiter werden Super-Curls in die Haare gedreht. Habe zwar noch genug Haare, aber für Curls reicht’s nun wirklich nicht.
  • Am nächsten Beauty-Booth gibt‘s die nötigen Extensions. Da würde ich dann zunächst wie Winnetou aussehen, bevor ich dann wieder zum Locken-Shop zurück gehe und mir Locken machen lasse, bis ich aussehe wie Costa Cordalis (R.i.P.)
  • Weiter vorn kann man sich die Iris scannen lassen und dann auf ein Poster drucken. Niemals lasse ich ohne Androhung von Gewalt meine Iris durchleuchten! Danach habe ich dann keine Iris mehr oder jemand anders hat sie dann.
  • Auf einer anderen Etage kann man sein Ebenbild in Klein erschaffen. Mit einem 3D-Drucker. Damit man nicht nicht so klein wird wie ein Schlumpf oder so kräftig wie der Obelix, kann man mit ein paar Maus-Klicks seinen BMI optimieren, bevor es ans Gedruckte geht.
  • Den neuesten Kick, zumindest für mich, gab es wenige Minuten später. Eine junge Dame tauchte dort Snacks in flüssigen Stickstoff. Von dieser „Komposition“ kann man dann eine Schale kaufen und nach jedem Bissen rauchen wie ein Drache. Oder einen Notarzt rufen, weil die halbe Zunge weggefroren ist oder die Fressluke nun hoch bis zu den Ohren reicht. Toll gemacht.

Also früher, da hieß es im Laden ja häufig „Ham‘ wa‘ nich“. Heute sag ich eher „Brauch‘ ick‘ nich“.

<— Mehr aus unserer verrückten Welt

4 Kommentare zu „74) Brauch‘ ick nich‘

  1. tja, shoppen als erweitertes Universalerlebnis, Erich Kästner hatte vor bald 100 Jahren da noch ein paar entwicklungsfähige Ansätze; schau mal in „die sogenannten Klassenfrauen“

  2. Kurz nach „ham wa nich'“, kam dann aber nochwas! Das: „müss ma bestellen!“
    Der Rest, hat sich inzwischen eher in die Richtung Basar entwickelt. Wir sind schon lange wieder von echten Fachmärkten weg, trudeln eher wieder Richtung Ramschmärkte und Greisslereien.
    Keiner hat mehr Geld, aber dafür steigen die Möglichkeiten, das Geld auszugeben, das man nicht hat.

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