16) Paket-Dienst

Ich kann schon fast die Zeit danach stellen, so regelmäßig habe ich das Vergnügen. Häufig arbeite ich im Homeoffice und bin gerade mit irgendwem auf der Welt im Gespräch. Zum Beispiel mit Mohammed aus dem nahen Osten und Kumar aus Indien. Dank der heutigen Technik geht das alles. Wir können sprechen, die Kamera einschalten oder uns gegenseitig unseren Bildschirm zeigen. Durch die Funk-Kopfhörer kann ich mich sogar 10 Meter vom Rechner entfernen. Ab circa 11:30 Uhr beginnt das Schauspiel. Es klingelt an der Wohnungstür und ich entschuldige mich bei Mohammed und Kumar für das laute Geräusch. Ich nehme beide auf meinen Ohren mit zur Tür, schalte aber mit einer Taste am Headset das Mikro stumm. Dann öffne ich die Tür und begrüße den Mann von DHL oder Hermes. Je nach dem wer zu erst klingelt. Im besten Fall reicht der Bote nur das Paket durch die Tür und ich kann die Stummschaltung schnell zurücknehmen. Im zweitbesten Fall unterschreibe ich nebenbei mit dem Fingernagel auf dem Handy des Boten und bin bald fertig. Im schlechtesten Fall hat er eine Sackkarre voll mit Päckchen fürs ganze Haus dabei, die nun alle einzeln gescannt werden müssen. Das kann dauern. Dann fragen Kumar und Mohammed schon ungeduldig. „What do you think about that, Tobias“. Ich bin aber stumm. Kumar fragt, „Tobias, are you still there?“ und „We can‘t hear you anymore“. Ich nehme die Stummschaltung schnell zurück und will ein Lebenszeichen von mir geben. Bevor ich zu Wort komme, spricht nun aber der Bote. „Ich hab da noch was für Kowalski im Nachbarhaus, können sie das auch annehmen?“. In meinem Kopfhörer höre ich Mohammed fragen: „Sorry Tobias…what is Kowalski… I don‘t understand“. Kumar sagt: „Could you please spell that, Tobias? You mean Kowalski…with K, like in King, right?“. Dann sage ich schnell „Mohammed, Kumar, one moment“. Nun guckt mich der Bote fragend an und fühlt sich verschaukelt. Ich deute auf meine Ohren und flüstere zu dem Boten, „bin im Gespräch“. Er versteht und nickt. Aus dem Kopfhörer kommt dann: „Why are you whispering, Tobias?“ und „Is there someone else we should know?“ und „is this Kowalski speaking there?“. Wie komme ich da nur wieder raus. Vielleicht sollte ich einfach nur sagen; „sorry guys, my wife…you know…“. Das würden sie bestimmt verstehen.

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3 Kommentare zu „16) Paket-Dienst

  1. Na wenigstens klingelt der DHL-Mann noch bei dir und steht persönlich vor der Tür… hier hat er sich zur Angewohnheit gemacht einfach vorbeizufahren und einen lieben Info-Gruß mit: „Sorry, habe geklingelt aber keinen angetroffen“ zu hinterlassen.
    Pfffffffffffffffffffffffffff…..
    LG

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