30) Friedensglocke

Auf meiner Jogging-Tour komme ich meistens an der Friedensglocke im Volkspark Friedrichshain vorbei. Diese Glocke und der Pavillon drumherum wurden Ende der 80-er Jahre errichtet und erinnern an die Atombombenabwürfe in Japan.

Und wie auch andere Denkmäler in der Stadt, hat es die Friedensglocke in diesen Zeiten echt nicht leicht:

  • Anfänglich war noch ein schwingender Stamm installiert (… wie heisst so etwas doch gleich?), mit dem man die Glocke anstoßen konnte. Das klang dann durch den ganzen Park. Wirklich beeindruckend. Dieser Stamm wurde dann aber bald wieder abgebaut, vermutlich hatten irgendwelche Krawallos zu oft damit geläutet. 
  • Dann hatten sich andere Idioten großen Äste, Stämme und Steine aus dem Park besorgt und auf die Glocke eingedroschen, um sie zum Klingen zu bringen. Was für ein Spaß, nicht war? Das bekam der Anlage auch nicht gut.
  • Kriminelle hatten 2012 sogar große Kupferteile vom Dach geklaut, um diese zu versilbern. Da erging es dem Pavillon ähnlich wie z.B. dem großen nackten Athleten aus Bronze, am anderen Ende des Parks, dem schon vor Jahren der Speer geklaut wurde.
  • In den letzten Jahren hat das Bauwerk dann weiter gelitten, obwohl sich ein kleiner Verein für die Pflege und Erhaltung engagiert hat. Die Anlage wurde mehrfach bemalt, besprayed, als Bier-Lager und Schlafmöglichkeit genutzt.
  • Vor kurzem war die Friedensglocke nun ein paar Wochen eingezäunt. Für Bauarbeiten. Das Baugerüst ist jetzt wieder abgebaut und die Anlage scheint erst einmal wieder in Ordnung zu sein. Eine Info-Tafel erinnert aber an den Diebstahl des Kupfers und stellt klar, dass stattdessen nur kupferfarbene Ersatzstoffe verarbeitet wurden. 

Also wenn das so weiter geht, ist bald nichts mehr von Pavillon und Glocke übrig. Irgendwann muss man überlegen, ob man da nur noch einen Stein aufstellt mit der Inschrift: 

„Dieser Stein ist ein Mahnmal für ein anderes Mahnmal, was ursprünglich mal hier stand, um an die Atombombenabwürfe in Japan zu gedenken.“ 

Ist das nicht krank?

PS1: Am 6. August gedenkt man nun wieder den Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki. Ich hoffe, dass die Glocke bis dahin verschont bleibt und jemand diesen Stamm aus dem Rathaus mitbringt, um die Glocke wieder läuten zu hören.

PS2: Wenn jemand der Leser mir bitte sagen könnte, wie so ein waagerecht schwingender  „Stamm“ heißt …?

Frühere Beiträge zum Umgang mit Denkmälern:

Ein Kommentar zu „30) Friedensglocke

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