24) Think different in Afrika

Nein, hier gehts nicht um das berühmte Kern-Obst aus Cupertino. Die folgende Geschichte, versuche ich mir immer dann ins Gedächtnis zu rufen, wenn ich konzeptionell feststecke. Wenn ich das Gefühl habe, vor einer Wand zu stehen, die ich irgendwie durchbrechen muss.

Südafrika 2005, Krüger-Park: Unser Guide hieß Terry und mit ihm fuhren wir in einem weißen Bulli durch den National-Park. Den ganzen Tag auf den Spuren der „Big Five“. Vier von denen hatten wir schon abgehakt, es fehlten nur noch die Löwen. Aber irgendwie wollten sich keine Großkatzen zeigen. Über Buschfunk erfuhr Terry aber dann doch von einer Stelle, wo ein Löwen-Paar im Gras liegen sollte. Also los. Ein paar Minuten später waren wir auch schon dort angekommen. Und Tatsache, links im hohen Gras lagen zwei große Katzen. Sie waren faul und ließen sich ausgiebig fotografieren. Nach dieser Foto-Session, deutete Terry auf die Uhr und machte uns klar, dass wir mal so langsam aufbrechen sollten. Bis zum Ausgang, müssten wir noch eine Weile fahren. Gesagt, getan.

Nur kamen wir nicht weit. Vor uns stand ein anderer weißer Bus am Weg-Rand. Ganz allein. Um den Bus herum hüpften ein paar Kinder, zwei Frauen musterten die Bus-Seite, die von der Straße abgewandt war. Irgendwie stand der Bus schief. Wir hielten natürlich an und kapierten schnell, dass der Bus einen Platten hatte. Wir boten unsere „fachmännische“ Hilfe an, taten uns aber schwer, deren Wagenheber zu platzieren und den Bus anzuheben. Das war die rein technische Herausforderung für uns Männer. Die andere war das hohe Gras in unserem Rücken, was mich noch mehr beunruhigte. Sind die Löwen immer noch da, noch faul oder schon wieder hungrig? Sie waren nicht mehr zu sehen. Gut oder nicht gut? Wir versuchten verschiedene Ideen, aber der Wagenheber passte irgendwie nicht an die Bodenplatte des Busses. Auf einmal näherte sich eine Herde Elefanten. Gar nicht gut. Die Löwen waren vermutlich weg, aber wilde Elefanten mit Jungtieren im Gefolge, will man nicht im Wege stehen.

03_067Die Kinder, die Frauen und wir zwei Kerle sprangen in die Busse und warteten angespannt ab. Die Herde trottete vorbei und wir konnten uns wieder dem dämlichen Wagen-Heber widmen. Aber wie wir es auch anstellten, es ging nicht voran. Weder mit Gefühl, noch mit Gewalt. Ich nahm Terry beiseite und befragte ihn nach Optionen, denn es wurde merklich später und dämmerte bereits. Der Krüger-Park ist nicht der Serengeti Park in Niedersachen! Gibt es denn einen Pannendienst, fragte ich. Park-Ranger vielleicht? Andere Guides, die er anrufen könnte? Er wackelte mit dem Kopf. Ja, die gäbe es natürlich aber unter 2-3 Stunden würde keiner dort eintreffen. Mir war das immer noch lieber, als mit einer Hand voll Kindern in der Wildnis zu übernachten, aber wir ließen uns von Terry‘s optimistischer Art beruhigen. Aber er wirkte auch etwas ratlos, wenn er auf den Wagenheber blickte. Aber dann kam eine der Frauen und sagte so etwas wie “… wenn wir das Rad nicht in die Luft kriegen, können wir dann nicht unter dem Rad etwas Luft schaffen?…“ Ähhhmm, what? So wechselt man aber keinen Reifen! Das macht man mit einem Wagen-Heber!

Das war ihr aber herzlich egal. Sie begann, mit einem Schraubendreher den harten Boden unter dem defekten Reifen aufzupicken, bis eine kleine Kuhle darunter entstand. Nach einer Weile, schwebte das Rad und wir konnten das Ersatzrad montieren.

Mehr muss ich jetzt nicht schreiben, oder?

 

 

7 Kommentare zu „24) Think different in Afrika

  1. Hallo, ein toller Beitrag und Denkanstoß!
    Und typisch Frau…. – keine Angst als ‚unproffessionell‘ da zu stehen und mit einfachen Mitteln, die man hat, das Problem einfach lösen.

  2. Zitiere; …. Wenn ich das Gefühl habe, vor einer Wand zu stehen, die ich irgendwie durchbrechen muss…..

    Idee: Hör auf zu „denken“ – stell keine Überlegungen mehr an, wie etwas funktionieren könnte. Such Dir bei You Tube ein Video zum Abschalten…..und hab ein wenig Geduld 😀 hmm…ein wenig nur 🙂

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