43) Wer braucht das alles?

Als man mir zum ersten Mal die Grundzüge unserer Wirtschaftsordnung verklickerte, sprach man viel von „Angebot und Nachfrage“.

Irgendwie hatte ich das für mich so abgespeichert, dass es eine Nachfrage gibt und daraufhin ein Angebot entsteht. Irgendwie logisch. Menschen würden sich irgendetwas wünschen, ein Bedürfnis haben, irgendeinen Mangel beklagen und irgendwer baut das Ding genau in der Menge wie es verlangt wird. Vielleicht noch etwas mehr. Etwas Reserve, etwas Auswahl an Farben und Design. Alle happy. Heute weiß ich, dass das naiv war. Nicht umsonst steht das Wort „Angebot“ vor dem Wort „Nachfrage“. Und die Effekte daraus, kann man überall sehen.

Es werden täglich Angebote auf den Markt geschmissen, bei denen niemand ahnte, jemals eine Nachfrage danach entwickeln zu können. Selbst beim besten Willen nicht. All das Zeug wird erdacht, finanziert, entwickelt, gebaut, getestet, verpackt, gelagert, transportiert, verschifft, wieder transportiert und in die Regale der Welt gestellt. Klassisches Regal oder Online-Regal. Wurscht. Da liegt das Zeug dann herum. Wenn das keiner haben will, wird es zusätzlich beworben, zwei Teile zum Preis von einem verhökert oder der ganze Krempel über Rabattaktionen in die Haushalte geschleppt. Das ändert aber nichts daran, dass man vieles von dem gar nicht haben wollte. Nicht mal für den halben Preis. Nicht mal als Geschenk. Was soll ich damit?

Und all das, was zum Saisonende nicht unters Volk gebracht wurde, wird verbrannt, zerbröselt oder auf einer Halde verkippt. Am besten im Ausland. Weit weg. Großartig. So viel zu den Fragezeichen aus der Ökonomie. Aber das interessiert kaum jemanden. Da hängt ja Wachstum und Arbeit dran. Was soll man sonst machen?

Vielleicht bringt die Ökologie noch einmal Druck in die Diskussion. Wie viel Energie wird investiert, um so viel Billo-Plastik-Dämlich-Dreck-Schrott-Stehtnurrum-Brauchkeinmensch-Mist-Zeug herzustellen, um all das zu transportieren, was niemals in meine Wohnung kommt und um es dann letztlich wieder zu entsorgen?

Nun, bin ich kein Wirtschaftsphilosoph mit beachtlichem Vollbart. Aber ich wage mir anzumaßen, zu glauben, dass da etwas nicht stimmt.

6 Kommentare zu „43) Wer braucht das alles?

  1. Das mit der Nachfrage funktioniert eben so: Gekonntes Marketing sagt dir, was deine Bedürfnisse sind und schafft die Nachfrage. So verkaufen sich Produkte, die niemand braucht in einer Menge, die auch niemand braucht. Klar wird viel weggeschmissen, ich vermute das war schon immer so, nur nicht in der DDR.
    Man darf nicht ganz vergessen, dass all die produzierten Artikel auch Arbeitsplätze bedeuten, und Steuereinnahmen. (Nicht dass ich die Konsumgesellschaft toll finde, nur eben schwer zu vermeiden)

    1. Ja, so ist das. Bin mal gespannt wie das weiter geht. Vor dem Hintergrund der Klima-Thematik können wir nicht auf Dauer Ressourcen verbrauchen, für Zeugs dass keiner braucht, nur um die Menschen zu beschäftigen. Keine Lösung parat…nur Fragen

  2. Du hast recht, Wirtschaft funktioniert inzwischen in umgekehrter Reihenfolge. Aber ganz ehrlich, es liegt an uns! Was brauchen wir schon – und was haben wir alles zuhause….. Dieser Überkonsum sichert unseren Wohlstand. Ein bisschen weniger von allem würde uns jedoch gut tun.

    1. Absolut einverstanden. Ich kaufe ja schon vieles von diesem Zeugs gar nicht, nur wann merken es die Hersteller? Und am besten „bevor“ sie den Krempel bauen und Ressourcen verbrennen.

      Weißt du, wenn nach dem Kauf wenigstens irgendein Bedürfnis gestillt wäre. Und sei es auch nur „Luxus“ oder „Komfort“. Immerhin.

      Aber vieles vom dem Zeug, macht einfach nur … nichts.

  3. Wie schon von Petraida erwähnt, es liegt an jedem von uns. Interessant ist ja eigentlich, dass die Konsumenten in der Mehrheit sind und von heute auf morgen es entscheiden können, aber wie heißt es so schön, der Mensch ändert sein Verhalten nur aufgrund von zwei Gründen, durch Einsicht oder eine Katastrophe…hoffen wir mal auf Ersteres. Liebe Grüße, Kerstin

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