29) Automated Landing

„Bing. Liebe Fluggäste, Sie haben es vielleicht schon bemerkt, wir fliegen deutlich langsamer als üblich“. So ungefähr beginnt der Flug-Kapitän seine Ansprache zu uns nach hinten in die Kabine hinein. Das Wetter In München habe sich unvorhergesehen verschlechtert, die Wolken hängen dort sehr tief. Es herrsche sehr schlechte Sicht am Flughafen, informiert er. Die Sicherheitsabstände zwischen den Landungen wurden bereits von der Flugsicherung vergrößert, wir werden uns auch in eine Warteschleife einfädeln müssen. Es wird Verzögerungen geben. Für solche Situationen sei eine Standard-Prozedur namens „Automatic Landing“ vorgesehen, der wir nun strickt folgen müssen. Na großartig, dass geht ja schon wieder gut los. Für dieses Automatic Landing sei es ganz wichtig, dass die Elektronik an Bord nicht gestört wird. Daher müssen diesmal alle elektronischen Geräte wirklich ausgeschaltet sein, sobald die Anschnallzeichen erleuchten. An mir soll es nicht liegen. Mein Handy wird uns nicht zum Absturz bringen. Der Computer hat mittlerweile die Steuerung übernommen, das merkt man. Der Flieger fliegt eine schnurgerade Linie, die Geschwindigkeit bleibt exakt gleich und Kurskorrekturen erfolgten präzise wie bei einer Herz-OP. Die Anschnallzeichen leuchten nun auf, ich schalte meine elektronischen Geräte ab und schaue nach links und rechts, ob meine Sitznachbarn nachziehen. Und siehe da. Sie tun es tun es. Das beruhigt. Kaum geht es uns Menschen ans Leder, können wir mal für 15 Minuten unsere Wisch-Finger vom Gerät lassen. Die Räder werden ausgefahren, aus dem Fenster kann ich schwache rote Lichter sehen. Sind das noch die roten Warn-Leuchten auf Häusern oder bereits die roten Lampen an der Landebahn? Touchdown. Gar keine Zeit, mir die Frage selbst zu beantworten. Es waren dann doch schon die roten Leuchten auf der Erde. Der Computer geht auf die Bremse, nicht ganz so ruppig wie ein menschlicher Pilot, aber doch mit Nachdruck. Gut gemacht. Das war eine sehr sanfte Landung. Ehrlich gesagt, sogar gar besser ausgeführt als von Menschen-Hand. Die Passagiere um mich herum zücken sofort wieder ihre Telefone. Mir fliegen ein paar Dinge im Kopf herum.

  1. Dass man Robotern zunehmend einfache und monotone Aufgaben übergibt, ist ja bekannt. Also zum Beispiel so etwas wie 5.000 km geradeaus fliegen.
  2. Dieser Anflug aber, war aus einem wetterbedingtem Sonderfall entstanden, den man anscheinend mittlerweile auch lieber den Computern überlässt, als den erfahrenen Piloten mit tausenden Flugstunden. 
  3. Können die Computer-Flugzeiten künftig noch als Flugstunden im Sinne der Flugpraxis und Erfahrung angerechnet werden?
  4. Und wenn die Flugzeuge künftig immer mehr von Computern gesteuert werden, kann man dann eigentlich nach erfolgter Landung noch klatschen, wenn’s echt mal kritisch war? Oder tippt man nur noch auf einen „Gefällt mir“-Button in der Flugzeug-App?

Happy landing! Like it!

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3 Kommentare zu „29) Automated Landing

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