44) Container-Wechsel

Irgendwann sind die Kids den Dingen entwachsen, das gilt für die Wohnung, wie auch für das Wochenend-Häuschen. Dann bedarf es eines Befreiungsschlags. Kinderstühle und -Tische aus Plastik und Holz sollen zum Müll (… bitte keine Kommentare hier bezüglich „kann man ja noch brauchen“ und „Plastik im Allgemeinen“ … das Zeug ist nun mal leider da … und keiner von euch wollte es haben)

Ein kurzer Abriss der Geschichte:

  1. Ich hasse es, wenn Leute ihr Zeug auf der Straße abstellen. Bitte auch keine Kommentare dazu, ihr werdet mich nicht überzeugen. Nie und nimmer. Müll bleibt Müll und wird keine gutgemeinte Spende.
  2. Wir fahren zum Recycling-Hof der 11.000-Seelen-Gemeinde und ich grüße den Chef vom Dienst.
    Ich: „Tachchen … ich hätte da ein paar Kinder-Gartenmöbel“.
    Er: „ Das ist aber schlecht“.
    Ich: „Und was heisst das jetzt?“
    Er: „Nehm‘ wa‘ nich‘ mea‘, nur noch Kleinmengen hier … seit 1,5 Jahren schon“.
    Ich: „Aber Kindermöbel sind doch klein.“
    Er: „Is‘ ejal, und mit den‘ Berliner Kennzeichen eh schwierich‘.“
    Ich: „Und was kann ich nun tun?“
    Er: „Sperrmüll nur noch in Spindlersfeld und Köpenick, oder besser gleich nach Mahlsdorf mit den’ Kennzeichen da. Tut mia‘ Leid“.
    Ich: „Danke für den Tipp, kannst’e ja och nüscht füa‘“.
  3. Mein Kopf-Navi springt an. Spindlersfeld? Das ist doch locker eine Stunde Anfahrt … und auch noch mit einem Diesel! Ist das so gut für den Planeten?
  4. Besser also vielleicht doch nach Mahlsdorf. Um nicht exklusiv für den Müll dorthin zu düsen, verbinden wir das mit einer anderen Aktivität. Kurz vor 11:00 Uhr fahren wir beim Recycling-Hof vor. Noch nicht mal die Klappe geöffnet, sperrt ein Mann in Orange direkt vor uns die Zufahrt. „Container-Wechsel“.
  5. Über zwanzig Minuten beobachten wir nun, wie nur ein (!) LKW die Container tauscht. Die Schlange hinter uns reicht schon bis zurück zur Hauptstraße. Von den orangen Männern auf dem Gelände, ist nur noch einer zu sehen. Er sitzt im Häuschen und guckt uns aufs Nummernschild. Alle anderen sind bestimmt auf einer „Besprechung“.
  6. Ich schaue mich so um und sehe sofort zig Dinge, die man dort trotz Container-Wechsel tun könnte. Zum Beispiel den Hof fegen, schon mal die nächsten fünf Autos abfragen, was sie den zu bringen gedenken. Oder wenigstens eine Zigarette rauchen oder mal kräftig ins Brötchen zu beißen. Aber einfach nur „da sitzen und nichts tun“, macht mich selbst im Urlaub fix und fertig.
  7. Kurz vor halb zwölf dürfen wir endlich auf den Hof fahren. Eine Berliner Einweisung, wie immer sparsam an Worten: „Plastik zu die Hartkunststoffe links‘, dit‘ Holz zu den’ Altholz rechts.“ „Alles klar, verstanden“.

Wenn man seinen Schrott eben nicht in den Wald schmeißen oder vor die Tür stellen will, warum wird es einem so schwer gemacht, das Zeug vernünftig zu entsorgen …?

Frühere Beiträge zum Thema:

6 Kommentare zu „44) Container-Wechsel

  1. Weil jeder, der eine Uniform anhat (und sei sie auch nur orange 🙄 ), es genießt, seine „Macht“ auszuspielen. Wenn man schon zu Hause, oder beim Bäcker nix zu sagen hat…

    Viele liebe Grüße,
    Werner

  2. In der Schweiz müsst du noch bezahlen für die Entsorgung. Berechnet nach Kilo! So wird immer wieder im Wald entsorgt 😢! Hier in Indien bekommt man Geld für Papier, Karton, PET-Flaschen,… daher kippen die Müllsammler den Container immer wieder um, so können sie den Müll besser durchwühlen.

    1. Unglaublich oder? Im hochzivilisierten Europa schmeißen manche Leute ihren Dreck in den Wald (neulich in Franken eine ganze Einbauküche dort angetroffen), andere suchen im Müll. Mehrfach. Und natürlich die Kids mittendrin…

  3. Oh ja, der Container-Wechsel gegen Mittag, der kann nerven; ich wohne selbst in Mahlsdorf, habe es recht nah dorthin und meide diese Zeit; ansonsten finde ich das BSR-Annahme-Konzept gut und man sieht´s ja auch an den doch vielen Nutzern, dass es praktikabel ist.

    1. Ich finde das Konzept auch gut, nur könnte es noch mehr davon geben. Die Hemmschwelle bzw. Aufwandsschwelle sollte gering sein, so dass die Leute einfacher das Gelump fachmännisch entsorgen lassen können, bevor sie Ihre Keller oder gar die Straßen damit vollmüllen

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