38) Zahnarzt

Wenn es um Zahnarzt-Besuche geht, bin ich eine echte Pfeife. Ein Weichei, ein Schisser, eine Flachzange, ein Drückeberger… die deutsche Sprache ist da recht vielfältig. Allein die telefonische Termin-Vereinbarung kann sich etwas hinziehen. Es gibt immer genug Gründe, diesen einen Anruf noch etwas hinauszuschieben. Viel Arbeit und „andere wichtige Projekte“ zum Beispiel. Aufgrund einer anstehenden Asien-Reise, musste ich nun doch mal zum Hörer greifen, denn vor Ort wollte ich bestimmt nicht zum Zahnarzt gehen. Als die Hürde des Anrufs aber erst einmal gemeistert war, trat sofort Erleichterung ein. Mein innerer Schweinehund war zunächst überwunden. Aber damit begann die Qual ja eigentlich erst. Zunächst war der Termin noch wochenlang entfernt, es gab noch viele andere schöne Dinge bis dahin. Dann waren es nur noch ein paar Tage bis zum Zahnarzt-Besuch, dann auf einmal war der Termin … „heute“. Heute schon?

Schon beim Gedanken daran, werden meine Hände feucht und kalt. Ich gehe also auf die Praxis zu und erhoffe ein Schild mit der Aufschrift  „wegen Krankheit bis auf weiteres geschlossen“. Das Schild fehlt aber und alle Türen springend summend auf. In der Praxis bin ich der Einzige und werde freundlich begrüßt. Eine kurze Ruhe-Pause wird mir noch gegönnt, dann ruft man mich ins Zimmer 1. “Machen Sie es sich bequem“.

Nun geht alles Schlag auf Schlag. Eine Betäubungs-Spritze ins Zahnfleisch, dann zunächst der kleine „fiepende“ Bohrer und dann der große „rubbelnde“ Bohrkopf, der meine Schädeldecke zum Vibrieren bringt. Zum Finale folgt noch ein Bohrer mittlerer Größe, der ganz laaaaaangsaaaam und  ausführlich das neue gebohrte Loch durchwühlt, um wirklich aaaaaaaalles zu erwischen und ans Tageslicht zu befördern. Es ist ein furchtbares Geräusch. Es ist ein „Kratzen“, „Schleifen“, „Feilen“, „Schleifen“… und da ist die deutsche Sprache auf einmal sehr arm an Wörtern.

Der Arzt ruft der Schwester ständig irgendwelche Abkürzungen und Nummern zu? Ist das etwa das Material, was er als nächstes benötigt oder sind das bereits die Nummern der Zähne, die in den nächsten Wochen noch dran sind. Ich kann nicht fragen, ich habe ein Pfund Watte-Stäbchen im Mund und einen Schlauch, der literweise „Sabber“ absaugt. Wo fließt die eigentlich hin, versuche ich mich abzulenken. Gibt’s im Keller etwa einen großen „Sabber“-Behälter, der einmal im Monat abgeholt wird und zu Frischwasser aufbereitet wird? 

Mein Kopf brummt und meine Ohren klingen, aber das Schlimmste scheint überstanden. Noch etwas Schmiere in das Loch, dann die Füllung rein, Heizlampe drüber und nur wenige Momente warten. Schon erstaunlich, was die Werkstoffe heute so ermöglichen. Nun noch mehrmals zubeißen und etwas nachschleifen, bis die Zähne oben und unten wieder aufeinander liegen und klappern können. Geschafft. Nach gut einer Stunde darf ich wieder aufstehen. Noch etwas wackelig auf den Beinen, verspreche ich Arzt und Schwester, mich bald wieder zu melden. Ernsthaft. Diesmal wirklich. Versprochen…

Ich torkele auf die Straße, laufe zur Tram und denke nach:

  • Wann gibt es endlich die ersten Nano-Roboter? Ich wüßte sofort einen Anwendungsfall.
  • Was kann man nur gegen diese Geräusche machen? Vielleicht Ohrschützer von der Baustelle besorgen?
  • Und warum muss im Praxis-Radio „103.6 LTR, Achim und das Morgen-Team“ laufen? Die ganze Bohren ist doch nun schon echt anstrengend genug, oder?

Bin ich hier der einzige Schisser?

 

 

6 Kommentare zu „38) Zahnarzt

    1. Ach herje. Dann viel Erfolg. Habe heute mir so überlegt, dass ich vielleicht nur die Sichtweise ändern muss. Zum Beispiel mit der Frage: „Wie kann ich für einen Fix-Preis so viel wie möglich „Event“ bekommen“. Wenn man es so betrachtet, war es ganz ordentlich. Ich meine, stellt euch vor, man legt ein paar Scheine auf den Zahnarzt-Tisch und dann passiert nichts. Wäre ja auch doof, oder? Probiere es mal aus und berichte gern hier… 😉

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